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Kosename
Kombination aus Verkleinerung und Verkürzung · deutsch Johannes > Hannes > Hans > Hänsel > Hänselchen > Hänschen · italienisch Giovanna > Gianna > Giannina > Nina …
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Begriff und Bedeutung
Ein Kosename ist eine vertrauliche Bezeichnung, die meist zwischen Menschen mit einer engen Beziehung verwendet wird, etwa zwischen Verliebten, Ehepaaren, Eltern und Kindern oder engen Freunden. Die sprachwissenschaftliche Bezeichnung lautet Hypokoristikum.
Kosenamen drücken häufig besondere Nähe aus. Sie können außerdem helfen, innerhalb einer Gruppe mehrere Personen mit demselben Namen zu unterscheiden. Oft entstehen sie aus einem regulären Eigennamen. Daneben kann eine meist positive, mit der Person verbundene Eigenschaft auf sie übertragen werden. Manche Kosenamen sind Lallnamen: Sie ahmen die noch fehlerhafte Aussprache eines Kleinkindes nach, beispielsweise englisch Molly oder Polly als Ausspracheformen von Mary.
Kosenamen und Spitznamen liegen begrifflich nahe beieinander und sind deshalb oft kaum eindeutig voneinander zu unterscheiden.
Verkleinerungsformen
Kosenamen werden bevorzugt durch Verkleinerung gebildet. Dazu fügt man Diminutiv-Suffixe an einen Vornamen oder dessen Stamm an. Ein Diminutiv ist eine sprachliche Verkleinerungs- oder Verniedlichungsform.
Im Deutschen sind besonders die Endungen -chen und -lein sowie ihre dialektalen Nebenformen verbreitet, etwa Karl-chen und Marie-lein. Im Deutschen und Englischen entstehen Kosenamen außerdem häufig durch die Endungen -i oder -ie. Ob diese Bildung auf die Nachahmung eines Naturlautes zurückgeht, ist nicht abschließend geklärt.
Im deutschen Sprachraum kommen auch Verkleinerungsformen aus anderen Sprachen vor, beispielsweise französisch Ann-ette zu Anne, ungarisch Mari-ka zu Maria und spanisch Teres-ita zu Teresa. Das Italienische besitzt neben verschiedenen Verkleinerungsformen eine eigene Verniedlichungsform, den vezzeggiativo mit der Endung -uccio.
Verkürzung und Kombination
Auch die Verkürzung eines Vornamens führt häufig zu einem Hypokoristikum. Beispiele sind Alex aus Alexander, Lutz aus Ludwig und Lilo aus Lieselotte. Vergleichbare Bildungen sind italienisch Sandra aus Alessandra, russisch Sascha aus Aleksandr und englisch Jenny aus Jennifer. Einige solcher Kurzformen sind später selbst zu gebräuchlichen Vollformen beziehungsweise eigenständigen Vornamen geworden.
Besonders häufig werden Verkürzung und Verkleinerung miteinander kombiniert. Dabei kann sich die Form so stark verändern, dass der ursprüngliche Name kaum noch erkennbar ist. Beispielhafte Ableitungsreihen sind:
- deutsch: Johannes > Hannes > Hans > Hänsel > Hänselchen > Hänschen
- italienisch: Giovanna > Gianna > Giannina > Nina > Ninetta
- griechisch: Dimitrios > Dimitris > Dimitrakis > Takis
Typische und regionale Namensformen
Die möglichen Formen unterscheiden sich nach Sprache und Region. Alexander wird beispielsweise zu Alex, im Russischen zu Sascha und über die italienische Form Alessandro zu Sandro. Andreas kann Andi, Dresi oder bairisch Anderl heißen. Für Johannes kommen Hans, Hansi und Hannes, schweizerdeutsch Hausi sowie über die russische Form Iwan auch Wanja vor.
Weitere häufige Beispiele sind Kathi für Katharina, Max für Maximilian, Micha für Michael, Basti oder Sebi für Sebastian, Steffi für Stephanie oder Stefanie sowie Tom oder Tommy für Thomas. Manche Varianten sind deutlich regional geprägt: Jakob wird in Köln Köbes, im Polnischen Kuba, im Russischen Jascha und im Schweizerdeutschen Köbi genannt. Adelheid kann in der Schweiz Heidi und in Ostfriesland Elke heißen. Die im Artikel aufgeführten Beispiele bilden ausdrücklich nur eine Auswahl und keine vollständige Liste.
Gebrauch und Verselbstständigung
Weil Kosenamen Nähe und Vertrautheit ausdrücken, bleibt ihr Gebrauch häufig Verwandten und engen Freunden vorbehalten. Künstler oder Personen der Zeitgeschichte können eine Koseform jedoch als Künstlernamen verwenden. Manche Koseformen entwickeln sich im Laufe der Zeit zu eigenständigen Vornamen; so wurde etwa Alex, ursprünglich eine Form von Alexander, selbst zum Vornamen.
Kosenamen in Partnerschaften
Nach einer repräsentativen Studie mit 5000 Teilnehmern aus dem Jahr 2013 hat jeder vierte Deutsche einen Kosenamen. Jeder Dritte wird „Schatz“ genannt. Danach folgen die Tiernamen „Hase“, „Maus“ – in Österreich für Männer und Frauen auch „Mausi“ – und „Bär“. Weitere häufige Bezeichnungen sind „Engel“, „Schnucki“, „Süße“, „Liebling“, „Spatz“ und „Baby“. Zehn Prozent setzen auf eigene Schöpfungen wie „Hexe“, „Töffel“ oder „Dickerchen“. 13 Prozent verzichten vollständig auf Kosenamen. Insgesamt ist die Zufriedenheit hoch; nur jeder elfte Befragte hätte lieber einen anderen Kosenamen.
Innerhalb Deutschlands bestehen regionale Unterschiede. Im Norden ist der Anteil der Menschen mit Kosenamen höher. Im Südwesten wird der Lebenspartner eher „Maus“, im Nordosten eher „Hase“ genannt.
Auch der Bildungsstand hängt laut Artikel mit der Wahl zusammen: Menschen mit niedrigeren Bildungsabschlüssen verwenden insgesamt häufiger Tiernamen wie „Hase“, „Bär“ und „Maus“. In höheren Bildungsschichten ist „Schatz“ verbreiteter.
Zwischen den Geschlechtern zeigen sich in der Gesamtbevölkerung ebenfalls Unterschiede. Frauen werden häufig „Maus“ oder „Engel“, Männer häufig „Bär“ genannt. Bei gleichgeschlechtlichen Paaren ist diese Trennung weniger deutlich: Dort nennen sich auch schwule Männer „Engel“ und lesbische Frauen „Bär“.