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Arbeiterbewegung in Deutschland

Die Arbeiterbewegung ist ein zusammenfassender Begriff für Zusammenschlüsse und Organisationen, die sich seit Beginn der Industriellen Revolution in …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Anfänge
  2. 2. Parteien und Gewerkschaften
  3. 3. Selbsthilfe und christliche Bewegung
  4. 4. Arbeiterinnen und politische Rechte
  5. 5. Zentrale Forderungen und Wege zur Veränderung

Begriff und Anfänge

Die Arbeiterbewegung umfasst Zusammenschlüsse und Organisationen, die sich seit Beginn der Industriellen Revolution in Deutschland bildeten. Sie vertritt politische und soziale Interessen von Arbeitern und soll deren wirtschaftliche und soziale Lage verbessern. Dabei reichten die Konzepte von Sozialreform, also schrittweisen Verbesserungen innerhalb der bestehenden Gesellschaft, bis zum revolutionären Sozialismus.

Die Geschichtsschreibung setzt ihren Ursprung meist bei ersten Organisationsgründungen der 1830er Jahre an, etwa bei Geheimgesellschaften wandernder Handwerker im Ausland wie dem Bund der Gerechten. Andere Darstellungen beginnen mit der Revolution von 1848, als die Allgemeine Arbeiterverbrüderung in Deutschland aktiv war. Proteste arbeitender Menschen gab es jedoch schon früher, beispielsweise durch Bergarbeiter in den Bauernkriegen 1524/1525. Umstritten ist, ob zur Arbeiterbewegung nur feste Organisationen oder auch unorganisierte Proteste wie wilde Streiks und Maschinenstürmer gehören. Karl Heinz Roth bejaht dies ausdrücklich; die meisten historischen Darstellungen konzentrieren sich aber auf Organisationen.

Parteien und Gewerkschaften

Lange war die Arbeiterschaft mit demokratischen Organisationen des Bürgertums verbunden. In liberalen Bildungsvereinen setzten sich Arbeiter und Bürger gemeinsam für freie Wahlen sowie Presse- und Meinungsfreiheit ein.

Eigene, überwiegend sozialistisch ausgerichtete Arbeiterorganisationen entstanden in den 1860er Jahren. Ferdinand Lassalle gründete 1863 den ADAV; Wilhelm Liebknecht und August Bebel gründeten 1869 die Sozialdemokratische Arbeiterpartei. Beide waren sozialistisch, unterschieden sich aber bei der deutschen Nationsbildung und bei Gewerkschaften: Lassalle lehnte Gewerkschaften ab, Bebel und Liebknecht förderten sie unter Berufung auf Karl Marx. 1875 vereinigten sich beide Organisationen zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands. Nach einem zwischenzeitlichen Verbot wurde diese 1890 als SPD neu gegründet.

Bis zum Ersten Weltkrieg war die SPD die einzige Arbeiterpartei. Im Krieg spaltete sich die Bewegung zunächst in SPD und Unabhängige Sozialdemokratie, danach in SPD und KPD. In der Weimarer Republik konkurrierten mehrere Parteien um die Interessenvertretung der Arbeiter. Die Sozialdemokratie setzte auf Sozialreform, die KPD auf Revolution. In der Rätebewegung von 1918 bis 1920 waren Vertreter aller Arbeiterparteien beteiligt.

Gewerkschaften vertraten vor allem die ökonomischen Interessen der Arbeitenden: Sie führten Streiks und Lohnkämpfe. Seit 1848 entstanden sie aus älteren Handwerkervereinen und später im Umfeld verschiedener Parteien. In den 1860er Jahren gab es lassalleanische, marxistische und liberale Hirsch-Dunckersche Gewerkvereine; seit den 1890er Jahren kamen christliche Gewerkschaften hinzu. Die Freien Gewerkschaften waren bis Ende 1933 mit Abstand die stärkste Richtung. In Deutschland war die Trennung zwischen Parteien als politischer Vertretung und Gewerkschaften als wirtschaftlicher Vertretung besonders ausgeprägt. Im französischen Syndikalismus forderten Gewerkschaften dagegen auch durch politische Streiks gesellschaftliche Gegenentwürfe.

Selbsthilfe und christliche Bewegung

Zur Arbeiterbewegung gehörten außerdem Arbeitervereine: Bildungs-, Sport- und Gesangsvereine, Naturfreunde, Waldheimvereine sowie soziale Organisationen wie Arbeiterwohlfahrt (AWO) und Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Genossenschaften dienten insbesondere dazu, Arbeiter mit Nahrungsmitteln und Wohnungen zu versorgen. Partei, Gewerkschaften und proletarische Selbsthilfeorganisationen wurden als die Drei Säulen der Arbeiterbewegung bezeichnet.

Die christliche Arbeiterbewegung entstand als Reaktion auf sozialistische Bestrebungen. Sie lehnte revolutionäre Ziele und das atheistische Weltbild des Sozialismus ab und betonte Klassenharmonie, etwa durch die Katholische Soziallehre. Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler verstand die Verantwortung der Kirche für Arbeiter zunächst als Innere Mission. Katholiken waren gegenüber christlich-überkonfessionellen Bestrebungen offener als die evangelische Arbeiterbewegung, die sich zunächst wegen der Sozialistengesetze verschloss. Deshalb dominierten Katholiken auch die Christlichen Gewerkschaften von 1894 bis 1933. Wichtige katholische Organisationen waren Katholische Arbeitervereine und das Kolpingwerk. Der erste evangelische Arbeiterverein (EAV) entstand 1848 in Bayern. Konfessionelle Konzepte betonten allgemein sozialen Ausgleich statt sozialer Konfliktstrategien.

Arbeiterinnen und politische Rechte

Eine Arbeiterinnenbewegung entstand im Zusammenhang mit der Märzrevolution 1848. Die Publizistin Louise Otto-Peters forderte in ihrer 1848 gegründeten politisch motivierten Frauenzeitung, Arbeiterinnen sollten sich nach dem Vorbild männlicher Gesellen zusammenschließen. Diese Forderung blieb zunächst ohne Wirkung. Auch die Arbeiterorganisationen der 1860er Jahre waren Männervereine und lehnten sogar das Frauenwahlrecht ab.

In den 1880er Jahren entstand unter dem Einfluss von Friedrich Engels und August Bebel eine marxistische Theorie der Frauenemanzipation. Neue Arbeiterinnenvereine übernahmen sie rasch. Clara Zetkin und später Luise Zietz spielten als Organisatorinnen eine Pionierrolle. Der Staat verfolgte die proletarische Frauenbewegung besonders stark; Verbote zwangen sie zunächst zu einer informellen Struktur. Erst ab 1908 durften Frauen sich in politischen Vereinen organisieren. Das Frauenwahlrecht wurde erst in der Novemberrevolution 1918 erkämpft.

Zentrale Forderungen und Wege zur Veränderung

Frühe Forderungen verbanden politische Rechte mit sozialen Verbesserungen. Dazu gehörten freie Wahlen, Presse- und Meinungsfreiheit, ein menschenwürdiges Dasein, Mindestlöhne, Achtstundentag, Fünf-Tage-Woche, Arbeitsschutz, Kündigungsschutz sowie Absicherung bei Krankheit, Invalidität und Arbeitslosigkeit. Auch Arbeiterbildung war wichtig. Viele dieser Rechte wurden schrittweise durch Streiks erkämpft.

Die Erfolge blieben unsicher: Der in der Novemberrevolution erstmals erreichte 8-Stunden-Tag wurde Mitte der 1920er Jahre von Unternehmerseite wieder aufgekündigt. Die 1927 eingerichtete Arbeitslosenversicherung wurde bereits 1930 von der Regierung nicht mehr unterstützt. Deshalb blieb neben der Sozialreform die Vorstellung einer sozialistischen Umgestaltung der Gesellschaft bedeutsam. Wilhelm Weitling forderte bereits in den 1830er Jahren eine christlich inspirierte „Gütergemeinschaft“. Lassalle wollte das Privateigentum durch sozialistische Genossenschaften schrittweise überwinden. Marx verlangte dagegen die revolutionäre Machteroberung durch eine in einer Partei organisierte, klassenbewusste Arbeiterklasse.

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