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Bundesministerium des Innern

Das Bundesministerium des Innern (BMI) ist eine oberste Bundesbehörde der Bundesrepublik Deutschland mit erstem Dienstsitz in Berlin und zweitem Dienstsitz …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Stellung und Kernaufgaben
  2. 2. Entstehung und Wandel
  3. 3. Organisation des Ministeriums
  4. 4. Nachgeordnete Behörden
  5. 5. Arbeitsschutz in Bundesbehörden
  6. 6. Dienstsitz, Erweiterung und Kritik

Stellung und Kernaufgaben

Das Bundesministerium des Innern (BMI) ist eine oberste Bundesbehörde der Bundesrepublik Deutschland. Sein erster Dienstsitz liegt in Berlin, der zweite in Bonn. Bundesinnenminister ist Alexander Dobrindt (CSU). Das Ministerium hat laut Artikel 2.165 Bedienstete (Soll 2021) und ein Haushaltsvolumen von 15,76 Mrd. Euro (2026).

Als Innenministerium des Bundes bestimmt das BMI maßgeblich die Innenpolitik. Seine Aufgaben reichen von der inneren Sicherheit über Migration und Integration bis zu Verfassungsschutz, Bevölkerungsschutz, Verwaltung und öffentlichem Dienst. Dazu gehören insbesondere Kriminalitätsbekämpfung, Grenzschutz, Zivilschutz, der Schutz vor Extremismus, Terrorismus, Sabotage, Spionage und Sekten sowie Pass-, Ausweis- und Meldewesen.

Weitere Zuständigkeiten sind die Organisation der öffentlichen Verwaltung, Statistik, Cyber- und Informationssicherheit, Zuwanderung, Asyl, Flüchtlingspolitik, nationale Minderheiten, politische Bildung und gesellschaftlicher Zusammenhalt. Der Bundesinnenminister wirkt außerdem im Rat der Europäischen Union für Justiz und Inneres an der Gesetzgebung der EU mit.

Gemeinsam mit dem Bundesministerium der Justiz ist das BMI für allgemeines Verwaltungs-, Verfassungs-, Staats-, Europa- und Völkerrecht zuständig. Es erarbeitet Gesetzentwürfe mit oder selbst und prüft Rechtsetzungsvorhaben der Bundesregierung und der Bundesministerien auf Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz und auf Verwaltungsförmigkeit. Das Beschaffungsamt des BMI kauft unter anderem Fahrzeuge und Dienstleistungen für Behörden im Geschäftsbereich ein.

Entstehung und Wandel

Das BMI wurde auf Empfehlung des Organisationsausschusses der Ministerpräsidentenkonferenz vom 30. Juli 1949 konstituiert und nahm am 20. September 1949 mit der ersten Bundesregierung seine Arbeit auf. Vorausgegangen waren das Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1945, die vorläufige Übernahme der deutschen Staatsführungsaufgaben durch die Oberbefehlshaber der vier Besatzungsmächte und das Inkrafttreten des Grundgesetzes am 24. Mai 1949.

Zu den historischen Vorgängern gehörten das Bundeskanzleramt des Norddeutschen Bundes von 1867, das seit 1871 Reichskanzleramt hieß, sowie das Reichsministerium des Innern und das daraus hervorgegangene Reichsamt des Innern.

Eine seit 2015 durch das Institut für Zeitgeschichte und das Zentrum für Zeithistorische Forschung untersuchte Studie zur Nachkriegsgeschichte zeigte, dass ehemalige NSDAP-Mitglieder in den 1950er und 1960er Jahren einen hohen Anteil der Beschäftigten stellten. Von den zwischen 1949 und 1970 beschäftigten höheren Beamten waren 54 % zuvor Mitglied der NSDAP gewesen; 1961 lag der Anteil bei 66 %. Die Studie Hüter der Ordnung wurde im Juni 2018 vorgestellt.

2018 übernahm das BMI zusätzlich das Bauwesen und hieß Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat. 2021 wurden Bauwesen, Stadtentwicklung und Raumordnung an das neu gebildete Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen übertragen; zugleich erhielt das BMI Zuständigkeiten für die strategische Steuerung der IT des Bundes und den IT-Rat des Bundes. 2025 wurde es wieder in Bundesministerium des Innern umbenannt. Zuständigkeiten für gleichwertige Lebensverhältnisse und regionale Kultur, mehrere Digitalisierungsthemen sowie die Sportpolitik gingen an andere Stellen über.

Organisation des Ministeriums

Stand Januar 2026 unterstehen dem Minister die beamteten Staatssekretäre Hans-Georg Engelke, Bernd Krösser und Sebastian Wüste sowie die parlamentarischen Staatssekretäre Christoph de Vries und Daniela Ludwig. Dem Minister direkt nachgeordnet ist die Abteilung L – Leitung.

Die Zuständigkeiten sind auf mehrere Abteilungen verteilt:

  • Engelke führt Öffentliche Sicherheit, Angelegenheiten der Bundespolizei, Cyber- und Informationssicherheit, zivile Verteidigung, Katastrophenhilfe und Waffenrecht sowie einen Stab für Krisenreaktion, hybride Bedrohungen und NSR-Koordinierung.
  • Krösser führt Migrations-, Flüchtlings- und Rückkehrpolitik, Staats-, Verfassungs- und Verwaltungsrecht, den öffentlichen Dienst sowie internationale und EU-Angelegenheiten.
  • Wüste führt die Zentralabteilung, Demokratie und Gesellschaft sowie den Stab für Protokoll und Bürgerinformation.

Seit 1949 gab es 22 Bundesinnenminister. Die Amtsinhaber gehörten CDU, CSU, FDP oder SPD an. Gustav Heinemann war der erste Minister und Alexander Dobrindt ist seit dem 6. Mai 2025 amtierender Bundesinnenminister. Zwischen 2018 und 2021 führte Horst Seehofer das um Bau und Heimat erweiterte Ministerium; von 2021 bis 2025 war Nancy Faeser Bundesministerin des Innern und für Heimat.

Parlamentarische und beamtete Staatssekretäre unterstützen den Minister. Seit 2025 sind Christoph de Vries und Daniela Ludwig parlamentarische Staatssekretäre. Seit 2015 ist Hans-Georg Engelke beamteter Staatssekretär, seit 2022 Bernd Krösser und seit 2025 Sebastian Wüste.

Nachgeordnete Behörden

Zum nachgeordneten Geschäftsbereich gehören 19 Behörden und Einrichtungen mit Planstellen und Stellen für etwa 85.000 Mitarbeiter. Knapp 50.000 davon arbeiten bei der Bundespolizei.

Für die innere Sicherheit plant und steuert das BMI Maßnahmen zum Schutz Deutschlands, der Bevölkerung und der Verfassung. Zum Geschäftsbereich gehören unter anderem das Bundesamt für Verfassungsschutz, das Bundeskriminalamt, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, die Bundespolizei und die Zentrale Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich.

Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe werden vor allem durch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sowie die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk wahrgenommen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bearbeitet zentrale Aufgaben in Migration und Integration und stimmt sich bei Sicherheitsbezügen mit Sicherheitsbehörden ab.

Zu den weiteren Einrichtungen zählen unter anderem das Statistische Bundesamt, das Bundesverwaltungsamt, das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie, das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, das Bundesinstitut für Sportwissenschaft, das Beschaffungsamt, das Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen, die Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, die Bundeszentrale für politische Bildung und die Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung.

Arbeitsschutz in Bundesbehörden

Für Bundesbehörden sind die Landesgewerbeämter nicht befugt, Anordnungen zu erteilen. Nach § 21 Abs. 5 Arbeitsschutzgesetz ist deshalb die Zentralstelle für Arbeitsschutz beim BMI zuständig. In ihrem Auftrag handelt die Unfallversicherung Bund und Bahn.

Die Kontrollmöglichkeiten sind begrenzt, weil Kontrollbehörde und kontrollierte Behörde beide dem Bund angehören. Die Europäische Union bewertete diese Nähe als wenig effektiv. Finanzielle Sanktionen würden lediglich innerhalb des Bundes umgebucht und wären daher weitgehend wirkungslos. Verwaltungsrechtliche Streitigkeiten können langwierig sein und werden von gegnerischen Bundesbehörden offen angedroht.

Arbeitnehmer dürfen die zuständigen Behörden aus vertraglicher Rücksichtspflicht grundsätzlich erst einschalten, wenn alle innerbetrieblichen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Andernfalls kann dies einen Kündigungsgrund für den Arbeitgeber darstellen.

Dienstsitz, Erweiterung und Kritik

Bis April 2015 war der Berliner Dienstsitz auf drei Liegenschaften verteilt, darunter der Spree-Bogen. Aus Sicherheits- und Wirtschaftlichkeitsgründen entstand am Nordufer der Spree in Moabit zwischen Kanzlergarten und Berliner Hauptbahnhof ein Neubau nach Entwürfen von Thomas Müller und Ivan Reimann. Der Haushaltsausschuss stimmte im April 2009 zu; die Baukosten waren mit ungefähr 200 Millionen Euro veranschlagt. Nach dem ersten Spatenstich am 16. Dezember 2010 wurde der Bau wegen Streitigkeiten bei der Auftragsvergabe im Juli 2011 vorläufig gestoppt und im November 2011 fortgesetzt. Richtfest war am 22. Mai 2013, die bauliche Fertigstellung erfolgte im Herbst 2014. Der Umzug fand vom 24. bis 26. April 2015 statt.

Seit 2020 wird der ursprünglich vorgesehene Erweiterungsbau Bauteil C errichtet. Der 13-geschossige Turm soll rund 350 Mitarbeiter aufnehmen. Die Fertigstellung war ursprünglich bis 2024 geplant; die veranschlagten Kosten betrugen 88,6 Millionen Euro.

Eine Gedenkstätte am Berliner Neubau erinnert mit drei in den Zaun eingelassenen Stelen an 75 im Dienst verstorbene Beschäftigte des Geschäftsbereichs BMI. Auf den Stelen stehen Name, Geburts- und Todesdatum sowie der Schriftzug Sie starben im Dienst für unser Land. Zu den Verstorbenen zählen 50 Angehörige der Bundespolizei beziehungsweise des früheren Bundesgrenzschutzes, 20 Mitarbeiter und Helfer des THW sowie fünf Beamte des Bundeskriminalamts; 19 starben bei Auslandseinsätzen.

Die 2018 eingerichtete Abteilung Heimat wurde wegen der unscharfen Bedeutung des Begriffs, der Stellenaufstockung und der einseitigen Besetzung ihrer Führungsriege mit weißen Männern mittleren Alters kritisiert. Ihre Bilanz am Ende des Kabinetts Merkel IV wurde wegen nur eines in drei Jahren in den Bundestag eingebrachten Gesetzentwurfs als mager bewertet.

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