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Bellersen
Bellersen ist staatlich anerkannter Erholungsort und wurde unter anderem durch seine Beschreibung in der Novelle Die Judenbuche von Annette von Droste-Hülshoff …
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Überblick
Bellersen ist ein Ortsteil der Stadt Brakel im Kreis Höxter in Nordrhein-Westfalen und gehört zu Ostwestfalen-Lippe. Der Ort liegt im Bruchtetal bei 51° 46′ 38″ N, 9° 11′ 30″ O, auf 173 m Höhe. Seine Fläche beträgt 8,74 km². Am 31. Dezember 2020 hatte Bellersen 669 Einwohner; dies entspricht einer Bevölkerungsdichte von 77 Einwohnern je km².
Bellersen ist staatlich anerkannter Erholungsort, Tourismus-Musterdorf des Landes Nordrhein-Westfalen und als „Dorf der Zukunft“ Teil eines OWL-Expoprojekts. Bekannt ist es außerdem als das „Dorf B.“ aus Annette von Droste-Hülshoffs Novelle Die Judenbuche.
Entwicklung bis zur Eingemeindung
Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1015: Der Ort wird als villa Baldereshusun genannt. Damit gilt Bellersen als der älteste urkundlich erwähnte Kirchort im Bistum Paderborn. Wahrscheinlich wurde der Ort bereits im 9. Jahrhundert gegründet. Wegen seiner Lage im Bruchtetal war Bellersen früh Etappenort an einem mittelalterlichen Fernweg und besaß einen Gasthof.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde Bellersen wie die gesamte Region stark verwüstet. Nach einer Erholungsphase begann 1746 der Bau der barocken Kirche. Den Siebenjährigen Krieg überstand der Ort, doch am 28. Juni 1794 wurde das Dorf mit damals 65 Häusern fast vollständig zerstört.
Seit seiner Gründung gehörte Bellersen zur weltlichen Herrschaft des Bistums Paderborn, zunächst im Herzogtum Sachsen. Ab dem 14. Jahrhundert gehörte es zum Territorium Hochstift Paderborn im Heiligen Römischen Reich; ab dem 16. Jahrhundert lag dieses im niederrheinisch-westfälischen Reichskreis. 1802/03 besetzte das Königreich Preußen das Hochstift. Von 1807 bis 1813 war Bellersen eine Gemeinde im Kanton Brakel des Departements der Fulda im Königreich Westphalen, anschließend kam es wieder zu Preußen. 1816 wurde es dem Kreis Brakel, 1832 dem Kreis Höxter und dort dem Amt Brakel zugeordnet. Zum 1. Januar 1970 wurde Bellersen durch das Gesetz zur Neugliederung des Kreises Höxter in die Stadt Brakel eingegliedert.
Vorbild für Die Judenbuche
Bellersen gilt in Annette von Droste-Hülshoffs Novelle Die Judenbuche als das „Dorf B.“. Die Novelle beruht auf einer wahren Begebenheit aus dem Raum Bökendorf/Bellersen. Die Dichterin kannte sie aus Erzählungen ihrer Kindheit bei Besuchen in Bökendorf und auf Schloss Bökerhof sowie aus Aufzeichnungen ihres Onkels August Franz von Haxthausen. Dieser veröffentlichte 1818 die zugrunde liegende Begebenheit anhand von Gerichtsakten unter dem Titel Geschichte eines Algierer Sklaven.
Als reale Person hinter der Figur Friedrich Mergel wird der Bellerser Bauernsohn Hermann Winkelhaus genannt. Nach dem Mord an einem jüdischen Händler aus Ovenhausen floh er ins Ausland, wurde dort kurz darauf versklavt und kehrte nach 25 Jahren zurück. Danach erhängte er sich. Seine Frau fand ihn an der Buche, an der er zuvor den Händler ermordet hatte. Die jüdische Gemeinschaft hatte dort ein Zeichen in hebräischer Schrift eingeritzt, das die allgemeine Bevölkerung nicht deuten konnte. Trotz seines Selbstmords wurde Winkelhaus katholisch in Bellersen beigesetzt.
Im Haus Krus befindet sich ein kleines Museum zur Umwelt und Zeit der Novelle sowie zu ihrer Rezeptionsgeschichte. Das Haus war das Wohnhaus des Archivars Horst-Dieter Krus, der die historischen Hintergründe der Novelle erforschte.
Dorfgemeinschaft, Tourismus und Kultur
Die aktive Dorfgemeinschaft verfolgt eine moderne Dorfgestaltung. Unter Führung des Heimat- und Verkehrsvereins wurden besonders zwischen 1993 und 1996 Projekte für den Fremdenverkehr und als Reaktion auf den ländlichen Strukturwandel entwickelt. Bis Dezember 2008 entstanden unter anderem Maßnahmen zur Dorfbildverbesserung, ein Werkhaus mit Kursangeboten, ein Wohnmobilhafen, eine Urdorf-Ausstellung, der Weg zur Erfahrung der Sinne, ein agrarhistorischer Rundwanderweg, ein Dorfteich, ein historisches Backhaus mit Backtagen, ein Kreativhof, die Ferienhausanlage Natur pur, der Annette-von-Droste-Hülshoff-Wanderweg, ein Informationszentrum, eine Schaubrennerei sowie Kutschfahrten und Lamatouren. Grünflächen werden mit alten Haustierrassen beweidet.
Seit 2005 entwickelt sich Bellersen mit Unterstützung des Regionalbüros Futour aus München zum „Archedorf“. Das Konzept soll Kulturlandschaft und Tourismus langfristig fördern. Zentral sind der Erhalt heimischer Tier- und Pflanzenwelt, besonders gefährdeter Arten, und deren Präsentation für Besucher.
Das Bündnis Bellersen steht für die gemeinschaftliche Veränderung im Ort. Am 3. Mai 2008 wurde vor dem Werkhaus eine leuchtende Glasskulptur als Denkmal aufgestellt. Die von Ingrid Heuchel und Georg Löschen geschaffene Skulptur besteht aus zwei Stelen, die sich jeweils aus vielen Mosaiken zusammensetzen und damit das Zusammenwirken im Bündnis darstellen. Das Vereinsleben wird unter anderem durch Sport-, Schützen-, Musik-, Tennis-, Reit- und Fahrverein, Feuerwehr, Theatergruppe sowie Heimat- und Verkehrsverein geprägt. Zum jährlichen Programm gehören Sportveranstaltungen, Feste und das Schützenfest.
Baudenkmäler und Auszeichnungen
Ortsbildprägend ist die denkmalgeschützte katholische Pfarrkirche St. Meinolf. Auch die alte Schule gegenüber der Kirche steht unter Denkmalschutz und wurde in den letzten Jahren umfangreich renoviert.
Zu den Auszeichnungen Bellersens zählen der Titel Tourismus-Musterdorf des Landes Nordrhein-Westfalen, „Dorf der Zukunft“ im OWL-Expo-Projekt zur EXPO 2000 und die Anerkennung als Erholungsort. 2002 wurde Bellersen Siegerdorf im europäischen Dorferneuerungspreis. Im Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ erhielt es 2000 Landessilber und 2003 Landesgold. 2004 folgte Silber im Bundeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden – Unser Dorf hat Zukunft“. 2006 gehörte Bellersen zu 365 ausgewählten besonderen Orten des Fußball-WM-Projekts „Deutschland Land-der-Ideen“.