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Fake News

Fake News (auch Fakenews; englisch fake news [ˈfɛɪ̯kˌnjuːz]) ist ein Anglizismus und bezeichnet absichtlich falsche oder irreführende Informationen, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Merkmale
  2. 2. Verbreitung und Anfälligkeit
  3. 3. Folgen für Gesellschaft und Wirtschaft
  4. 4. Erkennen und Gegensteuern
  5. 5. Typische Fälle und politische Nutzung

Begriff und Merkmale

Fake News sind absichtlich falsche oder irreführende Informationen, die häufig wie journalistische Nachrichten gestaltet sind. Sie können als Artikel, Bilder, Videos oder Beiträge in sozialen Medien erscheinen. Ihr Ziel kann sein, öffentliche Meinung zu manipulieren, Menschen zu täuschen oder politische, soziale oder wirtschaftliche Vorteile zu erzielen. Weil sie oft emotional formuliert sind und sich in sozialen Netzwerken ohne redaktionelle Kontrolle verbreiten, können sie viral gehen.

Nach Markus Appel (2019) wird eine Aussage oder ein Ereignis als journalistischer Beitrag präsentiert, obwohl es nicht der Faktenlage entspricht und bewusst für politischen oder wirtschaftlichen Gewinn erfunden oder verfälscht wurde. Die Stiftung Neue Verantwortung versteht darunter vor allem Desinformation: falsche oder irreführende Informationen, die absichtlich verbreitet werden, um Personen, Organisationen oder Institutionen zu schaden. Sie unterscheidet ausgedachte, manipulierte und missinterpretierte Inhalte. Satire, journalistische Fehler und die Verwendung von „Fake News“ als politischer Kampfbegriff gehören für sie nicht dazu.

Der Begriff wird jedoch auch als abwertende Bezeichnung für unerwünschte Berichterstattung oder Medien verwendet, ähnlich wie „Lügenpresse“. Im weiteren Sinn können auch verdrehte, aus dem Zusammenhang gerissene Inhalte und Clickbaiting dazugehören. Ein Fehlschluss (englisch fallacy) ist eine fehlerhafte Argumentationsweise; auch solche Techniken können dazu beitragen, dass Informationen als Fake News wahrgenommen werden.

Facebook unterschied 2017 vier Formen des Informationsmissbrauchs: Information oder Influence Operations zur Steuerung politischer Stimmungen, False News als absichtliche Falschmeldungen, False Amplifiers als koordinierte Aktivität gefälschter Konten und Desinformation als absichtlich verbreitete fehlerhafte oder manipulierte Inhalte. Fake News stehen begrifflich Hoax und Scam nahe.

Verbreitung und Anfälligkeit

Soziale Netzwerke sind eine wichtige politische Informationsquelle und erleichtern die Verbreitung von Fake News. Produzenten benötigen keine eigenen Server; kurze, griffige Beiträge passen zu Newsfeeds auf Smartphones und Tablets. Zugleich fehlt oft Hintergrundwissen, das zur Überprüfung nötig wäre. Eine Science-Studie von 2018 untersuchte über elf Jahre mehr als 4,5 Millionen Tweets von etwa 3 Millionen Nutzern zu rund 126.000 Nachrichten. Falsche, vor allem politische Informationen verbreiteten sich auf Twitter schneller und weiter als wahre. Dabei spielten Bots offenbar keine signifikante Rolle; wichtiger waren eher unerfahrene Nutzer, die von der Neuigkeit beeindruckt waren.

Social Bots sind Computerprogramme, die in sozialen Netzwerken Inhalte verbreiten können. Beispiele für ihren klar erkennbaren Einfluss nennt der Artikel bei den Ukraine-Protesten 2013/2014, der Brexit-Abstimmung 2016 und der US-Präsidentschaftswahl 2016. Im US-Wahlkampf stammten 20 % der Tweets von Social Bots; während der Ukraine-Proteste verbreiteten 15.000 Bots durchschnittlich etwa 60.000 Tweets täglich.

Kognitive Verzerrungen fördern die Wirkung. Beim Consistency Bias wirken Informationen glaubwürdiger, wenn sie die eigene Meinung bestätigen. Der Illusory Truth Effect beschreibt, dass wiederholt wahrgenommene Informationen glaubhafter erscheinen. Die Verfügbarkeitsheuristik bedeutet, dass Menschen Behauptungen beurteilen, ohne genug Zeit für eine Prüfung aufzuwenden; frisch erinnerte Fake News wirken eher wahr. Zudem besteht eine asymmetrische Information: Der Produzent kennt die schlechte Qualität eher als der Empfänger. Echte Nachrichten sind aufwendiger herzustellen, während Fake News oft einfacher formuliert sind. Studien zeigen außerdem einen Zusammenhang zwischen Leichtgläubigkeit und geringerem analytischem oder reflexivem Denken.

In der Studie von Guess et al. (2019) teilten US-Personen ab 65 Jahren Fake News durchschnittlich siebenmal häufiger als 18- bis 29-Jährige. Geschlecht, Bildungsgrad und Einkommen zeigten keine signifikanten Unterschiede; die betreffenden Personen waren politisch eher konservativen Republikanern zuzuordnen. Eine Oxford-Studie stellte für die US-Wahl 2016 fest: Auf jeden Link zu einer professionellen Nachrichtenquelle kam ein Link zu „Junk News“.

Folgen für Gesellschaft und Wirtschaft

Fake News können die öffentliche Meinung verzerren, Misstrauen gegenüber Medien und Institutionen verstärken sowie Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden. Eine funktionierende Demokratie setzt eine gut informierte Bevölkerung voraus. Falschinformationen über Impfungen führten beispielsweise dazu, dass Eltern ihre Kinder nicht impfen ließen und vermeidbare Erkrankungen deutlich zunahmen. Werden Falschinformationen zusammen mit Verschwörungstheorien verbreitet, können Menschen sogar generell an der Existenz von Fakten zweifeln.

Die Folgen können unmittelbar lebensgefährlich sein: In Indien führten Falschmeldungen über Kindesentführungen zu mehreren Lynchmorden. Im Iran erlitten während der COVID-19-Pandemie eine vierstellige Zahl von Menschen Methanolvergiftungen, nachdem in sozialen Medien behauptet worden war, Methanol schütze vor der Krankheit. Hunderte starben; andere erblindeten oder erlitten weitere Gesundheitsschäden. Wissenschaftler und Journalisten, die Fake News mit Fakten entgegentreten, werden außerdem teils beschimpft, diffamiert oder bedroht; besonders Frauen sind sexueller Diffamierung ausgesetzt.

Auch wirtschaftlicher Schaden ist möglich. Eine gefälschte Pressemitteilung ließ die Vinci-Aktie 2016 kurzzeitig 18 % ihres Wertes verlieren. 2014 stieg die Aktie von Cynk durch soziale Netzwerke, Bots und Trading-Algorithmen auf das 200-Fache ihres Ursprungswerts; das Unternehmen war kurzfristig sechs Mrd. Dollar wert, bevor der Verkauf ausgesetzt wurde und Anleger Verluste erlitten. Ein falscher Tweet über eine angebliche Explosion mit Barack Obama verursachte 2013 einen Börsenverlust von etwa 130 Milliarden US-Dollar.

Erkennen und Gegensteuern

Zur Bekämpfung sind Medienkompetenz, kritische Analyse und vertrauenswürdige Quellen wichtig. Faktencheck-Portale wie Snopes, mimikama.org und politifact.com überprüfen Aussagen. In Deutschland betreiben ARD und Bayerischer Rundfunk die Angebote faktenfinder beziehungsweise faktenfuchs. Bildungsangebote sollen Schüler und Erwachsene beim Prüfen von Informationen unterstützen. Laut einer im März 2023 veröffentlichten, repräsentativen EU-Befragung mit mehr als 13.000 Menschen waren 54 % häufig oder sehr häufig verunsichert, wenn sie im Internet auf Informationen stießen. Nur 44 % hatten schon einmal Informationen aus dem Internet überprüft; 86 % forderten mehr politisches Handeln gegen Desinformation.

Debunking widerlegt eine Falschmeldung mit Fakten. Das „The Debunking Handbook 2020“ empfiehlt: zuerst die richtige Information nennen, dann vor der folgenden Falschinformation warnen, den zugrunde liegenden Irrtum erklären und abschließend die richtige Information wiederholen. Es ist wirksamer, korrekte Fakten zu betonen, als Falschinformationen ausführlich zu wiederholen. Bleibt deren Einfluss trotz Korrektur bestehen, heißt dies Continued Influence Effect.

Prebunking oder Inoculation beruht auf der Inoculation Theory und ähnelt einer Impfung: Menschen werden in geringer Dosis mit Fake News und passenden Gegenargumenten konfrontiert. Das soll sie gegen spätere Falschinformationen widerstandsfähiger machen und vermittelt Strategien gegen viele Arten von Fake News. Gegenrede ist die aktive, faktenbasierte Reaktion auf irreführende Argumentation vor allem in sozialen Netzwerken; ihre Wirkung ist noch nicht ausreichend erforscht, es gibt aber Hinweise auf eine depolarisierende Wirkung. Fact-Checking überprüft Aussagen anhand gesicherter Fakten. Es verändert vorgefasste Überzeugungen oft nur wenig, kann aber tatsachenbasierte Meinungen stützen.

Regulierung ist schwierig, weil Meinungsfreiheit geschützt und Zensur vermieden werden muss. Deutschland hat keinen eigenen Fake-News-Tatbestand; je nach Fall können etwa Verleumdung (§ 186 StGB), üble Nachrede (§ 187 StGB), Volksverhetzung (§ 130 StGB), falsche Verdächtigung (§ 164 StGB) oder Marktmanipulation (§ 119 Abs. 1, § 120 Abs. 15 Nr. 2 WpHG) einschlägig sein. Das NetzDG wurde 2017 als Gesetzentwurf zur besseren Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken erarbeitet und unter anderem wegen möglicher Einschränkungen der Meinungsfreiheit kritisiert.

Typische Fälle und politische Nutzung

Fake News gab es bereits vor dem Internet. Als frühes Beispiel nennt der Artikel die Schlacht von Kadesh 1274 v. Chr., bei der Ramses II. eine schwere Niederlage gegen die Hethiter als triumphalen Sieg darstellen ließ. In der modernen Nachrichtenpresse wurden Falschmeldungen auch aus Gewinninteresse verbreitet: Die sechsteilige Serie über Fledermausmenschen auf dem Mond in der New York Sun von 1835 wurde als „Great Moon Hoax“ bekannt und erzielte eine damals weltweite Rekordauflage.

Im US-Wahlkampf 2016 wurden auf Facebook zahlreiche erfundene Behauptungen über Hillary Clinton verbreitet, darunter die Verschwörungstheorie Pizzagate. Ein bewaffneter 28-Jähriger überfiel deshalb ein Pizzarestaurant in Washington, um angeblich dort festgehaltene Kinder zu befreien. Einer Pew-Studie zufolge nutzten 44 % der erwachsenen US-Bevölkerung Facebook als Nachrichtenquelle. Ein erfundener Bericht über vorausgefüllte Wahlzettel in Ohio wurde rund sechs Millionen Mal geteilt und brachte etwa 5.000 US-Dollar Werbeeinnahmen. 2024 behauptete Donald Trump fälschlicherweise, haitianische Migranten in Springfield, Ohio, äßen Haustiere; nach Angaben von Gouverneur Mike DeWine folgten mindestens 33 Bombendrohungen.

In Deutschland verursachte der „Fall Lisa“ 2016 diplomatische Verstimmungen mit Russland. Die Studie „Fakten statt Fakes“ stellte 2018 fest, dass Falschnachrichten im Bundestagswahlkampf 2017 geringere Reichweite hatten als klassische Mediennachrichten, Rechtspopulismus aber Echokammern sozialer Medien strategisch nutzte. Russland verbreitete unter anderem Falschinformationen zum Abschuss von MH17 und zum „Fall Lisa“. Nach Recherchen zu Taiwan während der Präsidentschaftswahlen 2020 überschwemmte China die Republik mit gefälschten Meldungen; ein taiwanischer Beamter beging 2018 nach gefälschten Meldungen und daraus folgender Kritik Suizid.

Lernvideos zu Fake News

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