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2. Sinfonie (Mahler)

Die 2. Sinfonie in c-Moll ist eine Sinfonie mit Sopran- und Altsolistinnen sowie gemischtem Chor von Gustav Mahler. Der häufig verwendete Beiname …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Entstehung
  2. 2. Besetzung und Aufbau
  3. 3. Erste drei Sätze
  4. 4. Urlicht und Auferstehungsfinale
  5. 5. Bedeutung, Aufführungsgeschichte und Bearbeitungen

Überblick und Entstehung

Gustav Mahlers 2. Sinfonie in c-Moll ist eine Sinfonie für großes Orchester, Sopran- und Altsolistinnen sowie gemischten Chor. Der häufig verwendete Beiname „Auferstehungssinfonie“ stammt nicht von Mahler. Das Werk führt von einer Totenfeier zu einem triumphalen Auferstehungsfinale und verbindet dabei instrumentale Sätze mit Lied- und Chormusik.

Mahler schrieb die Sinfonie zwischen 1888 und 1894; seine Arbeit als Dirigent verzögerte die Fertigstellung. Die Instrumentierung des ersten Satzes, damals „Totenfeier“ genannt, war bereits im September 1888 abgeschlossen. Der zweite und dritte Satz entstanden erst 1893, die vollständige Sinfonie 1894. Nach Mahlers eigener Aussage erhielt er die Idee zum Schlusssatz mit dem Auferstehungsgedanken 1894 bei der Totenfeier für Hans von Bülow in der Hamburger St.-Michaelis-Kirche.

Zur selben Zeit vertonte Mahler Lieder aus Des Knaben Wunderhorn. „Des Antonius von Padua Fischpredigt“ verwendet er im dritten Satz nur instrumental, „Urlicht“ im vierten Satz mit Stimme. Der Finaltext geht auf Friedrich Gottlieb Klopstocks Gedicht „Die Auferstehung“ zurück; Mahler ergänzte und veränderte dessen erste zwei vertonte Strophen.

Besetzung und Aufbau

Die Sinfonie verlangt einen außergewöhnlich großen Apparat: Sopran- und Altsolo, gemischten Chor, Orgel, zwei Harfen, umfangreiches Schlagwerk, große Streicher- und Bläserbesetzung sowie ein getrennt aufgestelltes Fernorchester. Dieses besteht aus 4 Hörnern, 4 Trompeten, Pauke, großer Trommel, Becken und Triangel. Zu den besonderen Klangmitteln gehören unter anderem Glockenspiel, 2 Tamtams, 3 tiefe Glocken und mindestens 2 Kontrabässe mit Kontra-C-Saite.

Das Werk hat fünf Sätze statt der klassischen viersätzigen Form. Der erste und der fünfte Satz sind monumentale Rahmensätze: Die „Totenfeier“ steht dem Finale „Auferstehung“ gegenüber. Dazwischen stehen ein Tanzsatz, ein scherzoartiger Satz nach einem Wunderhorn-Lied und das Altsolo „Urlicht“. Mahler schreibt nach dem ersten Satz eine Pause von mindestens 5 Minuten vor.

Erste drei Sätze

Der erste Satz, Allegro maestoso, ist lose an die Sonatensatzform angelehnt. Er beginnt mit einem Akkord der tiefen Streicher, aus dem sich eine unruhige Figur und ein markantes Motiv entwickeln. Die Bläser stellen das Hauptthema vor; ein lyrischer Gedanke wirkt als zweites Thema. Marschartige, bedrohliche und lyrische Abschnitte wechseln. In der Durchführung steigern sich die wiederkehrenden Streicherfiguren und das Hauptthema zu großer Dramatik; ein mehrfach wiederholter dissonanter Tuttiakkord markiert den Zusammenbruch. Die Coda führt den Marschgedanken und die unruhigen tiefen Streicher erneut zusammen und endet mit einer chromatisch absteigenden Tonleiter.

Der zweite Satz, Andante comodo, ist ein einfacher Tanzsatz mit einem friedlichen, idyllischen Menuettthema. Zwei Trios unterbrechen das Menuett: Das erste beginnt mit bewegten Streichern und einer einfachen Holzbläsermelodie; das zweite wiederholt dieses Material dramatischer mit Blechbläsern und Pauke. Beim letzten Wiederkehren erklingt das Menuettthema im Pizzicato der Streicher, von der Harfe unterstützt.

Der dritte Satz, „In ruhig fließender Bewegung“, ist ein instrumental bleibender Satz nach „Des Antonius von Padua Fischpredigt“. Er ähnelt einem Scherzo und folgt der Form A-B-A: Die A-Teile sind eng an das Lied angelehnt, der B-Teil ist neu komponiert. Im Dreiertakt erzeugen Streicher, Holzbläser, Pizzicati und Schlaginstrumente ein Bild von fließendem Wasser und heranschwimmenden Fischen. Zugleich zeigt die Musik das Grotesk-Stupide der erfolglosen Predigt: „Die Predigt hat g’fallen, Sie bleiben wie allen.“ Nach einem kleinen musikalischen Zusammenbruch kehrt die Bewegung unverändert zurück.

Urlicht und Auferstehungsfinale

Der vierte Satz „Urlicht“ vertont ein Gedicht aus Des Knaben Wunderhorn für Altsolo. Er ist der erste Einsatz einer menschlichen Stimme in Mahlers sinfonischem Schaffen und nimmt eine Schlüsselstellung ein: Er beantwortet die Fragen des vorherigen Scherzos und leitet das vokale Finale ein. Der dreiteilige Satz beginnt choralartig, schlicht und feierlich. Der Alt singt über zarten Streicherakkorden; ein Blechbläserchor antwortet. Bei den Versen „Der Mensch liegt in größter Not, der Mensch liegt in größter Pein“ wechselt die Musik kurz nach Moll. Im bewegteren Mittelteil stehen volkstümliche Elemente, etwa ein Violinsolo mit Klarinettenbegleitung, empfindsameren Gesangspartien gegenüber. Harfe und Glockenspiel verdeutlichen die Engelsvision. Die Schlussverse „Der liebe Gott wird mir ein Lichtchen geben, wird leuchten mir bis in das ewig’ selig’ Leben“ stellen den Übergang zum Finale her.

Der fünfte Satz beginnt rein orchestral mit der „wild herausfahrenden“ Figur der tiefen Streicher aus dem ersten Satz und einem dissonanten Tuttiakkord. Danach erscheint zunächst verhalten das Auferstehungsthema. Mehrere Steigerungen, Marschabschnitte, Fanfaren des Fernorchesters und neue Zusammenbrüche bauen eine gespannte Erwartung auf. Erst dann beginnt der zweite, vokale Teil.

Der Chor setzt pianissimo mit „Auferstehen, ja auferstehen wirst du, mein Staub, nach kurzer Ruh!“ ein. Sopran, Alt und Orchester treten schrittweise hinzu. Der Alt übernimmt einen längeren Abschnitt solistisch, teilweise von einer Solovioline begleitet. Mit „Was entstanden ist, das muss vergehen! Was vergangen, auferstehen“ und „Sterben werd’ ich, um zu leben!“ verdichten sich Dynamik und Tempo. Die Apotheose, also die feierliche Verherrlichung, des Auferstehungsthemas erreicht das Tutti von Orchester, Chor und Orgel. Der Satz endet mit der Aussage „Was du geschlagen, zu Gott wird es dich tragen“ und einem mächtigen Akkord.

Bedeutung, Aufführungsgeschichte und Bearbeitungen

Die Uraufführung der vollständigen Sinfonie leitete Mahler am 13. Dezember 1895 in der Alten Philharmonie in der Bernburger Straße in Berlin. Die ersten drei Sätze waren dort bereits am 4. März 1895 erklungen. Die zeitgenössischen Kritiken waren überwiegend zurückhaltend oder spöttisch; die Allgemeine Musik-Zeitung sprach von „hohlem Nichts“ und „brutaler Geschmacklosigkeit“. Andere Zeitgenossen, darunter Anton Webern, äußerten sich bewundernd. Heute gilt das Werk als eine von Mahlers beliebtesten und häufig gespielten Sinfonien.

Die 2. Sinfonie markiert für Mahler einen Neubeginn: fünfsätzige Anlage, sehr große Besetzung und eine Aufführungsdauer von über 90 Minuten erweitern die Grenzen der klassischen Sinfonie. Der Finalsatz dauert 38 Minuten und ist Mahlers längster Sinfoniesatz. Wegen des dritten und vierten Satzes zählt das Werk zu den Wunderhorn-Sinfonien. Es verbindet klassisch-romantische Sinfonik mit Errungenschaften Wagnerscher Musik, spätromantischem Pathos, Lied, Chor und Orgel. Das Motto lautet Per aspera ad astra, „Durch das Raue zu den Sternen“.

Das Scherzo wurde von Luciano Berio als Grundlage für den dritten Satz seiner Sinfonia verwendet. 2013 entstand eine Fassung für reduziertes Orchester von Douglas Cuomo und Gilbert Kaplan. 2024 veröffentlichte Universal Edition eine Fassung für Kammerensemble, Solisten und Chor.

Lernvideos zu 2. Sinfonie (Mahler)

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