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Außenpolitik der Weimarer Republik

Mit dem Friedensvertrag von Versailles aus dem Jahr 1919 beschlossen die Siegermächte unter anderem, dass Deutschland Gebiete abtreten und seine Rüstung …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundlagen und Ziele der Außenpolitik 1919–1933
  2. 2. Vom Ersten Weltkrieg zum Versailler Vertrag
  3. 3. Außenpolitische Lager und Nachbarn
  4. 4. Konfrontation mit dem Westen 1920–1923
  5. 5. Verständigungspolitik unter Stresemann 1923–1929
  6. 6. Letzte Phase 1929–1933 und Ausblick

Grundlagen und Ziele der Außenpolitik 1919–1933

Die Außenpolitik der Weimarer Republik (1919–1933) wurde vor allem von den Folgen des Ersten Weltkriegs bestimmt. Der Versailler Vertrag von 1919 verlangte von Deutschland Gebietsabtretungen, Rüstungsbeschränkungen und Reparationszahlungen (Zahlungen an die Siegermächte); das Rheinland wurde besetzt. Frankreich wollte Deutschland dauerhaft schwächen, während Großbritannien und die USA verständigungsbereiter waren. Ziel der deutschen Politik war die Revision (Abänderung) des Versailler Vertrags. Dies gelang vor allem unter Außenminister Gustav Stresemann (1923–1929) durch Verständigung mit dem Westen, ergänzt durch Zusammenarbeit mit der Sowjetunion (Vertrag von Rapallo 1922). Erfolge: Beitritt zum Völkerbund 1926, Ende der Rheinlandbesetzung 1930, Beendigung der Reparationen 1932 und Anerkennung der militärischen Gleichberechtigung 1932. Keinen Erfolg gab es bei der Ostgrenze zu Polen; eine deutsch-österreichische Zollunion scheiterte 1931 am Widerstand Frankreichs.

Vom Ersten Weltkrieg zum Versailler Vertrag

Im Ersten Weltkrieg kämpfte Deutschland mit Österreich-Ungarn gegen Frankreich, Russland, Großbritannien und (ab 1917) die USA. Nach der Oktoberrevolution 1917 schloss Deutschland den für es günstigen Frieden von Brest-Litowsk (3. März 1918). Im Sommer 1918 zeigte sich, dass die Westfront nicht mehr zu halten war. Die Oberste Heeresleitung drängte zur Bildung einer parlamentarischen Regierung und zum Waffenstillstand auf Basis des 14-Punkte-Programms von US-Präsident Wilson, das einen Verständigungsfrieden vorsah. Am 11. November 1918 wurde im französischen Compiègne der Waffenstillstand unterzeichnet, ohne westliche Gegenleistungen; die Seeblockade blieb bis März 1919 bestehen. Der Versailler Vertrag von 1919, ausgehandelt ohne deutsche Beteiligung, bestimmte: eine Berufsarmee von nur 100.000 Mann und Verzicht auf Panzer, U-Boote, Flugzeuge u.a.; Reparationen auf Grundlage der Behauptung der deutschen Kriegs Alleinschuld (Art. 231); Gebietsverluste von 13 Prozent der Fläche und 10 Prozent der Einwohner samt den Kolonien; die Rheinlandbesetzung in Zonen, die nach fünf, zehn bzw. fünfzehn Jahren geräumt werden sollten; das für fünfzehn Jahre von Frankreich besetzte Saargebiet. Deutschland blieb zunächst vom Völkerbund ausgeschlossen.

Außenpolitische Lager und Nachbarn

In Deutschland bildeten sich drei außenpolitische Lager: Die politische Mitte („Verständigungspolitik“/Westpolitik) wollte durch Zusammenarbeit mit dem Westen die Folgen von Versailles beseitigen; die nationalistische Rechte, vor allem die DNVP, lehnte dies als „Erfüllungspolitik“ ab und wollte durch reines Beharren auf deutschen Interessen Fortschritte erlangen; die Kommunisten waren gegen den Westen eingestellt und orientierten sich an Sowjetrussland. Österreich wollte sich 1919 als „Deutschösterreich“ dem Reich anschließen, wurde aber durch das Anschlussverbot der Siegermächte gehindert; Deutschland verhielt sich aus Furcht vor alliiertem Druck zurückhaltend. Frankreich, am stärksten vom Krieg betroffen, wollte ursprünglich das Rheinland als unabhängigen Staat in einer westeuropäischen Zollunion, ließ dies aber gegen Sicherheitsgarantien der angelsächsischen Mächte fallen. Belgien forderte Entschädigungen, was die Frage Eupen-Malmedys überschattete. Großbritannien und die USA wollten weder ein deutsch noch ein französisch beherrschtes Europa und wirkten oft mäßigend auf Frankreich. Sowjetrussland war international isoliert; Deutschland erkannte es diplomatisch als erster Staat an. Polen erhielt durch Versailles deutsche Gebiete, darunter den polnischen Korridor und Danzig als Freie Stadt unter Völkerbundsaufsicht, was die deutsch-polnischen Beziehungen stark belastete. Litauen besetzte das Memelgebiet. Deutschland spielte Polen und Litauen nicht gegeneinander aus und vermittelte 1927 erfolgreich zwischen ihnen. Zur Tschechoslowakei bestanden grundsätzlich gute Beziehungen; eine Annexion des Sudetenlands war im Auswärtigen Amt nicht geplant.

Konfrontation mit dem Westen 1920–1923

Zu den Reparationen forderte Frankreich im Januar 1921 zunächst 212 Milliarden Goldmark; nach deutscher Ablehnung besetzte es den Versailler Vertrag verletzend Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort. Das „Londoner Ultimatum“ vom 27. April 1921 setzte die Summe auf 132 Milliarden Goldmark fest; das Kabinett Wirth nahm den Zahlungsplan an. Bei der Oberschlesien-Volksabstimmung vom 20. März 1921 stimmten 60 Prozent für Deutschland; der Völkerbund ordnete am 12. August 1921 dennoch eine Teilung an, wobei der wirtschaftlich wichtigere Teil „Ostoberschlesien“ an Polen kam. Auf der Konferenz von Genua 1922, die Deutschland und Russland in ein neues Staatensystem einbinden sollte, fühlte sich die deutsche Delegation isoliert. Am 16. April 1922 kam es daher zum Vertrag von Rapallo: Deutschland und Russland verzichteten gegenseitig auf finanzielle Forderungen. Für Russland bedeutete dies die Durchbrechung der Isolierung, für Deutschland eine Demonstration Eigenständigkeit. Der Vertrag war in der deutschen Öffentlichkeit populär, erregte im Ausland, besonders in Frankreich, Misstrauen. Die Verbindung wurde 1926 durch den Berliner Vertrag (Neutralitätspakt) fortgeführt; dazu gehörte die geheime militärische Zusammenarbeit zwischen Reichswehr und Roten Armee (bis 1934). Als die Reparationskommission am 9. Januar 1923 feststellte, dass Deutschland Lieferpflichten absichtlich nicht erfüllt hatte, besetzten französische Truppen am 11. Januar das Ruhrgebiet. Die Reichsregierung antwortete mit passivem Widerstand (Nichtzusammenarbeit der Beamten); Produktion und Kohlegewinnung brachen ein, die Inflation stieg, es kam zu Aufständen. Am 26. September 1923 beendete Reichskanzler Stresemann den passiven Widerstand. Frankreich überspannte damit laut Historiker Krüger den Bogen und stellte indirekt die Versailler Friedensbedingungen in Frage.

Verständigungspolitik unter Stresemann 1923–1929

Stresemann (DVP), seit November 1923 Außenminister bis zu seinem Tod im Oktober 1929, war wie alle deutschen Politiker für die Revision von Versailles, verstand aber, dass die Reichsregierung zunächst den damaligen Zustand anerkennen musste. Der Dawes-Plan 1924 brachte einen zweijährigen Zahlungsaufschub, danach langsam steigende Jahresraten; die „Dawes-Anleihe“ aus den USA stützte den Haushalt, die Währung wurde auf Dollarbasis stabilisiert. Die Verträge von Locarno (Oktober 1925) enthielten den „Rheinpakt“: Die Grenze zwischen Deutschland und Belgien bzw. Frankreich wurde durch Großbritannien und Italien garantiert. Mit Polen und der Tschechoslowakei schloss Deutschland Schiedsverträge, die gewaltsame Grenzänderung untersagten – damit verhinderte Stresemann, diese Grenzen anerkennen zu müssen. Deutschland wurde am 10. September 1926 in den Völkerbund aufgenommen und erhielt einen ständigen Sitz im Völkerbundsrat. Weitere Erfolge: 1926 ein Abkommen über zivile Luftfahrt mit Frankreich und Belgien, 1926 eine Internationale Rohstahlgemeinschaft, 1927 ein Handelsabkommen mit Frankreich; 1929/30 wurden die Rheinlande vorzeitig geräumt. Gegenüber Polen ging es um die deutsche Minderheit als Grundlage für Grenzkorrekturen; Pläne zur wirtschaftlichen Erpressung Polens verbot Staatssekretär Schubert 1926. Es gab einen Zollkrieg mit Polen, der die Meistbegünstigung betraf. Bei der Abrüstung endeten 1926/27 die Militärkontrollen; tatsächlich rüstete Deutschland heimlich auf („Schwarze Reichswehr“). Deutschland forderte seit 1929 eine allgemeine Abrüstung; 1928 kam der Briand-Kellogg-Pakt zur Ächtung des Angriffskrieges zustande. In der Kolonialfrage forderten fast alle Parteien die Rückgabe der Kolonien; ab 1924 bestand wieder eine Kolonialabteilung im Auswärtigen Amt, doch blieb die Kolonialpolitik für Stresemann von untergeordneter Bedeutung. Deutschland erhielt kein Mandatsgebiet, was radikale Teile der Kolonialbewegung in die Gegnerschaft zur Republik trieb.

Letzte Phase 1929–1933 und Ausblick

Nach Stresemanns Tod übernahm Julius Curtius das Auswärtige Amt; unter Reichskanzler Brüning (seit 1931 auch Außenminister) wurde die Außenpolitik härter und weniger verständigungsbereit. Überschattet wurde dies von der Weltwirtschaftskrise, in der Länder ihre Märkte abschotteten. Briands Europa-Plan von 1930 (europäische Gemeinschaft mit ständigen Organen) kam für Deutschland nicht infrage, da es die Grenzen hätte anerkennen müssen. Das Projekt einer deutsch-österreichischen Zollunion (präsentiert am 21. März 1931) scheiterte am finanziellen Druck Frankreichs; Österreich zog zurück, Curtius trat im Oktober zurück. Der Young-Plan (1930) sah niedrigere Jahresraten bis 1988 vor. Mit dem Hoover-Moratorium vom Juli 1931 wurden Reparationen und interalliierte Schulden für ein Jahr gestoppt. Auf der Lausanner Konferenz endeten die Reparationsforderungen endgültig (9. Juli 1932), wenn auch gegen eine Restzahlung und Tilgung von Anleihen; nach Reparationskommission hatte Deutschland 20.778,9 Millionen Reichsmark gezahlt, nach deutscher Rechnung 67.673. Auf der Genfer Abrüstungskonferenz (ab Februar 1932) forderte Deutschland schroff die Rüstungsangleichung, verließ im Juli unter Protest die Konferenz – mit Erfolg: Am 11. Dezember 1932 erkannten die Großmächte unter Vorbehalten die grundsätzliche Gleichberechtigung Deutschlands an. Unter den Kanzlern Papen und Schleicher trat Deutschland noch fordernder auf; Schleicher versuchte, die Beziehungen zur Sowjetunion auszuweiten. Nach Hitlers Machtübernahme am 30. Januar 1933 verließ Deutschland im Oktober 1933 den Völkerbund, setzte auf bilaterale Abkommen (z.B. Nichtangriffspakt mit Polen 1934), brach 1936 den Locarno-Vertrag durch die Rheinlandbesetzung und begann 1939 den Zweiten Weltkrieg. In der Forschung ist die Kontinuitätsfrage zentral: inwieweit es Unterschiede zwischen der Außenpolitik von Kaiserreich, Weimarer Republik und Nationalsozialismus gab. Peter Krüger legte 1985 die bislang umfangreichste Gesamtdarstellung vor; er lobt Stresemanns Verständnis für globale Veränderungen, wirft Brüning nationale Propaganda vor und stellt fest, dass die Weimarer Außenpolitik selbst unter Stresemann im Wesentlichen nur negative Ziele hatte, aber keine Konzeption für eine internationale Ordnung.

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