Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Japanische Zeitrechnung
Die japanische Zeitrechnung ist ein System zur Einteilung der Zeit, das weitgehend aus dem chinesischen Kalender hervorging, aber eine ganze Reihe von …
Inhalt6 Abschnitte
Grundprinzip und Umstellung
Die japanische Zeitrechnung ist ein System zur Einteilung und Benennung von Jahren, Monaten, Tagen und Tageszeiten. Sie ging weitgehend aus dem chinesischen Kalender hervor, entwickelte aber eigene japanische Besonderheiten. Am 1. Januar 1873 wurde Japan im Zuge der Meiji-Restauration auf den gregorianischen Kalender umgestellt. Seitdem gelten grundsätzlich die heute international üblichen Kalenderjahre, Monate, Wochen und die 24-Stunden-Zählung, daneben bestehen aber besondere japanische Zählweisen und Bezeichnungen fort.
Wichtig ist vor allem die Unterscheidung zwischen der modernen westlichen Jahreszählung und traditionellen japanischen Systemen. Bei Daten wird in Japan die Reihenfolge Jahr - Monat - Tag verwendet. Ein Datum wie 16/01/07 bezeichnet zum Beispiel den siebten Tag im ersten Monat des Jahres Heisei 16, also den 7. Januar 2004.
Jahreszählung
In Japan existierten vier verschiedene Jahreszählweisen. Das Gengo-System aus China beruhte auf Ären, die durch eine Devise, japanisch Nengo, gekennzeichnet waren. Daneben gab es das ebenfalls aus China stammende System der Tierkreiszeichen, das sich alle sechzig Jahre wiederholt. Außerdem wurde die westliche Zeitrechnung verwendet, japanisch seireki, die mit der Geburt Jesu beginnt. Eine weitere Zählweise war die Koki, die die japanische Reichsgründung 660 v. Chr. als Epoche nimmt.
Das Gengo-System zählt die Jahre innerhalb einer Ära jeweils neu ab 1. Im japanischen Altertum wurde eine neue Ära vom Tenno zu bestimmten Anlässen ausgerufen, etwa bei einer Thronbesteigung oder anderen Ereignissen. Vor 1868 konnten Nengo zu jedem beliebigen Zeitpunkt geändert werden; viele dauerten nur wenige Jahre, wodurch das System unübersichtlich wurde.
Seit der Angleichung an den westlichen Kalender 1873 beginnt das erste Jahr einer neuen Ära, gannen, mit dem Amtsantritt eines neuen Kaisers, endet aber am 31. Dezember. Deshalb gehört das Kalenderjahr, in dem der Kaiser wechselt, zu zwei Ären. Seit der Meiji-Restauration gab es bis 2019 die Ären Meiji vom 25. Januar 1868 bis 30. Juli 1912, Taisho vom 30. Juli 1912 bis 25. Dezember 1926, Showa vom 25. Dezember 1926 bis 7. Januar 1989, Heisei vom 8. Januar 1989 bis 30. April 2019 und Reiwa seit dem 1. Mai 2019. Das Jahr 2024 entspricht Reiwa 6.
Nach dem Kriegsende 1945 wurde in offiziellen Dokumenten auf Anordnung der alliierten Besatzungsmächte die westliche Jahreszählung verwendet. Seit dem 6. Juni 1979 gilt gesetzlich wieder die japanische Jahreszählung. In der modernen Geschichtswissenschaft wird auch in Japan meist die westliche Jahreszählung genutzt, besonders für Jahre vor 1868. Im Alltag herrscht inzwischen ebenfalls meist die westliche Zählweise vor, während im amtlichen Gebrauch die japanische Zählung wichtig bleibt. Der Gebrauch des Nengo kann zudem politisch verstanden werden: Kritiker des Kaiserhofs sehen ihn teils als rückständig; Nutzern des Nengo wird Affinität zum Tenno unterstellt.
Koki und ältere Jahreseinteilung
Die Koki-Zählung wurde als japanische Variante zur christlichen Jahreszählung eingeführt. Nach ihr beginnt die Zeitrechnung 660 v. Chr. mit Koki 1. Grundlage ist der im Nihonshoki berichtete legendäre Beginn am 11. Februar 660 v. Chr., an dem der erste Tenno Jimmu den Thron bestiegen und das japanische Reich begründet haben soll. Koki 2600 entspricht dem Jahr 1940 der christlichen Zählweise. Die Koki-Zählweise blieb bis zur Kapitulation Japans und der anschließenden Neuordnung des japanischen Rechts unter der Alliierten Besatzung offiziell bestehen.
Mit dem am 25. Juni 1966 verabschiedeten Gesetz zur Novellierung über die Feiertage des Volks wurde der Reichsgründungstag ein gesetzlicher Feiertag. Das genaue Datum war zunächst noch nicht festgelegt. Ein zehnköpfiger Beratungsausschuss entschied sich am 9. Dezember 1966 für den 11. Februar; am selben Tag wurde dieses Datum per Rechtsverordnung bestimmt.
Vor dem 1. Januar 1873 nutzte Japan den im 6. Jahrhundert eingeführten chinesischen Kalender. Er war ein Lunisolarkalender, also ein Mondkalender mit Schaltmonaten zum Abgleich mit dem Sonnenjahr, verbunden mit einem Sonnenkalender. Die chinesische Kalenderreform von 1669 wurde in Japan nicht übernommen, weshalb der japanische Kalender danach leicht vom chinesischen abwich und mehrfach korrigiert werden musste. Vor 1685 wurden Kalenderberechnungen dezentral vorgenommen, was innerhalb Japans zu voneinander abweichenden Kalendern führen konnte. 1684 richtete das Bakufu deshalb eine zentrale Kalenderbehörde ein, die ab 1685 einen verbindlichen Kalender erstellte und gedruckt an alle Haushalte verteilte. Der für 1873 bereits millionenfach gedruckte letzte Kalender wurde wegen der Einführung des Gregorianischen Kalenders nicht mehr ausgeliefert.
Bei der Umrechnung traditioneller japanischer Monats- und Tagesangaben in westliche Daten können Abweichungen von oft mehr als 30 Tagen entstehen. Eine genaue Umrechnung ist nur mit Umrechnungstabellen möglich.
Monate und Monatseinteilung
Die japanischen Monate hatten ursprünglich Eigennamen, die sich auf die Mondmonate bezogen. Sie werden heute noch zum Beispiel in Gedichten verwendet. Im Alltagsjapanisch werden die Monate jedoch einfach durchnummeriert: ichigatsu, der erste Monat, entspricht Januar; jūnigatsu, der zwölfte Monat, entspricht Dezember.
Zu den traditionellen Monatsnamen gehören mutsuki für den ersten Monat, kisaragi oder kinusaragi für den zweiten, yayoi für den dritten, uzuki für den vierten, satsuki für den fünften, minatsuki oder minazuki für den sechsten, fumizuki für den siebten, hazuki für den achten, nagatsuki für den neunten, kaminazuki oder kannazuki für den zehnten, shimotsuki für den elften und shiwasu für den zwölften Monat. In Izumo heißt der zehnte Monat auch kamiarizuki. Die Bedeutungen reichen von „Monat der Zuneigung“ über „Frostmonat“ bis zu „Priester rennen“.
Heute werden Monate in Wochen mit je sieben Tagen eingeteilt. Daneben gibt es die Einteilung in Dekaden, japanisch jun. Jojun oder shojun bezeichnet die ersten zehn Tage eines Monats, chujun die nächsten zehn Tage und gejun die Tage ab einschließlich des 21.
Tage und Wochentage
Die heutige japanische Woche hat sieben Tage. Die Namen beziehen sich auf Sonne, Mond und die fünf chinesischen Elemente beziehungsweise auf die ihnen zugeordneten Planeten. Sonntag heißt nichi-yobi, „Tag der Sonne“; Montag getsu-yobi, „Tag des Mondes“; Dienstag ka-yobi, „Tag des Feuers / des Mars“; Mittwoch sui-yobi, „Tag des Wassers / des Merkurs“; Donnerstag moku-yobi, „Tag des Holzes / des Jupiters“; Freitag kin-yobi, „Tag des Metalls / der Venus“; Samstag do-yobi, „Tag der Erde / des Saturns“. Bei Terminangaben wird oft nur das erste Kanji des Wochentages angegeben, etwa 7/8 (土) für Samstag, den 8. Juli.
Die Monatstage haben eine systematische, aber teilweise unregelmäßige Benennung. Der Tag wird gewöhnlich als arabische Zahl plus 日 geschrieben, manchmal auch mit chinesischer Zahl. Beispiele sind tsuitachi für den 1. Tag, futsuka für den 2., mikka für den 3., yokka für den 4., itsuka für den 5., tōka für den 10., jūyokka für den 14., hatsuka für den 20. und sanjūichinichi für den 31. Tsuitachi ist eine Verschleifung von tsukitachi und bedeutet wörtlich „Mondaufgang“ beziehungsweise „erster Tag im Monat des Mondkalenders“. Der letzte Tag eines Monats hieß traditionell misoka; häufiger ist heute der Begriff ōmisoka für den letzten Tag des Jahres.
Tageseinteilung
Traditionell gab es mehrere Systeme zur Einteilung eines Tages. Am üblichsten war die Unterteilung in sechs temporale Doppelstunden für die helle Tagesphase ab der Morgendämmerung und sechs temporale Stunden für die Nachtphase ab der Abenddämmerung. Weil die Längen von Tag und Nacht je nach Jahreszeit verschieden sind, waren diese Stunden nicht immer gleich lang. Nur zur Tag-und-Nacht-Gleiche entsprachen beide jeweils zwei modernen Stunden.
Die insgesamt 12 Doppelstunden hießen toki oder koku, zur Unterscheidung auch shinkoku. Sie konnten nach den 12 Erdzweigen mit Tiernamen benannt werden, zum Beispiel Stunde der Ratte für 23:00-01:00, Stunde des Pferds für 11:00-13:00 oder Stunde des Hahns für 17:00-19:00. Außerdem gab es eine rückwärts laufende numerische Zählung von 9 bis 4, vermutlich nach der Anzahl der Glockenschläge, und Eigennamen wie yahan für Mitternacht, nitchu für Mittag oder nichinyu für Sonnenuntergang. Die modernen Uhrzeiten sind nur vereinfachte Angaben für eine Tag-und-Nacht-Gleiche mit Sonnenaufgang um 6:00 und Sonnenuntergang um 18:00; tatsächlich hingen sie von Ort und Datum ab.
Doppelstunden konnten weiter unterteilt werden: in zwei Hälften mit dem Zusatz han, in drei Abschnitte von durchschnittlich 40 Minuten oder in vier Abschnitte von durchschnittlich 30 Minuten. Für astronomische Berechnungen wurde der volle Tag außerdem in 100 koku fester Länge eingeteilt. Je nach System hatte ein voller Tag also 12, 36, 48 oder 100 koku unterschiedlicher oder gleicher Länge. Die moderne Tageseinteilung nutzt die 24-Stunden-Zählung mit Stunden, Minuten und Sekunden.