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Humor

Ironie ist eine Denkform des inszenierten Widerspruchs, der Vergrößerung des Bruchs zwischen Selbstbild und Fremdbild, zwischen Absichten und Wirkungen, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff
  2. 2. Erklärungen des Humors
  3. 3. Wie Humor funktioniert
  4. 4. Abgrenzung zu ähnlichen Formen
  5. 5. Humorstile und Formen
  6. 6. Historische Entwicklung

Grundbegriff

Humor ist die Begabung eines Menschen, der Unzulänglichkeit der Welt und der Menschen sowie alltäglichen Schwierigkeiten und Missgeschicken mit heiterer Gelassenheit zu begegnen. Die enge Bedeutung steckt in der Wendung „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“, die Otto Julius Bierbaum (1865–1910) zugeschrieben wird. Weiter gefasst nennt man auch Menschen humorvoll, die andere zum Lachen bringen oder in Situationen besonders häufig lustige Aspekte ausdrücken.

Wichtig ist beim engeren Begriff das „trotzdem“: Humor entsteht besonders in kritischen Situationen, bei Gefahr, Scheitern, Niederlage oder persönlicher Schwäche. Er richtet sich nicht gegen Dritte, sondern enthält eine kleine Hoffnung, dass die Krise überwunden werden kann. Humor verbindet dadurch Schwäche und Stärke. Eine Person macht sich im Humor gewissermaßen kleiner oder dümmer, als sie ist, und wirkt dadurch stärker, als sie scheint.

Erklärungen des Humors

Eine einheitliche Theorie des Humors gibt es bisher nicht. Lachen gilt heute als Kulturphänomen, das von historischen, sozialen und persönlichen Umständen abhängt. Es ist auch umstritten, ob nur Menschen Humor besitzen oder ob diese Fähigkeit auch anderen Lebewesen zukommt. Die Ethnologie zeigt außerdem, dass verschiedene Kulturen über unterschiedliche Dinge lachen und dass Beobachtungen durch Forschende selbst beeinflusst werden können.

Drei Haupttheorien erklären humorvolle Momente: Die Überlegenheits-Theorie geht auf Aristoteles zurück. Sie sagt, dass Menschen lachen, wenn sie sich anderen überlegen fühlen, etwa wenn jemand ungeschickt handelt. Diese Theorie erklärt aber nur einen Teil humorvoller Situationen.

Die Inkongruenz-Theorie, deren Hauptvertreter Cicero war, erklärt Lachen durch einen überraschenden Wechsel der Sichtweise. Eine Situation wird plötzlich aus einer zweiten, oft einfacheren oder trivialeren Perspektive gesehen. Viele Wortwitze funktionieren so.

Die Entladungs-Theorie geht auf Sigmund Freud zurück. Nach Freud löst Humor psychologische Spannungen oder Hemmungen auf. Diese Hemmungen haben meist einen sozialen oder kulturellen Hintergrund. Humor kann dadurch unterdrückte Wünsche auf indirekte Weise sichtbar machen.

Eine neuere zusammenfassende Definition beschreibt Lachen als „ein akustischer Hinweis auf einen unbemerkten Rückfall in einfachere Verhaltensmuster“. Damit sollen auch evolutionsbiologische Fragen und der Zusammenhang mit Kitzligkeit erklärbar werden.

Wie Humor funktioniert

Humor entsteht durch eine bewusste Verschiebung des Blickwinkels. In einer ernsten Lage wird ein scheinbar unangemessener, nebensächlicher Standpunkt eingenommen. Dadurch wird die Gefahr nicht geleugnet, aber sprachlich oder im Verhalten umgedeutet. Typische Formulierungen sind „Wenigstens haben wir …“ oder „Immerhin besser als …“. Christopher Fry formulierte: „Humor ist eine Flucht vor der Verzweiflung, ein knappes Entkommen in den Glauben.“

Freud nennt als Beispiel einen Delinquenten, der an einem Montag zum Galgen geführt wird und sagt: „Na, die Woche fängt gut an.“ In „Der Humor“ (1927) erklärt Freud: „der Humor der Beitrag zur Komik durch Vermittlung des Über-Ichs.“ Das Über-Ich ist bei Freud die innere Instanz, die über das Ich urteilt. Aus diesem Abstand erscheinen die Sorgen des Ichs kleiner.

Ein weiteres Beispiel stammt aus der Überlieferung zu den Thermopylen 480 v. Chr.: Xerxes I. droht den Griechen, seine Bogenschützen seien so zahlreich, dass ihre Pfeile die Sonne verdunkeln würden. König Leonidas von Sparta soll geantwortet haben: „Umso besser – dann kämpfen wir im Schatten!“ Der Witz liegt darin, dass die tödliche Bedrohung nicht bestritten, sondern aus Sicht der Bedrohten in einen scheinbaren Vorteil verwandelt wird.

Abgrenzung zu ähnlichen Formen

Humor unterscheidet sich von anderen Formen des Lachens vor allem durch seine Struktur. Er stiftet eher Gemeinschaft, weil er Schwäche mit einbezieht und nicht einfach andere abwertet.

Ironie ist eine Denkform des inszenierten Widerspruchs. Sie zeigt den Bruch zwischen Selbstbild und Fremdbild, Absicht und Wirkung oder Anspruch und Wirklichkeit. Oft meint Ironie das Gegenteil dessen, was gesagt wird. Selbstironie ist dem Humor nahe, weil sich die sprechende Person selbst kommentiert; sie unterscheidet sich möglicherweise dadurch, dass Humor stärker an ein größeres Publikum gerichtet ist.

Spott ist ein abwertender Vergleich in verletzender Absicht. Er braucht ein Opfer, über das gelacht wird. Zynismus meint in moderner Bedeutung eine Haltung, die ethische Haltung und Moral für vergeblich erklärt. Der Zyniker passt sich Macht und Unterdrückung an und lacht über diejenigen, die widerstehen. Ursprünglich bezog sich Zynismus auf Diogenes von Sinope (ca. 399–323 v. Chr.), dessen „kynische“ Lebensweise Armut und Verachtung durch Mitbürger bedeutete.

Ein Witz erzeugt Lachen durch die plötzliche Einsicht in einen unerwarteten Zusammenhang. Er beruht auf überraschender Kombination und Assoziation. Typisch sind Einleitung, Überleitung und Pointe. Nach Sigmund Freud entsteht Witz durch Verschiebung des Sinns auf eine andere Ebene, durch Verdichtung mit Ersatz oder durch Verdichtung ohne Ersatz, etwa durch Doppelsinn.

Humorstile und Formen

Menschen setzen Humor unterschiedlich ein. Dafür werden vier Humorstile unterschieden: sozial-verbindender Humor, selbstförderlicher Humor, aggressiver Humor und selbstabwertender Humor. Psychometrische Forschung zeigt, dass diese Stile verschiedene Wirkungen auf soziale Interaktion und psychische Gesundheit haben. Sozial-verbindender und selbstförderlicher Humor gelten allgemein als adaptive, also hilfreiche Humorstile. Aggressiver und selbstzerstörerischer Humor gelten als maladaptive, also eher schädliche Humorstile.

Die Erscheinungsformen von Humor und Lachen sind sehr vielfältig. Dazu gehören Denkformen wie Ironie, Komik, Parodie, Sarkasmus, Selbstironie, Spott, Witz und Zynismus; Schriftformen wie Anekdote, Aphorismus, Glosse, Limerick, Satire und komische Lyrik; mündliche Formen wie Running Gag, Kalauer, Radio Jerewan, Schlagfertigkeit, trockener Humor und Zote; Theater- und Filmformen wie Komödie, Schwank, Posse, Kabarett, Klamauk, Comedy, Farce, Groteske, Slapstick, Sitcom und Persiflage. Auch bildliche Formen wie Cartoon, Comic und Karikatur sowie Ereignisformen wie Aprilscherz, Karneval, Galgenhumor, Treppenwitz, schwarzer Humor und therapeutischer Humor werden genannt.

Komische Personen sind Figuren oder Darsteller, die andere zum Lachen bringen. Sie zeigen oft zwei Seiten zugleich: bedauernswerte Einfalt und besondere Kreativität. Diese Mischung macht die Verbindung von Schwäche und Stärke sichtbar. Beispiele sind Oliver Hardy und Stan Laurel, Dean Martin und Jerry Lewis oder in der Literatur Bertram Wooster und Jeeves bei P. G. Wodehouse. Aus der komischen Figur des mittelalterlichen geistlichen Dramas entwickelten sich Hanswurst, Kasperle und später der Clown im Zirkus.

Historische Entwicklung

In der griechischen Antike wurde öffentlich im Theater, bei Festen und auf den Straßen gelacht. Schlagfertige Männer verspotteten Passanten oder einflussreiche Bürger. Seit etwa 550 v. Chr. sind im privaten Bereich Spaßmacher belegt, die Sammlungen von Witzen in Schriftrollen nutzten. Zugleich wollten Philosophen wie Platon, Aristoteles und Pythagoras das „grobe Lachen“ zähmen und durch feineren Witz und kultivierte Ironie ersetzen.

Im römischen Recht war es verboten, einen Bürger, faktisch einen Adligen, lächerlich zu machen. Cicero beschäftigte sich deshalb mit der Frage, wann ein Witz unangemessen ist. Plautus schrieb dagegen volksnähere Komödien, deren Humor stärker an Karneval erinnert.

Im Mittelalter und in der Renaissance wurde Humor aus höfischer Kultur und Kirche zunehmend verdrängt. Lachen galt in Klöstern als besonders anstößiger Bruch des Schweigegelübdes, zugleich gab es dort Witzsammlungen. Humor wurde stärker Teil der Volkskultur und städtischer Feste wie Karneval, Fastnacht und Fasching. Zwischen etwa 1450 und 1750 verbreiteten sich Schwank- oder Volksbücher mit Streichen, Witzen und schlagfertigen Antworten.

Während Reformation und Gegenreformation wurde Humor genutzt, um Gegner lächerlich zu machen, zugleich versuchten Kirchen, das Lachen zu kontrollieren. In der Aufklärung galt Humor zunächst als Verstoß gegen Ernsthaftigkeit und logische Argumentation, wurde aber allmählich als politisches Mittel akzeptiert. Im deutschen Vormärz nahmen Karikaturen, Witzblätter und gedruckte Satiren trotz der Karlsbader Beschlüsse von 1819 stark zu. Heute wird Humor manchmal als Führungsinstrument empfohlen; der Artikel stellt jedoch in Frage, ob Humor, der oft aus Unterlegenheit und Widerstand entsteht, in hierarchischen Strukturen dafür geeignet ist.

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