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Archiv des Liberalismus
Das Archiv sammelt Unterlagen zur Geschichte des organisierten Liberalismus. Es erschließt neben „klassischem“ Aktenmaterial auch Druckschriften …
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Überblick und Geschichte
Das Archiv des Liberalismus (ADL) ist das Archiv der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit mit Sitz in Gummersbach (Ortsteil Niederseßmar, Theodor-Heuss-Straße 26). Es besteht seit 1968 und ist damit das älteste der sechs Archive der Politischen Stiftungen in Deutschland. Es sammelt Unterlagen zur Geschichte des organisierten Liberalismus, vor allem in Deutschland und nach 1945, und ist eine Abteilung der Stiftung mit dem ISIL DE-Gub1. Nach 1948 wurden die Unterlagen der FDP-Bundesparteileitung in Bonn provisorisch verwahrt; 1949 wurde ein Referat für die Chronik der Partei unter Erika Fischer eingerichtet, 1961 mit Friedrich Henning der erste Historiker und Archivar eingestellt. 1968 verkaufte die FDP ihr Politisches Archiv an die Stiftung. Die Unterlagen blieben zunächst in Bonn und wurden 1983/84 in einem Anbau an die Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach professionell archiviert und zum 100. Geburtstag von Theodor Heuss im Januar 1984 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 2009 folgten Modernisierung und ein Archivneubau (erweiterte Magazinfläche, Benutzersaal); von 2009 bis 2013 waren dort geborgene Unterlagen des Kölner Stadtarchivs eingelagert. 2018 feierte das Archiv sein 50-jähriges Jubiläum mit einer Festschrift. Wegen der Erweiterung auf internationale und europäische liberale Organisationen (u. a. Liberal International und ELDR seit 1998) wurde das „Archiv des Deutschen Liberalismus“ 2001 in „Archiv des Liberalismus“ umbenannt.
Bestände
Das Archiv umfasst etwa 4,9 laufende Kilometer Akten (Stand: Januar 2020) sowie rund 25.000 Einheiten an audiovisuellem Material (Plakate, Filme, Werbemittel). Neben Akten werden Druckschriften, Flugblätter, Plakate, Werbemittel, Fotos, Filme, Videos, Tonbänder und digitale Medien (u. a. Internetseiten) erschlossen. Der Schwerpunkt liegt auf Deutschland und der Zeit nach 1945; einzelne Bestände stammen aus der Weimarer Republik, wenige aus dem späten 19. Jahrhundert. Zum Archiv gehört eine wissenschaftliche Spezialbibliothek mit etwa 42.000 Bänden. Der Großteil der Bestände ist in einer Datenbank sowie in analogen oder digitalen Findbüchern erschlossen und wird unter Beachtung der Schutzfristen nach dem Bundesarchivgesetz nutzbar gemacht. Die Archivalien werden gesäubert, teilweise restauriert und gegebenenfalls digitalisiert. Zu den ältesten Stücken zählen eine Auslegungsschrift Martin Luthers über den 147. Psalm von 1532, das Hambacher Tuch von 1832, ein Brief Carl Theodor Welckers von 1839, ein Bilderbogen zum Frankfurter Wachensturm von 1833 sowie eine Graphiksammlung zur Revolution 1848/49.
Partei- und Organisationsbestände
Den Kern der Sammlungen bildet das frühere Archiv der FDP-Bundesparteileitung, das 1968 von der Stiftung erworben wurde. Später kamen Unterlagen zahlreicher FDP-Landesverbände, der FDP-Bundestagsfraktion und vieler liberaler Landtagsfraktionen hinzu. 1991 – nach der Vereinigung der FDP mit dem Bund Freier Demokraten 1990 – wurde das Zentralarchiv der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD) der DDR nach Gummersbach gebracht; es wird als Depositum der Stiftung SAPMO im Bundesarchiv vom ADL betreut und erschlossen. Weiterhin verwahrt das Archiv Unterlagen der Friedrich-Naumann-Stiftung (z. B. ihrer Gremien) und liberaler Vorfeldorganisationen wie der Jungen Liberalen, der Deutschen Jungdemokraten und der Liberalen Frauen.
Personenbestände
Das ADL verwahrt Nachlässe liberaler Politiker, darunter von ehemaligen Bundestagsabgeordneten und FDP-Bundesvorsitzenden, etwa von Hans-Dietrich Genscher, Walter Scheel, Thomas Dehler, Gerhart Baum, Otto Graf Lambsdorff, Wolfgang Mischnick und Liselotte Funcke. Auch sogenannte Vorlässe (Unterlagen noch lebender Personen, die dem Archiv bereits überlassen wurden) befinden sich im ADL.
Forschung, Bildungsarbeit, Gremien und Veröffentlichungen
Einmal jährlich veranstaltet das Archiv ein Kolloquium zur Liberalismus-Forschung, dessen Beiträge den Themenschwerpunkt des nächsten „Jahrbuchs zur Liberalismus-Forschung“ bilden; dabei wird der Wolf-Erich-Kellner-Preis für herausragende Arbeiten zur Geschichte und zu den geistigen Grundlagen des Liberalismus verliehen. Weitere Tagungen und Vorträge finden mit externen Partnern und Länderbüros der Stiftung statt. Das ADL kooperiert mit Universitäten (u. a. Aachen, Gießen, Hagen, Köln, Marburg, Wuppertal) und unterhält Bildungspartnerschaften mit Schulen im Oberbergischen Land. Es hat Ausstellungen u. a. über Friedrich Naumann, Karl-Hermann Flach und Walter Scheel sowie die Dauerausstellung im Genscher-Haus in Halle (Saale) mitgestaltet. In der Gremienarbeit arbeitet es mit den anderen Archiven der Politischen Stiftungen, dem International Council on Archives und der Fachgruppe 6 des Verbandes deutscher Archivarinnen und Archivare zusammen; seine Mitarbeiter sind u. a. in Kuratorien der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus und der Stiftung SAPMO sowie in der Arbeitsgemeinschaft „Orte der Demokratiegeschichte“ und im Arbeitskreis bergischer Archive vertreten. Das Archiv gibt das seit 1989 erscheinende Jahrbuch zur Liberalismus-Forschung mit heraus, hat seit 2011 etwa zehn Sammel- und Tagungsbände (u. a. zu Friedrich Naumann und Gustav Stresemann) veröffentlicht und seit 2018 etwa dreißig Public-History-Broschüren herausgegeben.
Leitung und Mitarbeiter
Frühere Leiter des Archivs waren Friedrich Henning (1961–1982) und Monika Faßbender (1982–2010). Seit 2011 leitet der Wuppertaler Historiker Ewald Grothe das Archiv. Wissenschaftlicher Referent für die historische Liberalismus-Forschung und Public History ist Wolther von Kieseritzky (Potsdam). Am Standort Gummersbach sind Archivarinnen und Archivare, Historiker, Sachbearbeiter, Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, technische Mitarbeiterinnen sowie eine Auszubildende tätig.