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Vollständige Konkurrenz

Unter vollständiger Konkurrenz produzieren viele kleine Anbieter die nachgefragte Menge, wobei die Grenzkosten den Durchschnittskosten entsprechen.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Voraussetzungen
  2. 2. Preisbildung und Marktgleichgewicht
  3. 3. Abgrenzung zu anderen Marktformen
  4. 4. Steuern und ihre Wirkung
  5. 5. Entstehung und Kritik des Modells

Grundidee und Voraussetzungen

Vollständige Konkurrenz (auch perfekte oder vollkommene Konkurrenz, Polypol auf dem vollkommenen Markt oder homogenes Polypol) ist ein theoretisches Modell der Volkswirtschaftslehre, besonders der Mikroökonomik. Viele kleine Anbieter stehen vielen Nachfragern gegenüber und produzieren die nachgefragte Menge; dabei entsprechen die Grenzkosten den Durchschnittskosten.

Das Modell beruht auf einer atomistischen Marktstruktur: Kein einzelner Anbieter ist im Verhältnis zur Marktgröße bedeutend genug, um den Marktpreis zu beeinflussen. Außerdem werden homogene Güter angeboten, also identische Güter ohne Qualitäts- oder sonstige Unterschiede. Häufig werden zusätzlich keine Markteintrittsbarrieren, vollständige Informationen und eine unendlich schnelle Reaktion aller Marktteilnehmer auf Veränderungen angenommen.

Preisbildung und Marktgleichgewicht

Für die Ermittlung des Gleichgewichtspreises müssen alle Marktteilnehmer vollständig informiert sein. Da dies in der Realität selten vorkommt, wird der Prozess mithilfe eines Auktionators oder einer Börse veranschaulicht. Diese sammeln die Preissignale der Marktteilnehmer und fassen sie zu einem Gleichgewichtspreis zusammen.

Die Homogenität der Güter bedeutet, dass niemand die Ware eines bestimmten Anbieters bevorzugt. Deshalb kann kein Unternehmen sein Produkt durch Qualitätsunterschiede hervorheben und einen besonderen Preis verlangen. Die Anbieter sind Preisnehmer: Sie müssen den vom Markt bestimmten Preis akzeptieren und können nur die angebotene Menge verändern.

Die Preisabsatzfunktion eines einzelnen Anbieters ist vollkommen elastisch. Das Unternehmen bietet die gewinnmaximale Menge an, bei der der Preis den Grenzkosten entspricht. Langfristig können Unternehmen unter vollständiger Konkurrenz keinen Gewinn erzielen (Nullgewinn), weil bei erzielbaren Gewinnen wegen der fehlenden Markteintrittsbarrieren neue Unternehmen in den Markt eintreten.

Das Marktgleichgewicht liegt im Preis-Mengen-Diagramm am Schnittpunkt von Angebots- und Nachfragekurve. In diesem Modell sind Konsumenten- und Produzentenrente maximal. Deshalb gilt vollständige Konkurrenz als idealer Markt und dient als Referenz für die statische Effizienz eines Marktes.

Abgrenzung zu anderen Marktformen

Ein Monopol bildet das extreme Gegenteil der vollständigen Konkurrenz. Es gibt nur einen Anbieter, den Monopolisten, einzigartige Güter und hohe Markteintrittsbarrieren.

Unvollständige Konkurrenz liegt zwischen Monopol und vollständiger Konkurrenz:

  • Im Oligopol bieten wenige Anbieter homogene oder heterogene Güter an. Sie verfügen über eine beschränkte Marktmacht. Es gibt Markteintrittsbarrieren, die jedoch geringer sind als im Monopol.
  • Bei monopolistischer Konkurrenz bieten viele Anbieter heterogene Güter an. Diese sind unvollkommene Substitute, und die Anbieter besitzen Marktmacht. Wie bei vollständiger Konkurrenz bestehen keine Markteintrittsbarrieren.

Steuern und ihre Wirkung

Ohne Steuer werden zum Gleichgewichtspreis p_GG die Gleichgewichtsmenge x_GG und der entsprechende Marktumsatz erzielt.

Bei einer Steuer t auf den Preis p_1 steigt der von Konsumenten gezahlte Preis auf p_1 + t. Die nachgefragte Menge sinkt auf x_1. Dadurch geht die Konsumentenrente (KR) zurück. Der den Produzenten verbleibende Erlös sinkt auf p_1, sodass auch die Produzentenrente (PR) zurückgeht. Die entstehende Zusatzlast ZL entspricht dem dead weight loss.

In der vereinfachten Analyse handelt es sich meist um eine Stücksteuer, also einen bestimmten Geldbetrag pro verkaufter Einheit. Eine Wertsteuer ist dagegen proportional, zum Beispiel die Umsatzsteuer; ihre Analyse fällt ungefähr gleich aus. Die Steuer kann formal dem Produzenten oder dem Konsumenten auferlegt werden. Wer sie letztlich trägt, hängt von Angebots- und Nachfragekurve, insbesondere von deren relativen Elastizitäten, ab. Bei gleichen Elastizitäten tragen Konsumenten und Produzenten die Steuer jeweils zur Hälfte.

Beispiel: Bei einer Steuer von t = 1 Euro steigt der vom Käufer bezahlte Gleichgewichtspreis um 1. Die Angebotskurve verschiebt sich um 1, und der neue Schnittpunkt mit der Nachfragekurve weist einen höheren Preis und eine geringere Menge auf. Beide Seiten verlieren gleich viel Rente und tragen damit dieselbe Steuerlast. Der Staat erzielt Steuereinnahmen S, die die kumulierten Verluste der Konsumenten- und Produzentenrente jedoch nicht ausgleichen. Es entsteht ein Nettowohlfahrtsverlust.

Entstehung und Kritik des Modells

Das Modell hat seinen Ursprung in der Preistheorie der Klassik und wurde in der Neoklassik maßgeblich durch Léon Walras und Alfred Marshall entwickelt. Walter Eucken gab ihm im Ordoliberalismus besonderen Stellenwert; Mitte des 20. Jahrhunderts prägte es die Wettbewerbspolitik.

In der Realität ist vollständige Konkurrenz wegen ihrer restriktiven Voraussetzungen selten. Daher ist die praktische Anwendbarkeit fraglich. Eine Abweichung von den Annahmen kann allokatives Marktversagen bedeuten. Hauptkritik ist die statische Ausrichtung auf das Marktgleichgewicht und die Vernachlässigung dynamischer Wettbewerbsprozesse.

Weitere Kritikpunkte sind:

  • Vollständige Informationen und unendlich schnelle Reaktionen lassen keine Pioniergewinne zu und schaffen dadurch keine Anreize für Innovationen.
  • In der Realität bestehen viele Markteintrittsbarrieren, etwa Technologievorsprünge.
  • Transaktionskosten werden nicht berücksichtigt.
  • Wegen der großen Zahl von Marktteilnehmern sind Größenvorteile im Modell nicht möglich.
  • Konsumenten bevorzugen häufig Produktvielfalt statt homogener Produkte.

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