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1947

Besonders deutlich wird dies in der Truman-Doktrin, in der der US-Präsident vor der „direkten oder indirekten Aggression“ durch „totalitäre Regime“ warnt – die …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Das Jahr im Überblick
  2. 2. Beginn des Kalten Krieges und Neuordnung Europas
  3. 3. Deutschland zwischen Besatzung, Not und Teilung
  4. 4. Asien, Nahost und Entkolonialisierung
  5. 5. Wirtschaft, internationale Zusammenarbeit und Technik
  6. 6. Kultur, Gesellschaft und einschneidende Ereignisse

Das Jahr im Überblick

1947 verschärften sich die ideologischen Gegensätze zwischen der westlichen Welt und dem entstehenden Ostblock. Die frühere Kriegskoalition der Alliierten zerfiel zunehmend; der aufkommende Kalte Krieg prägte Politik, Wirtschaft und die Neuordnung Europas. Besonders wichtig waren die Truman-Doktrin, der Marshallplan und die zunehmende Teilung Deutschlands.

Die USA sicherten Griechenland und der Türkei Unterstützung zu, während die Sowjetunion ihren Einfluss in Mittel- und Südosteuropa festigte. Zugleich entstanden durch die Teilung Britisch-Indiens die unabhängigen Staaten Pakistan und Indien. In Palästina beschloss die UN einen Teilungsplan, und in Japan trat eine neue Nachkriegsverfassung in Kraft.

Beginn des Kalten Krieges und Neuordnung Europas

Am 12. März verkündete US-Präsident Harry S. Truman die Truman-Doktrin. Sie leitete die amerikanische Containment-Politik ein, also die Politik, eine weitere Ausbreitung des Kommunismus einzudämmen. Truman warnte vor direkter oder indirekter Aggression durch totalitäre Regime; gemeint war erkennbar die Sowjetunion. Für Griechenland und die Türkei bewilligten die USA am 22. Mai 400 Mio. Dollar Wirtschafts- und Militärhilfe.

Die sowjetische Gegenposition formulierte Andrei Alexandrowitsch Schdanow am 30. September auf der Gründungsversammlung des Kominform mit der Zwei-Lager-Theorie: Die Welt erschien nun als in ein sowjetisch geführtes und ein westlich geführtes Lager geteilt.

In Polen, Ungarn, Rumänien und Bulgarien setzten sich kommunistische Parteien mit legalen Mitteln, Drohungen und Repressalien gegen Gegner durch. In Polen erhielt der kommunistisch dominierte Demokratische Block bei der Wahl am 19. Januar offiziell 80,1 % der Stimmen; Kritiker sprachen von massiven Wahlfälschungen und nur tatsächlich 50 %. In Ungarn wurde die Kommunistische Partei am 31. August mit 22,25 % stärkste Partei, während die zuvor mehrheitliche Kleinbauernpartei zwei Drittel ihrer Mandate verlor. Rumänien wurde nach der Abdankung König Michaels I. am 30. Dezember eine von der Sowjetunion abhängige Volksrepublik. In Bulgarien trat am 4. Dezember die Verfassung der Volksrepublik in Kraft.

Am 10. Februar wurden die Friedensverträge von Paris mit Finnland, Italien, Ungarn, Rumänien und Bulgarien geschlossen; sie traten am 15. September in Kraft. In Italien beschloss die Verfassungsgebende Versammlung am 22. Dezember die neue Verfassung der Italienischen Republik. In Frankreich schieden am 4. Mai kommunistische Minister aus der Regierung Paul Ramadier aus.

Deutschland zwischen Besatzung, Not und Teilung

Die politische und wirtschaftliche Entwicklung der Besatzungszonen machte eine gemeinsame Deutschlandpolitik immer schwieriger. Am 1. Januar wurden die britische und die US-amerikanische Zone zur Bizone zusammengefasst, einem einheitlichen Wirtschaftsraum. Am 25. Februar löste der Alliierte Kontrollrat mit Gesetz Nr. 46 den Staat Preußen endgültig auf. Die Außenministerkonferenz der vier Alliierten in Moskau endete am 24. April weitgehend ergebnislos; auch die Londoner Außenministerkonferenz brach am 15. Dezember wegen der Deutschland-Frage auseinander.

In der Sowjetischen Besatzungszone war die SED, seit der Zwangsvereinigung von SPD und KPD im April 1946, die dominierende Kraft. Am 14. Juni wurde die Deutsche Wirtschaftskommission als Leitinstanz der Zentralverwaltungen eingerichtet und steuerte das Wirtschaftsleben von Ost-Berlin aus. Im Dezember setzte die sowjetische Militärverwaltung den demokratisch gewählten CDU-Parteivorstand ab; die Ost-CDU wandelte sich zur Blockpartei.

Die Westzonen bauten die Wirtschaft auf kapitalistischer Grundlage wieder auf und nahmen später Marshallplanhilfe an. Die Sowjetunion lehnte diese Hilfe ab und zwang auch die Tschechoslowakei, ihre angekündigte Annahme zurückzunehmen. George C. Marshall hatte die Grundlagen des Marshallplans am 5. Juni an der Harvard-Universität vorgestellt. Am 25. Juni konstituierte sich der erste Wirtschaftsrat der Bizone.

Die Bevölkerung litt im Hungerwinter 1946/47 unter extremer Kälte, Nahrungs- und Heizstoffmangel. Anfang Mai betrug die Tagesration auf Lebensmittelkarten nur eine dünne Brotscheibe, monatlich gab es 210 Gramm Fett. Viele Menschen starben an Mangelernährung und ansteckenden Krankheiten. Auf den extrem heißen Sommer folgten Missernten; der kalte Winter 1947/48 verschärfte die Lage erneut. Die Entnazifizierung und Prozesse gegen NS-Verbrecher wurden fortgesetzt, etwa im Ärzteprozess: Am 20. August wurden vier Todesurteile ausgesprochen, sieben Angeklagte freigesprochen und der Nürnberger Kodex als ethische Richtlinie für Experimente am Menschen formuliert.

Asien, Nahost und Entkolonialisierung

Britisch-Indien wurde nach dem Mountbattenplan geteilt. Am 14. August entstand Pakistan mit Ali Jinnah als erstem Staatspräsidenten, am 15. August wurde Indien unabhängig; Jawaharlal Nehru wurde erster Regierungschef. Mehr als zehn Millionen Menschen wurden in den jeweils anderen Staat umgesiedelt. Zwischen dem mehrheitlich muslimischen Pakistan und dem mehrheitlich hinduistischen Indien begann im Oktober der Konflikt um Kaschmir. Nach dem Beitritt des Maharaja Hari Singh zu Indien griffen ab 22. Oktober muslimische, von Pakistan unterstützte Milizen an; am 27. Oktober begann mit indischen Luftlandetruppen in Srinagar der Erste Indisch-Pakistanische Krieg. Er endete am 1. Januar 1949 mit Waffenstillstand ohne Friedensschluss und einer faktischen Teilung Kaschmirs.

In Palästina verstärkten sich Konflikte zwischen jüdischen Siedlern, Palästinensern und der britischen Mandatsmacht. Die Rücksendung der Flüchtlinge des Schiffs Exodus nach Europa erregte internationale Aufmerksamkeit. Am 29. November beschloss die UN-Generalversammlung mit 33 gegen 13 Stimmen Resolution 181: Nach Ende des britischen Mandats im Mai 1948 sollten ein jüdischer und ein palästinensischer Staat entstehen und Jerusalem internationalisiert werden. Der Plan wurde sowohl von jüdischen Extremisten als auch von arabischer Seite scharf kritisiert.

In China setzten kommunistische Truppen unter Mao ihren Vormarsch im Bürgerkrieg fort. In Taiwan begann mit dem Zwischenfall vom 28. Februar ein Volksaufstand. In Japan trat am 3. Mai die Nachkriegsverfassung in Kraft. Sie bezeichnet den Tennō in Artikel 1 als „Symbol“ des Staates und enthält in Artikel 9 den Verzicht auf Krieg. Im Iran endete die Irankrise: Iranisches Militär besetzte am 12. Dezember die von der Sowjetunion unterstützte Provinz Āzarbāydschān; am 16. Dezember wurde auch die Republik Kurdistan aufgelöst und wieder dem Iran eingegliedert.

Weitere wichtige Entwicklungen waren der Vertrag von Linggajati zwischen den Niederlanden und Indonesien am 25. März, die niederländische Offensive auf Java am 20. Juli sowie die Ermordung des burmesischen Staatsmanns Aung San am 19. Juli.

Wirtschaft, internationale Zusammenarbeit und Technik

Der wirtschaftliche Wiederaufbau Europas wurde durch den Marshallplan zu einem zentralen Thema. Der Internationale Währungsfonds (IWF) nahm am 1. März seine Arbeit auf. Am 30. Oktober wurde das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen GATT abgeschlossen, das am 1. Januar 1948 in Kraft trat. In der Schweiz wurden am 6. Juni durch Volksabstimmung die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) eingeführt und die Wirtschaftsverfassung geändert. In Großbritannien wurde der Bergbau am 1. Januar verstaatlicht.

Die internationale Zusammenarbeit wurde ausgebaut: Pakistan und Jemen wurden am 30. September Mitglieder der Vereinten Nationen; am 20. Oktober erhielten die Vereinten Nationen ihre Flagge in heutiger Gestalt. Am 11. Oktober unterzeichneten 42 Länder das Abkommen zur Gründung der World Meteorological Organization.

In Wissenschaft und Technik gelangen bedeutende Neuerungen. Am 23. Dezember führten William B. Shockley, John Bardeen und Walter H. Brattain in den Bell Laboratories den Prototyp eines bipolaren Transistors vor. Auguste Piccard erfand und baute den ersten Bathyscaph, ein Tiefsee-U-Boot. Jacob A. Marinsky, Lawrence E. Glendenin und Charles D. Coryell veröffentlichten die Entdeckung des Elements Promethium und schlossen damit die letzte Lücke im Periodensystem.

Am 14. Oktober durchbrach Chuck Yeager in einer Bell X-1 in etwa 15.000 Meter Höhe offiziell als erster Mensch die Schallmauer. Thor Heyerdahl startete am 28. April mit fünf Crewmitgliedern auf dem Balsafloß Kon-Tiki von Callao nach Polynesien, um zu prüfen, ob eine Besiedlung der Inseln aus Südamerika auf diesem Weg möglich gewesen wäre.

Kultur, Gesellschaft und einschneidende Ereignisse

1947 entstanden oder eröffneten wichtige Kulturinstitutionen: Am 27. April wurde in Paris die Fotografenagentur Magnum gegründet, am 9. Juni das Musée National d’Art Moderne. Thomas Mann vollendete den Roman Doktor Faustus. Wolfgang Borcherts Theaterstück Draußen vor der Tür wurde am 21. November an den Hamburger Kammerspielen uraufgeführt; als Hörspiel war es bereits am 13. Februar vom NWDR gesendet worden. Erstmals wurden der Tony Award und die Bachwoche Ansbach vergeben.

Gesellschaftlich prägten auch Berichte über angebliche unbekannte Flugobjekte die Öffentlichkeit: Mac Brazel fand am 14. Juni bei Roswell ungewöhnliche Trümmerteile. Kenneth Arnold berichtete am 24. Juni von neun rasenden Flugobjekten; dabei wurde erstmals der Begriff „Fliegende Untertasse“ verwendet. Die US-Luftwaffe erklärte am 8. Juli, die Trümmer bei Roswell stammten von einem Wetterballon. Am 20. November heirateten Prinzessin Elisabeth und Philip Mountbatten.

Mehrere Katastrophen forderten viele Opfer. Bei der Explosion der mit Ammoniumnitrat beladenen Frachtschiffe Grandcamp und Highflyer im Hafen von Texas City am 16. April starben 486 Menschen, mehr als 100 wurden vermisst und 3000 verletzt. Bei der Explosion von Cádiz am 18. August gab es 147 Tote und rund 5000 Verletzte. Die Hungersnot in der Sowjetunion 1946–1947 endete nach ausreichender Ernte im Herbst; sie hatte zwischen 500.000 und 2 Millionen Menschenleben gefordert.

Die Nobelpreise gingen an Edward Victor Appleton für Physik, Robert Robinson für Chemie, Carl Ferdinand Cori, Gerty Theresa Cori und Bernardo Alberto Houssay für Medizin, André Gide für Literatur sowie an Quäker, The Friend's Service Council und The American Friend's Service Committee, für den Friedensnobelpreis.

Lernvideos zu 1947

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