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Annihilationismus

Der Annihilationismus verneint die traditionelle Vorstellung über die Hölle im Christentum. Dieser Auffassung zufolge ist der endgültige Zustand der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundgedanke
  2. 2. Vorstellungen über Tod und Gericht
  3. 3. Entwicklung und Vertreter
  4. 4. Begründungen und Bibelauslegung
  5. 5. Vorstellungen in anderen Religionen

Grundgedanke

Annihilationismus ist eine christliche Auffassung über die Hölle, die die traditionelle Lehre von einer ewigen Qual der Gottlosen ablehnt. Als endgültiges Schicksal der Gottlosen, insbesondere der Atheisten beziehungsweise Sünder, gilt die vollständige Auslöschung oder Vernichtung (lateinisch: annihilatio), nicht ein Ort ewiger Qual.

Der Auffassung werden Anhänger protestantischer Theologie, die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, Christadelphians, die Bibelforscherbewegung und deren Derivate wie die Zeugen Jehovas zugerechnet.

Vorstellungen über Tod und Gericht

Nach der traditionellen Auffassung bestehen Menschen aus Leib und Seele; die Seelen der Sünder werden ewig gequält. Davon unterscheidet sich die Allversöhnung, nach der alle Menschen gerettet werden.

Nach dem Annihilationismus werden Sünder vollständig vernichtet (lateinisch: annihilare). Eine Variante verbindet dies mit der bedingten Unsterblichkeit: Die Seele ist nicht aus sich selbst unsterblich. Der Tod ist dann ein vorübergehender Zustand der Nichtexistenz oder des Schlafs, aus dem Gott die Menschen zum Jüngsten Gericht auferweckt.

Entwicklung und Vertreter

Die Mehrheit christlicher Theologen von Tertullian bis Luther vertrat die traditionelle Höllenvorstellung. In der Kirchengeschichte finden sich Vorstellungen bedingter Unsterblichkeit bei Justin dem Märtyrer († 165) und Theophilus von Antiochien († 185); Arnobius († 330) verteidigte den Annihilationismus.

Das Zweite Konzil von Konstantinopel und später das Fünfte Laterankonzil verurteilten die Lehre. Nach der Reformation erschien sie im Glaubensbekenntnis der General Baptists von 1660. Später vertraten sie William Miller aus der Adventbewegung, die Siebenten-Tags-Adventisten, die Bibelforscherbewegung sowie weitere evangelikale Theologen, darunter der anglikanische Autor John Stott.

Begründungen und Bibelauslegung

Annihilationisten begründen ihre Sicht vor allem mit göttlicher Gerechtigkeit und göttlicher Liebe. Eine ewige Qual gilt ihnen als abstoßend und als unendliche Strafe für die endlichen Sünden eines endlichen Erdenlebens. Sie bezweifeln außerdem, dass Gerechte glücklich leben könnten, wenn sie wüssten, dass verurteilte Angehörige zugleich im ewigen Feuer brennen. Traditionalisten entgegnen, allein Gott könne festlegen, was göttliche Gerechtigkeit sei, und vermuten bei Annihilationisten einen Druck der Moderne.

Annihilationisten sehen die traditionelle Lehre zudem als Folge des aus griechischer Philosophie übernommenen Konzepts einer unsterblichen Seele, das fälschlich in die Bibel hineingetragen worden sei. Traditionalisten halten dies für unerheblich und führen Bibelverse für die Unsterblichkeit der Seele an. Beide Seiten beanspruchen, den biblischen Aussagen über die Hölle zu entsprechen.

Im Mittelpunkt steht die Auslegung von Begriffen und der Symbolik der Offenbarung. Annihilationisten verstehen Aussagen über die Vernichtung der Gottlosen, etwa Johannes 3,16 EU und Matthäus 10,28 EU, sowie über den Schlaf der Toten, etwa Joh 11,11 EU und Prediger 9,5+6+10, wörtlich. In englischen Übersetzungen steht bei Matthäus 10,28 meist „destroy“, was den Gedanken der Vernichtung stärker ausdrückt als das deutsche „Verderben“. Aussagen der Offenbarung über ewige Qual, etwa Off 20,10 EU, deuten sie bildlich. Traditionalisten sehen das Verhältnis von wörtlicher und bildlicher Auslegung umgekehrt.

Als Herausforderung gilt Lukas 23,43 EU: „Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Annihilationisten verweisen darauf, dass das griechische Neue Testament keine Satzzeichen enthält, und setzen den Doppelpunkt anders: „Wahrlich, ich sage dir heute: Du wirst mit mir im Paradies sein.“

Vorstellungen in anderen Religionen

Auch außerhalb des Christentums gibt es Vorstellungen, nach denen Ungerechte nach dem Tod vernichtet werden. Im alten Ägypten bestand der Glaube an die Vernichtungsstätte Hetemit. In den 13 Glaubenssätzen des Maimonides findet sich die Vorstellung einer Vernichtung der Seelen der Ungerechten. Die Mandäer glauben, dass am Ende der Tage der Dämon Ur und jene Seelen ausgelöscht werden, die in seinem Inneren nicht gereinigt werden konnten.

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