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Agama (Hinduismus)
Während die vedische Form des yagna ohne Ikonen und Schreine auskommt, basieren die agamischen Religionen auf Ikonen mit puja als Mittel der Verehrung.
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Wesen und Aufbau der Agamas
Agamas sind im Hinduismus Offenbarungstexte, die Shiva, Devi oder Hari (Vishnu) zugeordnet werden. Nach der offenbarenden Gottheit unterscheidet man Shaiva-, Shakta-, Vaishnava- beziehungsweise Pancharatra-, Ganapati- und Surya-Agamas. Diese fünf Klassen der Verehrung heißen Pancha Upasakas. Agamas werden oft „fünfter Veda“ genannt, gehören wissenschaftlich jedoch nicht zu den Veden. Aus ihnen werden die Tantra-Lehren abgeleitet; die Begriffe Agama und Tantra werden in der Literatur häufig gleichgesetzt. Viele Hindus betrachten Agamas beziehungsweise Tantras als Lehre für das gegenwärtige Zeitalter, das Kali-Yuga.
Die Texte sind meist dialogisch gestaltet, oft als Gespräch zwischen Shiva und Shakti. Dadurch erscheint spirituelle Einsicht als fortlaufendes, ewiges und dynamisches Gespräch, in das Suchende durch die Kultivierung ihres Bewusstseins eintreten können. Nach Rajeshwari Ghose verbinden Agamas rituelle Verehrung mit ethischem persönlichem Verhalten nach den Geboten einer bestimmten Gottheit.
Jedes Agama hat vier Teile: Der Jnana pada oder Vidya pada vermittelt Lehre sowie philosophisches und spirituelles Wissen über Wirklichkeit und Befreiung. Der Yoga pada enthält Vorschriften für Yoga als körperliche und geistige Disziplin. Der Kriya pada regelt Rituale, Tempelbau und die Gestaltung sowie Weihe von Gottesbildern. Der Charya pada behandelt Verhalten, puja, religiöse Riten, Rituale, Feste und Prayaschittas.
Verehrung, Tempel und zeitliche Einordnung
Die agamische Verehrung unterscheidet sich von der vedischen Form: Während vedisches yagna ohne Ikonen und Schreine auskommt, nutzt die agamische Praxis Ikonen und puja. Symbole, Ikonen und Tempel sind dafür notwendig. Handlung und Wille bestimmen die Agama-Gebote, während in vedischen Geboten Wissen das Heil ist. Mittelalterliche Hindu-Theologen verstanden Agamas und Veden dennoch nicht unbedingt als Gegensätze. Tirumular formulierte: „Die Vedas sind der Weg, und die Agamas sind das Pferd“.
Für einen Pilgerort nennen die Agamas drei Voraussetzungen: Sthala ist der Ort des Tempels, Tirtha die Kreuzungsstelle zwischen Weltlichem und Göttlichem und Murti die Gottesdarstellung, gewöhnlich eine Ikone. Agamas zur Silpa, der Bildhauerkunst, bestimmen unter anderem Bauorte, Bilder, Materialien, Maße, Proportionen, Luftzirkulation und Beleuchtung von Tempelanlagen. Manasara und Silpasara behandeln solche Regeln. Auch der tägliche Tempeldienst folgt den Agamas.
Geschichte und Chronologie der Agama-Texte sind unklar. Erhaltene Texte wurden wahrscheinlich im 1. Jahrtausend n. Chr. niedergeschrieben, bestanden aber vermutlich schon früher. Ramanan datiert den Beginn der Agama-Literatur aufgrund archaischer Prosodie und sprachlicher Belege mindestens auf das 5. Jahrhundert v. Chr. Tempelinschriften, archäologische Inschriften und Textbelege weisen darauf hin, dass Agama-Texte im 7. Jahrhundert zur Zeit der Pallava-Dynastie bereits existierten.