Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Silbe
Beispielsweise erlaubt das Deutsche in unbetonten Silben auch „klingende“ (sonore) Konsonanten wie Nasale oder Liquiden, etwa in Laden in der Aussprache …
Inhalt5 Abschnitte
Grundbegriff und Bedeutung
Eine Silbe ist in der Sprachwissenschaft eine Einheit aus einem oder mehreren aufeinanderfolgenden Lauten. Sie ist die kleinste Lautgruppe im natürlichen Sprechfluss, die selbständig vorkommen kann, und zugleich die kleinste freie phonologische Einheit. Als rein lautliche Einheit ist sie unabhängig von Grammatik und Bedeutung. Deshalb stimmt die Gliederung eines Wortes in Silben häufig nicht mit seiner Gliederung in Morpheme, also Funktionseinheiten, überein. Zur Abgrenzung von älteren Bezeichnungen wird sie auch Sprechsilbe genannt.
Manchmal unterscheidet man zusätzlich die Schreibsilbe. Die Einteilung in Sprechsilben ist eine Grundlage für die Worttrennung am Zeilenende, etwa Sil-be, lus-tig oder wa-rum. Je nach Orthografie beruht diese Trennung jedoch unterschiedlich strikt auf den Sprechsilben.
Jede Silbe enthält genau einen Silbenkern. Dieser ist phonetisch der Laut mit der größten Sonorität, also Schallfülle, und meist ein Vokal oder Diphthong. Die Ränder können aus einem oder mehreren Konsonanten bestehen. Im Deutschen können in unbetonten Silben auch sonore Konsonanten wie Nasale oder Liquiden den Kern bilden: In Laden [ˈlaːdn̩] kann nach dem Wegfall von Schwa [ə] das [n] den Kern bilden; dies heißt silbischer Konsonant. Auch das Tschechische erlaubt Konsonanten als Kern betonter Silben, etwa in Strč prst skrz krk.
Silben können betont oder unbetont sein und werden zu größeren prosodischen Strukturen wie metrischem Fuß und phonologischem Wort zusammengefasst. Im deutschen Versmaß bildet ihr Wechsel die Grundlage. Die Metrik nennt eine geforderte betonte Silbe Hebung und eine unbetonte Senkung. Bei quantitierenden antiken Versen heißen lange Silben, die keine kurzen vertreten, Hebungen; kurze Silben sowie sie ersetzende lange Silben heißen Senkungen.
Aufbau und Strukturmodelle
Eine Silbe ist eine Folge von Segmenten, also Lauten, mit innerer Struktur. Zwei wichtige Darstellungsweisen sind das CV-Modell und das Konstituentenmodell.
Im CV-Modell wird die Struktur flach als Folge von C- und V-Positionen beschrieben: C steht in der Regel für Konsonanten, V typischerweise für Vokale. Einer Position können ein oder mehrere Laute zugeordnet sein. Das Modell eignet sich besonders, um mit Gespanntheit und Betonung Dauerunterschiede und Quantität zu untersuchen.
Das hierarchische Konstituentenmodell teilt die Silbe (σ) in Silbenansatz oder Onset (ω), Silbenkern oder Nukleus (ν) und Silbenschwanz oder Koda (κ). Kern und Koda bilden zusammen den Silbenreim (ρ). Nicht alle Positionen müssen besetzt sein. CV- und Konstituentenmodell lassen sich verbinden.
Üblich ist die Gliederung in Ansatz und Reim; in der westlichen Phonologie wird der Reim weiter in Kern und Schwanz aufgeteilt. In fernöstlicher Phonologie kann der Anlaut in Initiallaut (ι) und Mediallaut (μ) gegliedert werden. Alternativ gibt es den komplexen Finallaut (φ), der auch den Ton oder das Tonem (τ) mit Höhe und Verlauf trägt. In vielen ost- und südostasiatischen Sprachen besitzt dieser Ton lexemische und nicht nur syntaktische Bedeutung.
Der Kern ist obligatorisch, Ansatz und Koda sind optional und bilden gemeinsam die Silbenschale. In manchen Sprachen ist der Ansatz obligatorisch; im Deutschen darf er fehlen. Eine Koda ist in keiner Sprache obligatorisch: Sie ist beispielsweise im Deutschen fakultativ und kommt im Hawaiischen gar nicht vor.
Ansatz, Kern und Koda
Der Silbenansatz, auch Onset oder Silbenanlaut, besteht aus einem oder mehreren Konsonanten. In Name bilden [n] und [m] jeweils den Ansatz einer Silbe. Reihenfolge und Höchstzahl solcher Konsonanten sind durch einzelsprachliche Phonotaktik, also Regeln zulässiger Lautfolgen, und durch die universelle Sonoritätshierarchie begrenzt. Die Sonorität steigt in einem Ansatz meist an; eine Ausnahme ist [ʃt] in Stock.
Der Silbenkern, auch Nukleus oder Silbengipfel, ist der sonorste und prominenteste Teil einer Silbe. Meist ist er vokalisch, etwa [a] in Kamm. Fehlt ein Vokal, kann ein Fließlaut oder Nasallaut den Kern bilden, zum Beispiel [l̩] in Gipfel und [n̩] in laden. Der Kern kann aus einem kurzen oder langen Vokal, aus einem Diphthong wie [ai] in Brei oder seltener aus einem Triphthong bestehen, etwa [aɪə] in englisch fire [faɪə] (RP). Eine Silbe hat genau einen Nukleus; eine größere phonologische Einheit kann mehrere Kerne haben.
Die Silbenkoda, auch Silbenschwanz oder Silbenauslaut, besteht ebenfalls aus einem oder mehreren Konsonanten. Ihre möglichen Folgen sind ebenfalls phonotaktisch und durch die Sonoritätshierarchie begrenzt. Die Sonorität fällt in der Koda meist ab; [pʃ] in hübsch ist eine Ausnahme. In vielen Sprachen einschließlich Deutsch muss ein Obstruent, also ein Verschluss- oder Reibelaut, in der Koda stimmlos sein; dies ist die Auslautverhärtung.
Weitere Bestandteile und Silbenarten
Der Silbenkörper (body) umfasst, soweit vorhanden, Ansatz und Kern. In der traditionellen Phonologie von Sprachen wie Cree und Ojibwe wird in Silbenkörper und Silbenschwanz gegliedert; der Silbenkörper entspricht auch einem Akshara indischer Schriften. Der Silbenreim umfasst Kern und Koda. Die traditionelle chinesische Phonologie unterteilt ihn nicht weiter, unterscheidet ihn aber zusätzlich nach Ton.
Die Silbenschale besteht aus den fakultativen Rändern Ansatz und Koda, also der konsonantischen Umgebung des obligatorischen, normalerweise vokalischen Kerns. Laute, die nur in dieser Schale und nie im Kern stehen können, heißen Satellitenphoneme. Dazu gehören nichtsilbische Konsonanten und die nicht voll vokalischen Teile eines Diphthongs. Im Deutschen sind fast alle Konsonanten Satellitenphoneme; Ausnahmen sind unter anderem /n/ und /l/. Vokale sind keine Satellitenphoneme, weil sie immer einen Kern bilden können.
Nach ihrer Struktur heißen Silben bedeckt, wenn sie einen konsonantischen Ansatz haben, und nackt, wenn sie direkt mit dem vokalischen Kern beginnen. Die dritte Silbe von Museum ist nackt, die erste und zweite sind bedeckt. Diese Begriffe sagen nichts über die Koda aus. Offene Silben enden auf einen Vokal, geschlossene auf mindestens einen Konsonanten. Die erste Silbe von Silbe ist geschlossen, die zweite offen; diese Begriffe sagen nichts über den Ansatz aus.
Quantität bezeichnet in der antiken griechischen und römischen Metrik die relative Dauer einer kurzen oder langen Silbe im jeweiligen Vers. Bei akzentuierendem Versprinzip entspricht dem die Unterscheidung unbetont und betont. Silbengewicht ist dagegen eine aus der Struktur abgeleitete, kontextunabhängige Eigenschaft: Silben können leicht oder schwer sein. Silbendauer meint die physikalisch messbare Artikulationsdauer. Bei zweisilbigen deutschen Erbwörtern unterscheidet Utz Maas eine prominente Silbe, die betont ist und einen Vollvokal hat, von einer unbetonten Reduktionssilbe mit [ə] oder [ɐ].
Nach der Stellung im Wort heißen die letzten drei Silben Ultima oder Endsilbe, Pänultima oder Vorendsilbe und Antepänultima. Die erste heißt Erstsilbe, die übrigen Binnensilben oder Mittelsilben. Bei Wörtern klassischer und romanischer Sprachen nennt man Wörter mit Hauptakzent auf Ultima Oxytona, auf Pänultima Paroxytona und auf Antepänultima Proparoxytona. Betonung auf der ersten Silbe heißt prototon, auf der zweiten deuteroton.
Regeln der Silbenbildung
Die phonotaktischen Regeln der Silbenbildung legen fest, wie Phoneme eine Silbe bilden. Zentral ist das Sonoritätsprinzip: Zum Silbenkern hin nimmt die Sonorität der beteiligten Phoneme zu und erreicht dort ihr Maximum. Zur Silbengrenze hin nimmt sie wieder ab und erreicht ein Minimum.
Als optimale Silbe gilt in der Optimalitätstheorie eine Form mit maximalem Sonoritätskontrast. Sie hat nur einen meist vokalischen Kern (V) und einen anfänglichen Ansatz (C), aber keine Koda. Ihr Schema lautet daher CV: ein Konsonant und ein Vokal.
Lernvideos zu Silbe
8:54
Synkopen bei Silbermond und Mark Forster - Rhythmus einfach erklärt!
MusikDurchblick · 18.018 Aufrufe
5:51
Silbentrennung bei tz, st und ck, ch, sch einfach erklärt – Deutsch 3. & 4. Klasse
sofatutor · 6.145 Aufrufe
10:23
Homeschooling 1. Klasse - Silben und Wortschatz üben - Digitaler Unterricht
Katja Corona (Deine Online-Lehrerin) · 5.198 Aufrufe
5:05
5 Regeln zur Silbentrennung ✅ für GrundschülerInnen
lernfoerderung · 2.582 Aufrufe