Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Harfe
Die Harfe ist ein Saiteninstrument und gemäß der Tonproduktion ein Zupfinstrument. Unter den drei Grundtypen der Saiteninstrumente, die in der …
Inhalt5 Abschnitte
Grundlagen und Bauweise
Die Harfe ist ein Saiten- und Zupfinstrument, also ein Instrument, bei dem Saiten gezupft werden. In der Hornbostel-Sachs-Systematik zählt sie neben Zithern und Lauten zu den drei Grundtypen der Saiteninstrumente. Eine Harfe ist dort als zusammengesetztes Saiteninstrument definiert, dessen Saitenebene senkrecht zur Resonanzdecke verläuft. Der Spieler oder die Spielerin heißt Harfenist beziehungsweise Harfenspieler; früher sagte man auch Harfenschläger.
Die größte verbreitete Form ist die Konzertharfe. Sie ist meist 175–190 cm hoch und wiegt meist 33–42 kg; Doppelpedalharfen können bis 1,80 Meter hoch und bis zu 50 Kilogramm schwer sein. Ihr Grundbau besteht aus der Harfensäule als Rückgrat, dem Kopf oben, dem Fuß unten, dem Hals und dem Knie. Der schräg verlaufende Korpus ist der Resonanzkörper. Auf dessen Resonanzdecke liegen die Saitenbohrungen; Verstärkungsleisten können die Decke an den Durchführungen stabilisieren. Im Hals sitzen die Stimmwirbel und, je nach Harfentyp, die Umstimmmechanik.
Bei einfachen Harfen erzeugt jede Saite nur einen bestimmten Ton. Um weitere Töne und Tonarten zu erreichen, kann die schwingende Saitenlänge verkürzt werden: bei Hakenharfen mit Haken oder Halbtonklappen, bei Pedalharfen mit Pedalen. Die Pedale sind über Stangen oder Seile, die in Säule oder Korpus verlaufen, mit der Mechanik verbunden. Eine Verkürzung erhöht den Ton: Bei einer Hakenharfe um einen Halbton, bei einer Pedalharfe für alle gleichnamigen Töne gleichzeitig um einen Halbton und bei einer Doppelpedalharfe um einen weiteren Halbton.
Diatonische Harfen und Pedalmechanik
Diatonisch gestimmte Harfen sind grundsätzlich auf eine Tonart eingestellt. Die heute so genannte Konzertharfe ist immer eine Doppelpedalharfe mit Grundstimmung Ces-Dur und kann in allen Tonarten gespielt werden. Die Bezeichnungen Volksharfe oder Tiroler Volksharfe meinen dagegen eine Einfachpedalharfe mit Grundstimmung Es-Dur; sie ist für Tonarten bis zu drei Bes und vier Kreuzen einschließlich C-Dur bestimmt.
Einfachpedalharfen wurden im 18. Jahrhundert entwickelt. Mit einer Mechanik, die bis zu 2500 Bauteile haben kann, lässt sich die Saitenlänge auch während des Spielens verändern. Zunächst konnte ein Pedal den Ton einer Saite um einen Halbton erhöhen. Es gab zunächst wenige, oft fünf und später sieben Pedale. Handgedrehte Haken wurden dafür über Zugseile mit Pedalen verbunden. Mitte bis Ende des 18. Jahrhunderts verbreiteten sich Zugkrückenmechaniken: mechanisierte Haken drückten Saiten auf einen Steg am Hals. Ende des 18. Jahrhunderts entstand die Gabelscheibenmechanik. Dabei drehen sich zwei Stifte auf einer Scheibe gegen die Saite und verkürzen sie, sodass sie einen Halbton höher klingt. Einfachpedalharfen erweitern die innerhalb eines Musikstücks erreichbaren Tonarten deutlich gegenüber Hakenharfen.
Die Tiroler Volksharfe oder Tiroler Liederharfe entstand im späten 19. Jahrhundert. Durch Pedaltreten erleichtert sie die für alpenländische Volksmusik typischen Tonartwechsel. Bei nicht betätigten Pedalen ist sie in Es-Dur gestimmt und erreicht Tonarten von Es- bis E-Dur. Sie ist vermutlich wegen ihrer gebogenen Decke eine Weiterentwicklung der böhmischen Harfe. Franz Bradl (1882–1963) aus Brixlegg verhalf der bis heute gültigen Bauweise zum Durchbruch; die heutigen Instrumente besitzen meist Gabelscheibenmechaniken.
Sébastien Érard erhielt am 2. Mai 1810 ein Patent für die Doppelpedalharfe. Jedes Pedal ließ sich nun um zwei statt um eine Stufe treten; damit konnte ein Ton um zwei Halbtöne, also einen Ganzton, erhöht werden. 3500 verkaufte Exemplare führten zur Standardisierung. Die Doppelpedalharfe hat 45 bis 47 diatonisch gestimmte Saiten von 7 bis 150 cm Länge, einen Umfang von sechseinhalb Oktaven und normalerweise sieben Pedale, je eines für jeden Stammton. In der obersten der drei möglichen Pedalpositionen, der Anfangsposition, trägt jeder Ton ein ♭-Vorzeichen. Kleine Gabelscheiben, französisch fourchettes, verkürzen die Saite während des Spielens um einen Halb- oder Ganzton. Dadurch sind etwa Glissandi über einen verminderten Septakkord möglich. Die hohe Saitenspannung verlangt Krafttraining, Hornhautaufbau und Entspannungstechniken der Hände.
Hakenharfen und Harfen in Lateinamerika
Eine Hakenharfe ist nach ihren Umstimmvorrichtungen benannt. Sie ist traditionell diatonisch und meist in Es-Dur gestimmt. Seit dem 18. Jahrhundert wurden unterhalb der Stimmwirbel Haken angebracht, die einzelne Saiten verkürzen und um jeweils einen Halbton erhöhen. Nicht jede Saite muss einen Haken besitzen. Meist wird die Tonart vor einem Stück eingestellt; während des Spiels können Umstimmer gewöhnlich mit der linken Hand betätigt werden. Die ursprünglichen Haken sind bei modernen Instrumenten meist durch Halbtonklappen ersetzt, im Englischen Levers genannt. Gebräuchliche Typen sind die Keltische und die Böhmische Harfe. Böhmische Hakenharfen wurden häufig von böhmischen und thüringischen Wandermusikern bis in die 1950er Jahre gespielt.
Die spanische Arpa de dos órdenes kam im 16. Jahrhundert durch Spanier nach Lateinamerika. Sie verlor im Lauf ihrer Entwicklung die pentatonische Saitenreihe und ist heute eine diatonische Harfe ohne Umstimmvorrichtungen und mit Nylonsaiten. Südamerikanische Harfen werden mit den Fingernägeln gezupft. Die Paraguay-Harfe hat typischerweise 36 Saiten, ist etwa 150 cm hoch, hat ungefähr einen Zentimeter Saitenabstand und Schallöffnungen auf der Rückseite. Die venezolanische Arpa llanera ist durchschnittlich etwa 160 cm hoch, hat 32 Saiten, Saitenabstände von 1,4 cm und Schallöffnungen auf dem Resonanzboden; sie wird auch in Kolumbien gespielt. Die Andenharfe besitzt einen sehr breiten Resonanzkörper und 34 Saiten. Sie ist seit mehr als 150 Jahren ein traditionelles Instrument Quechuasprachiger.
Harfenmusik gehört in mehreren lateinamerikanischen Ländern zur Folklore. Venezolanisch-kolumbianische Musik ist rhythmisch; dazu wird traditionell gesungen, teils im Sprechgesang, und die Harfe begleitet sich mit Cuatro, Maracas und Bass. Paraguayische Musik gilt als melodiös und melancholisch und wird mit Gitarre, Requinto und manchmal Akkordeon begleitet. Andenmusik beruht auf der Pentatonik der Inkas. In Mexikos Bundesstaat Veracruz dient die Harfe eher der Begleitung als dem Solospiel; La Bamba war ursprünglich ein Harfenlied.
Chromatische Varianten und Entwicklung
Chromatisch gestimmte Harfen ermöglichen das gesamte chromatische Tonspektrum, also auch die Zwischentöne zwischen den Stufen einer Tonleiter. Im 15. oder 16. Jahrhundert entstanden in Spanien und Italien besonders Doppelharfen. Genannt werden die spanische Arpa de dos órdenes mit gekreuzten Saiten, die italienische Arpa doppia oder Tripelharfe, die Pleyel-Harfe, Weigel-Harfe und Walisische Tripelharfe. Um 1900 kam es kurzzeitig zu einer Wiederbelebung chromatischer Harfen, weil manche die diatonische Pedalharfe für die zunehmend chromatische Kunstmusik als unbefriedigend ansahen. Der bekannteste Komponist für dieses Instrument war Claude Debussy.
Christoph Pampuch entwickelte Ende des 20. Jahrhunderts auf Grundlage der böhmischen Harfe ein handliches Modell mit zwei überkreuzten Saitenreihen. Es bietet ohne störanfällige Mechanik das gesamte chromatische Spektrum und erfordert eine eigene Spieltechnik. Die Saiten jeder Reihe sind jeweils in großen Sekunden gestimmt; das Instrument besteht damit aus zwei parallelen Ganztonleitern und gehört zu den 6-plus-6-Instrumenten. Für einen Dreiklang werden zwei Saiten aus einer Ebene und eine aus der zweiten Ebene gegriffen. Seit 2005 findet jährlich ein Treffen chromatischer Harfenspieler statt.
Harfen sind seit etwa 3000 v. Chr. aus Mesopotamien und Ägypten durch Abbildungen bekannt; die ersten Darstellungen erscheinen dort etwa 2400 v. Chr. Frühformen waren Bogenharfen und später Winkelharfen. Winkelharfen konnten mehr Saiten haben, waren aber wenig stabil und schlecht stimmbar. Die dreiseitig geschlossene Rahmenharfe, von der moderne Konzertharfen abgeleitet sind, entstand in Europa um 800 n. Chr. Auch die ersten Harfendarstellungen in Irland stammen ungefähr aus dieser Zeit. Das im Alten Testament kinnor genannte Instrument König Davids war wahrscheinlich eine Leier, keine Harfe.
Abgrenzung und weitere Formen
Zur Familie der Harfen gehören weltweit verschiedene Bauformen, darunter Bogenharfen, Winkelharfen und Stegharfen. Beispiele sind die Adungu aus Norduganda, die Ardin als mauretanische Winkelharfe, die Kora und Seperewa als westafrikanische Stegharfen, die burmesische Saung gauk sowie historische Formen wie die chinesische Konghou und die japanische Kugo.
Entscheidend ist die instrumentenkundliche Definition: Jedes Saiteninstrument, dessen Saitenebene rechtwinklig von der Decke des Resonanzkörpers zu einem entfernten Saitenträger verläuft, ist nach Hornbostel-Sachs eine Harfe. Daher zählt auch der afrikanische Erdbogen zu dieser Gruppe. Dagegen sind Äolsharfe oder Windharfe, Laserharfe und Kinderharfe trotz ihres Namens instrumentenkundlich keine Harfen.