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Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin

... Machtübertragung an die Nationalsozialisten ... sowie ein biografisches Archiv zur Geschichte der Emigration aus Berlin zwischen 1933 und 1945.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Aufgabe und Bedeutung des Vereins
  2. 2. Entstehung und Erinnerungsort Gestapo-Gelände
  3. 3. Erinnerungszeichen und Stolpersteine
  4. 4. Ausstellungen zu Verfolgung, Exil und Nachgeschichte
  5. 5. Digitale Arbeit, Austausch und Infrastruktur

Aufgabe und Bedeutung des Vereins

Das Aktive Museum Faschismus und Widerstand in Berlin e. V. ist ein gemeinnütziger Berliner Verein. Sein Ziel ist die Aufklärung, besonders von Jugendlichen, über die deutsche und speziell Berliner Geschichte der NS-Zeit. Dabei behandelt er auch Entwicklungen, welche die Machtübertragung an die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 ermöglichten, sowie Folgen und Kontinuitäten nach 1945.

Der Verein erforscht, dokumentiert und vermittelt vor allem bislang vernachlässigte Geschichten und Erfahrungen marginalisierter Gruppen. Er arbeitet mit Ausstellungen, Publikationen, Erinnerungszeichen im Stadtraum, digitalen Angeboten und Veranstaltungen. Viele Projekte machen sichtbar, wie Menschen im Nationalsozialismus verfolgt wurden, ins Exil gingen, Widerstand leisteten oder nach 1945 mit den Folgen der Verbrechen umgehen mussten.

Entstehung und Erinnerungsort Gestapo-Gelände

Das Aktive Museum entstand 1983 aus einer Bürgerinitiative. Diese hatte zum 50. Jahrestag der Machtübertragung an die Nationalsozialisten ein Veranstaltungsprogramm organisiert. Der Verein wurde am 10. Juni 1983 formal gegründet und gehört zur Tradition der Geschichtswerkstätten sowie der Bewegung „Geschichte von unten“: Geschichte soll nicht nur von staatlichen Stellen oder Fachleuten erzählt, sondern auch durch bürgerschaftliches Engagement erforscht und öffentlich diskutiert werden.

Zunächst konzentrierte sich der Verein auf das Prinz-Albrecht-Gelände in Berlin-Kreuzberg. Dort hatte die Gestapo, die Geheime Staatspolizei des NS-Staates, bis 1945 ihren Hauptsitz. In den 1980er Jahren lag das Gelände brach und wurde als Schuttablageplatz sowie zum Autofahren ohne Führerschein genutzt. Das Aktive Museum setzte sich gemeinsam mit anderen Initiativen dafür ein, daraus einen Denkort zu machen.

Am 5. Mai 1985, dem „Tag von Bitburg“, organisierte der Verein eine öffentliche Grabung entlang der vermuteten Grundmauern der Gestapo-Zentrale. Darauf folgte 1986 eine professionelle archäologische Untersuchung. Am 1. September 1989 veranstaltete der Verein eine symbolische Grundsteinlegung für ein Aktives Museum, um politischen Handlungsdruck zu erzeugen. Auch nach der Gründung der Stiftung Topographie des Terrors kritisierte er Verzögerungen beim geplanten Dokumentationszentrum, etwa mit einer Mahnwache 2004 gegen den Baustopp des Zumthor-Entwurfs. Heute wirken Vorstand und Geschäftsführung in Ausschüssen der Stiftung mit.

Erinnerungszeichen und Stolpersteine

Der Verein weitete seine Arbeit in den 1990er Jahren auf andere Orte Berlins aus. Er wollte Spuren der jüngeren deutschen Geschichte im Ostteil der Stadt bewahren, bei Umgestaltungen mitwirken und neue Erinnerungszeichen schaffen. Den Beinamen „Gedenktafel-Guerilla“ erhielt er, weil Mitglieder selbst Ersatz-Gedenktafeln oder ergänzende Straßenschilder montierten. Diese sollten auf historische und politische Brüche seit 1933 hinweisen, etwa wenn Straßen nach der Wende umbenannt worden waren.

Aus diesem Engagement entwickelte sich eine stärker organisierte Arbeit mit Gedenk- und Informationstafeln. Seit 2014 ist das Aktive Museum thematisch und organisatorisch am Berliner Gedenktafelprogramm beteiligt. 2021 eröffnete unter seinem Dach die Koordinierungsstelle historische Stadtmarkierungen. Sie unterstützt Vorschläge für Gedenktafeln und andere Erinnerungszeichen zu Persönlichkeiten, Institutionen und Ereignissen aus Berlins Geschichte und Kultur.

Seit 2012 führt der Verein außerdem dauerhaft die Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin. Stolpersteine sind Erinnerungssteine für Opfer nationalsozialistischer Verfolgung. Die Stelle vermittelt zwischen dem Künstler Gunter Demnig, bezirklichen Initiativen, Patinnen und Paten sowie Angehörigen der Opfer. Sie ist die zentrale Anlaufstelle für Anfragen und Anträge in Berlin, veröffentlicht Kiezspaziergänge und bietet pädagogisches Material für Schulprojekte an. Am 21. und 22. Februar 2019 veranstaltete sie mit dem Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam eine Tagung zur Rolle des Stolperstein-Projekts in heutigen Erinnerungskonflikten.

Ausstellungen zu Verfolgung, Exil und Nachgeschichte

Die Arbeitsgruppen des Aktiven Museums sind auch für Nicht-Mitglieder offen. Die meisten Ausstellungen sind als Wanderausstellungen geplant und werden in Berlin, deutschlandweit oder international gezeigt. Zu den Inhalten erscheinen in der Regel Kataloge.

Ein Schwerpunkt seit Mitte der 1990er Jahre ist das deutschsprachige Exil 1933–1945. Die Ausstellung „1945: Jetzt wohin? Exil und Rückkehr …nach Berlin?“ lief vom 1. Mai bis 15. Juli 1995 am ehemaligen Anhalter Bahnhof. Für mehr als 70 prominente und nicht-prominente Berliner Biografien wurde untersucht, weshalb die Betroffenen nach 1945 zurückkehrten oder nicht. Weitere Ausstellungen behandelten das Exil in Shanghai 1938–1947, in der Türkei und in Mexiko sowie Hilfsnetzwerke. „Haymatloz. Exil in der Türkei 1933–1945“ hielt fest, dass rund 1.000 Emigranten zwischen 1933 und 1945 in der Türkei Zuflucht fanden. „Ohne zu zögern… Varian Fry: Berlin – Marseille – New York“ würdigte Varian Fry und das Emergency Rescue Committee: Fry half zwischen 1940 und 1942 etwa 1500 Personen, darunter vielen Künstlern, über Marseille in die USA zu fliehen.

Weitere Projekte untersuchten die Zerstörung der Demokratie und die Verfolgung in Berlin. „Vor die Tür gesetzt“ dokumentierte anhand von 32 Biografien verfolgte Stadtverordnete und Magistratsmitglieder und erklärte, wie die parlamentarische Demokratie 1933 zerstört wurde. Das Berliner Stadtparlament trat am 20. März 1919 erstmals zusammen; seine letzte Sitzung fand am 27. Juni 1933 statt. „Verraten und verkauft“ zeigte Repressionen gegen jüdische Unternehmen und deren Überlebensstrategien. „Gute Geschäfte“ erklärte am Beispiel von vierzehn Berliner Kunsthandlungen die Folgen nationalsozialistischer Kunst- und Kunsthandelspolitik und thematisierte die meist nicht erfolgte Restitution, also Rückgabe, verfolgungsbedingt entzogener Kunstwerke.

Andere Ausstellungen befassten sich mit Joseph Wulf, einem jüdischen Widerstandskämpfer und Auschwitz-Überlebenden, mit 27 Fällen der „Wiedergutmachung“ im geteilten Berlin, mit verfolgten Kommunalpolitikerinnen und -politikern, NS-Täterorten, der „Polenaktion“ vom 28. Oktober 1938 und Berliner Bibliotheken im Nationalsozialismus. Die Ausstellung „Immer wieder? Extreme Rechte und Gegenwehr in Berlin nach 1945“ ordnete zehn Ereignisse Feldern extremer rechter Aktivitäten zu und dokumentierte gesellschaftlichen Widerstand. Das Projekt „umbenennen?!“ koordiniert Ausstellungen in allen zwölf Berliner Bezirken über Straßenumbenennungen seit den 1920er Jahren; die erste Eröffnung war am 27. März 2025 in Steglitz-Zehlendorf vorgesehen.

Digitale Arbeit, Austausch und Infrastruktur

Das Aktive Museum entwickelte mit berlinHistory e. V. CrowdCuratio, ein digitales Werkzeug zur Planung von Ausstellungen und zur Veröffentlichung einfacher Webprojekte, besonders für Kooperationen. Einzelne Ausstellungsinhalte sind in der berlinHistory-App verfügbar.

Die 2023 vorgestellte Online-Ausstellung „Zwangsräume. Antisemitische Wohnungspolitik in Berlin 1939–1945“ war partizipativ angelegt: Vereinsmitglieder sowie Bewohnerinnen und Bewohner ehemaliger sogenannter „Judenwohnungen“ erforschten Hausgeschichten und Biografien früherer Nachbarn, die dorthin zwangsweise umziehen mussten. Das Projekt wurde für den Grimme Online Award nominiert; ein Begleitband erschien im Oktober 2024. Im Mai 2025 wurde die Online-Ausstellung „Nachgegraben. Die Aktion »1933–1945 nachgegraben«“ freigeschaltet. Sie erinnert vierzig Jahre später an die Aktion auf dem ehemaligen Gestapo-Gelände und ihren Erfolg bei einem erinnerungspolitischen Paradigmenwechsel.

Zweimal jährlich veranstaltet der Verein einen öffentlichen Salon zu aktuellen Fragen der Erinnerungskultur. Seit 1990 wird er institutionell vom Land Berlin gefördert. Seine Geschäftsstelle befindet sich in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Dort unterhält er eine Präsenzbibliothek und ein Dokumentationsarchiv mit einer Zeitungsausschnittsammlung zum Umgang mit der NS-Geschichte in Berlin sowie einem biografischen Archiv zur Emigration aus Berlin zwischen 1933 und 1945.

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