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Albanische Musik
Die albanische Musikkultur ist auf dem Siedlungsgebiet des albanischen Volkes in Südosteuropa (bzw. auf der Balkanhalbinsel) verbreitet und umfasst Albanien, …
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Überblick
Albanische Musik (albanisch muzika shqiptare) ist regional sehr unterschiedlich. Sie ist im Siedlungsgebiet des albanischen Volkes in Südosteuropa beziehungsweise auf der Balkanhalbinsel verbreitet: in Albanien, im größten Teil des Kosovo, in vielen Gebieten Nordmazedoniens sowie in einzelnen Landstreifen Serbiens, Montenegros und Griechenlands. Altalbanische Emigrantengemeinden, etwa die Arbëresh in Italien und die Arvaniten im südlichen Griechenland, besitzen eigenständige Musikkulturen.
Die moderne Musik ist stark von Folklore geprägt. Traditionelle Volksmusik hat weiterhin große Bedeutung bei kulturellen Anlässen und Familienfeiern, besonders bei Hochzeiten, teilweise bei Verlöbnissen und Zirkumzisionsfesten. Alte Lieder werden dabei mit Musik und Tänzen verbunden. Beim Nationalen Folklorefestival in Gjirokastra treten alle fünf Jahre Ensembles aus albanischen Gebieten auf; es ist das größte Festival dieser Art.
Volksmusik und regionale Unterschiede
Die Volksmusik (muzika popullore) wandelte sich im Lauf der Geschichte und übernahm fremde Einflüsse. Besonders prägend war türkische Musik in der Zeit des Osmanischen Reiches.
Grundsätzlich wird zwischen einem gegischen Norden und einem toskischen Süden unterschieden; die Trennlinie bildet der Fluss Shkumbin in Mittelalbanien. In gegischen Tänzen kommen häufig kleine Flöten, Fyell, und große Trommeln, Lodra, vor. Bei den Tosken überwiegen Klarinette, Geige, Akkordeon sowie Rahmen- oder Schellentrommel, Def. Ein wesentlicher Unterschied ist der Gesang: Gegen singen meist einstimmig, oft allein oder zu zweit; toskische Lieder sind mehrstimmig.
Wichtige Instrumente
Die Lahuta ist eine einsaitige, mit der Gusle verwandte Fidel. Sie ist typisch für Nordalbanien und auch in den Bergländern Mittelalbaniens verbreitet. Ein Rhapsode fertigt sie aus einem Holzblock; die Schalldecke besteht aus Jungziegen- oder Kaninchenhaut. Der Kopf trägt oft eine Herz-, Blatt- oder Steinbockfigur; der Steinbock steht für den Helm des Nationalhelden Skanderbeg. Meist spielen Männer die Lahuta an Winterabenden am offenen Kamin. Sie gilt als Instrument der Bergbewohner.
Çiftelia und Sharki sind zweisaitige Langhalslauten, die mit dem Einmarsch der Osmanen im 15. Jahrhundert nach Albanien kamen und typisch gegisch sind. Zur Begleitung wird meist zu zweit oder zu dritt gesungen. Die Sharki ist größer als die Çiftelia, hat einen größeren Tonumfang und klingt tiefer und wärmer. Die dreisaitige Bakllama ist vor allem in der südalbanischen Gegend von Korça verbreitet.
Die Fyell, auch Kaval genannt, ist eine Flöte aus Holz, Metall oder Kunststoff. Flötisten spielen meist improvisierte Stücke; das Instrument war typisch für Hirten und ist vor allem bei Gegen anzutreffen. Die Surle ist ein gegisches Doppelrohrblattinstrument mit Schallbecher, ähnlich der türkischen Zurna; sie besitzt sieben Grifflöcher und ein Daumenloch. Roga, bei Tosken Gajde genannt, ist eine Dudelsackart mit 11 Tönen.
Die Def ist eine Rahmentrommel mit Schellenring und heißt im Norden Dajre. Sie ist bei Gegen und Tosken verbreitet und gehört zu den wenigen Instrumenten, die auch Frauen spielen. Manche Lieder werden ausschließlich mit ihr begleitet; für bestimmte toskische Zweiertänze in der Myzeqe-Ebene sowie für den Valle Çame der Çamen hat sie eine Schlüsselrolle. Die Zylindertrommel Lodra ähnelt der türkischen Davul, wird besonders bei Gegen verwendet und begleitet zahlreiche Tänze. Im Ramadan erinnern Trommler frühmorgens an die letzte Mahlzeit vor Sonnenaufgang.
Gesang und Iso-Polyphonie
Der Majekrahi ist eine besondere solistische Gesangsform der Gegen. Dabei wird ein Ohr mit einem oder mehreren Fingern zugedrückt und der Ellenbogen nach oben gerichtet; Majekrahi bedeutet „Armspitze“. Früher diente diese Form im Bergland zur Nachrichtenübermittlung. Sie kommt nur in Nordalbanien, Teilen Montenegros und des Kosovo vor, gerät heute aber in Vergessenheit und ist vom Verschwinden bedroht.
Iso-Polyphonie bezeichnet den traditionellen mehrstimmigen Gesang. Er ist hauptsächlich in Südalbanien und Nordwestgriechenland verbreitet; auch gegische Frauen nutzen eigene Formen. Es gibt drei große Gruppen: Tosken zwischen Shkumbin und Vjosa, Laben südlich der Vjosa bis Saranda sowie Regionen südlich von Saranda und die Çamen in Nordwestgriechenland. Eine Bordunstimme, also das Wiederholen oder Aushalten eines Tons, begleitet den Gesang. Tosken und Çamen singen sie auf dem Vokal E, Laben wechseln zwischen E und O. Dieser Stil steht seit 2005 als Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit unter UNESCO-Schutz.
Populäre Musik
Zeitgenössische populäre Musik beziehungsweise leichte Unterhaltungsmusik heißt in Albanien muzika e lehtë und entstand ab den 1940er Jahren. Der sozialistische Staat förderte zugleich folklor i ri, die „neue Folklore“, welche vor allem die Staatsführung preisen sollte. Zunächst gab es nur wenige Möglichkeiten, populäre Musik zu verbreiten. Zu ihren frühen Interpreten gehörten Estrada-Sänger wie Rudolf Stambolla, Vaçe Zela und Anita Take.
Ende der 1950er Jahre zeichnete Radio Tirana erste Lieder auf und sendete sie. 1962 wurde erstmals das Musikfestival für leichte Musik ausgestrahlt, damals noch im Radio. Das Festival i Këngës findet bis heute jährlich statt und gilt als wichtigster Anlass für albanische Schlager- und Popmusik. Als prägende Figur der Musikentwicklung im Nachkriegsalbanien gilt Çesk Zadeja: Er leitete Ende der 1950er Jahre das neue Ensemble für Volksmusik und -tanz, später Oper und Ballett von Tirana, und komponierte über 100 Werke, darunter größere klassische Stücke.