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Arthur Rosenberg
Er legte 1907 am Askanischen Gymnasium die Abiturprüfung ab und ... Entstehung und Geschichte der Weimarer Republik. Berlin 1928 – Karlsbad 1935 …
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Überblick
Arthur Rosenberg (19. Dezember 1889 in Berlin – 7. Februar 1943 in New York) war ein deutscher Historiker und marxistischer Politiker. Als Althistoriker publizierte er vor allem zum antiken Rom, aber auch zur Zeitgeschichte, und lehrte als Privatdozent und außerordentlicher Professor an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. Von 1924 bis 1928 war er Mitglied des Reichstages, zunächst als KPD-Mitglied, nach seinem Austritt 1927 als partei- und fraktionsloser Abgeordneter. Er emigrierte 1933 und starb 1943 in New York an Krebs.
Jugend, Ausbildung, akademische Laufbahn
Rosenberg wurde in Berlin geboren, wo er – unterbrochen von eineinhalb Jahren in Wien – aufwuchs. Beide Eltern stammten aus Rózsahegy (heute Ružomberok, Slowakei), der Vater war Kaufmann. Als Kind assimilierter jüdischer Eltern wurde Rosenberg evangelisch getauft. 1907 legte er am Askanischen Gymnasium das Abitur ab und studierte Alte Geschichte und Klassische Philologie in Berlin. 1911 promovierte er mit „Untersuchungen zur römischen Zenturienverfassung“, 1913 habilitierte er sich mit „Der Staat der alten Italiker“, gefördert von seinem Doktorvater Eduard Meyer.
Ab Januar 1914 war er Privatdozent in Berlin; eine Professur in Prag ging 1918 knapp an Arthur Stein. Sein Eintritt in die USPD und besonders der Übertritt zur KPD 1920 machten ihn zum akademischen Außenseiter. Im Februar 1921 erteilte ihm die Berliner Philosophische Fakultät einen strengen Verweis und drohte mit dem Entzug der Lehrbefugnis, nachdem er sich für einen Studenten eingesetzt hatte, der zwei Reichswehrinformanten enttarnt hatte. Seine letzten größeren althistorischen Arbeiten („Einleitung und Quellenkunde zur römischen Geschichte“, „Geschichte der römischen Republik“, beide 1921) waren nicht marxistisch; den Übergang zum Marxismus vollzog er erst mit der Broschüre „Demokratie und Klassenkampf im Altertum“. Danach bot er Vorlesungen an, die bewusst als Kontrast zur Fakultät dienten, etwa „Die sozialen Kämpfe im alten Rom“ oder „Sozialismus und Kommunismus im Altertum“.
1930 setzte Kultusminister Adolf Grimme gegen den Widerstand der Fakultät seine Ernennung zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor durch. Die Professur war schlecht besoldet, weshalb Rosenberg seit 1931 als Studienassessor am Köllnischen Gymnasium unter Siegfried Kawerau arbeitete und einen Lehrauftrag an der Deutschen Hochschule für Politik hatte. Zu seinen Schülern zählten Walter Markov und Theodor Bergmann. Im September 1933 entzog ihm Bernhard Rust nach der Emigration die Lehrbefugnis.
Politische Tätigkeit
Obwohl Rosenberg aus einem nationalliberalen Milieu kam, sich 1914 freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet hatte und Schüler des konservativen Eduard Meyer war, trat er am 10. November 1918 in die USPD ein; die Motive liegen weitgehend im Dunkeln. Von 1915 bis Kriegsende arbeitete er im Kriegspresseamt, der Zensur- und Propagandastelle der Obersten Heeresleitung, über das er später nicht gern sprach.
1920 wechselte er mit dem linken Mehrheitsflügel der USPD zur KPD. Er war 1921–1924 Berliner Stadtverordneter und außenpolitischer Redakteur des Pressedienstes. Von Februar 1924 bis Juli 1925 gehörte er dem Politischen Büro der KPD-Zentrale an, stand zunächst der ultralinken Fischer-Maslow-Gruppe nahe und versuchte 1925/26 mit Iwan Katz und Werner Scholem eine „linkere“ Strömung zu organisieren. 1926 wandte er sich der kommunistischen „Rechten“ zu und trat Ende April 1927 aus der KPD aus.
Seit Mai 1924 war er Reichstagsabgeordneter; nach dem Parteiaustritt gab er das Mandat nicht auf und saß bis 1928 als Fraktionsloser. Er arbeitete im Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten und im Untersuchungsausschuss zu den Ursachen der Kriegsniederlage 1918 mit.
Seine 1932 erschienene „Geschichte des Bolschewismus“ wurde auch von früheren Genossen kritisiert: Paul Frölich sah schwerwiegende Defizite und meinte, Rosenberg sei „als Fremdling durch die KPD gewandert“; Karl Retzlaw sah die KPD für junge Intellektuelle wie ihn als „Durchgangsstation“. Um 1928 schloss sich Rosenberg der Deutschen Liga für Menschenrechte an und schrieb für die linkssozialdemokratische Zeitschrift „Der Klassenkampf“, aber auch für „Vorwärts“, „Die Bücherwarte“ und „Die Gesellschaft“; zudem war er in der Bildungsarbeit der Berliner SAJ tätig.
Exil
Nach der Machtübergabe an die NSDAP floh Rosenberg Ende März 1933 nach Zürich und fand im Herbst Aufnahme in England. Von 1934 bis 1937 lehrte er Alte Geschichte an der Universität Liverpool. Am 1. Februar 1937 entzogen ihm die NS-Behörden die deutsche Staatsbürgerschaft.
Unter dem Pseudonym „Historikus“ arbeitete er an der Zeitschrift für Sozialismus (Sopade) mit und schrieb für den „Neuen Vorwärts“ sowie, nach seiner Übersiedlung in die USA im Oktober 1937, für „The Nation“. Am Brooklyn College in New York war er zunächst Tutor, ab Januar 1941 festangestellte Lehrkraft. Im Frühjahr 1942 trat er der von KPD-nahen Emigranten gegründeten German American Emergency Conference unter Kurt Rosenfeld bei. 1943 starb er an einer Krebserkrankung.
Werk und historische Deutungen
Neben den althistorischen Arbeiten und der vielfach übersetzten „Geschichte des Bolschewismus“ (1932) gewannen Rosenbergs Deutungen von Kaiserreich und Weimarer Republik Bedeutung für die Geschichtswissenschaft.
In „Die Entstehung der deutschen Republik 1871–1918“ (1928) beschrieb er das Kaiserreich als instabilen Klassenkompromiss zwischen Bourgeoisie und preußischen Großgrundbesitzern. Bismarck habe Preußen konserviert, dem Bürgertum aber einen Anteil an der Herrschaft eingeräumt; die Reichsverfassung sei „eine Verfassungskonstruktion, bei der Preußen das Reich regierte und nicht umgekehrt“. Das Reich war für ihn weder konstitutioneller Staat noch absolute Monarchie, sondern eine „bonapartistische Schöpfung“, deren Bestand vom Herrscher abhing. Zudem begründete die Verfassung einen Dualismus zwischen ziviler und militärischer Gewalt; seit 1916 sei das Reich eine „reine Militärdiktatur“ gewesen.
Die Novemberrevolution bewertete er als bürgerlich-demokratisch, nicht sozialistisch; die „Periode der bürgerlichen Demokratie“ habe schon mit der Oktoberreform und Max von Baden begonnen. Die Revolution sei deshalb überflüssig gewesen (die „wunderlichste aller Revolutionen“), da sie nur die funktionslose monarchische Fassade beseitigt habe. Der Rat der Volksbeauftragten sei „eine etwas sozialistisch verschleierte Herrschaft der alten Reichstagsmehrheit“ gewesen. In „Geschichte der deutschen Republik“ (1935) wies er die These zurück, eine „bolschewistische Gefahr“ habe 1918/19 radikale Reformen verhindert – diese Gefahr habe nicht existiert. Die gemäßigte Mehrheit der Arbeiterräte sah er als Fundament einer „volkstümlichen Demokratie“, die 1919 durch das Bündnis von Mehrheitssozialdemokraten, kaiserlichen Beamten und Offizieren zerschlagen wurde: Der Bürgerkrieg im Namen Noskes vernichtete jede Macht der Räte, die Arbeiterschaft wurde entwaffnet, das Besitzbürgertum in Zeitfreiwilligenregimentern und Einwohnerwehren bewaffnet.
Diese Analyse wurde in den späten 1950er und 1960er Jahren von jüngeren Historikern wie Eberhard Kolb, Peter von Oertzen und Reinhard Rürup aufgegriffen; sie erlaubte es, Handlungsspielräume sozialdemokratischer Politik aufzuzeigen und ältere Rechtfertigungsmuster („Abwehrkampf gegen den Bolschewismus“) zu hinterfragen.
Gleichwohl lehnte Rosenberg deterministische Erklärungen ab: 1920, 1923 und 1929/30 habe die Arbeiterbewegung Chancen zu einer revolutionären Neugründung der Republik gehabt, die durch den unfruchtbaren Radikalismus der KPD (bzw. 1920 der USPD) und das gouvernementale Selbstverständnis der SPD vertan wurden. Die NSDAP habe das Programm der völkisch-nationalistischen Rechten mit sozialistischen Phrasen durchsetzt und stand dadurch „zugleich im Lager der Revolution und der Gegenrevolution“. Das Ende der Republik datierte er bereits auf 1930: Brünings Notverordnungsregime sei schon eine „Diktaturregierung des Bürgerblocks“ gewesen. Bis 1932/33 hätten zwei Flügel der Gegenrevolution gerungen: die „volkskonservative“ Strömung um Brüning, Westarp und Treviranus und die Richtung Hitler/Hugenberg, deren Weg der schnellen Gewalt sich durchsetzte.
Ausgewählte Werke
Wichtige Schriften Arthur Rosenbergs:
- „Der Staat der alten Italiker“ (Berlin 1913)
- „Geschichte der römischen Republik“ (Leipzig/Berlin 1921)
- „Demokratie und Klassenkampf im Altertum“ (Bielefeld 1921; Neuauflage Freiburg 2007)
- „Die Entstehung der Deutschen Republik 1871–1918“ (Berlin 1928)
- „Entstehung und Geschichte der Weimarer Republik“ (Berlin 1928 – Karlsbad 1935)
- „Geschichte des Bolschewismus: Von Marx bis zur Gegenwart“ (Berlin 1932; auch englisch, italienisch, norwegisch, hebräisch und französisch)
- „Der Faschismus als Massenbewegung. Sein Aufstieg und seine Zersetzung“ (Karlsbad 1934)
- „Geschichte der deutschen Republik“ (Karlsbad 1935)
- „Demokratie und Sozialismus“ (Amsterdam 1938)
- „Demokratie und Klassenkampf“ (1938, auch englisch)
Es existiert zudem eine veröffentlichte Briefquelle: „… der lebendige Beweis für ihre Greuel. A. R. an Emmy Scholem“, in: Münchner Beiträge, Heft 2, 2013, S. 33–35, mit Kommentar von Mirjam Zadoff.