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Reaganomics
Der Begriff Reaganomics (Kofferwort, zusammengesetzt aus „Reagan“ und „economics“, engl. für Wirtschaft) bezeichnet die Wirtschaftspolitik der USA unter …
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Kernidee und Bedeutung
Reaganomics bezeichnet die Wirtschaftspolitik der USA unter Präsident Ronald Reagan. Der Begriff ist ein Kofferwort aus „Reagan“ und „economics“ und steht vor allem für eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik: Der Staat sollte durch niedrigere Steuern und günstigere Bedingungen für Unternehmen wirtschaftliche Aktivität anregen.
Wichtig ist Reaganomics, weil diese Politik die Steuerstruktur, die Konjunktur, die Haushaltsdefizite und die Staatsverschuldung der USA stark beeinflusste. Zugleich blieb sie lange umstritten, weil Kritiker sie als Politik zugunsten hoher Einkommen und zulasten ärmerer Bevölkerungsschichten bewerteten.
Theoretische Grundlage
Reagans Wirtschaftspolitik stützte sich auf Thesen oder Theorien der Chicagoer Schule, die auch als Angebotspolitik bezeichnet werden. Angebotspolitik meint eine wirtschaftspolitische Richtung, die vor allem die Bedingungen für Produktion, Investitionen und unternehmerisches Handeln verbessern will.
Eine wichtige Rolle spielte außerdem die Theorie des Ökonomen Arthur B. Laffer. Nach dieser Theorie können Steuersenkungen dazu führen, dass die Steuereinnahmen nicht sinken, sondern steigen. Begründet wird dies mit der sogenannten Laffer-Kurve: Wenn niedrigere Steuersätze wirtschaftliche Aktivität stark genug erhöhen, kann die Steuerbasis wachsen und dadurch können die gesamten Einnahmen steigen.
Steuersenkungen und spätere Korrekturen
Mit dem Economic Recovery Tax Act of 1981 senkte die Reagan-Regierung den Spitzensteuersatz der Einkommensteuer von 70 % auf 50 %. Der Spitzensteuersatz ist der höchste Steuersatz, der auf hohe Einkommen angewendet wird. Auch Steuern auf Veräußerungsgewinne und Unternehmenssteuern wurden reduziert. Veräußerungsgewinne sind Gewinne, die beim Verkauf von Vermögenswerten entstehen.
Diese Steuersenkungen verringerten die Steuereinnahmen deutlich. Später wurden mit mehreren Gesetzen moderate Steuererhöhungen beschlossen: dem Tax Equity and Fiscal Responsibility Act of 1982, den Social Security Amendments of 1983, dem Deficit Reduction Act of 1984, dem Omnibus Budget Reconciliation Act of 1987 und dem Tax Reform Act of 1986.
Folgen für Einnahmen, Konjunktur und Schulden
Die Staatseinnahmen gingen 1983 zunächst zurück. Danach stiegen sie wieder an, allerdings langsamer als zuvor. Laut Artikel steigerte Reagans Steuerpolitik die US-Konjunktur, also die wirtschaftliche Entwicklung.
Gleichzeitig führten die geringeren Steuereinnahmen zusammen mit Reagans Hochzinspolitik zu höheren Haushaltsdefiziten. Ein Haushaltsdefizit entsteht, wenn der Staat mehr ausgibt, als er einnimmt. Dadurch erhöhte sich auch die Staatsverschuldung der USA massiv.
Reagans Nachfolger Bill Clinton erhöhte während seiner Regierungszeit von Januar 1993 bis Januar 2001 die Steuersätze. Die Staatsschulden nahmen weiter zu; die Verschuldungsquote lag 1993 und 2001 bei rund 60 % des Bruttoinlandsprodukts. Die Verschuldungsquote misst die Staatsschulden im Verhältnis zur gesamten Wirtschaftsleistung eines Landes.
Kritik und kontroverse Bewertung
Die Reaganomics blieben lange Gegenstand kontroverser Diskussionen. Kritische Stimmen sahen darin eine Politik zulasten ärmerer Schichten und zugunsten der oberen zwei Prozent der Bevölkerung der USA. Als Begründung wurde unter anderem genannt, dass finanzielle Zuwendungen für Sozialprogramme aus der Zeit der Great Society gekürzt wurden.
Gerard Radnitzky charakterisierte Reaganomics 1993 als „freie Marktwirtschaft in der Rhetorik und einige Privatisierungen, während in der Praxis die Staatsausgaben und der Steueranteil als Prozente des Bruttosozialproduktes gestiegen sind.“ Damit stellte er einen Gegensatz zwischen marktwirtschaftlicher Sprache und tatsächlicher Entwicklung der Staatsausgaben heraus.
Der Soziologe Colin Crouch sah 2008 grundlegende Veränderungen in den USA während der Reagan-Administration: den Abbau wohlfahrtsstaatlicher Institutionen, die Marginalisierung der Gewerkschaften und eine Spaltung zwischen Arm und Reich auf einem Niveau, das er mit Ländern der Dritten Welt verglich.
Vertreter des Center for American Progress vermuteten 2015 eine kontraproduktive Wirkung der Kürzung des Spitzensteuersatzes. Nach dieser Sicht werden die durch Steuersenkungen für Reiche frei werdenden Mittel nicht für Konsum oder Investitionen in Produktionsmittel genutzt, sondern gespart, für Kapitalanlagen verwendet oder in Steuerparadiese transferiert. Dadurch steige die Ungleichheit, während mittleren und unteren Einkommensschichten finanzielle Mittel fehlten. Dieser Mangel senke die Nachfrage und damit letztlich auch das Wirtschaftswachstum.
Vergleichbare politische Begriffe
In Großbritannien wurde für eine ähnliche Politik der Begriff Thatcherismus verwendet, benannt nach der Premierministerin Margaret Thatcher.
In Neuseeland stand Roger Douglas als Finanzminister im Kabinett von David Lange für eine radikale, für Labour untypische Wirtschaftspolitik während einer schweren Wirtschaftskrise. Für diese Politik verbreitete sich der Begriff Rogernomics.
Außerdem wurden sozialdemokratische und gemäßigt linke Politiker sowie politische Strömungen, die einzelne Aspekte der Reaganomics auf der politischen Linken aufnahmen, als Atari Democrats oder unter dem Begriff Dritter Weg bezeichnet.