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Zehn Gebote der sozialistischen Moral und Ethik

In formaler Anlehnung an die biblischen Zehn Gebote fassten sie die politischen Pflichten jedes DDR-Bürgers zusammen, wurden vom sechsten SED-Parteitag 1963 in …

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Entstehung und Funktion
  2. 2. Die zehn Regeln
  3. 3. Verbindlichkeit und Bedeutung in der DDR

Entstehung und Funktion

Die „Zehn Gebote der sozialistischen Moral und Ethik“, auch „10 Gebote für den neuen sozialistischen Menschen“, waren ein politisch-moralischer Regelkatalog der DDR. Walter Ulbricht, damals Erster Sekretär der SED, verkündete sie auf dem fünften Parteitag der SED vom 10. bis 16. Juli 1958. In formaler Anlehnung an die biblischen Zehn Gebote fassten sie die politischen Pflichten der DDR-Bürger zusammen.

Die Regeln standen im Zusammenhang mit der nach dem Aufstand des 17. Juni 1953 verschärften Kirchen- und Kulturpolitik der SED. Sie folgten der 1954 eingeführten Jugendweihe und wurden bei dieser häufig verlesen. Ziel war es, eine stärkere Arbeitsmoral und einen weltanschaulichen Atheismus zu fördern. Nach marxistisch-leninistischer Vorstellung sollte die Religion im Sozialismus bald absterben. Da dies trotz der verstaatlichten Produktionsmittel in der DDR nicht eintrat, versuchte die SED-Führung, kirchliche Traditionen durch staatliche Ideologie zu ersetzen. Vergleichbare Vorhaben waren die „Sozialistische Eheschließung“ und die „Sozialistische Namensweihe“.

Die individuelle Moral sollte nach dem Verständnis der SED das Verhalten der arbeitenden Bevölkerung mit den von ihr erkannten „objektiven gesellschaftlichen Erfordernissen“ in Einklang bringen.

Die zehn Regeln

Die Gebote forderten:

  • Einsatz für die internationale Solidarität der Arbeiterklasse und aller Werktätigen sowie für die „unverbrüchliche Verbundenheit“ aller sozialistischen Länder.
  • Liebe zum Vaterland und Bereitschaft, die ganze Kraft und Fähigkeit für die Verteidigung der Arbeiter-und-Bauern-Macht einzusetzen.
  • Hilfe bei der Beseitigung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen.
  • Gute Taten für den Sozialismus, weil dieser zu einem besseren Leben für alle Werktätigen führen solle.
  • Handeln beim Aufbau des Sozialismus im Geist gegenseitiger Hilfe und kameradschaftlicher Zusammenarbeit, Achtung des Kollektivs und Beachtung seiner Kritik.
  • Schutz und Vermehrung des Volkseigentums.
  • Ständige Verbesserung der eigenen Leistung, Sparsamkeit und Festigung der sozialistischen Arbeitsdisziplin.
  • Erziehung der Kinder im Geist des Friedens und des Sozialismus zu allseitig gebildeten, charakterfesten und körperlich gestählten Menschen.
  • Ein sauberes und anständiges Leben sowie Achtung der Familie.
  • Solidarität mit den Völkern, die um nationale Befreiung kämpften oder ihre nationale Unabhängigkeit verteidigten.

Verbindlichkeit und Bedeutung in der DDR

Der sechste SED-Parteitag nahm die zehn Gebote 1963 in das Parteiprogramm der SED auf. Bis 1976 galten sie darin als „sozialistische Gesetze der Moral und Ethik“ und wurden für die Parteimitglieder als Handlungsmaximen verbindlich gemacht. Besonders die Gebote 5, 6 und 7 wurden 1959 von den Initiatoren der FDGB-Kampagne „Brigaden der sozialistischen Arbeit“ herangezogen, die die Leistungsbereitschaft der Belegschaften stärken sollte.

In der DDR-Bevölkerung waren die Regeln jedoch kaum bekannt und spielten im öffentlichen Leben keine wesentliche Rolle; sie wurden hauptsächlich parteiintern propagiert. 1976 ersetzte der neunte SED-Parteitag alle zehn Regeln durch die Pflicht, „die Normen der sozialistischen Moral und Ethik einzuhalten und die gesellschaftlichen Interessen über die persönlichen zu stellen“.

Für jüngere Kinder gab es verwandte staatliche Erziehungskataloge: vom sechsten bis neunten Lebensjahr die „Gebote der Jungpioniere“ und vom zehnten bis vierzehnten Lebensjahr die „Gesetze der Thälmann-Pioniere“. Ein vergleichbarer Kodex der KPdSU war der „Moralkodex der Erbauer des Kommunismus“ von 1961.

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