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Zimmermann-Depesche
Ziel war ein Bündnis zwischen dem Deutschen Reich und Mexiko für den Fall, dass die Vereinigten Staaten im Ersten Weltkrieg ihre Neutralität aufgeben sollten.
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Überblick und Ziel
Die Zimmermann-Depesche, auch Zimmermann-Telegramm, war ein verschlüsseltes Telegramm des deutschen Staatssekretärs des Auswärtigen Amts Arthur Zimmermann. Es wurde am 19. Januar 1917 über die deutsche Botschaft in Washington, D.C. an den deutschen Gesandten in Mexiko gesandt; andere Quellen nennen den 13. oder 16. Januar.
Das Telegramm sollte für den Fall eines Kriegseintritts der bis dahin neutralen Vereinigten Staaten ein Bündnis zwischen dem Deutschen Reich und Mexiko vorbereiten. Deutschland stellte Mexiko finanzielle Unterstützung und die Rückgewinnung früher verlorener Gebiete in Aussicht: Texas, Neu Mexiko und Arizona. Diese Gebiete gehörten zu dem 1848 im Vertrag von Guadalupe Hidalgo an die USA abgetretenen Gebiet. Insgesamt hatte Mexiko damals über 40 Prozent seines Territoriums verloren, darunter Kalifornien, Nevada, Arizona, New Mexico, Utah sowie Teile von Colorado und Wyoming. Außerdem sollte Mexiko Japan zu einem Beitritt bewegen und zwischen Japan und Deutschland vermitteln; auch Teile der amerikanischen Westküste wurden erwähnt.
Bedeutsam wurde die Depesche, weil der britische Marinegeheimdienst sie abfing und entzifferte. Ihre Veröffentlichung beeinflusste die US-amerikanische Öffentlichkeit und spielte in der Diskussion über den Kriegseintritt der USA im Ersten Weltkrieg eine wichtige, in ihrem genauen Gewicht aber umstrittene Rolle.
Vorschlag an Mexiko
Die Nachricht kündigte den Beginn des uneingeschränkten U-Boot-Krieges zum 1. Februar an. Darunter verstand man den Angriff deutscher U-Boote auf Schiffe ohne die sonstigen Einschränkungen. Deutschland wollte die Vereinigten Staaten dennoch möglichst neutral halten.
Falls dies nicht gelänge, sollte der deutsche Gesandte dem mexikanischen Präsidenten streng geheim ein Bündnis anbieten. Vorgesehen waren gemeinsame Kriegführung und gemeinsamer Friedensschluss. Deutschland versprach „reichlich finanzielle Unterstützung“ und sein Einverständnis, dass Mexiko „in Texas, Neu Mexiko, Arizona früher verlorenes Gebiet zurückerobert“. Der Gesandte sollte außerdem anregen, Japan zu einem sofortigen Beitritt einzuladen und zwischen Deutschland und Japan zu vermitteln.
Zur Begründung sollte er darauf hinweisen, dass die „rücksichtslose Anwendung“ deutscher U-Boote England nach deutscher Einschätzung binnen weniger Monate zum Frieden zwingen könne. Zimmermann verlangte eine Empfangsbestätigung.
Die britischen Kryptoanalytiker konnten zunächst nur Teile lesen. In der Zahlenfolge „67893“ erkannten sie die feste Codegruppe für „Mexiko“. Sie warteten dann auf die Weiterleitung durch den deutschen Botschafter in den Vereinigten Staaten. Diese Fassung war mit einem älteren Code verschlüsselt, den der britische Geheimdienst bereits kannte; dadurch wurde der vollständige Text lesbar.
Wie der Code entziffert wurde
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs im August 1914 beruhte die deutsche Verschlüsselung vor allem auf Codebüchern. Das waren umfangreiche Verzeichnisse, die Begriffen Zahlen zuordneten. Beispielsweise stand „53431“ für „Bodenstück“, „53432“ für „Bodenventil“ und „53442“ für „Bohrer“. Die deutsche Marine verwendete das Signalbuch der Kaiserlichen Marine (SKM) vom 7. Januar 1913.
Eine entscheidende Grundlage für die britische Entzifferung entstand am 25. August 1914. Der deutsche Kreuzer Magdeburg lief bei der estnischen Insel Odinsholm, estnisch Osmussaar, auf Grund. Nach Dienstanweisung hätten geheime Unterlagen vernichtet werden müssen. Zwar wurden Papiere über Bord geworfen und die Signalbücher sollten wegen der geringen Wassertiefe verbrannt werden, doch zwei von drei Büchern an Bord wurden übersehen. Russische Marinetaucher fanden später am Meeresgrund zwei intakte Signalbücher. Russische Spezialisten konnten damit schon weniger als zwei Wochen nach der Bergung erste deutsche Funksprüche lesen, ohne dass die deutsche Marine davon wusste.
Im Oktober 1914 erhielt der britische Marineminister Winston Churchill von russischen Offizieren eines der Exemplare. Die neu geschaffene britische kryptologische Abteilung Room 40 arbeitete an der Entzifferung deutscher Nachrichten. Im Laufe der Zeit waren dafür über achthundert Funker und fast achtzig Kryptologen eingesetzt. Neben den Codebüchern mussten sie eine zusätzliche, einfachere Verschlüsselung überwinden; weitere erbeutete Materialien halfen dabei.
Am 16. Januar 1917 war der deutschen Seite weiterhin nicht bekannt, dass die Briten wesentliche Hilfsmittel besaßen. Sie verzichtete sogar auf eine doppelte Verschlüsselung. Nigel de Grey, „Dilly“ Knox und William Montgomery entzifferten die Depesche deshalb bereits am nächsten Tag teilweise. Am 5. Februar übergab Admiral William Reginald Hall den noch unvollständig gelesenen Text an den Unterstaatssekretär Lord Hardinge, damit dieser Präsident Woodrow Wilson informiert. Nach Verschleierungstaktiken erschien der inzwischen vollständig dechiffrierte deutsche Vorschlag am Morgen des 1. März in der New York Times.
Veröffentlichung und Folgen
Die Briten hielten den Inhalt über einen Monat zurück, weil sie verhindern wollten, dass Deutschland den geknackten Code bemerkte. Als Erklärung für die Veröffentlichung behaupteten sie schließlich, das Telegramm sei durch eine Unvorsichtigkeit in der deutschen Botschaft in falsche Hände geraten. Am 1. März 1917 gab der US-amerikanische Außenminister den Inhalt an die Presse. Am 2. April bat Präsident Wilson den Kongress um eine Kriegserklärung an Deutschland.
Wie groß der Anteil der Depesche am Kriegseintritt der USA war, ist seit den 1920er Jahren in der Forschung auf beiden Seiten des Atlantiks umstritten. Neue Archivquellen und revisionistische Perspektiven, etwa nach dem Zweiten Weltkrieg, während und nach dem Kalten Krieg sowie in den Gedenkjahren 2014–2018, veränderten die Deutungen wiederholt. Untersucht werden dabei unter anderem Interventionen im Mexikanischen Bürgerkrieg, Spionage, verdeckte Operationen, Public Relations, Propaganda und Telekommunikation in der Diplomatie.
Umstritten ist auch, wie ernst die US-Regierung ein Bündnis gegen die Vereinigten Staaten und eine mögliche Invasion in der westlichen Hemisphäre strategisch einschätzte. Als besonders wichtig gilt aber die durch massive Propaganda verstärkte Wirkung auf die Öffentlichkeit. Sie erschütterte den Isolationismus, also die Vorstellung, die USA könnten unabhängig und sorglos vom „Rest der Welt“ leben.
Die Veröffentlichung im März ging der Kriegserklärung im April voraus. Deutschland hatte den USA jedoch schon im Januar die Wiederaufnahme des uneingeschränkten U-Boot-Krieges mitgeteilt. Als direkte Folge brach Wilson am 3. Februar vor dem Kongress die diplomatischen Beziehungen ab; die US-Regierung erfuhr erst Tage später von dem britischen Abfang. Zahlreiche Historiker teilen daher die Einschätzung des deutschen Botschafters Johann Heinrich Graf von Bernstorff von 1919 und 1920: Der Abbruch der Beziehungen sei unter den Umständen bereits praktisch gleichbedeutend mit Krieg gewesen. Nach dieser Sicht wurde die Mexiko-Depesche zwar propagandistisch erfolgreich gegen Deutschland genutzt, doch nur ein Verzicht auf den U-Boot-Krieg hätte den Krieg noch verhindern können.