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Vier-Seiten-Modell

Paul Watzlawick postulierte, dass jede Aussage unter einem Inhaltsaspekt und einem Beziehungsaspekt verstanden werden könne (zweites Axiom). Der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Zweck
  2. 2. Die vier Ebenen einer Nachricht
  3. 3. Sache, Selbstkundgabe, Beziehung und Appell
  4. 4. Beispiel an der Ampel
  5. 5. Missverständnisse und stimmige Nachrichten

Grundidee und Zweck

Das Vier-Seiten-Modell, auch Nachrichtenquadrat, Kommunikationsquadrat oder Vier-Ohren-Modell genannt, ist ein Modell der Kommunikationspsychologie von Friedemann Schulz von Thun. Es erschien 1981 im ersten Band von Miteinander Reden. Es beschreibt jede Nachricht zugleich unter vier Aspekten: Sachinhalt, Selbstkundgabe, Beziehung und Appell.

Das Modell hilft dabei, gestörte Kommunikation zu untersuchen. Missverständnisse und daraus entstehende Konflikte können auftreten, wenn Sender und Empfänger dieselbe Nachricht auf den vier Ebenen unterschiedlich deuten oder unterschiedlich stark gewichten. Die Nachricht wird dadurch zum Gegenstand einer Kommunikationsdiagnose.

Schulz von Thun verbindet dabei zwei Ansätze: Paul Watzlawicks zweites Axiom, nach dem jede Aussage einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt hat, sowie Karl Bühlers Organon-Modell mit den Funktionen Ausdruck, Appell und Darstellung.

Die vier Ebenen einer Nachricht

Eine Äußerung kann aus vier Richtungen betrachtet werden:

  • Sachinhalt oder Sachaspekt: Die Information über eine Sache, also „Worüber ich informiere“.
  • Selbstkundgabe oder Selbstaussage: Was die Nachricht über den Sprecher erkennen lässt, also „Was ich von mir selbst kundgebe“.
  • Beziehung: Was die Art der Nachricht über das Verhältnis der Beteiligten zeigt, also „Was ich von dir halte oder wie wir zueinander stehen“.
  • Appell: Wozu der Empfänger veranlasst werden soll, also „Wozu ich dich veranlassen möchte“.

Für den Empfänger erweitert Schulz von Thun das Modell zum Vier-Ohren-Modell. Mit dem Sach-Ohr, Selbstkundgabe-Ohr, Beziehungs-Ohr und Appell-Ohr kann eine Nachricht jeweils vor allem auf einer dieser Ebenen gehört und gedeutet werden.

Sache, Selbstkundgabe, Beziehung und Appell

Auf der Sachebene übermittelt der Sender Daten, Fakten und Sachverhalte. Seine Aufgaben sind Klarheit und Verständlichkeit. Der Empfänger prüft mit dem Sach-Ohr, ob die Aussage wahr oder unwahr, relevant oder belanglos sowie ausreichend oder ergänzungsbedürftig ist.

Selbstkundgabe bedeutet, dass jede Äußerung etwas über den Sender zeigt. Sie enthält einerseits teilweise bewusste und beabsichtigte Selbstdarstellung, andererseits unbewusste und unfreiwillige Selbstenthüllung. Mit dem Selbstkundgabe-Ohr achtet der Empfänger auf die enthaltenen Ich-Botschaften, also auf mögliche Hinweise zu Persönlichkeit, Gedanken oder Gefühlen des Senders.

Auf der Beziehungsebene wird sichtbar, wie Sender und Empfänger zueinander stehen und einander einschätzen. Formulierung, Körpersprache und Tonfall können etwa Wertschätzung, Respekt, Wohlwollen, Gleichgültigkeit oder Verachtung ausdrücken. Je nachdem, was der Empfänger mit dem Beziehungs-Ohr wahrnimmt, kann er sich akzeptiert oder herabgesetzt, respektiert oder bevormundet fühlen.

Mit einem Appell möchte der Sender meist etwas bewirken: Der Empfänger soll etwas tun oder unterlassen. Bitten und Aufforderungen sind offene Formen. Verdeckte Veranlassungen heißen Manipulation. Mit dem Appell-Ohr fragt sich der Empfänger: „Was soll ich jetzt denken, machen oder fühlen?“

Beispiel an der Ampel

Ein Paar sitzt im Auto vor einer Ampel. Die Frau fährt, der Mann sagt: „Du, die Ampel ist grün!“ Die Frau antwortet: „Fährst du oder fahre ich?“

Die Aussage kann auf der Sachebene bedeuten, dass die Ampel gerade auf Grün geschaltet hat. Als Selbstoffenbarung kann sie zeigen, dass der Beifahrer es eilig hat oder ungeduldig ist. Auf der Appellebene kann sie die Aufforderung enthalten, loszufahren. Auf der Beziehungsebene kann sie als Hilfe für die Fahrerin, aber auch als Demonstration von Überlegenheit verstanden werden.

Der Beifahrer kann den Appell besonders betont haben. Die Fahrerin kann dieselbe Aussage dagegen auf der Beziehungsebene als Herabsetzung oder Bevormundung auffassen.

Missverständnisse und stimmige Nachrichten

Ein weiteres Beispiel zeigt ein Missverständnis beim Abendessen. Ein Mann sieht Kapern in der Soße und fragt: „Was ist das Grüne in der Soße?“ Für ihn bedeutet dies: Sachebene: Da ist etwas Grünes. Selbstkundgabe: Ich weiß nicht, was es ist. Beziehung: Du wirst es wissen. Appell: Sag mir, was es ist!

Die Frau versteht dagegen: Sachebene: Da ist etwas Grünes. Selbstkundgabe: Mir schmeckt das Essen nicht. Beziehung: Du bist eine miserable Köchin! Appell: Lass das nächste Mal das Grüne weg! Sie antwortet gereizt: „Mein Gott, wenn es dir hier nicht schmeckt, kannst du ja woanders essen gehen!“

Botschaften können explizit, also ausdrücklich gesagt, oder implizit, also aus Verhalten erschlossen, sein. Sie können außerdem kongruent oder inkongruent sein. Kongruent heißt: Alle sprachlichen und nichtsprachlichen Signale sind miteinander stimmig. Inkongruent heißt: Diese Signale widersprechen sich, etwa wenn jemand sagt, es sei sehr heiß, aber mit hochgeschlagenem Mantelkragen eintritt.

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