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Shakti

Für Brahma, den Schöpfer/Vergeber, ist es Sarasvati. Sarasvati ist die Göttin der Kunst und Wissenschaft. · Für Vishnu, den Erhalter/Verwandler, ist es Lakshmi.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Grundgedanke
  2. 2. Shakti in religiösen Richtungen
  3. 3. Frühe Entwicklung des Konzepts
  4. 4. Shakti-Theologie und Erscheinungsformen

Bedeutung und Grundgedanke

Shakti (Sanskrit शक्ति Śakti [ˈʃʌktɪ], wörtlich „Kraft“, „Energie“; auch Schakti) bezeichnet im Hinduismus die weibliche Urkraft des Universums. Sie ist aktive Energie; die zahlreichen indischen Göttinnen gelten als Formen dieser Shakti.

Häufig wird die weibliche Seite oder Gattin eines männlichen Gottes als seine Shakti verstanden. Für die Trimurti, die Dreiheit aus Brahma, Vishnu und Shiva, sind dies Sarasvati, Lakshmi und Parvati. Sarasvati ist Brahmas Shakti und Göttin von Kunst und Wissenschaft. Lakshmi ist Vishnus Shakti und Göttin von Glück, Reichtum und Schönheit. Parvati ist Shivas Shakti; sie kann als sanfte Gattin Uma oder als Kriegerin Durga erscheinen.

Wenn das Unheil im Universum zunimmt, verbinden sich Sarasvati, Lakshmi und Parvati laut Tradition zu Kali. Kali ist die dunkle Seite Shaktis und zerstört alles auf ihrem Weg.

Shakti in religiösen Richtungen

Im Shaktismus hat Shakti die zentrale Rolle als beherrschende Gottheit. In einigen Richtungen gilt sie als kinetischer, also bewegender und wirkender, Aspekt des Brahman. Brahman ist das einzig wahrhaft Seiende; Shakti bringt die manifestierte Welt und alle ihre Erscheinungen hervor, ist selbst diese Welt und beherrscht sie. In dieser Form wird sie meist als Mahadevi angesehen.

Im Tantra sowie in unterschiedlichen Richtungen von Shaktismus und Shivaismus bilden Shakti und Shiva die beiden Pole des Universums. Das Nominalkompositum Shivashakti, der göttliche Vater und die göttliche Mutter, steht für die Einheit von Bewusstsein und Kraft. Im westlichen Neotantra wird „Shakti“ meist als Synonym für Frau verwendet.

Frühe Entwicklung des Konzepts

Einige Forschende vermuten einen Ursprung Shaktis bereits in der Indus-Kultur, weil dort viele weibliche Figurinen gefunden wurden, die Göttinnen darstellen könnten. Das hinduistische Shakti-Konzept enthält jedoch weitere wesentliche Einflüsse.

In den Veden haben Göttinnen keine tragende Rolle, doch wichtige Aspekte sind bereits personifiziert: Vak ist die Göttin der Rede, Aditi die Mutter der Götter, Prithivi die Mutter Erde und Uṣas die in vielen Hymnen verehrte Göttin der Morgenröte. Auch weibliche Seiten vedischer Götter erscheinen, etwa Indrani als Indras Macht und Kraft.

In der nachvedischen Periode wurden nicht-vedische Göttinnen durch Sanskritisierung allgemein verbreitet und akzeptiert. Dadurch gewannen Durga, Kali und andere Göttinnen in neuen Religionsformen besondere Bedeutung. In der klassischen Periode des Hinduismus erscheinen Göttinnen in den Puranas als Gemahlinnen männlicher Götter, zugleich aber als deren Macht und Energie. Sie wurden dabei mit Shakti, Prakriti, dem ursprünglichen Stoff, und Maya, der Illusion, gleichgesetzt.

Shakti-Theologie und Erscheinungsformen

Zwei Texte sind für die spätere Shakti-Theologie besonders wichtig: das Devi Mahatmya und das Devi Bhagavatam Purana. Beide veränderten die Bedeutung Shaktis im Hinduismus.

Im Devi Mahatmya ist die Göttin die höchste Realität und verkörpert alle positiven und negativen Seiten von Macht und Energie. Sie wirkt kreativ, erhaltend und zerstörend. Die männlichen Götter der Trimurti bleiben zwar Gottheiten der Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung, doch Mahadevi ist die Kraft, die ihren Kräften zugrunde liegt. Ihre Macht und Bedeutung übersteigt daher die der männlichen Götter.

Das Devi Bhagavatam Purana beschreibt Shakti als völlig unabhängig von männlichen Göttern; alle Götter hängen vollkommen von ihrem Willen, ihrer Kraft und Macht ab. Sie ist Nirguna, also jenseits jeder Form und Erscheinung, wird aber zugleich als Sarasvati, Lakshmi und Kali mit den drei Gunas gleichgesetzt. Sie erscheint als Brahman selbst, als Urgrund allen Daseins und als ewigwährend. Alle einzelnen hinduistischen Göttinnen sind dort Aspekte und Erscheinungen Shaktis; auch Purusha und Prakriti gelten als Shakti beziehungsweise Mahadevi.

Göttinnen, die Shakti personifizieren, sind nicht nur gütig und wohltuend, sondern können auch bösartige und zerstörerische Seiten haben. Die Mahavidyas gelten beispielsweise als schreckliche und zornige Göttinnen; auch Kali und Durga besitzen solche Aspekte. Shakti-Göttinnen treten außerdem nicht nur in brahmanistischer Form auf, sondern sind auch in der indischen Volksreligion zahlreich vertreten und mit dem Shakti-Konzept verbunden.

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