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Diphthong

Die bekanntesten Schreibungen von Diphthongen im Deutschen sind ei, au, äu und eu; selten sind ai, oi und ui. Diphthonge kommen in nahezu allen Sprachen vor.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Definition und Abgrenzung
  2. 2. Arten von Diphthongen
  3. 3. Diphthonge im Standarddeutschen
  4. 4. Seltene Formen, Lautentwicklung und Phonologie
  5. 5. Rechtschreibung und andere Sprachen
  6. 6. Medizinische Nebenbedeutung

Definition und Abgrenzung

Ein Diphthong ist ein Doppellaut aus zwei verschiedenen Vokalen, die gemeinsam zu einer einzigen Silbe gehören. Gleichbedeutende Bezeichnungen sind Doppellaut, Zwielaut und Zweilaut. Diphthonge kommen in nahezu allen Sprachen vor.

Von einem Diphthong ist der Hiat zu unterscheiden. Bei einem Diphthong gehören beide Vokale zu derselben Silbe, etwa in aus oder lei-se. Bei einem Hiat treffen die Vokale an der Grenze zwischen zwei Silben aufeinander, etwa in Cha-os, Rotari-er, Radi-o, Bo-a und Ru-ine. Diese Unterscheidung wirkt sich auch auf die Worttrennung aus: Diphthonge dürfen am Zeilenende nicht getrennt werden, bei einem Hiat ist eine Trennung zwischen den Silben zulässig.

Arten von Diphthongen

Diphthonge lassen sich nach der Gewichtung ihrer Bestandteile und nach der Bewegung der Zunge einteilen:

• Bei fallenden Diphthongen liegt das Hauptgewicht auf dem ersten Teil. Die Zunge bewegt sich von „unten“ nach „oben“. Dazu gehören die deutschen Diphthonge au und ei.

• Bei steigenden Diphthongen liegt das Gewicht auf dem zweiten Teil; die Zunge bewegt sich von „oben“ nach „unten“. Ein Beispiel ist französisch [wa] in loi.

• Bei zentrierenden Diphthongen bewegt sich die Zunge in Richtung eines Mittelzungenvokals. Beispiele sind englisch [ɪə̯] in pier und alemannisch [iə̯] in Lied.

• Bei schwebenden Diphthongen verläuft die Zungenbewegung horizontal, etwa bei deutsch [uɪ̯] in hui und pfui.

Bisweilen werden außerdem lange und kurze Diphthonge unterschieden. Im Berndeutschen stehen beispielsweise [aːu̯] und [au̯] einander gegenüber, wie in Schtaau „Stahl“ und Schtau „Stall“. Der Artikel weist darauf hin, dass seine Beschreibung dieser Typen unvollständig und teilweise unverständlich ist.

Diphthonge im Standarddeutschen

Zu den üblichen Diphthongen des deutschen Lautsystems gehören:

• [aʊ̯] wie in Haus • [aɪ̯] wie in Leim, Mais, Speyer und Mayer • [ɔɪ̯] wie in Heu, Läufer und Ahoi • [uɪ̯] wie in Pfui!

Besonders bekannte Schreibungen sind au, ei, eu und äu; ai, oi und ui kommen seltener vor.

Eine besondere Rolle spielt das Tiefschwa [ɐ], ein fast offener Zentralvokal. Am Silbenende kann es als Aussprachevariante eines konsonantischen auslautenden [ʁ] auftreten. Aus artikulatorischer Sicht können deshalb auch Verbindungen wie [iˑɐ̯] in wir oder Bier, [yˑɐ̯] in für oder rührt, [uˑɐ̯] in nur oder Uhr, [eˑɐ̯] in Meer, [ɛˑɐ̯] in Bär, [aːɐ̯] in Haar, [aˑɐ̯] in hart, [øˑɐ̯] in Öhr oder Frisör und [oˑɐ̯] in Ohr als Diphthonge betrachtet werden. In einer Reduktionssilbe, also einer unbetonten und lautlich abgeschwächten Silbe, ist [ɐ] dagegen ein einfacher Vokal, beispielsweise in Kinder [ˈkɪndɐ].

Seltene Formen, Lautentwicklung und Phonologie

Einige Diphthonge stehen am Rand des deutschen Wortschatzes oder kommen vor allem in Dialekten vor. [uɪ̯] erscheint in pfui!, in Uigure und im Oberbayerischen, etwa in vui z’vui Gfui „viel zu viel Gefühl“. In Fremdwörtern finden sich [ɛɪ̯] wie in Mail, Spray und Schwejk, [oʊ̯] wie in Show, Soul und Toast sowie [oa̯] wie in Toilette.

In manchen Eigennamen bezeichnet die Buchstabenfolge <ie> nicht [iː], sondern den Diphthong [iə]. Im Namen Ziesar wird das e deshalb getrennt vom i ausgesprochen; darin wirkt die slawische Herkunft von za jezero „hinter dem See“ nach. Eine diphthongische Aussprache kommt auch in bairisch-österreichischen Ortsnamen wie Lienz und Dienten sowie in alemannischen Namen wie Brienz und Spiez vor.

Der ursprüngliche Diphthong „ie“ wurde in den mitteldeutschen Dialekten bereits ab dem 11.–12. Jahrhundert zu einem einzelnen Vokal, also monophthongiert. Im Bairischen und Alemannischen blieb er erhalten. Im heutigen geschriebenen Deutsch ist „ie“ gewöhnlich nur noch ein Graph, also ein Schriftzeichen beziehungsweise eine Buchstabenfolge, für langes [iː], etwa in Liebe und Biene.

Phonologisch haben Diphthonge, wenn jeder als ein Phonem gewertet wird, dieselbe Vokalquantität wie lange Vokale. Ein Phonem ist die kleinste lautliche Einheit, die Bedeutungen unterscheiden kann. Umstritten ist, ob ein Diphthong eine oder zwei Phonemstellen besitzt, also monophonematisch oder biphonematisch ist. Für zwei Stellen werden unter anderem Gegenüberstellungen wie rauher [au] und Reiher [ai], Lauer [au] und Leier [ai] sowie Eile [ai] und Eule [ᴐy] angeführt. Für eine einzige Stelle spricht, dass Diphthonge sprachgeschichtlich aus Monophthongen, also einfachen Vokalen, entstanden sein können: Aus mittelhochdeutsch mîn niuwes hûs wurde mein neues Haus. Zudem werden die beiden Bestandteile eines Diphthongs niemals auf zwei Silben verteilt.

Rechtschreibung und andere Sprachen

In der deutschen Rechtschreibung stehen Diphthonge ebenso wie lange Vokale nicht vor verdoppelten Konsonantenbuchstaben sowie nicht vor ck, tz oder pf. Vor x kommen sie nur selten vor, beispielsweise in feixen. Auf einen Diphthong kann daher etwa ß, aber kein ss folgen. Ausnahmen bilden Eigen- und Ortsnamen mit älteren Schreibweisen, darunter Deutz, Reitz, Neuss, Eickel, Eucken und Gauck.

Unter den europäischen Sprachen sind besonders Isländisch, aber auch Katalanisch und Bündnerromanisch reich an Diphthongen. Ein bündnerromanisches Beispiel ist der Ortsname Rueun.

Im Hochchinesischen gibt es /ai̯/ in 爱, ài „lieben“, /ei̯/ in 谁, shéi „wer“, /aʊ̯/ in 好, hǎo „gut“, und /oʊ̯/ in 有, yǒu „haben“. Außerdem entstehen durch die Halbvokale /w/ und /j/ vor einfachen Vokalen Lautfolgen wie /ja/ in 俩, liǎ „Liebespaar“, /jɛ/ in 節, jié „Feiertag“, /wa/ in 光, guāng „Licht“, /wɔ/ in 多, duō „viel“, und /jʊ/ in 兄, xiōng „älterer Bruder“. Neben Diphthongen besitzt das Hochchinesische auch mehrere Triphthonge, also Verbindungen aus drei Vokallauten innerhalb einer Silbe.

Medizinische Nebenbedeutung

Als Diphthongie wird außerdem eine Doppeltönigkeit der Stimme bezeichnet. Dabei entsteht beim Sprechen infolge einer krankhaften oder nervösen Reizung der Stimmbänder ein Nebenton.

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