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Antikolonialdenkmal
Ebenfalls 2009 wurde ein Erinnerungsort für die Opfer der Nama und Ovaherero während des Kolonialkrieges in Namibia (1904–1908) in unmittelbarem Dialog mit dem …
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Bedeutung und Standort
Das Antikolonialdenkmal ist ein Mahnmal in Bremen. Es hat die Form eines Elefanten aus Backstein und steht im Nelson-Mandela-Park im Stadtteil Schwachhausen, Ortsteil Bürgerweide-Barkhof, gegenüber dem Hermann-Böse-Gymnasium und nahe dem Hauptbahnhof. Ursprünglich wurde es 1931 als Reichskolonialehrendenkmal errichtet und am 6. Juli 1932 eingeweiht. Es war das zentrale deutsche Kolonialdenkmal der Kolonialbewegung. 1989 beschloss Bremen seine Umwidmung zum Antikolonialdenkmal.
Seit 2008 ist das „Anti-Kolonial-Denk-Mal“ aus heimatgeschichtlichen und künstlerischen Gründen als Denkmal eingetragen. Seit 2009 liegt seine Pflege beim gemeinnützigen Verein Der Elefant!, der Bildung, Kunst und Kultur sowie Vielfalt, Toleranz und Kreativität rund um das Denkmal fördern will.
Vorgeschichte und kolonialpolitischer Zweck
Ein Vorläufer war ein 1913 ausgeschriebener Wettbewerb für ein Berliner Kolonialkriegerdenkmal für auf außereuropäischem Boden gefallene Deutsche. Fritz Behn gewann ihn mit einem afrikanischen Elefanten, doch der Entwurf wurde kritisiert und abgelehnt. Ein 1914 von Kaiser Wilhelm II. ausgeschriebener neuer Wettbewerb wurde durch den Ersten Weltkrieg verschoben und nicht verwirklicht.
Nach dem Ersten Weltkrieg wollten Teile der politischen und wirtschaftlichen Elite Bremens den Verlust der deutschen Kolonien nicht hinnehmen. Bremen hatte während der Kolonialzeit stark vom Überseehandel profitiert. Bremer und Hamburger Kaufleute förderten die Kolonialbewegung, weil sie ihre weltweiten Handelsplätze staatlich sichern wollten; dies wurde mit dem Satz „Die Flagge folgt dem Handel“ beschrieben. Der Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz hatte die erste Kolonie Deutsch-Südwestafrika, das heutige Namibia, erworben.
In den 1920er und 1930er Jahren verlangten viele alte Handelsfirmen die Rückgewinnung deutscher Kolonien und eine Rückkehr des Handels nach Afrika. Nationale Kräfte forderten daher ein Mahnmal, das an die koloniale Vergangenheit erinnern und Ansprüche auf Kolonien neu beleben sollte. Die koloniale Arbeitsgemeinschaft Bremen beantragte das offiziell „Reichskolonialehrendenkmal“ genannte Bauwerk im September 1926. Die Bürgerschaft stimmte nach heftigen Debatten im Januar 1931 zu; der Senat bestätigte dies einen Monat später. Eine Einweihung war zunächst umstritten, weil das Denkmal eher koloniale Propaganda als Erinnerung an Gefallene sein könne. Im Juni 1932 wurde sie nach Drängen der Deutschen Kolonialgesellschaft dennoch genehmigt.
Bauform und ursprüngliche Gestaltung
Das Monument wurde 1932 nach einem Entwurf des Bildhauers Fritz Behn vom Architekten Otto Blendermann gebaut. Der aus dunkelroten Oldenburger Klinkern gemauerte Elefant ist mit seinen Sockeln 10 Meter hoch. Die Figur geht in einen zwölfeckigen Sockel über. Sie steht auf einer weiteren Sockelstufe von 15 mal 11,20 Metern und 1,50 Metern Höhe.
Im halb unterirdischen Unterbau lag eine Krypta, also ein gewölbter Raum. Sie war an den Längsseiten durch je drei Fenster beleuchtet und über sechs Stufen sowie ein bronzenes Tor an der Kopfseite des Elefanten zugänglich. Auf einem steinernen Tisch lag ein Buch mit den 1.490 Namen der im Ersten Weltkrieg in den deutschen Kolonien gefallenen Soldaten. Die Gestaltung stellte diese Toten symbolisch als unter afrikanischem Boden liegend dar.
Vor 1945 trug die Tür zur Krypta die Inschrift „Unseren Kolonien“. Weitere Terrakottatafeln nannten Kamerun, Deutsch-Ostafrika, Togo, Deutsch-Südwestafrika, Deutsch-Neuguinea und Deutsch-Samoa. Auf der Rückseite des Sockels befanden sich Portraitmedaillons von Franz Adolf Lüderitz und General Paul von Lettow-Vorbeck. Bei späteren Renovierungen wurden die Inschriften abgenommen. Als die Krypta zum Abstellraum wurde, kam das Totenbuch in das Staatsarchiv Bremen.
Einweihung und damalige Botschaft
Die Einweihung am 6. Juli 1932 wurde von allen norddeutschen Rundfunksendern und dem Deutschlandsender begleitet. Wegen des großen Andrangs bei heißem Sommerwetter sperrte die Polizei den Festplatz ab. Redner waren Eduard Achelis von der Bremer Abteilung der Deutschen Kolonialgesellschaft, Bürgermeister Spitta, der stellvertretende Präsident der Deutschen Kolonialgesellschaft Lindequist und General von Lettow-Vorbeck in der Uniform der Kaiserlichen Schutztruppe.
Die Reden verbanden das Gedenken an gefallene Soldaten mit der Forderung nach Rückgabe der deutschen Kolonien und nach erneuter kolonialer Betätigung. Lindequist verwies auf ein früheres deutsches „Kolonialreich“ von fast der sechsfachen Ausdehnung Deutschlands und beschrieb den Verlust als wirtschaftliche Einengung für ein „65-Millionen-Volk“. Von Lettow-Vorbeck erklärte, ein großes Volk müsse Kolonien haben, um leben zu können. Nach dem Deutschlandlied wurden in der Krypta Kränze niedergelegt, unter anderem von Senat, Bürgerschaft, Handelskammer, Reichswehr, Reichsmarine und Kolonial- und Kriegerverbänden. Eine Ehrenkompanie und Fahnenabordnungen betonten den offiziellen Charakter.
Der Zusammenhang zwischen deutschem Kolonialismus, kolonialen Kriegen und Hitlers späterem Vernichtungsfeldzug im Osten ist in der Geschichtswissenschaft umstritten. Die Reden von 1932 gelten im Artikel als Ausdruck des damaligen Zeitgeists.
Umwidmung, Zusammenarbeit und Erinnerungsort
Die Bremer Bürgerschaft begrüßte am 19. September 1989 die Renovierung und Umwidmung im Rahmen der europäischen Aktion „Städte gegen Apartheid“. Nach Namibias Unabhängigkeit am 21. März 1990 wurde der Elefant am 18. Mai 1990 beim Namibia-Freiheitsfest in „Anti-Kolonial-Denk-Mal“ umbenannt. Bürgermeister Klaus Wedemeier erklärte dabei, Afrika sei durch europäischen Kolonialismus besonders stark zerstückelt sowie ökonomisch, ökologisch und in seiner Identität verletzt worden.
Eine 1990 enthüllte Bronzetafel beschreibt das Bauwerk als Ausdruck der deutschen kolonialen Vergangenheit und der Forderung neokolonialer Bremer Kreise nach Rückgabe des Kolonialbesitzes. Sie verweist außerdem darauf, dass der Elefant in der NS-Zeit Teil der Bestrebungen war, Bremen zur „Stadt der Kolonien“ im „Dritten Reich“ zu machen. Eine weitere Tafel wurde am 21. Juni 1996 von Namibias Staatspräsident Sam Nujoma und Bürgermeister Henning Scherf enthüllt. Sie erinnert an die Opfer der deutschen Kolonialherrschaft in Namibia 1884–1914.
Die Umwidmung führte auch zu Zusammenarbeit: 1990 entstand das Namibia-Projekt der Universität Bremen, des UN-Instituts für Namibia in Lusaka und der SWAPO. Es sollte der schwarzen Bevölkerungsmehrheit Namibias Ausbildung ermöglichen, die unter südafrikanischer Verwaltung beinahe davon ausgeschlossen war. Dazu gehörte das Sozialkundebuch „Our Namibia“; außerdem unterstützte Manfred Hinz den Aufbau eines neuen Rechtssystems. Im März 1995 gründeten Bremen und Namibia einen Runden Tisch, und seit 2001 ist Windhoek Partnerstadt Bremens.
2009 wurden Krypta und Monument renoviert, beleuchtet und gereinigt. Im selben Jahr entstand unmittelbar beim Elefanten ein kreisförmiger Erinnerungsort für die Opfer der Nama und Ovaherero im Kolonialkrieg in Namibia von 1904–1908. Dafür brachte man Steine aus der Omaheke-Wüste nach Bremen, in der viele Herero nach der Schlacht am Waterberg verdursteten. Der Verein DerElefant!, Lokalpolitik, Kulturschaffende und Nachbarn trugen die Initiative. Geplant ist außerdem, die Krypta im Sommer für Kulturveranstaltungen und den Park für Sommerfreiluftgastronomie zu nutzen.