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Anrede

die situationsgerechte pronominale Anredeform mit Du, Ihr, Sie usw. Dieser Artikel fasst einige allgemeine und spezielle Fälle sowie regionale und …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundlagen und Funktion
  2. 2. Ämter, Wissenschaft und Diplomatie
  3. 3. Militärische Anreden
  4. 4. Religiöse Anreden
  5. 5. Adel und frühere Adelstitel

Grundlagen und Funktion

Eine Anrede ist die sprachliche Formel, mit der ein Gespräch, eine Rede oder ein Schriftstück begonnen wird. Die angesprochene Person oder Gruppe heißt Adressat. In Not- oder Aggressionssituationen kann eine förmliche Anrede fehlen. Üblicherweise enthält sie aber eine Begrüßung wie „Hallo“ oder „Guten Tag“, einen Ausdruck der Wertschätzung wie „sehr geehrte“ oder „lieber“, gegebenenfalls „Herr“, „Frau“, einen Berufs-, Amts- oder Adelstitel, den passenden Namen sowie die pronominale Form „Du“, „Ihr“ oder „Sie“.

Welche Anrede passend ist, hängt unter anderem von Region, Alter und gesellschaftlicher Stellung, Beziehung der Beteiligten, Situation und Kommunikationsform ab. Mündliche und schriftliche Anrede können unterschiedlichen Regeln folgen; besonders im Schriftverkehr und bei Reden sind Formen stärker festgelegt. In hierarchischen Organisationen wie dem Militär sind sie oft vorgeschrieben. Die Wahl einer Anrede kann Rang, Respekt, Gleichberechtigung oder auch subtile soziale Botschaften ausdrücken.

Akademische Grade und Amtsbezeichnungen dürfen geführt werden, begründen aber nicht automatisch einen Anspruch, so angesprochen zu werden. In Österreich sind Adelstitel seit dem Ende des Ersten Weltkriegs abgeschafft; in Deutschland wurden sie durch die Gesetzgebung von 1928 teilweise Bestandteil des Nachnamens.

Ämter, Wissenschaft und Diplomatie

Bei öffentlichen Ämtern steht im Deutschen gewöhnlich „Herr“ oder „Frau“ vor Titel oder Amtsbezeichnung, ohne Nachnamen: etwa „Herr Bundeskanzler“, „Frau Ministerin“, „Herr Bürgermeister“ oder „Frau Abgeordnete“. Der Name steht meist nur in Anschrift und Schriftverkehr. Aus dem Amt ausgeschiedene Bundespräsidenten und Bundeskanzler werden in Deutschland weiterhin mit ihrem früheren Titel angesprochen; in der Schweiz gilt dies beim Bundespräsidenten nicht. Pensionierte Beamte dürfen ihre letzte Amtsbezeichnung mit „a. D.“ („außer Dienst“) weiterführen, sofern dies nicht disziplinarisch untersagt wurde.

Ausländische Staatsoberhäupter, Regierungschefs und Regierungsmitglieder erhalten schriftlich häufig den Titel „Exzellenz“. Für deutsche Amtsträger verwenden Deutsche oder Schweizer dagegen etwa „Herr Bundespräsident“. Nur der Botschafter eines ausländischen Staates hat Anspruch auf „Exzellenz“; der Botschafter des eigenen Landes heißt „Herr Botschafter“ oder „Frau Botschafterin“.

Akademische Grade werden selbst erworben, Titel verliehen. Bachelor, Master, Magister und Diplom werden in der Anrede in Deutschland nicht verwendet. Der Doktorgrad wird dagegen meist in Anschrift und Anrede genannt, dort abgekürzt und nur einmal: „Sehr geehrter Herr Dr. Müller“. Fachrichtung, mehrfache Doktorgrade und „habil.“ entfallen in der Anrede. Ein Privatdozent wird dort ebenfalls nicht genannt; bei Professoren lautet die Anrede dagegen „Frau Professorin Schneider“ oder traditionell „Frau Professor Schneider“, ohne Doktorgrad. Die selten gewordenen universitären Anreden „(Eure) Spektabilität“ für Dekane und „(Eure) Magnifizenz“ für Rektoren werden vor allem bei besonderen Anlässen gebraucht.

Militärische Anreden

In der Bundeswehr lautet die Anrede für Soldaten seit 1970 meist „Herr“ oder „Frau“ plus Dienstgrad, gegebenenfalls Familienname, und „Sie“, zum Beispiel „Frau Leutnant“, „Herr Oberfeldwebel“ oder „Frau Hauptmann“. Dienstgrade haben keine weibliche Form. Zivile Personen sprechen Soldaten und Beamte grundsätzlich mit deren bürgerlichem Namen an.

Es gibt festgelegte Ausnahmen: Kapitänleutnante heißen traditionell „Herr/Frau KaLeu“. Marine-Stabsoffiziere werden als „Herr/Frau Kapitän“, Generale als „Herr/Frau General“, Sanitätsoffiziere im Generalsrang als „Herr/Frau Generalarzt“ und Admirale als „Herr/Frau Admiral“ angesprochen. Der Zusatz „zur See“ entfällt direkt. Zusätze wie „OA“, „UA“, „FA“, „i. G.“, „d. R.“ oder „a. D.“ werden mündlich, nicht aber schriftlich weggelassen. Innerhalb einer Kampfgemeinschaft kann stattdessen die Funktion benutzt werden, etwa „Zugführer“.

In der Nationalen Volksarmee der DDR wurden Vorgesetzte und Dienstgradhöhere mit „Genosse“ oder „Genossin“ plus Dienstgrad angesprochen; während der friedlichen Revolution änderte sich dies zu „Herr/Frau“ plus Dienstgrad. Die Schweizer Armee schaffte „Herr“ vor dem Grad in der Oswald-Reform 1970/1974 offiziell ab. Generalstabsoffiziere werden ab Major mündlich ohne den Zusatz „i Gst“ angesprochen, schriftlich jedoch mit ihm.

Religiöse Anreden

In der evangelischen und römisch-katholischen Kirche gibt es protokollarische Anreden nach Amt und Rang. Der Papst heißt „Eure Heiligkeit“ oder, besonders unter Katholiken, „Heiliger Vater“. Kardinäle werden als „Eure/Euer (Hochwürdigste) Eminenz“, Bischöfe und Erzbischöfe als „Eure/Euer (Hochwürdigste) Exzellenz“ oder „(Hochwürdigster) Herr (Erz-)Bischof“ angesprochen. Für Priester lautet die traditionelle Form „Hochwürden“ oder „Hochwürdiger Herr Pfarrer/Pater/Abbé“; für Äbtissinnen „Hochwürdige Frau/Mutter Äbtissin“. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil sind manche dieser Formen im katholischen Alltagsumgang weitgehend aufgegeben worden.

In der evangelischen Kirche werden Würdenträger heute meist „Herr Pastor“ oder „Frau Pfarrer“ genannt; seit etwa 1970 wird zunehmend nur der Name verwendet. Jüdische Gemeinden verwenden ebenfalls meist die einfache Form aus Geschlecht und Titel oder Amtsbezeichnung, ohne persönlichen Namen. Der Ökumenische Patriarch wird mit „Euer Allheiligkeit“ angesprochen. „Heiligkeit“, „Euer Heiligkeit und Seligkeit“ oder „Euer Seligkeit“ stehen je nach orthodoxem Kirchenoberhaupt. Bischöfe werden in orthodoxen und byzantinischen Kirchen häufig „Vladika“ („Gebieter“) genannt. Auch der Dalai Lama wird mit „Eure Heiligkeit“ angeredet.

Adel und frühere Adelstitel

Die Verwendung von Adelstiteln richtet sich nach nationalen und protokollarischen Regeln. In Deutschland wurden Adelsvorrechte und Adelsprädikate 1919 abgeschafft. Frühere Prädikate wurden – mit Ausnahme der Primogeniturtitel – Teil des Familiennamens. Deshalb heißt es beispielsweise „Friedrich Graf von Sachsenhausen“, nicht mehr „Graf Friedrich von Sachsenhausen“. Die Bestandteile werden weiterhin nach Geschlecht unterschieden, etwa Graf/Gräfin oder Freiherr/Freifrau/Freiin.

Für Anreden ehemaliger Adelsnamen gibt es keine gesetzlich verbindliche Regel. Der übliche Gebrauch ist „Graf Sachsenhausen“ oder „Gräfin Sachsenhausen“, nicht „Herr Graf Sachsenhausen“ beziehungsweise „Frau Gräfin Sachsenhausen“: Das Prädikat ersetzt „Herr“ oder „Frau“. Eine abweichende Auffassung hält „Herr Graf Sachsenhausen“ für möglich. Bei „Freiherr/Freifrau von Sachsenhausen“ wird im gesprochenen Gebrauch meist „Herr/Frau von Sachsenhausen“, teils „Baron/Baronin Sachsenhausen“ verwendet; „Freiherr/Freifrau“ wurde historisch in Deutschland nicht gesprochen. „Edler“ und „Ritter“ bleiben in der Anrede grundsätzlich weg. Als Beispiel nennt der Artikel für Friedrich Freiherr von Sachsenhausen die Briefanrede „Sehr geehrter Baron Sachsenhausen“.

Das „von“ bleibt in der Anrede erhalten: „Herr von Sachsenhausen“. In einer Kartei steht „Sachsenhausen, von“, in amtlichen Registern jedoch „von Sachsenhausen“. Historische Formen wie „Königliche Hoheit“, „Durchlaucht“, „Erlaucht“ und „Hochwohlgeboren“ haben heute keine rechtliche Relevanz und werden gegebenenfalls als Höflichkeits- oder Traditionsform genutzt. Nach deutschem Protokoll steht deutschen Adeligen kein Adelsprädikat in Anrede und Schriftverkehr zu; ausländische Adelige sind davon nicht betroffen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz besitzen solche Formen höchstens Höflichkeitscharakter.

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