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Physiozentrismus

Der Physiozentrismus (von griechisch physis= Natur) gilt in der Umweltethik als Gegenbegriff zum Anthropozentrismus, wobei die Positionen sich jeweils bemühen, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee
  2. 2. Rechtliche Bedeutung
  3. 3. Strömungen
  4. 4. Pathozentrismus
  5. 5. Biozentrismus
  6. 6. Holismus

Grundidee

Der Physiozentrismus ist eine Position der Umweltethik und gilt als Gegenbegriff zum Anthropozentrismus. Beide Ansätze beschäftigen sich damit, welchen moralischen Wert die belebte Natur hat.

Anthropozentrische Ansätze messen der nicht-menschlichen Natur keinen Eigenwert zu. Sie gehen daher nicht davon aus, dass Rücksichtnahme auf die Umwelt oder auf andere Spezies notwendig sei. Physiozentrische Ansätze gehen dagegen von einem moralischen Eigenwert der Natur und ihrer Bewohner aus: Natur und Lebewesen gelten unabhängig von menschlichen Interessen als wertvoll.

Rechtliche Bedeutung

Im Umweltrecht finden Positionen zunehmend Gehör, die fordern, auch die Natur müsse rechtlich berücksichtigt werden. Häufig setzen sich bisher Umweltschutzorganisationen oder indigene Völker gegen wirtschaftliche Interessen für den Erhalt der Umwelt als Lebensraum ein.

Im Juli 2022 stimmten die Vereinten Nationen darüber ab, eine saubere Umwelt zum Menschenrecht zu erklären. Die Natur selbst hat damit noch keine eigenen Rechte. Dennoch gilt es als wichtiger Impuls für die Weiterentwicklung der Umweltgesetzgebung, dass nun jeder Mensch das Recht hat, in einer „sicheren, sauberen, gesunden und nachhaltigen Umwelt“ zu leben.

Strömungen

Neben dem Physiozentrismus werden weitere Gegenpositionen zum Anthropozentrismus häufig in pathozentrische, biozentrische und radikal-physiozentrische Ansätze unterteilt.

Der Pathozentrismus spricht allen empfindungsfähigen Lebewesen einen moralischen Eigenwert zu. Der Biozentrismus spricht grundsätzlich allen Lebewesen einen Eigenwert zu. Im radikalen Physiozentrismus unterscheidet man eine individualistische und eine holistische Variante: Die individualistische Variante spricht Einzeldingen in der Natur, zum Beispiel Steinen, moralische Werte zu. Im holistischen Ansatz ist die Ganzheit der Natur Träger moralischer Werte.

Pathozentrismus

Der Pathozentrismus bewertet alle Lebewesen als moralisch relevant, die empfindsam und leidensfähig sind. Empfindsam bedeutet hier, dass ein Lebewesen Wahrnehmungen oder Gefühle haben kann; leidensfähig bedeutet, dass es Schmerz oder Leid erfahren kann.

Damit unterscheidet sich der Pathozentrismus vom Anthropozentrismus, der nur auf Bedürfnisse von Menschen Rücksicht nimmt.

Biozentrismus

Der Biozentrismus geht davon aus, dass jedes Lebewesen einen moralischen Eigenwert hat. Moralischer Eigenwert bedeutet, dass etwas nicht nur wegen seines Nutzens für Menschen zählt, sondern um seiner selbst willen berücksichtigt werden soll.

Der Ansatz wurde unter anderem von vegan beziehungsweise vegetarisch lebenden Personen, Tierrechtlern und Umweltaktivisten entworfen. Er wird auch von Theologen wie Rupert Lay und dem Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer vertreten. Schweitzer plädierte für mehr Biophilie, also Liebe zum Lebendigen, gegen das Abgleiten in eine unmenschliche Welt. Als weiterer Bezug wird der Jainismus genannt, in dem Gewaltlosigkeit gegenüber allen Lebewesen ein ethisches Grundprinzip ist.

Holismus

Im Holismus ist das moralisch relevante Kriterium das Sein an sich. Für ethisches Handeln sind deshalb nicht nur Lebewesen wichtig, sondern auch die unbelebte Natur.

Dieser Ansatz betrachtet also nicht nur einzelne Menschen, Tiere oder Pflanzen, sondern die Natur als umfassende Ganzheit, die moralisch berücksichtigt werden soll.

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