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August Bebel
Ferdinand August Bebel (* 22. Februar 1840 in Deutz bei Köln, Königreich Preußen; † 13. August 1913 in Passugg, Schweiz) war ein sozialistischer deutscher …
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Wer war August Bebel?
August Bebel (geboren am 22. Februar 1840 in Deutz bei Köln, gestorben am 13. August 1913 in Passugg, Schweiz) war ein sozialistischer deutscher Politiker und Publizist. Er war einer der Begründer der deutschen Sozialdemokratie und gilt bis heute als eine ihrer herausragenden historischen Persönlichkeiten. Er gehörte zu den bedeutendsten Parlamentariern des Deutschen Kaiserreichs und war auch einflussreicher Autor. Seine große Popularität spiegelte sich in Bezeichnungen wie „Kaiser Bebel“, „Gegenkaiser“ oder „Arbeiterkaiser“ wider. Von 1867 bis 1881 und von 1883 bis zu seinem Tod war er Reichstagsmitglied. Ab 1892 war er einer der beiden Vorsitzenden der SPD (zunächst neben Paul Singer, ab 1911 neben Hugo Haase). Er vertrat über Jahrzehnte das sogenannte marxistische Zentrum der SPD zwischen einem linken und einem „revisionistischen“ Flügel.
Kindheit, Jugend und Weg in die Arbeiterbewegung
Bebel wurde in ärmlichen Verhältnissen als Sohn eines Unteroffiziers geboren. Sein Vater starb 1844 an Lungentuberkulose, der Stiefvater (der Zwillingsbruder des Vaters) zwei Jahre später. Die verarmte Mutter zog nach Wetzlar, wo Bebel die Volksschule besuchte; sie starb 1853. Ein angestrebtes Bergbaustudium gab er aus finanziellen Gründen auf. Von 1854 bis 1857 lernte er in Wetzlar das Drechslerhandwerk und bildete sich durch Lektüre weiter. 1858 trat er seine Gesellenwanderung an (u. a. Freiburg, München, Salzburg); 1859 meldete er sich aus „Abenteuerlust“ als Freiwilliger, wurde aber abgewiesen. 1860 kam er über Wetzlar nach Leipzig.
Vom Handwerker zum Sozialisten und Parteigründer
In Leipzig trat Bebel 1861 dem liberal geprägten Gewerblichen Bildungsverein bei (1862 Zweiter, 1865–1872 Erster Vorsitzender). 1864 eröffnete er eine eigene Drechslerwerkstatt und zahlte seinen Beschäftigten mehr Lohn bei kürzerer Arbeitszeit als üblich. Zunächst lehnte er politische Eigenbestrebungen der Arbeiter ab; erst durch die Auseinandersetzung mit den Schriften Ferdinand Lassalles und soziale Konflikte wandte er sich allmählich dem Sozialismus zu: „Ich bin […] über Lassalle zu Marx gekommen.“ Die Begegnung mit Wilhelm Liebknecht (1865) bestärkte ihn; beide galten als die „Unzertrennlichen“. Von Liebknecht übernahm Bebel die These, dass politischer und sozialer Kampf der Arbeiter eine Einheit seien. 1866 gründeten beide die radikaldemokratische Sächsische Volkspartei; im selben Jahr trat Bebel der Internationalen Arbeiterassoziation (IAA, „Erste Internationale“) bei. 1867–1869 war er Präsident des Vereinstags Deutscher Arbeitervereine (VDAV) und setzte 1868 in Nürnberg den Anschluss des Verbands an die Internationale durch. Am 8. August 1869 gründete er mit Liebknecht auf dem Eisenacher Parteitag die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) mit dem Eisenacher Programm; im Gegensatz zum konkurrierenden Lassalleschen ADAV war sie demokratisch strukturiert. 1875 war Bebel an der Vereinigung von SDAP und ADAV zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) beteiligt, die das Gothaer Programm annahm. 1890 nannte sich die Partei SPD, ab 1892 war Bebel einer ihrer Vorsitzenden.
Reichstagsarbeit, Sozialistengesetz und Hochverratsprozess
Bebel wurde im Februar 1867 in den konstituierenden Reichstag des Norddeutschen Bundes gewählt und gehörte bis 1881 sowie von 1883 bis zu seinem Tod dem Reichstag an (u. a. Wahlkreise in Sachsen, Hamburg I, Straßburg-Stadt). Er sah im Parlament nicht nur ein Propagandamittel (anders als Liebknecht), sondern auch ein Instrument zur Verbesserung der Lage der Arbeiter: Er setzte die Abschaffung der Arbeitsbücher durch, forderte ein Verbot der Kinderarbeit unter 14 Jahren und das Ende des Trucksystems. Bismarck nannte ihn den „einzigen Redner“ im Parlament; bis Wolfgang Schäuble war Bebel der dienstälteste Parlamentarier der deutschen Geschichte. Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 verweigerten Bebel und Liebknecht die Kriegskredite; Bebel protestierte 1870 gegen die Annexion Elsass-Lothringens und solidarisierte sich 1871 offen mit der Pariser Kommune – danach galten die Sozialdemokraten als „Vaterlandsverräter“. 1872 wurden Bebel und Liebknecht im Leipziger Hochverratsprozess zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt; Bebel kam später noch eine Haft von neun Monaten wegen Majestätsbeleidigung hinzu. Die Verurteilung machte die Angeklagten zu politischen Märtyrern. In der Haft bildete sich Bebel weiter (seine „Haftuniversität“) und begann Studien für sein Buch Die Frau und der Sozialismus. Nach den Attentaten auf Kaiser Wilhelm I. 1878 verbot das Sozialistengesetz (19. Oktober 1878) Partei, Gewerkschaften und Zeitungen. Bebel sicherte durch Mandat, Kassierertätigkeit, Reden und Organisation das Überleben der Partei; ab 1879 erschien die im Ausland gedruckte Zeitung Der Sozialdemokrat. 1880 wurde der Begriff „gesetzlich“ aus dem Programm gestrichen, gleichzeitig ließ Bebel anarchistisch orientierte Vertreter wie Johann Most ausschließen. 1881 verlor er kurz sein Reichstagsmandat, 1883 holte er es per Nachwahl in Hamburg zurück. 1886 wurde er wegen „gesetzwidriger Verbindung“ zu neun Monaten Haft verurteilt. Bei der Reichstagswahl 1890 kam die Sozialdemokratie auf etwa 20 % der Stimmen und 35 Abgeordnete; das Sozialistengesetz lief 1890 aus.
Bebel als Parteiführer: Flügelkämpfe und Außenpolitik
Ab 1892 führte Bebel die SPD als Vorsitzender; Singer und später Haase standen im Schatten Bebels. Er prägte Organisation, Kurs und Bild der Partei; seine Reden zogen tausende Zuhörer an. Er blieb beim Ziel des Sozialismus, erwartete die Revolution aber als gesetzmäßig eintretenden „großen Kladderadatsch“, den die Partei nicht gezielt herbeiführen müsse. Innerparteilich verteidigte Bebel das marxistische Zentrum gegen beide Flügel: gegen die „Jungen“ (Bruno Wille, Paul Ernst), gegen den süddeutschen Reformismus Georg von Vollmars (Etatbewilligungen der bayerischen Landtagsfraktion), gegen den von Eduard Bernstein angestoßenen Revisionismusstreit und gegen Rosa Luxemburgs offensive Konzeption des Massenstreiks. Auf dem Parteitag 1905 in Jena erkannte die Partei den Generalstreik nur als Defensivwaffe an; das Mannheimer Abkommen 1906 stellte Partei und Gewerkschaften gleichberechtigt nebeneinander. In der Budgetfrage blieb Bebel strikt gegen die Zustimmung zu Haushalten („Diesem System keinen Mann und keinen Groschen“, 1887 zum Militäretat). Im Reichstag bekämpfte er die Umsturzvorlage (1894) und die Zuchthausvorlage (1898), lehnte Antisemitismus als reaktionär ab, kritisierte Kolonialverbrechen (u. a. das Vorgehen in Deutsch-Südwestafrika gegen die Herero und Nama), die Aufrüstung der Marine und warnte vor der Verschlechterung des Verhältnisses zu Großbritannien. Gegen Russland dagegen zeigte er sich patriotisch: Im Kriegsfall gegen Russland sei er als „alter Knabe noch bereit, die Flinte auf den Buckel zu nehmen“. 1902 scheiterte er mit einem Fraktionsantrag zur Abschaffung des § 175 StGB.
Schriften, letzte Jahre und Wirkung
Bebel verstand sich nicht als Theoretiker, war aber ein wirkungsvoller Autor. Sein einflussreichstes Werk war Die Frau und der Sozialismus (1879; allein zu seinen Lebzeiten 52 Ausgaben, bis 1913 in 20 Sprachen übersetzt). Darin fordert er die berufliche und politische Gleichberechtigung der Frau und verbindet die Geschichte der Frauendiskriminierung mit der Kritik an der bestehenden Gesellschaftsordnung – erst eine sozialistische Gesellschaft beende sie. Weitere Schriften: Unsere Ziele (1870), Der deutsche Bauernkrieg (1876), Die mohammedanisch-arabische Kulturperiode (1884), Arbeiten über die Lage der sächsischen Weber, die Sonntagsarbeit und die Bäckergesellen, sowie seine Autobiografie Aus meinem Leben (Teil 1: 1910, Teil 2: 1911, Teil 3 unvollendet). Privat war Bebels Leben bürgerlich: Seit 1866 war er mit der Putzmacherin Julie Otto verheiratet, die ihn tatkräftig unterstützte; die Tochter Frieda studierte auf seinen Rat Medizin in Zürich. Seit den späten 1890er Jahren lebte Bebel meist in Zürich (u. a. „Villa Julie“ in Küsnacht). Nach persönlichen Schicksalsschlägen (Tod der Frau Julie 1910, Tod des Schwiegersohns Ferdinand Simon 1912) starb Bebel am 13. August 1913 in Passugg (Schweiz) an Herzversagen. 50.000 Menschen zogen schweigend an seinem aufgebahrten Sarg im Zürcher Volkshaus vorbei; er wurde auf dem Friedhof Sihlfeld beigesetzt. Bis zu seinem Tod war er der anerkannte Führer der deutschen Sozialdemokratie. Eduard Bernstein nannte ihn 1913 die „Verkörperung der Partei“. Er gilt als wichtiger Vertreter der marxistischen Frauenemanzipationstheorie; sein Buch war für die zeitgenössische Frauenbewegung europaweit von großer Bedeutung. Die 2010 von Günter Grass gegründete August-Bebel-Stiftung vergibt alle zwei Jahre den mit 10.000 Euro dotierten August-Bebel-Preis (u. a. an Oskar Negt 2011, Günter Wallraff 2013, Gesine Schwan 2017, Malu Dreyer 2019, Susan Neiman 2021, Franz Müntefering 2023, Jutta Allmendinger 2025). Zahlreiche Straßen, Plätze und Schulen sind nach ihm benannt, etwa der Bebelplatz in Berlin-Mitte und das August Bebel Institut in Berlin.