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Albert Camus
Camus gilt als einer der bekanntesten und bedeutendsten französischen Autoren des 20. Jahrhunderts. Albert Camus (1957) …
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Überblick und Lebensweg
Albert Camus (* 7. November 1913 in Mondovi, Französisch-Algerien, heute Dréan, Algerien; † 4. Januar 1960 nahe Villeblevin, Frankreich) war französischer Schriftsteller, Philosoph und Religionskritiker. 1957 erhielt er für sein publizistisches Gesamtwerk den Nobelpreis für Literatur. Er zählt zu den bedeutenden französischen Autoren des 20. Jahrhunderts.
Camus wuchs nach dem Tod seines Vaters Lucien, der 1914 an einer Kriegsverletzung starb, in armen Verhältnissen im Algierer Viertel Belcourt auf. Ein Lehrer ermöglichte ihm den Besuch des Gymnasiums. Tuberkulose, an der er 1930 erkrankte, prägte sein Leben und verhinderte später seine Zulassung zur Agrégation, also zur Prüfung für das staatliche Gymnasiallehramt.
Er studierte Philosophie an der Universität Algier und schloss 1936 mit einer Arbeit über Plotin und Augustinus von Hippo ab. 1935 trat er der kommunistischen Partei bei, wurde aber 1937 ausgeschlossen: Er wollte weiter für die Gleichberechtigung der arabischen Bevölkerung Algeriens eintreten, während die Partei ihre antikolonialistische Agitation eingestellt hatte. Als Journalist der linken Zeitung Alger républicain berichtete er besonders über Prozesse gegen Araber und Berber sowie über eine Hungersnot im algerischen Hinterland.
Nach der Heirat mit Francine Faure am 3. Dezember 1940 ging Camus nach Paris. Während der deutschen Besatzung arbeitete er bei Gallimard und schloss sich der Résistance an. Er schrieb für die Untergrundzeitung Combat und wurde nach der Befreiung Frankreichs 1944 ihr Chefredakteur. Zugleich setzte er sich mit Lettres à un ami allemand (1945) für die deutsch-französische Versöhnung ein.
Schriftsteller, Politik und Tod
Nach 1945 wurde Camus, zeitweise neben Jean-Paul Sartre, als wichtiger Denker des Existentialismus wahrgenommen. Politisch verstand er sich als humanitärer, gemäßigt linker Pazifist und stand dem Anarchismus sowie dem Anarchosyndikalismus nahe. Er kritisierte autoritäre Staaten, besonders den stalinistischen Sozialismus, die französische Kolonialpolitik und die Gewalt der Kolonialtruppen. Seine Vermittlungsversuche im algerischen Konflikt 1956 scheiterten: Die Forderung nach bürgerrechtlicher Gleichstellung der Araber galt vielen Franzosen als zu radikal, ein weiterhin französisches Algerien den meisten autochthonen Algeriern als nicht akzeptabel.
Sein Konflikt mit Sartre verschärfte sich nach Der Mensch in der Revolte (1951). Camus lehnte die Vorstellung ab, eine gesellschaftliche Revolte müsse zwingend zum Kommunismus führen. Politische Attentate behandelte er in Die Gerechten (1949): Ihre Sinnhaftigkeit stellte er infrage, verneinte sie aber nicht vollständig.
Zu seinen zentralen Werken gehören Der Fremde (L’Étranger, 1942), Der Mythos des Sisyphos (Le Mythe de Sisyphe, 1942), Die Pest (La Peste, 1947), Der Mensch in der Revolte (L’Homme révolté, 1951), Der Fall (La Chute, 1956) und Das Exil und das Reich (L’Exil et le Royaume, 1957). Der unvollendete autobiografische Roman Der erste Mensch (Le Premier Homme), an dem er bis zuletzt arbeitete, erschien 1994 postum.
Camus starb am 4. Januar 1960 als Beifahrer bei einem Autounfall nahe Villeblevin. Der Wagen geriet nach einem geplatzten Hinterreifen ins Schleudern; Camus war sofort tot. Spätere Behauptungen über eine mögliche Manipulation am Fahrzeug sind Spekulationen, die auf einer Aussage aus zweiter Hand beruhen.
Philosophie des Absurden
Camus bezeichnete sich selbst nicht als Existentialisten. Seine frühen Werke stehen dem Existentialismus jedoch nahe; seine eigenständige Position wird häufig „Philosophie des Absurden“ genannt. Anders als eine typische existentialistische Auffassung vertrat er nicht, dass die Existenz der Essenz vorausgehe: „Sie gehen und erheben sich beide im gleichen Schritt.“
Das Absurde entsteht aus dem Gegensatz zwischen der berechtigten menschlichen Suche nach Sinn und der Sinnlosigkeit der Welt. Leid und Elend bleiben für Camus sinnlos und unerklärbar. Wenn Gewohnheiten des Alltags durch die Frage nach dem „Warum“ unterbrochen werden, kann der Mensch diese Fremdheit der Welt und eine existentielle Krise erfahren.
Der Tod ist unausweichlich und endgültig; er verleiht dem Leben keinen Sinn. Trotzdem ist Selbsttötung für Camus keine Lösung, sondern eine Flucht vor dem Absurden. Ebenso lehnt er den „philosophischen Suizid“ ab: Damit meint er, dass man trotz der Unmöglichkeit sicherer Sinnerkenntnis einen Sinn durch spekulative Theorie behauptet. Der absurde Mensch soll sich an unmittelbare Tatsachen halten und die Sinnlosigkeit nicht verdecken.
Revolte, Solidarität und Kunst
Das Absurde lässt sich nicht beseitigen, aber annehmen. Camus fordert eine „permanente Revolte“: Der Mensch erkennt seine Lage, verweigert Resignation und steht immer wieder handelnd gegen die Sinnlosigkeit auf. Sisyphos, der seinen Stein endlos den Berg hinaufwälzt, ist das Bild dieses Menschen. Die Revolte bleibt ohne endgültiges Ziel; sie ist ein fortgesetztes, trotziges „Trotzdem“.
In Die Pest reicht die individuelle Revolte nicht aus. Im gemeinsamen Kampf gegen die Pest entstehen Solidarität, Freundschaft und Liebe. Revolte erhält Sinn durch Werte, die auf real existierende Menschen gerichtet sind; Camus nennt dafür „menschliche Wärme“ (chaleur humaine). Zugleich warnt Der Fall vor heuchlerischen und oberflächlichen menschlichen Beziehungen.
Kunst ist für Camus eine wesentliche Antwort auf die absurde Welt. Sie ist eine Revolte gegen ihre Unvollkommenheit, aber keine bloße Verweigerung der Wirklichkeit. Der Künstler soll die Welt neu gestalten, ohne auf Hass und Missachtung zu gründen, und das Los anderer Menschen teilen. Kunst und Freiheit sind dabei untrennbar: Der Künstler muss gegenüber Ideologien unabhängig bleiben, damit Kunst gegen Unterdrückung wirken kann. In seiner Nobelpreisrede vom 10. Dezember 1958 beschreibt Camus Kunst als Mittel, möglichst viele Menschen mit einem Bild gemeinsamer Leiden und Freuden zu erreichen.