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Iso-Polyphonie
Iso-Polyphonie ist eine Bezeichnung für einen folkloristischen Gesangsstil, der in der historischen Region Epirus im südlichen Albanien und nordwestlichen …
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Grundprinzip und Verbreitung
Iso-Polyphonie bezeichnet einen folkloristischen Gesangsstil aus der historischen Region Epirus im südlichen Albanien und nordwestlichen Griechenland. Besonders gepflegt wird er in den südalbanischen Regionen Toskëria und Labëria. Es handelt sich um Polyphonie, also Mehrstimmigkeit mit eigenständig geführten Stimmen.
Der Stil wird von allen in dieser Region lebenden Volksgruppen gepflegt: Albanern, Griechen, slawischen Mazedoniern und Aromunen. Er gehört zur Volksmusik und kann vokal oder teilweise auch instrumental ausgeführt werden.
Stimmen, Bordun und Liedformen
Beim iso-polyphonen Gesang singen meist zwei oder drei Solistenstimmen. Hinzu kommt ein tiefer Bordun, nach dem die Vorsilbe „iso-“ benannt ist. Ein Bordun ist ein lang anhaltender Begleitton oder Klanggrund. Die Solistenstimmen sind weitgehend unabhängig, bleiben aber eng aufeinander bezogen.
Den Bordun singt meist ein Chor. Dabei hält er keine exakt gestimmte Tonhöhe, sondern bewegt sich in einem engen Bereich um ein tonales Zentrum. Dadurch entsteht der Eindruck eines Chors, der auf dieser Tonhöhe singt. Der Zusammenklang wirkt insgesamt monoton.
Die Ensembles bestehen überwiegend aus Männern, vereinzelt wirken auch Sängerinnen mit. Manche Gesänge werden von Instrumenten begleitet; daneben gibt es rein instrumentale iso-polyphonische Ensembles. In Südalbanien werden verschiedene albanische Volksliedgenres auf diese Weise gesungen. Der Bejte ist ein humoristisches Stück aus einfachen Versen, das in ganz Albanien vorkommt, aber nur in Südalbanien isopolyphon gesungen wird. Der Borrohite ist ein Trauerlied von Schäfern Labërias.
Entwicklung und regionale Stile
Als vermutlich ältester bekannter iso-polyphonischer Gesang gilt E qara me bote, me grikë aus der Region um Gjirokastra. Er geht auf ein altes Totenritual zurück, wird als Fragment einer „folkloristischen Tragödie“ beschrieben und beruht vermutlich auf kollektivem Lamentieren. Im Lauf der Jahrhunderte wurde der Stil weiterentwickelt; seit dem 19. Jahrhundert sind mehrere Komponisten und Interpreten namentlich bekannt.
Ein Hauptunterschied zwischen Toskëria und Labëria liegt in der Ausführung des Borduns: In der Toskëria erklingt er kontinuierlich auf dem Vokal e; dafür wird gestaffelte Atmung eingesetzt. In der Labëria wird auch der Bordun im Rhythmus des Liedtextes gesungen.
Es gibt regionale Unterstile, die nach Regionen oder Orten benannt sind, etwa Devolliçe aus Devoll und Dropullitçe aus Dropull. Eine Besonderheit ist dy vetçe Dukatçe aus Dukat: Dieser Stil ist zweistimmig, die Stimmen liegen besonders eng nebeneinander und behandeln meist den Tod.
Pflege, Festivals und Anerkennung
In den meisten Ortschaften Südalbaniens gibt es mindestens ein Ensemble, das den Stil pflegt. Auftritte finden bei sozialen Ereignissen wie Hochzeiten, Erntedankfesten und Begräbnissen statt. Der Albanische Musikrat fördert die albanische polyphone Musik; nach der UNESCO-Auszeichnung läuft mit Unterstützung der japanischen Regierung ein Schutzprogramm für diese Tradition.
Seit 2001 findet in Vlora ein nationales Festival für iso-polyphonische Musik statt. Die Musik wird auch bei anderen albanischen Folklorefestivals aufgeführt, zum Beispiel beim Nationalen Folklorefestival von Gjirokastra.
Der Komponist und Musikethnologe Vasil S. Tole veröffentlicht seit 1999 Bücher und Artikel zur Folkloremusik seiner Heimat. Ab 2006 erstellte er mit Hilfe der Botschaft der USA eine Enzyklopädie über die albanische Polyphonie. Der Gesangsstil wurde 2005 für Albanien in die UNESCO-Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit eingetragen und 2008 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit übernommen. Seit 2020 gehört „die Polyphonie-Karawane“, ein griechisches Forschungs- und Förderprogramm zur Polyphonie der Volksmusik in Epirus, zum UNESCO-Register guter Praxisbeispiele.