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Akzessibilitätshierarchie

Als Relativsatz definieren Keenan und Comrie jede Konstruktion, bei der eine allgemeinere Menge – die Domäne – spezifiziert und dann eingeschränkt wird.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Stufen und Regeln
  3. 3. Strategien in Deutsch und Englisch
  4. 4. Toba Batak und weitere Sprachbeispiele

Grundidee und Bedeutung

Die Akzessibilitätshierarchie, auch Accessibility Hierarchy, Zugänglichkeitshierarchie oder Keenan-Comrie-Hierarchie, beschreibt übereinzelsprachlich, über welche Satzteile in einfachen Hauptsätzen Relativsätze gebildet werden können. Sie wurde 1977 von Edward L. Keenan und Bernard Comrie vorgeschlagen.

Sie ist wichtig, weil sie vorhersagt, dass die Möglichkeit der Relativierung einer Nominalphrase (NP) mit den Möglichkeiten bei anderen Satzpositionen zusammenhängt. Ein Relativsatz wird dabei semantisch, also nach seiner Bedeutung, bestimmt: Er ist eine Konstruktion, in der zunächst eine allgemeinere Menge, die Domäne, angegeben und dann eingeschränkt wird. Diese Definition soll Vergleiche zwischen möglichst vielen Sprachen ermöglichen, ohne die Satzstrukturen einzelner Sprachen zu bevorzugen.

Es gibt einige Gegenbeispiele und Vorschläge zur Verfeinerung der Hierarchie. Generell wird sie jedoch als geltend akzeptiert.

Stufen und Regeln

Die Hierarchie lautet:

Subjekt (SU) > Direktes Objekt (DO) > Indirektes Objekt (IO) > Oblique NP (OBL) > Genitiv-/Possessor-NP (GEN) > Vergleichsobjekt (OCOMP)

Das Zeichen „>“ bedeutet: Die links stehende Position ist für Relativierung zugänglicher als die rechts stehende. Ein direktes Objekt ist zum Beispiel das Objekt, auf das sich eine Handlung unmittelbar richtet; ein indirektes Objekt ist häufig ein Empfänger. Eine Oblique NP ist eine Nominalphrase in einer schrägen, nicht direkt-subjekt- oder objektartigen Funktion, etwa als Objekt einer Adposition. Eine Genitiv-/Possessor-NP drückt Besitz oder Zugehörigkeit aus. Ein Vergleichsobjekt gehört zu einer Vergleichskonstruktion.

Die Stufen sind mögliche Unterscheidungen, die Sprachen treffen können; keine Sprache muss alle Stufen in ihrer Syntax unterscheiden. Hindi behandelt Vergleichsobjekte beispielsweise wie Objekte von Adpositionen. In der Einordnung von Keenan und Comrie steht es daher bei OBL; die OCOMP-Position bleibt leer. Kinyarwanda unterscheidet dagegen DO und IO nicht.

Aus der Hierarchie folgen drei zentrale Regeln: Jede Sprache mit Relativsätzen kann mindestens über das Subjekt relativisieren. Jede einzelne Strategie der Relativsatzbildung deckt ein kontinuierliches Segment der Hierarchie ab und darf keine Position überspringen. Kann eine Strategie über eine bestimmte Position relativisieren, muss sie auch alle darüberstehenden Positionen erlauben. Eine einzelne Strategie kann also nicht Subjekte und indirekte Objekte, aber keine direkten Objekte relativieren. Innerhalb einer Sprache können mehrere Relativisierungsstrategien vorkommen.

Strategien in Deutsch und Englisch

Im Deutschen kann sowohl mit einer Partizipialkonstruktion als auch mit einem Relativpronomen über jede Nominalphrase relativisiert werden, außer über das Vergleichsobjekt. Eine Partizipialkonstruktion ist etwa: „Der im Büro arbeitende Mann mag die ebenfalls im Büro arbeitende Frau.“ Ein Beispiel mit Relativpronomen lautet: „Kinder, die nicht in die Schule gehen, spielen in manchen Städten, die Schulschwänzer nicht bestrafen, den ganzen Tag auf Spielplätzen, die oft am Stadtrand liegen.“

Im Englischen können Subjekte und direkte Objekte mit dem Relativpronomen who relativiert werden. Für andere Positionen der Hierarchie muss zusätzlich eine Präposition verwendet werden oder die Form whose.

Toba Batak und weitere Sprachbeispiele

Im Toba Batak, einer malayo-polynesischen Sprache, ist mit einem Relativ-Marker nur Relativierung über Subjekte möglich. „boruboru na manussi abit i“ bedeutet „die Frau, die die Kleidung wäscht“. Eine direkte Relativierung über das Objekt „Kleidung“ ist ungrammatisch: „* abit na manussi boruboru i“.

Soll ein direktes Objekt relativiert werden, muss der Satz zunächst passiviert werden. Dadurch wird das Objekt zum Subjekt des Passivsatzes und kann relativiert werden. „abit na ninussi ni boruboru i“ bedeutet „die Kleidung, die durch die Frau gewaschen wurde“.

Die Strategie nur mit Relativ-Marker deckt damit nur das höchste Element der Hierarchie ab. Für Elemente ab dem indirekten Objekt verwendet Toba Batak eine andere Strategie: Relativ-Marker na plus Kasusmarkierung. Dadurch können Subjekte mit dem Relativ-Marker und Elemente ab IO mit Relativ-Marker und Kasus-Marker relativiert werden, direkte Objekte jedoch nicht unmittelbar. Sie müssen passiviert werden. Dies widerspricht der Hierarchie nicht, weil diese Aussagen über einzelne Relativisierungsstrategien macht.

Keenan und Comrie nennen Beispiele für Strategien, die jeweils ein zusammenhängendes Segment abdecken: nur Subjekt im Javanesischen und Minangkabau; Subjekt bis direktes Objekt im Walisischen, Finnischen und Malay; Subjekt bis indirektes Objekt im Baskischen und Tamil; Subjekt bis Oblique NP im Koreanischen; Subjekt bis Genitiv im Französischen; Subjekt bis Vergleichsobjekt im Urhobo und eventuell im Englischen.

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