Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Amtliche Statistik

Man versteht darunter oft die komplette Statistik zu einem bestimmten Themengebiet, zum Beispiel die Bevölkerungsstatistik oder die Wirtschaftsstatistik, oder …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Aufgabe
  2. 2. Entwicklung der amtlichen Statistik
  3. 3. Rechtlicher Schutz und Zuständigkeiten
  4. 4. Unabhängige Organisation und Arbeitsweise
  5. 5. Typische Themenbereiche

Begriff und Aufgabe

Eine amtliche Statistik ist eine Statistik, die von einer offiziellen Institution erstellt wird, besonders von einem statistischen Amt. Der Ausdruck kann die vollständige Statistik eines Themenbereichs meinen, etwa Bevölkerungs- oder Wirtschaftsstatistik, aber auch alle Statistiken eines Landes.

In modernen Demokratien soll die amtliche Statistik allgemein verfügbare Informationen für die politische Willensbildung bereitstellen. Sie liefert außerdem Daten für die Wissenschaft und dient politischen sowie wirtschaftlichen Planungen. Damit diese Aufgaben erfüllt werden, müssen die Arbeiten wissenschaftlich begründet, nachvollziehbar dokumentiert und vor politischer Einflussnahme geschützt sein.

Entwicklung der amtlichen Statistik

Frühe staatliche Erhebungen dienten vor allem konkreten Regierungszwecken: der Aufstellung eines Heeres, großen Bauwerken oder Steuererhebungen. Für das antike Babylon ist um 3800 v. Chr. eine Volkszählung durch Tonscherben belegt. Zwischen 3000 und 2000 v. Chr. gab es je nach Quelle in Ägypten und China Volkszählungen und Vermögenserhebungen. Im antiken Athen wurden unter anderem Getreideeinfuhr und zollpflichtige Waren aufgezeichnet. Im Römischen Reich fanden seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. alle fünf Jahre Bevölkerungserhebungen statt.

Im Mittelalter nutzten Städte Gebietseinteilungen auch als räumliche Grundlage statistischer Aufgaben. In Nürnberg erhoben Gassenhauptleute beispielsweise Angaben über bestimmte Bevölkerungsgruppen. Staatliche, systematische Erhebungen waren damals jedoch selten. Mit Absolutismus und merkantilistischer Wirtschaftspolitik entstand erneut Bedarf an Daten zur zentralistischen Wirtschaftslenkung. Die „Universitätsstatistik“ beschrieb möglichst alle „Staatsmerkwürdigkeiten“ qualitativ; die „Politische Arithmetik“ wollte gesellschaftliche Verhältnisse quantitativ nach naturwissenschaftlichem Vorbild erfassen.

Bis zum 18. Jahrhundert blieben Ergebnisse meist geheime Verwaltungsinformationen. Mit Aufklärung und bürgerlich-publizistischer Öffentlichkeit nahm die Geheimhaltung ab. Im 19. Jahrhundert wurde die amtliche Statistik stark ausgeweitet und institutionell organisiert. In den deutschen Teilstaaten entstanden statistische Ämter; ab 1834 koordinierte der Deutsche Zollverein Arbeiten. 1872 wurde im Deutschen Reich das Kaiserliche Statistische Amt als Zentralamt eingerichtet.

Im Dritten Reich wurde die Länderhoheit der dezentralen Ämter zugunsten des Statistischen Reichsamtes aufgehoben. Richard Korherr, Leiter der Statistischen Abteilung im SS-Hauptamt, stellte im Korherr-Bericht statistische Angaben über die „Endlösung der Judenfrage“ zusammen.

Rechtlicher Schutz und Zuständigkeiten

Amtliche Statistiken können durch Auskunftspflichten in die informationelle Selbstbestimmung von Personen und Unternehmen eingreifen. Da ein Missbrauch erhobener Daten grundsätzlich möglich ist, bestehen gesetzliche Rahmenbedingungen; besonders wichtig ist das Statistikgeheimnis.

In der Europäischen Union kommen zunehmend Vorgaben für die Statistiken der Mitgliedstaaten von der EU. Eurostat in Luxemburg ist das Zentralamt.

In Deutschland ist die amtliche Statistik als Teil der öffentlichen Verwaltung an Art. 20 Abs. 3 GG gebunden. Der Bund besitzt nach Art. 73 Abs. 1 Nr. 11 GG die ausschließliche Gesetzgebung für Statistik für Bundeszwecke. Die Durchführung ist nach Art. 83 GG grundsätzlich Aufgabe der Bundesländer, die zusätzlich eigene Landesstatistiken anordnen können. Kommunen sind wegen der kommunalen Selbstverwaltung für innergebietliche Statistiken zuständig; besonders Großstädte haben deshalb oft eigene statistische Ämter für Kommunalstatistik.

Jede Erhebung der amtlichen Statistik in Deutschland muss gesetzlich angeordnet sein. Das Bundesstatistikgesetz bildet für Bundesstatistiken die zentrale Grundlage und wird durch Landesstatistikgesetze ergänzt. Mehr als 100 weitere Rechtsgrundlagen regeln einzelne Statistiken; kommunale Aufgaben beruhen meist auf einer kommunalen Statistiksatzung. In Österreich gilt das Bundesstatistikgesetz 2000. In der Schweiz sind Art. 65 der Bundesverfassung, das Bundesstatistikgesetz vom 9. Oktober 1992 und die Statistikerhebungsverordnung maßgeblich. Für Frankreich verweist der Artikel auf das INSEE.

Unabhängige Organisation und Arbeitsweise

Damit amtliche Statistik ihre Ziele erreicht, soll sie wissenschaftlich arbeiten und frei von politischer Einflussnahme sein. Als geeignet gelten eine statistikfachliche Konzentration, also die Zusammenfassung aller Statistiken in einer unabhängigen Institution, sowie ein staatlich garantiertes finanzielles Budget.

Methodisch versteht sie sich als Instrument der politischen Willensbildung. Nicht ihre eigene Herstellung, sondern ihre Ergebnisse sollen diskutiert werden können. Deshalb müssen Grundlagen und Vorgehen umfassend dokumentiert sein; die Methoden sollen allgemein anerkannt sein.

Vorrangig verwendet die amtliche Statistik einfache Methoden der deskriptiven Statistik. Dazu zählen besonders Mittelwerte sowie Tabellen und thematische Karten. Daten werden fachlich aggregiert, etwa in Altersklassen, und räumlich in statistischen Raumbezugseinheiten zusammengefasst.

Typische Themenbereiche

Amtliche Statistiken gibt es allgemein zu Demografie, Erwerbstätigkeit, Gesundheit, Politik und öffentlicher Verwaltung, Preisen, Außenhandel, Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen, privaten Haushalten, Tourismus, Umwelt und Wirtschaft.

Beispiele sind Altersstruktur, Geburten, Sterbefälle, Wanderungen und Eheschließungen; Arbeit, Einkommen und Arbeitslosigkeit; Lebenserwartung, Todesursachen, Gesundheitsversorgung und deren Kosten; Wahlen sowie öffentliche Einnahmen und Ausgaben. Auch Übernachtungen und Bettenanzahl im Tourismus sowie Konjunktur- und Strukturdaten verschiedener Wirtschaftszweige gehören dazu.

„Weiche Daten“, etwa Geschäftsklima bei Unternehmen oder Meinungen von Personen, sind typischerweise keine amtliche Statistik. Ihre Erhebung und Analyse übernehmen vielmehr sozialwissenschaftliche Forschungsinstitute, Wirtschaftsforschungsinstitute und Meinungsforschungsinstitute.

Weiterlesen

Antike Die Antike (von lateinisch antiquus ‚alt, altertümlich, altehrwürdig') war eine Epoche im Mittelmeerraum, die etwa von 800 v. Chr. bis 600 n. Pyramide (Bauwerk) Pyramiden wurden vorwiegend als Gebäude mit religiösem (Totenkult) und/oder zeremoniellem Charakter errichtet. Pyramiden von Gizeh · Pyramiden von Meroe Maya- … Römisches Reich Die altrömische Überlieferung datiert die Gründung Roms zwischen 814 und 728 v. Chr., meist jedoch um das Jahr 750 v. · Der letzte römische bzw. etruskische … Augustus Augustus (* 23. September 63 v. Chr. als Gaius Octavius in Rom; † 19. August 14 n. Chr. in Nola bei Neapel) war der erste römische Kaiser. Mittelalter Als Mittelalter wird in der europäischen Geschichte die Epoche zwischen dem Ende der Antike und dem Beginn der Neuzeit bezeichnet, also etwa die Zeit … Reichsstadt Nürnberg Die Reichsstadt Nürnberg war ein Territorium des Heiligen Römischen Reiches, dessen Eigenständigkeit sich während des 13. bis 15. Jahrhunderts in mehreren … Staat Im weitesten Sinn bezeichnet er eine politische Ordnung, in der einer bestimmten Gruppe, Organisation oder Institution eine privilegierte Stellung zukommt. Es … Absolutismus Systematisch dargestellt und auch gerechtfertigt wurde diese Regierungsform im 16. und 17. Jahrhundert unter anderem von Jean Bodin (1529–1569) und Thomas … Merkantilismus Diese Wirtschaftspolitik prägte die moderneren Länder in Europa und Bereiche in Afrika vom 16. Jahrhundert bis ins späte 18. und frühe 19. Jahrhundert. In der … Wirtschaft Wirtschaft oder Ökonomie ist die Gesamtheit aller Einrichtungen und Handlungen, die der planvollen Befriedigung der Bedürfnisse dienen. 18. Jahrhundert Der südamerikanische Handel, der der ertragreichste Sektor der südamerikanischen Wirtschaft war, war mit Schmuggel eng verknüpft und konnte kaum von der … Aufklärung Es wird meist auf etwa 1650 bis 1800 datiert. Aufklärung und Barock, die oft als Gegensätze gesehen werden, entwickelten sich über Jahrzehnte gleichzeitig im …