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Abbasiden-Kalifat
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Reich und Dynastie im Überblick
Das Abbasiden-Kalifat war ein islamisches Großreich unter der Dynastie der Abbasiden. Diese löste 750 die Umayyaden in der Herrschaft über das Kalifat ab; die Dynastie war bereits 749 begründet worden. Wie zuvor die Umayyaden und später die Osmanen wurden die Abbasiden von fast allen Sunniten als Kalifen anerkannt. Die Familie gehörte zu den Haschimiten und führte sich auf al-ʿAbbās ibn ʿAbd al-Muttalib, einen Onkel des Propheten Mohammed, zurück.
Das Kalifat mit seiner Hauptstadt Bagdad endete 1258, als Mongolen Bagdad eroberten und den Kalifen al-Musta'sim hinrichteten. Danach bestand in Kairo unter den Mamluken ein abbasidisches Ersatz-Kalifat ohne wirkliche politische Macht fort. Mit der osmanischen Eroberung Kairos 1517 endete die Dynastie endgültig.
Weg zur Macht
Nach Mohammeds Tod spielte besonders ʿAbdallāh ibn ʿAbbās eine Rolle: Während des Kalifats von ʿAlī ibn Abī Tālib kommandierte er nach Überlieferung Truppen bei der Kamelschlacht 656 und bei Siffin 657 und wurde im Winter 656/57 Gouverneur von Basra. Später führte sein jüngster Sohn ʿAlī ibn ʿAbdallāh die Familie. Er erwarb ein großes Landgut um al-Humaima südöstlich des Toten Meeres.
Sein Sohn Muhammad ibn ʿAlī baute ab 100 der Hidschra (= 618/19 n. Chr.) in Chorasan eine Daʿwa auf. Eine Daʿwa ist hier eine Organisation zur religiös-politischen Werbung für einen Herrschaftsanspruch. Prediger warben für die Abbasiden, verteilten Geld und Lebensmittel und stritten mit Anhängern der Aliden. Nach Berichten, deren Historizität teilweise bezweifelt wird, war Muhammad zuvor das Amt des Imams der Hāschimīya übertragen worden.
Die Bewegung wurde zunehmend organisiert: Ihre Führung in Merw umfasste zwölf Vorsteher (nuqabāʾ) und 58 Missionare (duʿāt). Nach Muhammads Tod 743 wurde sein Sohn Ibrāhīm ibn Muhammad Imam. Er rief zunächst zur Zurückhaltung auf, erlaubte aber schwarze Banner, die später zum Zeichen des Aufstands wurden.
Aufstand und Machtübernahme
Abū Muslim, dessen Herkunft unklar ist, wurde der charismatische Führer der chorasanischen Daʿwa. Nach einem Pakt mit Ibrāhīm ibn Muhammad sollte er in den iranischen Gebieten einen Aufstand gegen die Umayyaden auslösen. Im Herbst 746 übernahm er in Merw rasch die Führung der Organisation. Er mobilisierte große Gruppen, darunter Mawālī und Nicht-Muslime. Mawālī waren nichtarabische Muslime beziehungsweise Klienten arabischer Stämme.
Im Juni 747 begann der Aufstand; im Januar 748 nahm Abū Muslim Merw ein. Sein Heer drang 748/49 von Ostiran in den Irak vor. Qahtaba bin Schabīb führte die Aufständischen westwärts: Dschurdschān fiel im August 748, Raiy im Oktober 748, Kufa im August 749. Ibrāhīm wurde jedoch im August 749 im Gefängnis in Harran ermordet, und Qahtaba ertrank vor der Einnahme Kufas.
Auch die Wahl eines Kalifen war umstritten. Abū Salama, der Führer der kufischen Daʿwa, verhandelte mit Aliden und verzögerte die Entscheidung. Am 28. November 749 setzten die Truppen Abū Muslims mit einem Putsch gegen ihn Abū l-ʿAbbās as-Saffāh, Ibrāhīms jüngsten Bruder, als Kalifen ein. Die „abbasidische Revolution“ führte damit überraschend zur Herrschaft der Abbasiden.
Herrschaft, Aufstände und Blütezeit
Im Januar 750 besiegte eine abbasidische Armee unter ʿAbdallāh ibn ʿAlī in der Schlacht vom Großen Zab den umayyadischen Kalifen Marwan II. Ein Massaker traf danach die Umayyaden; ein Prinz entkam nach al-Andalus und gründete dort 756 als Abd ar-Rahman I. das Emirat von Córdoba. 751 behaupteten die Abbasiden Transoxanien in der Schlacht am Talas gegen die Chinesen.
Al-Mansūr, Kalif von 754 an, ließ Abū Muslim 755 ermorden, stützte sich vor allem auf Iraner und später auf Türken und zentralisierte die Verwaltung beim Kalifen. 762 begann er den Bau Bagdads als Hauptstadt. Dennoch gab es zahlreiche Aufstände, etwa 762 im Hedschas. Unter Hārūn ar-Raschīd (786–809) erreichte das Reich einen Höhepunkt, während Idrisiden, Rustamiden und Aghlabiden im Maghreb faktisch unabhängig wurden. Nach seinem Tod siegte al-Maʾmūn 813 im Krieg gegen seinen Bruder al-Amin. Weitere Aufstände, darunter 816 bis 837 in Aserbaidschan unter Babak, zeigten die fortdauernden Konflikte.
Al-Maʾmūn förderte bis zu seinem Tod 833 die Wissenschaften und gründete um 830 das Haus der Weisheit (bait al-ḥikma) als erste Universität im modernen Sinne. Die rationalistische Muʿtazila beeinflusste ihn; kurz vor seinem Tod führte er die Mihna ein, eine Art Inquisition gegen abweichende Lehren, besonders gegen Traditionsgelehrte. Seine Nachfolger setzten dies fort, bis al-Mutawakkil (847–861) eine sunnitische Reaktion einleitete.
Wirtschaft, Kultur und Verlust der Macht
Im späten 8. und frühen 9. Jahrhundert besaß das Reich große Wirtschaftskraft. Neue Paläste, Märkte und Wohnviertel entstanden; Handel profitierte von gemeinsamer Sprache, Religion und Staatsangehörigkeit. Bankgeschäfte und gewinnreiche Warenströme spielten eine wichtige Rolle. Landwirtschaftliche Erschließung durch Bewässerung, Trockenlegung von Sümpfen und den Anbau von Zuckerrohr, Datteln, Orangen und Baumwolle stabilisierte die Versorgung.
Die wirtschaftliche Blüte belastete jedoch besonders Bauern. Steuerpächter konnten Abgaben willkürlich festsetzen und im Voraus einfordern; Kaufleute zahlten Steuern nach Selbsteinschätzung. Die Zentralregierung setzte missbräuchliche Steuerpächter zwar ab, konnte wegen der Entfernung Bagdads aber nicht ausreichend eingreifen. Zugleich gewannen Fiqh-Experten an Bedeutung. Fiqh bezeichnet die islamische Rechtswissenschaft; solche Spezialisten wurden als Qādīs, also Richter, in Hauptstadt und Provinzen eingesetzt.
Ab 836 ließ al-Mutasim Samarra als neue Hauptstadt bauen und stellte eine türkische Mamluken-Leibgarde auf. Ihr Einfluss wuchs, und al-Mutawakkil wurde 861 von ihr ermordet. Die Zentralgewalt zerfiel: Militärführer erhielten iqta, also Lehen, und regierten diese zunehmend selbstständig. 945 übernahmen die Buyiden die weltliche Macht in Bagdad; der Kalif blieb geistlicher Führer. Nach den Seldschuken konnten al-Muqtafi (1136–1160) und an-Nasir (1180–1225) ihre weltliche Herrschaft im Gebiet des heutigen Irak zeitweise wiederherstellen.
Kairo und Gegenwart
Nach der Zerstörung Bagdads 1258 setzte der Mamluken-Sultan Baibars in Ägypten zunächst al-Mustansir II. und nach dessen Tod al-Hakim I. als abbasidische Kalifen ein. Diese Kalifen dienten nur der Legitimation der Mamluken und hatten keinen politischen Einfluss. Eine Ausnahme war al-Mustain (1406–1414), der 1412 kurzzeitig Sultan von Ägypten wurde, noch im selben Jahr aber abgesetzt wurde.
Der letzte Kalif, al-Mutawakkil III. (1508–1516, erneut 1517), wurde nach der Eroberung Ägyptens durch Selim I. nach Istanbul gebracht; seine Spur verliert sich spätestens um 1543. Seit dem 19. Jahrhundert behaupteten die Osmanen, das Kalifat sei 1517 auf sie übergegangen.
Reste der Dynastie wanderten später nach Palästina ein. Abbasiden leben heute vor allem in Gaza, Ramla, Safad und Salfit; Hauptzweige sind al-Ghusain, al-Abbasi, Schurrab und al-Hawtari.