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Der Mensch im Zentrum | Anthropozentrismus
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 33 Zeilen
- Der Anthropozentrismus ist eine umweltethische Position, in deren Mittelpunkt der Mensch steht. Tiere, Pflanzen, Ökosysteme und die gesamte
- außermenschliche Natur haben keinen eigenen Wert, sondern dienen allein den Interessen des Menschen. Wie eine solche Position Natur- und Umweltschutz
- begründet, erfährst du in diesem Video. Im Anthropozentrismus (anthropozentrisch) wird nur dem Menschen ein moralischer Eigenwert zugesprochen. „Anthropos“ ist griechisch
- und bedeutet „Mensch“. Nur der Mensch ist intrinsisch wertvoll und dementsprechend bestehen moralische Pflichten auch nur gegenüber Menschen.
- Der Vorrang des Menschen vor anderen Lebewesen wird vor allem damit begründet, dass nur er über Vernunft und Sprache verfügt. Der Anthropozentrismus ist stark durch die
- christlich-jüdische Religion geprägt. Hier wird der Mensch als das Ebenbild Gottes und die Krone der Schöpfung betrachtet. Der Mensch hat von Gott einen Herrschafts- und einen
- Bewahrungsauftrag erhalten. Er soll sich die Erde untertan machen, sie bebauen und bewahren. Kriterien für die moralische Berücksichtigungswürdigkeit des Menschen sind Menschsein, Personalität,
- Sprache, Vernunft bzw. - aus jüdisch-christlicher Sicht - Gottesebenbildlichkeit. Wichtige Vertreter des Anthropozentrismus sind der deutsche Philosoph Immanuel Kant
- (1724-1804) sowie christliche Schöpfungstheologen wie Augustinus (364-430), Thomas von Aquin (1225-1274) und Martin Luther (1483- 1546). Im Anthropozentrismus gibt es keine direkte
- Schutzpflicht gegenüber nicht-menschlichen Lebewesen. Nur der Mensch ist moralisches Objekt, muss also direkt moralisch berücksichtigt werden. Dennoch argumentiert die anthropozentrische
- Umweltethik für den Schutz der außermenschlichen Natur. Umweltschutz ist im Anthropozentrismus notwendig, da die Natur einen instrumentellen Wert für
- den Menschen besitzt. Naturschutz ist also gleichzeitig Schutz des Menschen. Natur und Umwelt haben laut dieser Position zwar keinen Eigenwert, sind aber instrumentell wertvoll,
- nämlich insofern sie für den Menschen nützlich sind. Im Wesentlichen begründet der Anthropozentrismus Natur- und Umweltschutz mit 3 Argumenten:
- 1.) Das Basic-Need-Argument besagt, dass die Erfüllung menschlicher Grundbedürfnisse von natürlichen Bedingungen abhängt. Zerstört der Mensch die Natur, zerstört er seine eigenen
- Lebensgrundlagen. Damit wird der Natur ein instrumenteller Wert zugeschrieben. Natur ist kein Eigenwert, sondern ein Wert, den es um etwas anderem willen zu achten gilt.
- Verschmutzt der Mensch beispielsweise Seen und Flüsse, so schadet er sich selbst, weil er dann kein sauberes Trinkwasser mehr hat. 2.) Das Ästhetische Argument betrachtet die
- Natur als Quelle angenehmer körperlicher und seelischer Empfindungen. Der Mensch schätzt die Natur um ihrer Ästhetik, ihrer Schönheit, um ihrer Gegenwart willen. Damit wird der
- Natur zwar ein inhärenter Wert zugesprochen, doch zentral ist nach wie vor der Mensch. Der Mensch braucht die Natur, um gut und glücklich leben zu können.
- Wälder dienen beispielsweise der Erholung und dem ästhetischen Genuss von Menschen. Ein Teil des Schwarzwalds ist seit 2014 Nationalpark und genießt einen besonderen Schutz, auch
- als Rückzugs- und Erholungsort für den Menschen. Naturerlebnisse wie beispielsweise das Waldbaden verhelfen dem Menschen zu innerer Ruhe und Ausgeglichenheit und schaffen einen Ausgleich
- zum stressigen Alltag. 3.) Das Pädagogische Argument oder Verrohungsargument besagt, dass ein grausamer Umgang mit der Natur - vor allem mit Tieren - auch negative
- Auswirkungen auf den Umgang mit Menschen hat. Ein respektvoller und guter Umgang mit der Natur hingegen erzieht den Menschen zu einem friedvolleren und besseren Umgang mit anderen
- Menschen. Immanuel Kant beispielsweise bezeichnete Tiere als bloße Sachen, welche der Mensch als Mittel für seine Zwecke benutzen darf. Dennoch spricht
- er sich aus indirekten Gründen für die Rücksicht auf Tiere aus: Wer Tiere misshandelt und ihnen gegenüber grausam ist, wird moralisch abstumpfen - verrohen - und dann auch im Umgang mit Menschen
- zu Grausamkeit tendieren. Häufig wird die Grundannahme des Anthropozentrismus kritisiert und verneint, dass der Mensch eine Sonderstellung innerhalb der Natur hat.
- Seit Darwins Evolutionstheorie wird angezweifelt, dass sich der Mensch wesentlich vom Tier unterscheidet. Der australische Philosoph Peter Singer kritisiert eine Bevorzugung von Artgenossen (also Menschen)
- explizit als Speziesismus. Dieser sei ebenso abzulehnen wie Sexismus oder Rassismus in der Menschenwelt. Der zweite wichtige Kritikpunkt richtet sich
- gegen die Konsequenzen, die der Mensch aus einer anthropozentrischen Sichtweise ziehen kann. Wenn die Natur nämlich nur einen instrumentellen Wert hat, also nur dem Nutzen des Menschen
- dient, ist jede Ausbeutung von Tieren, Pflanzen und Ökosystemen erlaubt, solange diese Ausbeutung dem Menschen nicht direkt schadet. Artensterben und selbst die gezielte Ausrottung bestimmter
- Tierarten durch den Menschen wären laut dieser umweltethischen Position kein moralisches Problem. Ein solcher Umgang mit der Natur - vor allem mit empfindungsfähigen Lebewesen
- wie Tieren - widerspricht der moralischen Intuition vieler Menschen. Wie ist deine Meinung? Überzeugen dich die Argumente, die der Anthropozentrismus
- für Natur- und Umweltschutz vorbringt? Schreibe deine Gedanken sehr gerne unten in die Kommentare. Mit dem Quizlet-Lernset „Anthropozentrismus“
- kannst du dein Wissen jetzt überprüfen und vertiefen. Viel Spaß beim Lernen und bis bald!
Zum Nachlesen
AnthropozentrismusBasic-Needs-Argument: Der Mensch ist als Mensch auf die Natur angewiesen. · ästhetisches Argument: Die Natur ist einzigartig und für den Menschen unverzichtbar.
PhysiozentrismusDer Physiozentrismus (von griechisch physis= Natur) gilt in der Umweltethik als Gegenbegriff zum Anthropozentrismus, wobei die Positionen sich jeweils bemühen, …
TierethikDie Tierethik ist eine Teildisziplin der Bioethik. Ihr Gegenstand sind die moralischen Fragen, die sich aus dem menschlichen Umgang mit Tieren ergeben.