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Al-Andalus
Al-Andalus (arabisch الأندلس , Zentralatlas-Tamazight ⴰⵏⴷⴰⵍⵓⵙ Andalus) ist der arabische Name für die zwischen 711 und 1492 muslimisch beherrschten Teile …
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Überblick und Eroberung
Al-Andalus war der arabische Name für die Teile der Iberischen Halbinsel, die von 711 bis 1492 muslimisch beherrscht wurden. Es war nacheinander Provinz des Umayyadenkalifats (711–750) und des Abbasidenkalifats (750–756), das Emirat von Córdoba (756–929), das Kalifat von Córdoba (929–1031) sowie eine Gruppe von Taifa-Königreichen. Später herrschten die nordafrikanischen Berber-Dynastien der Almoraviden und Almohaden; zuletzt blieb das Emirat von Granada.
Das Invasionsheer von 711 bestand aus Arabern und wohl größtenteils nordafrikanischen Berbern. Tariq ibn Ziyad landete am 30. April 711 in Gibraltar und besiegte das westgotische Heer König Roderichs in der Schlacht am Río Guadalete vom 19. bis 26. Juli 711. In einem siebenjährigen Feldzug gerieten große Teile der Halbinsel unter muslimische Kontrolle. Truppen überschritten auch die Pyrenäen und besetzten Teile Südfrankreichs, wurden aber 732 in der Schlacht von Tours von den Franken unter Karl Martell besiegt.
Schon 718 begann in Asturien eine Rebellion unter dem Westgoten Pelayo, aus der das zunächst kleine christliche Königreich Asturien entstand. Al-Andalus wurde zunächst durch vom Kalifen ernannte Statthalter regiert. Ihre Amtszeiten dauerten meist weniger als drei Jahre. Kämpfe zwischen muslimischen Gruppen schwächten die Herrschaft des Kalifen; Yusuf al-Fihri wurde schließlich faktisch unabhängiger Herrscher.
Emirat, Kalifat und kulturelle Bedeutung
750 stürzten die Abbasiden die Umayyaden im Arabischen Reich. Der umayyadische Prinz Abd ar-Rahman I., später ad-Dāchil genannt, setzte 756 Yusuf al-Fihri ab und erhob sich zum von den Abbasiden unabhängigen Emir von Córdoba. In seiner dreißigjährigen Herrschaft brachte er große Teile von al-Andalus nur unter eine fragile Kontrolle. Seine Nachkommen herrschten etwa 150 Jahre als Emire; die tatsächliche Macht schwankte, besonders in den Grenzgebieten zu den christlichen Reichen. Um 900 reichte die Herrschaft Emir Abdallahs nicht über Córdoba hinaus.
Abd ar-Rahman III. stellte ab 912 die umayyadische Macht in ganz al-Andalus wieder her und dehnte sie auf Teile des Maghrebs aus. 929 nahm er den Kalifentitel an. Damit konkurrierte sein Reich mit dem Abbasidenkalifen in Bagdad und dem Fatimidenkalifen in Ifrīqiya um Einfluss und um die Kontrolle des Maghrebs.
Die Zeit des Kalifats gilt muslimischen Autoren als goldenes Zeitalter von al-Andalus. Künstliche Bewässerung und aus dem Nahen Osten eingeführte Nahrungsmittel stärkten die Landwirtschaft. Córdoba wurde mit vielleicht 500.000 Einwohnern zur größten und wohlhabendsten Stadt Europas noch vor Konstantinopel und zu einem wichtigen kulturellen Zentrum der islamischen Welt. Philosophen und Wissenschaftler wie Albucasis und Averroes beeinflussten das mittelalterliche Europa. Nach der christlichen Eroberung Toledos 1085 übersetzten Gelehrte dort wissenschaftliche Literatur aus dem Arabischen ins Lateinische. Michael Scotus (um 1175 – um 1235) brachte unter anderem Werke von Averroes und Avicenna nach Italien; der Wissenstransfer beeinflusste die Scholastik, die wissenschaftlich geprägte Denkweise des christlichen Mittelalters.
Zerfall, Berberdynastien und Ende
Ein Bürgerkrieg von 1009 bis 1013 zerstörte die Macht des Kalifats von Córdoba; 1031 wurde es formell abgeschafft. Al-Andalus zerfiel in Taifas, weitgehend unabhängige Kleinstaaten. Sie waren gegenüber den christlichen Reichen im Norden und Westen meist zu schwach und mussten Angriffe sowie Tributforderungen hinnehmen. Als Alfons VI. von Kastilien und León 1085 Toledo eroberte, bat der Taifa-Herrscher al-Muʿtamid den Almoraviden Yusuf ibn Taschfin um Hilfe. Dieser besiegte die Christen noch 1085 in der Schlacht bei Zallaqa, eroberte danach aber auch die Taifa-Reiche selbst.
Yusuf ibn Taschfin setzte bis 1094 – mit Ausnahme von Saragossa – alle muslimischen Fürsten in Iberien ab und gewann Valencia von den Christen zurück. Im 12. Jahrhundert folgten die Almohaden. Ihr Herrscher Yaʿqūb al-Mansūr schlug Alfons VIII. von Kastilien 1195 bei Alarcos. 1212 unterlagen die Almohaden jedoch einem Bündnis christlicher Königreiche unter Alfons VIII. in der Schlacht bei Las Navas de Tolosa. Nach inneren Unruhen entstanden erneut Taifas, die bald von Portugal, Kastilien und Aragon erobert wurden. Nach dem Fall von Murcia 1243 und der Algarve 1249 blieb nur Granada muslimisch beherrscht und wurde tributpflichtig gegenüber Kastilien. Der Tribut wurde überwiegend in Gold gezahlt, das über die Sahara aus den Gebieten des heutigen Mali und Burkina Faso nach Iberien gelangte.
Die Meriniden aus Marokko besetzten im 13. und 14. Jahrhundert einzelne Städte Granadas, konnten Tarifa aber nicht erobern. Alfons XI. von Kastilien besiegte sie 1340 mit Unterstützung von Alfons IV. von Portugal und Peter IV. von Aragon in der Schlacht am Salado und nahm 1344 Algeciras ein. Danach sicherten Konflikte innerhalb der christlichen Reiche zunächst Granadas Fortbestand.
Granada bestand unter den Nasriden weitere 150 Jahre. Es gewährleistete seinen christlichen Einwohnern freie Religionsausübung; Arabisch blieb Amts- und Muttersprache der Mehrheit. Die Heirat Ferdinands von Aragón mit Isabella von Kastilien 1469 bereitete den letzten Feldzug vor. Granada kapitulierte im Januar 1492, als Emir Muhammad XII. Abu Abdallah, genannt Boabdil, in der Alhambra aufgab. Damit endete die muslimische Herrschaft in Iberien und die Reconquista, die christliche Rückeroberung, war vollendet.
Gesellschaft und Religionsgruppen
Die Gesellschaft bestand vor allem aus Christen, Muslimen und Juden. Die größten muslimischen ethnischen Gruppen waren Araber und Berber. Mozaraber waren Christen, die arabische Gebräuche, Kunst oder Ausdrücke übernahmen, aber christlichen Glauben, Rituale und romanische Sprachen behielten. In Städten gab es üblicherweise getrennte Viertel der Gruppen. Berber lebten vor allem in Bergregionen des heutigen Nordportugals und in der kastilischen Meseta; Araber siedelten besonders im Süden und im Ebrotal. Die Berufsarmee des Kalifats stützte sich zunehmend auf Saqāliba, die besonders dem Herrscher verpflichtet, aber schwer in die Bevölkerung integrierbar waren.
Nichtmuslime galten als ahl al Dhimma, also Schutzbefohlene, und mussten die Dschizya, eine Sondersteuer, zahlen. Die Behandlung religiöser Minderheiten wird in Forschung und Öffentlichkeit kontrovers beurteilt; auch die Verwendung moderner Begriffe wie Toleranz und Gleichheit ist umstritten. Die längste Periode relativer Toleranz begann 912 unter Abd ar-Rahman III. und al-Hakam II. Juden konnten im Kalifat in Wissenschaft, Handel und Gewerbe tätig sein. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts lebten etwa 50.000 Juden in Granada und grob geschätzt 100.000 im gesamten muslimisch beherrschten Iberien.
Daneben nennt der Artikel wiederholte Verfolgungen und Gewalt: Im 9. Jahrhundert wurden in Córdoba 48 Christen wegen religiöser Vergehen gegen den Islam hingerichtet. Nach al-Hakams II. Tod 976 verschlechterte sich die Lage der Nichtmuslime; berichtet werden ein Pogrom in Córdoba 1011 und das Massaker von Granada am 30. Dezember 1066, bei dem 1.500 Familien getötet wurden. Unter den Almohaden wurden viele Christen und Juden vor die Wahl zwischen Konversion und Tod gestellt und verließen das Land. Die Quellenlage zu zeitweiligen Verfolgungen unter den Almoraviden ist laut Artikel nicht eindeutig. Wissenschaft und Kunst förderten die Almohaden dennoch, besonders die Falsafah-Philosophie mit Ibn Tufail, Ibn al-Arabi und Averroes.