Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Anatolij Scharij
Politische Positionen · Haltung zur Politik in Russland · Kritik an Mitgliedern der Partei „Sluha narodu“ · Kritik an Präsident Poroschenko.
Inhalt5 Abschnitte
Überblick und öffentliche Reichweite
Anatolij Anatolijowytsch Scharij (* 20. August 1978 in Kiew, Ukrainische SSR, Sowjetunion) ist ein ukrainischer prorussischer Politiker, Blogger, Webvideoproduzent und Betreiber des Nachrichtenportals Sharij.net sowie von Nowoje Isdanije. Er veröffentlicht als Vlogger auf Russisch, Ukrainisch und Englisch.
Sein Hauptkanal „Anatolij Scharij“ wurde am 13. Mai 2013 gegründet und hatte laut Artikel über 3.400.000 Abonnenten, mehr als 5.800.000.000 Aufrufe und über 9.300 Videos. Der Zweitkanal SCHARIJNET besteht seit dem 10. November 2006 und hatte über 90.000 Abonnenten, über 15.000.000 Aufrufe und 70 Videos.
Scharij wuchs in Kiew auf, studierte an der Kiewer Höheren Panzer-Ingenieurschule und schloss das Studium erfolgreich ab. Seine Verlobte Olga Bondarenko, auch Olga Scharij genannt, ist Chefredakteurin von Sharij.net und bloggt ebenfalls.
Journalismus und Recherchen
Scharij begann Anfang 2005 als Journalist und schrieb für Magazine in Russland und der Ukraine, darunter Sewodnja und Moskowski Komsomolez. Seit 2009 arbeitete er nur noch mit Internet-Zeitungen zusammen. Bis Anfang 2012 leitete er die „Untersuchungs“-Abteilung des ukrainischen Internetmagazins Obosrewatel.
2006 veröffentlichte er einen Artikel über Kinder, die in Kiew als „professionelle Bettler“ eingesetzt würden. Ebenfalls 2006 beschuldigte er in einem Beitrag für From-UA das Odessaer Kinderheim „Schemtschuschinka“, Waisen als Kinderprostituierte anzubieten. Er stützte den Verdacht unter anderem auf die Zahl der Kinder und Beschäftigten, nächtliche Besuche teurer Autos und geschilderte Fälle einzelner Kinder. Das Heim lehnte eine geforderte medizinisch-psychologische Untersuchung ab. Der Artikel führte zu einer Verleumdungsanzeige durch Oksana Dogan, die den Bau des Heims finanziert hatte. Am 19. September 2010 verurteilte ein Gericht Scharij zu 1.000 Griwna Entschädigung an das Heim.
2011 recherchierte er zum Vorgehen gegen organisierte Kriminalität. Gemeinsam mit Journalisten des Senders 1+1 untersuchte er die mutmaßliche „Überdachung“, also den Schutz, des Drogenhandels durch das ukrainische Büro für Drogenbekämpfung und wirkte an Aktionen gegen illegale Kasinos mit. Am 6. Juni 2011 erhielt er vom stellvertretenden Innenminister Wasyl Farynnik eine Auszeichnung für Professionalität und Objektivität bei der Berichterstattung über die Arbeit des Innenministeriums.
Angriff, Asyl und Strafverfahren
In der Nacht zum 12. Juli 2011 wurde auf Scharijs Auto in der Radtschenko-Straße in Kiew geschossen, nachdem er und ein 1+1-Filmteam in einem illegalen Kasino eingeschlossen worden waren. Windschutzscheibe und Heckscheibe wurden beschädigt; Schrotkugeln trafen die Innenverkleidung. Die Polizei eröffnete ein Verfahren. Der Pressedienst der Kiewer Polizei vertrat die Version, dass Scharij eingeschüchtert werden sollte. Präsident Wiktor Janukowytsch, der stellvertretende Generalstaatsanwalt Kusmin und Innenminister Mogiljow übernahmen den Fall laut Artikel am 14. Juli 2011 unter persönliche Kontrolle.
Human Rights Watch nannte den Angriff im Jahresbericht 2011 als Beleg für die sich verschlechternde Lage von Journalisten in der Ukraine. Scharij erklärte 2012, wegen Repressionen unter der Regierung Janukowytsch aus der Ukraine geflohen zu sein und in Litauen Asyl beantragt zu haben. Medien berichteten am 8. Juni 2012, er habe in der Europäischen Union Flüchtlingsstatus erhalten.
Als Hintergrund der behaupteten Verfolgung nennt der Artikel ein Strafverfahren nach einem Schuss auf einen Mann mit einer Gummigeschosswaffe bei einer McDonald’s-Filiale. Scharij sagte, er habe gehandelt, nachdem der Mann seine Ehefrau angegriffen habe. Außerdem gab es ein Verfahren wegen des Vorwurfs, bewusst falsche Angaben zu einer Straftat gemacht und erfundene Beweise vorgelegt zu haben. Ein niederländisches Gericht verweigerte nach seiner Interpol-Festnahme am 16. Juli 2013 die Auslieferung an die Ukraine.
Nach 2014 trat er als Kritiker der neuen ukrainischen Regierung und der Medien auf. Litauen entzog ihm im Mai 2021 den Flüchtlingsstatus und erklärte ihn zur Persona non grata. Er lebt laut Artikel in Spanien. Dort wurde er am 4. Mai 2022 nach Angaben des ukrainischen Geheimdienstes wegen Verdachts auf Hochverrat festgenommen, bald wieder freigelassen und muss sich regelmäßig bei Behörden melden; er darf Spanien nicht verlassen. Seit Februar 2021 wirft ihm die Sluschba bespeky Ukrajiny Staatsverrat sowie die Herabsetzung von Menschen aufgrund unter anderem von Rasse, Nationalität, Religion oder Behinderung vor.
Politische Positionen und Konflikte
Scharij ist seit 2019 Vorsitzender der von ihm gegründeten Partei Scharij. Die Partei wurde wiederholt als prorussisch bezeichnet und am 16. Juni 2022 durch das Achte Berufungsgericht in Lemberg wegen des Vorwurfs von Verbindungen zur Russischen Föderation verboten.
Die Stiftung gegen Korruption des russischen Oppositionspolitikers Alexei Nawalny bezeichnete ihn als „anti-ukrainischen oder pro-Kreml-Blogger“. Scharij erklärte dagegen, Wladimir Putin gefalle ihm nicht mehr und er rufe nicht dazu auf, ihn zu wählen. Nach der russischen Invasion 2022 nannte er den Krieg „Russlands Aggression und Invasion gegen das ukrainische Volk“. Er sagte außerdem, die Krim und der gesamte Donbass seien Teile der Ukraine. Im Mai 2023 entschuldigte er sich dafür, acht Jahre lang für normale gute Beziehungen zu Russland eingetreten zu sein, und bezeichnete dies als „100-prozentigen Fehler“.
Er kritisierte Mitglieder der Partei „Diener des Volkes“ und Präsident Wolodymyr Selenskyj dafür, Wahlversprechen zur Strafverfolgung früherer Amtsträger nicht einzulösen. Im Zusammenhang mit Angriffen auf Journalisten von Sharij.net und auf Anhänger seiner Partei rief er im Juni zu einer Kundgebung vor dem Büro des Präsidenten auf. Er behauptete, das Nationalkorps sei vom Amt des Präsidenten koordiniert worden.
Auch Präsident Petro Poroschenko kritisierte Scharij wiederholt. Nachdem Poroschenko am 10. Januar 2019 gesagt hatte, Scharij arbeite für Russland, klagte Scharij wegen Verleumdung. Das Bezirksgericht Kiew Petscherskyj gab der Klage am 13. Mai 2020 statt und verpflichtete Poroschenko zu einer Widerlegung in „Uryadovoj Kurier“.
Kontroversen
In einem Video vom 28. April 2014 bezeichnete Scharij Bewohner der Westukraine als Menschen zweiter Klasse und Mischlinge und sagte, sie seien keine Ukrainer. Später entschuldigte er sich und erklärte, er habe nur bestimmte Personen gemeint. Der Herausgeber der Nowaja gaseta, Dmitri Andrejewitsch Muratow, kritisierte Scharij im Zusammenhang mit einer Propagandakampagne gegen den Reporter Pawel Kanygin und verlangte eine Entschuldigung. Das Ukrainische Militärportal warf ihm im Juli 2019 vor, in Videos von 2014 Waffensysteme der Separatisten fälschlich als Systeme der ukrainischen Armee dargestellt zu haben.
Scharij war Mitglied des Organisationskomitees der Bewegung „Liebe gegen Homosexualität“. Ihm werden Äußerungen zugeschrieben, die eine Einschränkung der öffentlichen Sichtbarkeit Homosexueller und eine strafrechtliche Verfolgung der „Propagierung von Homosexualität“ forderten. Zudem wurden ältere Blogeinträge kritisiert, in denen er Sinti und Roma beleidigte und Gewaltmaßnahmen gegen Homosexuelle sowie Angehörige der Sinti und Roma thematisierte. In einem Video von 2018 verurteilte er allerdings die Brandstiftung an einem Lager von Sinti und Roma als illegale Selbstjustiz. Am 24. März 2021 entschuldigte er sich für seine elf Jahre alten Aussagen über Schwule sowie Sinti und Roma und erklärte, sich ausreichend für seine Vergangenheit entschuldigt zu haben.