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Alternative Zehn Gebote

In Anlehnung an die biblischen Zehn Gebote wurden mehrere Alternative Zehn Gebote erstellt, über die kein Konsens besteht.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und sozialistische Fassung
  2. 2. Säkular-agnostische Leitgedanken
  3. 3. Religionskritik, Humanismus und offene Diskussion
  4. 4. Weitere moderne Ethikentwürfe
  5. 5. Religiös begründete Regeln

Überblick und sozialistische Fassung

Alternative Zehn Gebote sind in Anlehnung an die biblischen Zehn Gebote formulierte ethische oder politische Leitlinien; über sie besteht kein Konsens. Sie unterscheiden sich darin, ob sie weltlich, religionskritisch, humanistisch oder religiös begründet werden.

Die Zehn Gebote der sozialistischen Moral und Ethik verkündete Walter Ulbricht, damals Generalsekretär der SED, auf dem fünften Parteitag der SED vom 10.–16. Juli 1958. In formaler Anlehnung an die biblischen Gebote fassten sie politische Pflichten jedes DDR-Bürgers zusammen. Der sechste SED-Parteitag nahm sie 1963 in das Parteiprogramm der SED auf; dort standen sie bis 1976.

Säkular-agnostische Leitgedanken

Die „Neuen Zehn Gebote“ des Religionskritikers Ebon Musings aus dem Jahr 2011, die Richard Dawkins in Der Gotteswahn zitiert, stellen vor allem Schadenvermeidung, Respekt, Gerechtigkeit und selbstständiges Denken in den Mittelpunkt. Dazu gehören die Goldene Regel („Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg’ auch keinem andern zu“), Liebe, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Respekt gegenüber Menschen, anderen Lebewesen und der Welt. Böses soll nicht übersehen werden; bei freimütigem Eingeständnis und ehrlicher Reue sollen schlechte Taten verziehen werden können.

Weiter fordern sie Freude und Staunen im Leben, lebenslanges Lernen sowie das Prüfen aller Ideen an Tatsachen. Überzeugungen sollen aufgegeben werden können, wenn sie nicht mit der Wirklichkeit vereinbar sind. Zensur und Abschottung von Meinungsverschiedenheiten werden abgelehnt; die eigene Meinung soll auf Vernunft und Erfahrung beruhen. Dawkins ergänzt unter anderem sexuelle Freiheit, sofern niemand geschädigt wird, das Verbot von Diskriminierung und Unterdrückung aufgrund von Geschlecht, Rasse oder, soweit möglich, biologischer Art, keine Indoktrination von Kindern sowie einen Blick auf die Zukunft über die eigene Lebenszeit hinaus.

Die zehn humanistischen Gebote von Rodrigue Tremblay betonen Menschenwürde, den Wert jedes Menschen, den Respekt vor Leben und Eigentum, Toleranz gegenüber Wahlfreiheit und Lebensstilen sowie Hilfe für weniger Glückliche. Sie verlangen Vernunft, Logik und Wissenschaft zum Verständnis der Welt und zur Lösung von Problemen, den Schutz von Land, Boden, Wasser und Luft, gewaltfreie Konfliktlösung, Demokratie auf Grundlage individueller Freiheit und Verantwortung sowie Bildung und Fleiß.

Religionskritik, Humanismus und offene Diskussion

Christopher Hitchens (1949–2011) formulierte Gebote gegen rassistische Verurteilung, die Behandlung von Menschen als Privateigentum, sexuelle Gewalt und Schaden an Kindern. Menschen sollen nicht wegen ihrer angeborenen Natur verurteilt werden. Hitchens verweist außerdem auf die Abhängigkeit des Menschen als Tier vom Beziehungsgeflecht der Natur, verurteilt auch Betrug durch Lügen und verlangt, Dschihadisten und Kreuzzügler als „geistesgestörte Kriminelle“ zu verurteilen. Jeder Glaube soll abgelehnt werden, wenn seine Gebote diesen Regeln widersprechen.

Michael Schmidt-Salomon veröffentlichte 2005 im Manifest des evolutionären Humanismus die Zehn Angebote des evolutionären Humanismus; sie gehören zum Leitbild der Giordano-Bruno-Stiftung. Sie verstehen sich ausdrücklich nicht als von Gott erlassene oder unveränderliche Vorschriften: Jeder Einzelne darf sie rational prüfen, annehmen, verändern oder verwerfen. Kern ist, Leid zu mindern, fair zu handeln, keine Angst vor Autoritäten zu haben, Kritik zuzulassen, sich gründlich zu informieren und das Leben zu genießen. Lügen, Betrug, Diebstahl und Töten werden abgelehnt, außer wenn im Notfall keine andere Möglichkeit besteht, Ideale der Humanität durchzusetzen.

Bertrand Russells (1872–1970) Zehn liberale Gebote verstehen „liberal“ als aufgeschlossen, tolerant und vorurteilsfrei. Sie verlangen, keiner Sache völlig gewiss zu sein, Belege nicht zu verheimlichen, selbstständiges Denken zu fördern und Widerspruch durch Argumente statt Autorität zu begegnen. Auch exzentrische Meinungen, intelligenter Widerspruch und Wahrheit trotz Unbequemlichkeit sollen geschätzt werden.

Der Spiegel fasste 2007 die Botschaft des Neuen Atheismus in zehn Geboten zusammen, darunter: nicht glauben, kein Selbstbildnis Gott nennen, keinen Schöpfer haben, Kinder „mit Gott in Frieden“ lassen, ohne Gott gut sein und keine anderen Götter neben der Wissenschaft haben. Das Institut für Digitale Ethik an der Hochschule der Medien Stuttgart veröffentlichte 2016 „10 Gebote der Digitalen Ethik“ als Leitlinien für ein „gutes, gelingendes Leben in der digitalen Gesellschaft“, vermittelt durch kleine, eingängige Geschichten.

Weitere moderne Ethikentwürfe

Die acht Gebote aus Bobby Hendersons Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters von 2006 sind als „Mir wär’s wirklich lieber, Du würdest nicht …“ formuliert. Sie richten sich gegen religiöse Heuchelei, Unterdrückung im Namen einer Gottheit und die Bewertung von Menschen nach Aussehen, Kleidung oder Sprache. Sie betonen, dass Frauen und Männer Personen sind, und beziehen sexuelle Handlungen auf bereitwillige, volljährige und geistig gesunde Partner. Große religiöse Bauwerke werden kritisiert; das Geld solle etwa zur Bekämpfung von Armut, zur Heilung von Krankheiten oder für Frieden verwendet werden. Außerdem werden behauptete direkte Botschaften der Gottheit, schlechte Behandlung anderer und fehlender Schutz beim Sex zurückgewiesen.

The Satanic Temple, eine atheistisch-satanistische Glaubensgemeinschaft aus den USA, formuliert sieben Grundsätze: Mitgefühl und Einfühlungsvermögen gegenüber allen Lebewesen sollen mit Vernunft verbunden sein; Gerechtigkeit soll fortlaufend angestrebt werden und über Gesetzen und Institutionen stehen. Der eigene Körper gilt als unantastbar und allein dem eigenen Willen unterworfen. Die Freiheiten anderer, einschließlich der Freiheit zu kränken, sollen respektiert werden. Überzeugungen sollen dem besten wissenschaftlichen Verständnis entsprechen; Menschen sollen Fehler korrigieren und verursachten Schaden beheben. Der Geist von Mitgefühl, Weisheit und Gerechtigkeit soll über dem bloßen Wortlaut stehen.

Religiös begründete Regeln

Die 10 Gebote der Gelassenheit bieten eine einfache Lebensphilosophie und gelten als auf Papst Johannes XXIII. zurückgehend. Sie sind nicht spezifisch christlich und werden etwa bei den Anonymen Alkoholikern verwendet. Jede Maxime beginnt mit „Nur für heute“: den Tag leben, ohne alle Probleme zugleich lösen zu wollen; auf das eigene Verhalten achten statt andere zu kritisieren oder verbessern zu wollen; Glück für diese Welt annehmen; sich Umständen anpassen; zehn Minuten gute Lektüre lesen; eine gute Tat tun, ohne davon zu erzählen; etwas Unangenehmes erledigen; planen und Hetze sowie Unentschlossenheit vermeiden; ohne Angst Schönes genießen und an Güte glauben; schließlich auf Gottes gütige Vorsehung vertrauen.

Die Noachidischen Gebote sind im Judentum sieben Gebote, die Noah nach der Sintflut von Gott erhalten haben soll. Weil alle heutigen Menschen nach der Bibel von Noah abstammen, gelten sie demnach für alle Menschen; der Regenbogen ist das sichtbare Zeichen dieses Bundes. Sie werden in Gen 9,1–15 EU angedeutet und erst im Talmud vollständig formuliert: Verbot von Mord, Diebstahl, Götzenanbetung, Unzucht, Gotteslästerung und dem Essen von Fleisch eines noch lebenden Tieres sowie die Einführung von Gerichten zur Wahrung des Rechtsprinzips. Wer sie einhält, heißt Ben Noach; ein nichtjüdischer Ben Noach gilt als Zaddik und kann Anteil an der kommenden Welt, dem Olam Haba, erhalten.

Die zehn unheilsamen Taten werden im Mahabharata, Buch 13, Kapitel 13, von Bhishma im Gespräch mit Yudhishthira beschrieben. Zu vermeiden sind drei körperliche Handlungen: Töten, Diebstahl und Ehebruch. Vier sprachliche Handlungen sind nutzloses Geschwätz, harte Beleidigungen, Verleumdung und jede Lüge. Drei Denkweisen sind das Begehren fremden Besitzes, das Verletzen anderer und Unglauben an vedische Gebote. Gute und schlechte Taten haben nach diesem Text entsprechende gerechte Folgen.

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