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Pangramm
Ein Pangramm (von altgriechisch πᾶν γράμμα pān grámma, deutsch ‚jeder Buchstabe') oder holoalphabetischer Satz ist ein Satz, der alle Buchstaben eines gegebenen …
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Begriff und Zweck
Ein Pangramm oder holoalphabetischer Satz ist ein Satz, der alle Buchstaben eines bestimmten Alphabets enthält. Es ist besonders nützlich, um zu prüfen, ob ein Zeichensatz vollständig dargestellt oder übertragen wird, und um Schriftarten vergleichbar zu zeigen.
Ein echtes Pangramm enthält jeden Buchstaben genau einmal und ist damit zugleich ein Isogramm, also ein Text ohne Buchstabenwiederholung. Echte Pangramme mit den 26 lateinischen Buchstaben sind sehr schwer zu bilden: Sie enthalten nur fünf Vokale, beziehungsweise sechs, wenn Y als Vokal gerechnet wird. Für keine Sprache ist ein echtes Pangramm bekannt, das ausschließlich aus Wörtern des tatsächlichen Sprachgebrauchs und ohne Abkürzungen besteht.
Im 20. Jahrhundert wurden Pangramme zum Testen etwa von Fernschreibverbindungen, Schreibmaschinen, Tastaturen, Schreibautomaten und Druckern verwendet. Entscheidend war dabei, dass das Pangramm zum benutzten Zeichensatz passte, etwa je nachdem, ob Umlaute oder Großbuchstaben vorhanden waren. Moderne digitale Kommunikationssysteme testen dies automatisch; Pangramme werden heute überwiegend als Blindtext und zur Darstellung von Schriften genutzt.
Das Gegenstück ist das Leipogramm: In einem meist längeren Text wird mindestens ein Buchstabe absichtlich gar nicht verwendet, während die Orthografie möglichst korrekt bleibt.
Deutsche Pangramme
Ein häufig verwendetes deutsches Pangramm lautet: „Franz jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern“. Es enthält jedoch weder Umlaute noch das Eszett. Ein verbreitetes Beispiel mit diesen Zeichen ist „Zwölf Boxkämpfer jagen Viktor quer über den großen Sylter Deich“ mit 54 Buchstaben. Auch „Die heiße Zypernsonne quälte Max und Victoria ja böse auf dem Weg bis zur Küste“ wird in Lernkursen für das Zehnfingersystem eingesetzt.
Für Fernschreibverbindungen gab es die „Kaufen-Schleife“: „kaufen sie jede woche vier gute bequeme pelze xy 1234567890“. Sie war unter einer besonderen Rufnummer erreichbar. Da das Fernschreibalphabet keine Umlaute und kein ß hat, ist sie nur pangramm-ähnlich.
Die deutschen Vokale Ä, Ö und Ü erleichtern echte Pangramme mit Sonderzeichen. Bei 29 Buchstaben, oder 30 mit ß, darf dann kein Buchstabe doppelt vorkommen. 1981 wurde in der DDR „Vogt Nyx: ‚Büß du ja zwölf Qirsch, Kämpe!‘“ veröffentlicht; „Qirsch“ ist ein arabisches Wort für Piaster und steht heute nicht mehr im Duden. Spätere Internetbeispiele nutzten oft Abkürzungen, verkürzte Wörter, fehlendes ß oder waren kaum sinnvoll. Ein vollständiges Beispiel nur mit deutschen Wörtern, aber in alter Rechtschreibung, lautet: „Fix, Schwyz!“, quäkt Jürgen blöd vom Paß. Als erstes Beispiel ohne diese bisherigen Schwächen und mit nahezu sinnhaftem Inhalt nennt der Artikel „Nyx’ Bö drückt Vamps Quiz-Floß jäh weg.“ von Benjamin Schwenk (2023).
Weitere kurze Beispiele zeigen unterschiedliche Zeichensätze: „Vogel Quax zwickt Johnys Pferd Bim.“ hat ohne Umlaute und ß 29 Buchstaben. Mit ä, ö und ü, aber ohne ß in Schweizer Rechtschreibung hat „Üb jodeln, Gör!“, quäkt Schwyz’ Vamp fix. ebenfalls 29 Buchstaben. Mit ä, ö, ü und ß hat „Nyx’ Bö drückt Vamps Quiz-Floß jäh weg.“ 30 Buchstaben. Manche Beispiele sind deutlich länger, etwa ein Buchtitel von Francis Nenik mit 222 Buchstaben, dessen Wortanfänge in alphabetischer Reihenfolge stehen.
Beispiele aus anderen Sprachen
Das bekannteste englische Pangramm ist „The quick brown fox jumps over the lazy dog“ („Der schnelle braune Fuchs springt über den faulen Hund“) mit 35 Buchstaben. Es ist kurz und inhaltlich zusammenhängend. Bereits 1885 wurde die Form „A quick brown fox jumps over the lazy dog“ mit 33 Buchstaben erwähnt. Der Satz ist ein verbreiteter Test für Schreibmaschinen, Tastaturen und Schrifttypen; die ITU-T beschrieb 1988 drei englischsprachige Varianten als Prüftext in der Empfehlung R.52. Weitere englische Beispiele sind „Jackdaws love my big sphinx of quartz“ mit 31 Buchstaben, „Pack my box with five dozen liquor jugs“ mit 32 Buchstaben und „Sphinx of black quartz judge my vow.“ mit 29 Buchstaben.
Der von der ITU-T genannte französische Prüftext lautet „Voyez le brick géant que j’examine près du wharf“; auch er liegt in drei Varianten vor. Verbreitet ist außerdem „Portez ce vieux whisky au juge blond qui fume“ mit 37 Buchstaben. Ein sehr langes französisches Beispiel enthält auch alle französischen Sonderzeichen, einschließlich der seltenen æ, ü und ÿ.
Lateinische Beispiele berücksichtigen, dass k und w im Lateinischen ungebräuchlich sind und j beziehungsweise v mit i beziehungsweise u identisch sind. „Duc, Zephyre exsurgens, durum cum flatibus aequor.“ ist hexametrisch und hat unter diesen Bedingungen 41 Buchstaben. „Adnexique globum Zypheri freta kana secabant.“ ist ebenfalls hexametrisch und hat 39 Buchstaben.
Auch andere Alphabete und Schriftsysteme besitzen Pangramme. Das meistverbreitete russische Beispiel „Съешь ещё этих мягких французских булок, да выпей чаю.“ wird oft zur Schriftdarstellung verwendet, enthält aber nicht den Buchstaben „ж“. In der Variante mit der Partikel же ist dieser Buchstabe enthalten; „Эй, жлоб! Где туз? Прячь юных съёмщиц в шкаф.“ enthält alle 33 russischen Buchstaben. Im Polnischen ist „Zażółć gęślą jaźń“ mit 15 Buchstaben das kürzeste bekannte Pangramm bezogen nur auf die Sonderzeichen der polnischen Schreibsprache. Das verbreitete ungarische Pangramm „Árvíztűrő tükörfúrógép“ enthält alle Buchstaben mit Akzent. Für Japanisch wird das Iroha genannt, ein Gedicht, das zur Zeit seiner Entstehung alle Silben des japanischen Hiragana enthielt.
Einsatz in Computerprogrammen
Pangramme dienen in Programmen häufig als Beispieltexte, mit denen sich Schriftarten darstellen und vergleichen lassen. Die englischen Font Viewer von Windows XP und Windows Vista zeigen abhängig von den Eigenschaften der Schrift entweder „The quick brown fox jumps over the lazy dog. 0123456789“ oder „Jackdaws love my big sphinx of quartz. 0123456789“.
In nicht englischsprachigen Versionen von XP und Vista wird der erste Satz lokalisiert. Deutsch ist dabei beispielsweise „Franz jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern. 0123456789“, Französisch « Voix ambiguë d’un cœur qui au zéphyr préfère les jattes de kiwis. 0123456789 ». Der zweite englische Satz bleibt dagegen unverändert.
In Microsoft Word erzeugte =rand() nach Drücken der Eingabetaste abhängig von der Spracheinstellung verschiedene Pangramme. =rand(n) gibt den Satz n-mal aus; ohne Zahl erscheint er standardmäßig fünfmal. Mit =rand(n,m) lässt sich sowohl die Anzahl der Darstellungen in einer Zeile als auch die Anzahl der ausgegebenen Zeilen festlegen. Ab Word 2007 ist für das Pangramm =rand.old() erforderlich; =rand() gibt dann einen dreiteiligen Auszug aus der Hilfe aus. KDE verwendet „Falsches Üben von Xylophonmusik quält jeden größeren Zwerg“ als Schriftmuster.
Selbstbeschreibende Pangramme
Ein selbstdokumentierendes oder selbstbeschreibendes Pangramm nennt die Häufigkeit seiner eigenen Buchstaben. Der erste englische Satz dieser Art stammt von Lee Sallows aus dem Jahr 1983. Er beginnt mit „This pangram lists four a’s“ und führt für jeden Buchstaben von a bis z die Anzahl seines Vorkommens auf, beispielsweise 29 e’s, 26 s’s und ein z.
Das vermutlich erste deutsche selbstbeschreibende Pangramm wurde 1997 veröffentlicht. Es beginnt mit „Dieser Satz besteht aus acht A, sechs B, sechs C“ und zählt die eigenen Buchstaben einschließlich Sonderzeichen auf. Genannt werden unter anderem fünfundvierzig E, fünfundzwanzig I, achtundzwanzig N, zehn Z sowie ein Ä, ein Ö, vier Ü und ein ẞ.