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1. Sonntag im Advent
Mit dem 1. Sonntag im Advent oder ersten Adventssonntag (in Österreich: Adventsonntag) beginnt das Kirchenjahr. Auf einem Adventskranz brennt die erste …
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Bedeutung und Grundgedanke
Der 1. Sonntag im Advent, auch erster Adventssonntag genannt (in Österreich: Adventsonntag), beginnt das Kirchenjahr. Er eröffnet den Advent, ist aber thematisch eng mit den letzten Sonntagen des vorherigen Kirchenjahres verbunden: Der endzeitliche Akzent, also der Blick auf die Wiederkunft Christi und das Ende der Zeiten, bleibt bestehen.
Im christlichen Verständnis verbindet der Advent zwei Erwartungen: Er bereitet auf Weihnachten und damit auf das erste Kommen des Gottessohnes zu den Menschen vor. Zugleich richtet er den Blick auf die zweite Ankunft Christi am Ende der Zeiten. Deshalb ist er eine Zeit hingebender und freudiger Erwartung.
Evangelische Prägung
In evangelischen und lutherischen Kirchen Deutschlands und Nordeuropas prägt das altrömische Evangelium vom Einzug Jesu in Jerusalem den ersten Advent. Dadurch erhält der Tag einen besonderen festlichen Charakter. Diese Tradition war bereits im Frühmittelalter bekannt.
Daneben beeinflusste die Verkündigung irischer Missionare wie Kolumban der Jüngere den Advent: Sie betonte stärker die endzeitliche Wiederkunft Christi und das Jüngste Gericht. Dadurch wurde der Advent, ausgehend von Gallien, stärker als ernste Bußzeit verstanden; der Gesichtspunkt der freudigen Erwartung des Erlösers trat auch in der römischen Liturgie zurück.
Einzug Jesu in Jerusalem und evangelisches Proprium
Der Text Mt 21,1–9 Lut war zunächst, spätestens seit dem 7. Jahrhundert aber am ersten Adventssonntag Lesungstext. Im Spätmittelalter war diese Zuordnung allgemein bekannt und wurde von den Reformatoren übernommen. Für die Adventsdeutung betrachtete man nur Jesu Einzug in Jerusalem, nicht die anschließende Handlung von Gefangennahme, Kreuzigung, Tod und Auferstehung.
Jesus Christus wird dabei als „sanftmütiger“ König verstanden, der zur christlichen Gemeinde und zu jedem einzelnen Christen kommt. Dieses Motiv entfalten auch evangelische Adventslieder, etwa „Dein König kommt in niedern Hüllen“.
Mit der am 2. Dezember 2018 in der EKD eingeführten Ordnung gottesdienstlicher Texte und Lieder (OGTL) gehören zum Proprium: der Wochenspruch Sach 9,9 Lut, Psalm 24 als Gebetspsalm („Machet die Tore weit“), Sach 9,9–10 Lut als alttestamentliche Lesung, Röm 13,8–12 Lut als Epistel und Mt 21,1–11 Lut als Evangelium. Lieder der Woche sind „Nun komm, der Heiden Heiland“ (EG 4) und „Wie soll ich dich empfangen“ (EG 11). Die liturgische Farbe ist violett. Anders als an den übrigen Adventssonntagen wird noch einmal das Gloria in excelsis gesungen.
Die Predigttexte sind nach Lesejahren geordnet: I Mt 21,1–11 LUT, II Röm 13,8–12 LUT, III Sach 9,9–10 LUT, IV Jer 23,5–8 LUT, V Offb 3,14–22 LUT und VI Ps 24,1–10 LUT.
Lutherische Liturgie im englischen Sprachraum
Überwiegend englischsprachige nicht-katholische Kirchen, die dem Revised Common Lectionary folgen, verwenden für den ersten Advent die katholische Leseordnung. Dieses Lektionar wird gemeinsam von Katholiken, Anglikanern und Lutheranern verantwortet.
Die meisten Gemeinden der Missouri-Synode können alternativ ein historisches einjähriges Lektionar verwenden. Dort heißt der Sonntag auch Ad te levavi, nach den ersten Worten der Introitus-Antiphon aus Ps 24,1–3 VUL. Das Proprium umfasst Jer 23,5–8 LUT als erste Lesung, Psalm 24, Röm 13,11–14 LUT (13,8–10 LUT) als Epistel und Mt 21,1–9 LUT als Evangelium.
Katholische Liturgie und Lesungen
In der römisch-katholischen Kirche beginnt das Kirchenjahr mit der 1. Vesper am Vorabend des ersten Adventssonntags. Im Advent werden in der Regel violette Paramente getragen; in der heiligen Messe entfällt das Gloria. Mehrere Teile des Messpropriums stammen aus Ps 25 EU, darunter die Introitus-Antiphon Ad te levavi und der Antwortpsalm.
Die Lesungen sind eschatologisch geprägt: Sie sprechen von der erwarteten messianischen Heilszeit, die mit Jesu Geburt beginnt und mit der Parusie des Menschensohnes sowie der Verwandlung der Schöpfung in einen neuen Himmel und eine neue Erde (Offb 21 EU) endet. Seit der Liturgiereform von 1970 steht das Christkönigsfest am letzten Sonntag des Kirchenjahres, unmittelbar vor dem ersten Advent, und verweist auf Christus als wiederkommenden König.
Die katholische Leseordnung lautet: Lesejahr A: Jes 2,1–5 EU, Röm 13,11–14a EU, Mt 24,37–44 EU; B: Jes 63,16b–17.19b EU, 64,3–7 EU, 1 Kor 1,3–9 EU, Mk 13,33–37 EU; C: Jer 33,14–16 EU, 1 Thess 3,12–13 EU, 4,1–2 EU, Lk 21,25–28.34–36 EU.
Wichtige liturgische Neuerungen traten wiederholt am ersten Advent in Kraft: am 30. November 1969 die erneuerte Messliturgie, am 1. Dezember 2013 die Einführung des neuen Gotteslob im deutschen Sprachraum und am 2. Dezember 2018 ein neues Lektionar mit Lesungen der neuen Einheitsübersetzung.
Termin
Der 4. Adventssonntag liegt immer am Sonntag vor dem 25. Dezember. Deshalb fällt der 1. Advent auf einen Termin zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember. Fällt er auf den 3. Dezember, ist der 4. Adventssonntag zugleich Heiligabend.
Beispiele: 2023 war der erste Advent am 3. Dezember, 2024 am 1. Dezember, 2025 am 30. November, 2026 am 29. November, 2027 am 28. November und 2028 am 3. Dezember.