Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Aldi

Unter der Bezeichnung Aldi (Eigenschreibweise: ALDI) werden insgesamt über 13.000 Lebensmitteleinzelhandelsfilialen in Europa sowie in Australien, China und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Geschäftsmodell
  2. 2. Entstehung, Teilung und Ausbau
  3. 3. Eigentum, Führung und deutsche Struktur
  4. 4. Internationale Präsenz
  5. 5. Sortiment, Eigenmarken und Verkauf
  6. 6. Markt, Umwelt und Kritik

Überblick und Geschäftsmodell

Aldi (Eigenschreibweise: ALDI) ist ein Konzern im Lebensmitteleinzelhandel und ein Akronym für „ALbrecht DIscount“, das seit 1962 verwendet wird. Unter der Marke werden über 13.000 Filialen in Europa sowie in Australien, China und den USA betrieben. Einschließlich Hofer, Aldi Suisse, Trader Joe’s, Winn-Dixie und Harveys Supermarket nennt der Artikel rund 13.650 Filialen; die internationale Tabelle weist für September 2026 insgesamt 13.926 Aldi-Filialen aus. Nach Umsatz und Filialzahl gilt Aldi als größter Discounter-Konzern der Welt vor Lidl und gehört zu den zehn größten Einzelhandelsgruppen weltweit.

Das Grundprinzip des Discounters besteht darin, Kosten zu senken und dadurch niedrige Preise zu ermöglichen. „Discount ist die Kunst des Weglassens“: Aldi setzte ursprünglich auf ein schmales Sortiment schnell verkaufter Grundnahrungsmittel, wenig Service, Verkauf aus Versandkartons oder von Paletten, einfache Ladeneinrichtung, keine aufwendige Werbung und wenig Personal. Der schnelle Warenumschlag, also der rasche Verkauf und Ersatz der Ware, heißt bei Aldi etwa zehn Tage. Barzahlungen der Kundschaft und übliche Zahlungsziele von 30 Tagen bei Herstellern lieferten Liquidität für die Expansion ohne Bankkredite.

Aldi Nord und Aldi Süd sind rechtlich, organisatorisch und seit 1966 auch finanziell vollständig unabhängige Konzerne. Sie gehen jedoch auf das gleiche Familienunternehmen zurück und stimmen ihre Geschäftspolitik im Aldi-Unternehmensausschuss ab. Das Bundeskartellamt betrachtet sie als „faktischen Gleichordnungskonzern“ nach § 18 Abs. 2 Aktiengesetz.

Entstehung, Teilung und Ausbau

Die Wurzeln liegen in Essen-Schonnebeck: Anna Albrecht eröffnete am 10. April 1913 in der Huestraße 87 einen Tante-Emma-Laden. 1919 zog die Familie in die benachbarte Huestraße 89; dort entstand das „Kaufhaus für Lebensmittel Karl Albrecht“. Der Laden blieb bis zum 28. November 2020 eine Aldi-Filiale und wurde wegen zu geringer Ladenfläche geschlossen.

1945 übernahmen Karl und Theo Albrecht den Familienbetrieb. Nach der Währungsreform 1948 richteten sie ihn auf eine Grundversorgung mit minimalem Sortiment und niedrigen Preisen aus. 1954 eröffnete die erste Filiale außerhalb Essens und das Stammgeschäft wurde zum Selbstbedienungsladen. 1955 gab es 100 Standorte in Nordrhein-Westfalen. 1960 betrieben die Brüder 300 westdeutsche Läden mit ungefähr 90 Millionen Mark Bruttoumsatz.

1961 teilten sie die Albrecht KG: Theo Albrecht übernahm die nördlichen, Karl Albrecht die südlichen Filialen. Als Ursache wurde teils ein Streit über Zigaretten genannt; der Journalist Martin Kuhna bezweifelt dies und verweist auf unterschiedliche Führungsstile. Der langjährige Aldi-Süd-Manager Ulrich Wolters bestätigte abweichende Ansichten zu Führung und Mitarbeiterbezahlung.

Versuche mit 20 bis 30 Albrecht-Supermärkten scheiterten gegen größere Vollsortimenter wie Edeka und Rewe. Ab 1962 entwickelte sich Aldi deshalb zum reinen Discounter. Die erste Discount-Filiale unter dem Namen Aldi eröffnete 1962 in Dortmund; bei Aldi Süd startete die Serieneröffnung mit einem Markt in Mülheim. Die deutlich höhere Umsatzleistung pro Beschäftigtem ermöglichte die schnelle Ausweitung des Systems.

Eigentum, Führung und deutsche Struktur

Beide Gruppen befinden sich vollständig im Besitz von Familienstiftungen. Bei Aldi Süd hält die 1973 von Karl Albrecht gegründete Siepmann-Stiftung 75 %; ihre Hauptbegünstigten sind Angehörige von Beate Heister, der einzigen Tochter Karl Albrechts. Bei Aldi Nord halten die Markus-, Lukas- und Jakobus-Stiftung die Anteile an Aldi Nord und Trader Joe’s. Ende 2023 entstand für Aldi Nord die einheitliche Holding Aldi Nord Stiftung & Co. KG; sie gehört je zur Hälfte den Familienstiftungen der Familienstämme Theo Albrecht und Berthold Albrecht.

Die operative Leitung übernehmen familienfremde Manager. Aldi Nord hat seinen Sitz in Essen und wird seit 2023 von CEO Torsten Hufnagel geführt. Aldi Süd hat seinen Sitz in Mülheim an der Ruhr; Thomas Ziegler und Thomas Daunt bilden seit 1. Mai 2023 die Führung. Für 2023 nennt der Artikel 87.892 Beschäftigte bei Aldi Nord in acht europäischen Ländern und 200.410 bei Aldi Süd in zehn Ländern weltweit.

In Deutschland trennt der sogenannte Aldi-Äquator die Gebiete. Er verläuft vom Westmünsterland über Mülheim an der Ruhr, Wermelskirchen, Gummersbach, Siegen und Marburg bis nördlich von Fulda. Ostdeutschland gehört mit Ausnahme einer von Bayern belieferten Filiale in Sonneberg zu Aldi Nord. Zentrale Gesellschaften, etwa die Aldi Einkauf GmbH & Co. oHG, übernehmen Aufgaben wie Einkauf und Immobilienverwaltung für beide Gruppen.

Seit 2016 modernisierte Aldi Süd seine deutschen Filialen, seit 2017 auch Aldi Nord. Beide reagierten damit auf Erwartungen nach mehr Frische, Auswahl und besserer Gestaltung. Aldi Süd wollte bis 2021 rund 3,5 Milliarden Euro in knapp 1.900 deutsche Filialen investieren und hält sein Angebot weiter bei 1.200 Artikeln. Aldi Nord plante für die Umgestaltung von 2.250 Filialen bis Anfang 2019 5,2 Milliarden Euro; sein Standardsortiment umfasste 2017 rund 1.400 Artikel.

Internationale Präsenz

Aldi Süd ist unter anderem in Australien, China, Irland, Italien, Österreich, der Schweiz, Slowenien, Ungarn, dem Vereinigten Königreich und den USA tätig. In Österreich heißt die 1967 übernommene Kette Hofer KG, weil der Name Aldi dort der Firma Adel Lebensmittel Diskont gehört. Aldi Suisse gehört zur Hofer-Unternehmensgruppe; die ersten vier Schweizer Filialen öffneten am 27. Oktober 2005.

Aldi Nord ist unter anderem in Belgien, Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden, Polen, Portugal und Spanien vertreten sowie über Trader Joe’s in den USA. Aldi Nord zog sich 2022/23 aus Dänemark zurück. Die Expansion in Griechenland, die Aldi Süd im November 2008 begonnen hatte, wurde wegen fehlenden Erfolgs Ende Dezember 2010 beendet.

Aldi Süd trat im Frühjahr 2017 zunächst über den Online-Marktplatz Tmall Global in China ein. Die erste Filiale folgte am 7. Juni 2019 in Shanghai. Zielgruppe ist die chinesische Mittelschicht; angeboten werden ausgesuchte, höherwertige Produkte statt Billigware.

In den USA eröffnete Aldi seit 1976 Filialen. 2023 wurde die Übernahme von etwa 400 Winn-Dixie- und Harveys-Filialen im Südosten angekündigt. Im Februar 2025 wurden 170 Harveys- und Winn-Dixie-Filialen sowie 170 Spirituosengeschäfte zurückverkauft. Die verbleibenden 220 Filialen müssen bis Ende 2027 auf „Aldi“ umgeflaggt werden. Trader Joe’s, das zu Aldi Nord gehört, hatte im August 2026 661 Filialen.

Sortiment, Eigenmarken und Verkauf

Das deutsche Aldi-Sortiment setzt auf „Schnelldreher“, also Artikel mit Mindestumsatz und hoher Umschlagshäufigkeit. Es umfasst rund 1.360 Basisartikel, 170 Bioartikel im Standard-, Saison- und Aktionssortiment sowie etwa 80 Aktionsartikel pro Woche. Eigenmarken wurden wichtig, weil die frühere Preisbindung der zweiten Hand Markenartikelpreise festlegte. Hersteller verpackten deshalb Waren speziell für Aldi unter Fantasienamen; die Produkte unterlagen keiner Preisbindung.

Aldi Nord verkauft seit Juni 2003 loses Obst und Gemüse, Aldi Süd seit 2016. Seit 2018 gibt es unter „Fair & Gut“ einzelne Fleischprodukte mit dem Neuland-Tierwohllabel. Beide Gruppen kündigten Ende Juni 2021 an, ab 2030 ausschließlich Fleisch aus tiergerechterer Haltung anzubieten. Kaffee wird in eigenen Röstereien produziert: Aldi Nord betreibt Markus Kaffee in Weyhe-Dreye, Aldi Süd NewCoffee in Ketsch. Röstereien in Herten und Mülheim an der Ruhr wurden 2023 geschlossen.

Neben Lebensmitteln bietet Aldi zeitlich begrenzte Gebrauchsgüter-Aktionen an, etwa Campingartikel. Bekannt wurde der Aldi-PC: Der erste eigens für Aldi beauftragte Personal Computer erschien 1995; Ende 1999 folgte der erste Aldi-PC mit integriertem Internetanschluss. Weitere Angebote umfassten unter anderem Aldi Talk, Reisen, Online-Fotoservice und digitale Medienangebote.

Früher merkten Kassierer Preise oder PLU-Nummern auswendig; PLU bedeutet eine Nummer zur Identifikation eines Artikels. Aldi Süd stellte 2000, Aldi Nord 2002 auf Scannerkassen um. Mehrfach auf Verpackungen platzierte EAN-Strichcodes beschleunigen das Scannen. Seit 2023 erprobt beziehungsweise nutzt Aldi Süd in einigen deutschen Filialen Self-Checkouts.

Markt, Umwelt und Kritik

Nach Angaben zum Stand 31. Dezember 2023 erzielte Aldi Nord 28,6 Milliarden Euro Umsatz, Aldi Süd 83 Milliarden Euro. Für 2010 nennt der Artikel in Deutschland 22,5 Milliarden Euro Umsatz und Umsatzrenditen von 3,0 % bei Aldi Nord sowie 3,7 % bei Aldi Süd. Die Kapitalausstattung wird als sehr solide beschrieben. Aldi Nord besitzt, soweit bekannt, alle Logistikzentren und größtenteils die Filialimmobilien; Aldi Süd besitzt fast alle Gebäude und Grundstücke, nahm aber für weitere Immobilienexpansion auch Fremdkapital auf.

2022 hatte die Aldi-Gruppe im deutschen Lebensmittelhandel einen Marktanteil von 11,2 % und lag damit auf Platz vier hinter Edeka, Rewe-Group und Schwarz-Gruppe. Aldi nutzt laut Artikel seine Marktmacht in Verhandlungen mit Zulieferern, verlangt aber keine Zugeständnisse bei sinkenden Verkaufspreisen, Werbekostenzuschüsse, Jubiläums- oder Logistikrabatte.

Aldi Süd rüstete rund 1.250 Filialen und Logistikzentren mit Photovoltaikanlagen aus; an 500 Filialen gibt es Ladepunkte für Elektroautos und Elektrofahrräder. Das zunächst kostenlose Laden ist seit Mitte 2022 kostenpflichtig. Seit Sommer 2019 kosten dünne Obst- und Gemüsetüten einen Cent.

Kritik betraf unter anderem Tropenholz und mutmaßliche Fasern aus Mangrovenholz in angebotenen Büchern. Aldi erklärte nach Protesten 2004, künftig nur Holzartikel mit FSC-Siegel vermarkten zu wollen. Aldi Nord räumte Zahlungen von jährlich 120.000 Euro an die arbeitgebernahe AUB ein und zahlte 2011 eine Strafe von 50.000 Euro zur Einstellung des Verfahrens. Zudem wird Aldi vorgeworfen, zwischen 1968 und 1989 von Zwangsarbeit in der DDR profitiert zu haben; Aldi erklärte 2014, Details wegen des großen zeitlichen Abstands nicht ausreichend aufarbeiten zu können.

Weiterlesen

Lebensmitteleinzelhandel Der Sammelbegriff Lebensmitteleinzelhandel (LEH) bezeichnet Handelsunternehmen im Einzelhandel mit einem Sortiment, das überwiegend aus Lebensmitteln … Akronym Akronyme, die aus Initialen zusammengesetzt sind und ausbuchstabiert werden und mit Endbetonung ausgesprochen werden, wie WM · Akronyme, die aus Initialen … Synonym Wörter mit gegensätzlicher Bedeutung sind Antonyme. Inhaltsverzeichnis. 1 Begriff der Synonymie; 2 Strikte und partielle Synonymie. 2.1 Strikte Synonymie … Währungsreform 1948 (Westdeutschland) Die Währungsreform von 1948 gehört zu den bedeutendsten wirtschaftspolitischen Maßnahmen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Eine Umtauschstelle in Hamburg, 20. Erlös 1 Abgrenzung gegen andere Rechnungsgrößen. 1.1 Aufwand und Ertrag; 1.2 Ausgaben und Einnahmen; 1.3 Aus- und Einzahlungen; 1.4 Unterschiede zwischen den Größen. Kostenvorteil Ein Kostenvorteil liegt in der Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre vor, wenn ein Wirtschaftssubjekt bei der Produktion des gleichen Gutes … Ostdeutschland seit 1990 Ostdeutschland seit 1990 umfasst das Gebiet der seit der deutschen Wiedervereinigung bestehenden neuen Länder und die zugehörige Bevölkerung. Bayern Geographie ... Bayern ist mit rund 1300 Museen das museumsreichste Bundesland Deutschlands und eine der museumsreichsten Regionen des Kontinents. Weimar Darauf folgte die Weimarer Klassik mit Wieland, Goethe, Herder und Schiller. Das 19. Jahrhundert ist verbunden mit Franz Liszt, Richard Strauss, Friedrich … Shanghai Shanghai, auch Schanghai (chinesisch 上海, Pinyin) ist die bedeutendste Industriestadt der Volksrepublik China und eine der größten Städte der Welt. Ertrag Ertrag ist in der Wirtschaft allgemein die Summe oder das Ergebnis der erbrachten wirtschaftlichen Leistung. Pendant ist der Aufwand. Eigenkapitalquote Für Besteuerungszwecke wird also vom Anlagendeckungsgrad ausgegangen und das Eigenkapital dann als angemessen eingestuft, wenn der Anlagendeckungsgrad (I) …