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Fernuniversität in Hagen
Die Abschlüsse der Fernuniversität sind reguläre Universitätsabschlüsse. Mit dem Wintersemester 2020/2021 wird in keinem Studiengang mehr das Diplom verliehen.
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Profil und Bedeutung
Die Fernuniversität in Hagen, Eigenschreibweise FernUniversität oder Fernuni Hagen, ist die einzige staatliche Fernuniversität in Deutschland. Ihr Sitz liegt in Hagen in Nordrhein-Westfalen. Sie ist eine Universität in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft und vergibt reguläre Universitätsabschlüsse. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war sie im Sommersemester 2023 mit 70.114 Studierenden die größte deutsche Universität mit öffentlich-rechtlicher Trägerschaft. Für 2025 nennt die Universität 78.684 Studierende mit einem Durchschnittsalter von 37,9 Jahren. Im Wintersemester 2025/26 werden 78.684 Studierende angegeben. Im Januar 2026 hatte die Universität 1.748 Mitarbeitende, davon 102 Professorinnen und Professoren. Der Jahresetat betrug 2024 122,5 Millionen Euro.
Die Abschlüsse sind Bachelor, Master oder Staatsexamen, besonders in der Rechtswissenschaft. Seit dem Wintersemester 2020/2021 wird in keinem Studiengang mehr das Diplom verliehen. Zusätzlich bietet die Universität Weiterbildungen, Zertifikate, studienvorbereitende Kurse, Akademiestudium und Teilstudien für berufliche oder persönliche Weiterbildung an. Alle Fakultäten besitzen das Promotions- und Habilitationsrecht, können also Doktortitel und die Lehrbefähigung für Universitäten ermöglichen. Die Fernuniversität ist Mitglied der European University Association (EUA); ihre Studiengänge sind von FIBAA und AQAS akkreditiert.
Der Campus liegt im Hagener Hochschulviertel an der Universitätsstraße, nahe den Autobahnen A46, A45 und A1. Er ist mit Buslinien der Hagener Straßenbahn AG erreichbar. Dort befinden sich unter anderem alle Fakultäten, das Rektorat, die Universitätsbibliothek, der Studienservice Campus Hagen, das zentrale Service-Center, die Mensa, das Zentrum für Digitalisierung und IT, das Zentrum für Lernen und Innovation, das Archiv und die Verwaltung.
Entwicklung und Organisation
Die Fernuniversität wurde 1974 als Universität und Gesamthochschule des Landes Nordrhein-Westfalen gegründet. 1975 begann der Studienbetrieb mit 1.330 Studierenden in den Fachbereichen Erziehungswissenschaft, Mathematik und Wirtschaftswissenschaft. 1979 kam die rechtswissenschaftliche Fakultät hinzu. Der Status als Gesamthochschule wurde 2003, wie bei allen nordrhein-westfälischen Gesamthochschulen, aufgehoben; seitdem wird die Fernuniversität ausschließlich als Universität weitergeführt.
Mehrere Professuren wurden durch externe Stifter unterstützt: 1999 eine Professur in der Wirtschaftswissenschaft durch die Douglas Holding AG, 2000 eine zweite BWL-Professur durch den Westfälisch-Lippischen Sparkassen- und Giroverband und die Sparkasse Hagen, 2006 eine Professur für Kultur- und Sozialwissenschaften durch Ernsting’s family sowie eine Professur der rechtswissenschaftlichen Fakultät durch einen Förderverein von Patentanwälten. 2012 stiftete Ernsting’s family zusätzlich eine soziologische Juniorprofessur zur Erforschung familiärer Lebensformen. Ebenfalls 2006 wurden Elektrotechnik und Informationstechnik, Informatik und Mathematik zur Fakultät für Mathematik und Informatik zusammengelegt.
Durch den Verzicht auf Studiengebühren nach dem Hochschulfinanzierungsgerechtigkeitsgesetz bis 2010 und durch die Einführung von Bachelor- und Masterabschlüssen stiegen die Studierendenzahlen deutlich. Im Wintersemester 2013/14 erreichte die FernUniversität mit über 88.000 Studierenden ihre bisher höchsten Einschreibungen. Die Ära der Elektrotechnik endete mit dem Wintersemester 2012/13, in dem letztmals eine Einschreibung in den Masterstudiengang Elektro- und Informationstechnik möglich war.
Die Universität gliedert sich in fünf Fakultäten: Wirtschaftswissenschaft, Kultur- und Sozialwissenschaften, Psychologie, Mathematik und Informatik sowie die Rechtswissenschaftliche Fakultät. Rektoren waren Otto Peters von 1975 bis 1984, Ulrich Battis von 1984 bis 1993, Günter Fandel von 1993 bis 1997, Helmut Hoyer von 1997 bis 2016, Ada Pellert von 2016 bis 2024 und seit 2025 Stefan Stürmer.
Studienangebot
Das Studienangebot umfasst grundständige Bachelor- und Masterstudiengänge, ein juristisches Studium mit Erster Juristischer Prüfung, weiterbildende Masterstudiengänge und Zertifikate. Grundständig bedeutet, dass ein Studiengang zu einem ersten Hochschulabschluss führen kann, zum Beispiel einem Bachelor. Im Akademiestudium können einzelne Kurse oder Module belegt werden, ohne dass sie in einen vollständigen Studiengang eingeordnet werden. Dieses Angebot ist altersunabhängig und kann auch von Schülerinnen und Schülern vor dem Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung genutzt werden.
Zu den Bachelorstudiengängen gehören Bildungswissenschaft, Kulturwissenschaften, Politikwissenschaft/Verwaltungswissenschaft/Soziologie, Psychologie, Informatik, Mathematik, Mathematisch-technische Softwareentwicklung, Wirtschaftswissenschaft, Wirtschaftsinformatik und Rechtswissenschaft. Masterstudiengänge gibt es unter anderem in Bildungswissenschaft, Geschichte Europas, Neuerer deutscher Literatur, Philosophie, Politikwissenschaft, Soziologie, Informatik, Mathematik, Praktischer Informatik, Data Science, Psychologie, Rechtswissenschaft, Volkswirtschaft, Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftspsychologie, Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftswissenschaft für Ingenieurinnen, Ingenieure und Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftler. Der Studiengang Rechtswissenschaft kann außerdem zur Ersten Juristischen Prüfung führen.
Weiterbildende Masterstudiengänge setzen ein abgeschlossenes Hochschulstudium voraus. Beispiele sind General Management, Corporate Accounting, Digitale Transformation, Human Resource Management, International Management, Leadership, Management Accounting, Marketing, Psychological Group Management, Datenschutzrecht, Lawyer and Legal Practice, Europäischer Gewerblicher Rechtsschutz, Wirtschafts- und Arbeitsrecht, Mediation und Umweltwissenschaften. Daneben gibt es Zertifikate, zum Beispiel in Projektmanagement und Informatik, Medizinischer Ethik, Management, Betriebswirtschaftlicher Weiterbildung, Strafrecht, Steuerstrafrecht, Sportrecht, Patentanwaltsrecht, Mediation, Japanischem Recht und Anwaltsrecht.
Die digitale Infrastruktur unterstützt Studium und Lehre. studyPORT ist das zentrale Online-Portal für Studierende. Es bietet Zugang zu studienrelevanten Informationen, Anwendungen und Diensten, etwa zur Übersicht belegter Module, zu Suchfunktionen für Module und Mitarbeitende, zur Verwaltung persönlicher Daten und als Einstieg in weitere universitäre Anwendungen.
Zugang und Studienformen
Für Bachelorstudiengänge berechtigt die allgemeine Hochschulreife, also Abitur oder Matura, zur Einschreibung in jeden angebotenen Bachelorstudiengang. Auch ein bereits erworbener Hochschulabschluss wie Bachelor oder Diplom wird anerkannt, wenn die Regelstudienzeit mindestens sechs Semester beträgt. Beruflich Qualifizierte mit Meisterbrief oder vergleichbarer Qualifikation, zum Beispiel Fachwirte oder Staatlich geprüfte Techniker, können ebenfalls uneingeschränkt Bachelorstudiengänge belegen. Wer eine abgeschlossene Ausbildung und mindestens drei Jahre fachliche Berufserfahrung hat, kann ein fachlich entsprechendes Bachelorstudium aufnehmen. Bei mindestens drei Jahren Praxiserfahrung außerhalb des erlernten Berufs ist der Zugang über ein Probestudium oder eine Zugangsprüfung möglich; Kindererziehungszeiten und Pflegezeiten von Angehörigen werden als Praxiserfahrung angerechnet.
Für Masterstudiengänge ist ein fachlich qualifizierendes abgeschlossenes Hochschulstudium erforderlich, in der Regel Bachelor, Magister oder Diplom. Besonders begabte Schülerinnen und Schüler können auf Antrag als Jungstudierende zugelassen werden. Sie können im Bachelorstudium alle Leistungen außer der Bachelorarbeit schon vor der Hochschulreife erbringen; diese Leistungen werden später vollständig angerechnet. Die Fachhochschulreife allein reicht nicht für ein Bachelorstudium. Ein Numerus clausus besteht für Bachelor- und Masterstudiengänge nicht.
Die Teilnahme ist in verschiedenen Studienformen möglich. Vollzeitstudierende sind nicht oder nur studentisch berufstätig, können sich unter bestimmten Bedingungen studentisch krankenversichern und sind als einzige Gruppe unter bestimmten Voraussetzungen BAföG-berechtigt. Teilzeitstudierende sind nebenbei berufstätig und fallen meist nicht unter die studentische Krankenversicherung. Akademiestudierende brauchen keine formalen Zugangsvoraussetzungen und wählen frei aus dem Kursangebot; dieses Studium entspricht einem Gasthörerstatus. Studiengangszweithörende studieren neben einem Erststudium an einer anderen Hochschule einen weiteren Studiengang an der FernUniversität, meist in Teilzeit. Kooperationsstudierende sind durch Hochschulkooperationen an zwei Einrichtungen eingeschrieben; genannt werden Doppelabschlussprogramme mit Universitäten in Linz, Pécs, St. Petersburg und Szeged, wobei für den B.A. Kulturwissenschaft in Kooperation mit Linz keine Neueinschreibung mehr möglich ist.
Ablauf des Fernstudiums
Die Studieninhalte werden vor allem über schriftliche Kurseinheiten, offiziell Studienbriefe, vermittelt. Diese werden versandt und stehen auch digital zum Herunterladen bereit. Je nach Fakultät erscheinen sie in unterschiedlichen Rhythmen, von etwa vierzehn Tagen bis zu ein- oder zweimal pro Semester. Ihr Umfang reicht je nach Fach ungefähr von 30 bis 80 Seiten, etwa in Mathematik, Informatik, Elektrotechnik und Informationstechnik oder Wirtschaftswissenschaften, bis zu über 200 Seiten in Rechtswissenschaft sowie Kultur- und Sozialwissenschaften. Für Rückfragen gibt es Mentorinnen und Mentoren in Studienzentren sowie Kursbetreuung in Hagen.
Zu vielen Kursen gehören Einsendeaufgaben. Sie müssen bis zu einem Termin bearbeitet und zurückgesandt werden. Für die Zulassung zu einer Abschlussklausur muss häufig ein bestimmtes Quorum, also eine Mindestzahl, an Einsendearbeiten bestanden werden. In einigen Kursen sind internetbasierte Rückgaben möglich; manchmal dienen Einsendeaufgaben nur der eigenen Erfolgskontrolle. Module, die mehrere Kurse bündeln, enden mit einer Prüfungsleistung, zum Beispiel Abschlussklausur, Hausarbeit oder mündlicher Prüfung.
Schriftliche Prüfungen werden je nach Studierendenzahl gleichzeitig an mehreren Orten abgelegt. Dafür mietet die Universität Hörsäle in deutschen Städten und je nach Fakultät auch im Ausland. Mündliche Prüfungen finden in der Regel in Hagen statt. Studierende mit dauerhaftem Wohnsitz im nicht angrenzenden Ausland können schriftliche und per Videokonferenz auch mündliche Prüfungen an Goethe-Instituten, deutschen Auslandsschulen und deutschen Botschaften ablegen. Behinderte Studierende können unter bestimmten Bedingungen Prüfungen in einem nahegelegenen Campusstandort oder zu Hause unter Aufsicht ablegen. Inhaftierte Studierende können Prüfungen direkt in der Justizvollzugsanstalt ablegen. Nach Bekanntgabe der Ergebnisse ist elektronische Klausureinsicht möglich.
Je nach Fakultät sind Präsenzseminare vorgeschrieben. Dabei schreiben Studierende oft zuerst zu Hause eine Seminararbeit und präsentieren die Ergebnisse später in einer Präsenzphase von meist zwei bis drei Tagen. Es gibt auch virtuelle Seminare über Onlinekanäle. Besonders in Mathematik und Informatik gibt es verschiedene Praktikumsformen: Industriepraktika in Unternehmen, Heimpraktika mit bereitgestelltem Material, virtuelle Praktika und Präsenzpraktika. 2010 schätzte die Fernuniversität ihre Abbrecherquote auf 70 Prozent. 2019 bestanden 2.892 Studierende eine Abschlussprüfung.
Standorte, Forschung, Kosten und Einordnung
Die FernUniversität hat Außenstellen in Deutschland und teilweise im Ausland. Für 2026 werden in Deutschland 13 Campusstandorte genannt: Berlin, Bonn, Coesfeld, Frankfurt am Main, Hagen, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Leipzig, München in Räumen der TU München, Neuss, Nürnberg und Stuttgart. Studienunterlagen werden weltweit versandt, sodass ein Studium auch aus dem Ausland möglich ist. Kooperationspartner und Studienzentren für das Auslandsstudium gibt es 2026 in Österreich, in der Schweiz und in Ungarn. Klausurstandorte sind nicht automatisch Studienzentren; sie liegen im Regelfall an anderen Universitäten.
Die Forschung gehört neben Lehre, Studium und Weiterbildung zu den Aufgaben der Universität. Als Forschungszentrum wird CATALPA, das Center of Advanced Technology for Assisted Learning and Predictive Analytics, genannt. Forschungsschwerpunkte sind Arbeit – Bildung – Digitalisierung, Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit sowie Digitale Kultur. Weitere Forschungscluster sind unter anderem CEAMeS, MaxFab, Intelligent Systems for Decision Support, PSINCC und Kooperative Assistenzsysteme. Partneruniversitäten und -institute bestehen unter anderem in St. Petersburg, Budapest, Pécs, Dortmund, Leiden, Mexiko-Stadt, Paris, Magdeburg, Koblenz und Tilburg.
In üblichen Universitätsrankings ist die Fernuniversität wegen ihrer besonderen Stellung nur begrenzt vertreten. Im CHE-Ranking 2005 wurden Soziologie, Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre berücksichtigt: Soziologie und Betriebswirtschaftslehre erreichten in bestimmten Kriterien die Spitzengruppe, Volkswirtschaftslehre lag im Mittelfeld. 2007 wurden Erziehungswissenschaft, Geschichte und Soziologie mehrheitlich der Mittelgruppe zugeordnet. 2011 lagen Betriebswirtschaftslehre und Erziehungswissenschaft in der jeweiligen Mittelgruppe. 2026 wurde die Universität als einzige deutsche Fernhochschule erstmals im Times Higher Education World University Ranking aufgeführt, in der Gruppe 801–1000 bei 2.191 gerankten Einrichtungen. Unter 55 gerankten deutschen Hochschulen belegte sie Platz 53.
Die Gebühren wurden mehrfach geändert. Bis 2013 wurden 20 Euro pro belegter Semesterwochenstunde erhoben. Seit 2021 galt eine Grundgebühr von 50 Euro und eine Belegungsgebühr von 9 Euro pro Semesterwochenstunde. Ab Sommersemester 2024 werden 60 Euro Grundgebühr je Semester und 11 Euro pro belegtem ECTS-Punkt erhoben; der reguläre Studierendenschaftsbeitrag beträgt 9 Euro. Die Kosten werden für ein Bachelorstudium ungefähr mit 2.000 bis 2.700 Euro, für ein Masterstudium mit 700 bis 1.800 Euro angegeben. Für 2026 werden Bachelorkosten von 2.100 bis 2.400 Euro und Masterkosten von 750 bis 1.500 Euro genannt. Ein Staatsprüfungsstudium kostet etwa 3.200 Euro in Vollzeit. Für bedürftige Studierende gibt es teilweise Ermäßigungen. Ein Semesterticket ist im Studierendenschaftsbeitrag nicht enthalten; am Campus Hagen gibt es eine Bildungsherberge mit vergleichsweise günstigen Übernachtungen.