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Wladimir Iljitsch Lenin

1905 brach eine Russische Revolution aus, während das Land sich im Krieg mit Japan befand. Für Lenin stand nicht der innenpolitische Kampf gegen die …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und politischer Aufstieg
  2. 2. Kaderpartei, Krieg und Revolution
  3. 3. Bürgerkrieg, Herrschaft und Wirtschaft
  4. 4. Krankheit, Sowjetunion und Tod
  5. 5. Deutung und Erinnerung

Bedeutung und politischer Aufstieg

Wladimir Iljitsch Lenin, eigentlich Wladimir Iljitsch Uljanow, wurde am 10. julianischen beziehungsweise 22. April 1870 gregorianischen Kalenders in Simbirsk geboren und starb am 21. Januar 1924 in Wyschnije Gorki. Er war russischer Politiker, kommunistischer Revolutionär und marxistischer Theoretiker. Von 1903 bis 1924 führte er die Bolschewiki, von 1917 bis 1924 war er Regierungschef der Russischen SFSR und von 1922 bis 1924 der Sowjetunion, deren Begründer er gilt.

Nach der Hinrichtung seines Bruders Alexander 1887 wegen eines geplanten Attentats auf Zar Alexander III. wandte sich Lenin marxistischen Sozialdemokraten zu. Er studierte Rechtswissenschaft, wurde 1887 nach einer Studentenaktion von der Universität Kasan verwiesen und schloss die Prüfungen 1891 als Externer mit Bestnoten ab. Ab den 1890er Jahren arbeitete er im Untergrund für eine Revolution. Nach Verhaftung 1895 verbrachte er 14 Monate im Untersuchungsgefängnis und wurde 1897 für drei Jahre nach Schuschenskoje in Südsibirien verbannt. Dort heiratete er 1898 Nadeschda Krupskaja.

Ab 1900 lebte Lenin überwiegend im Ausland, unter anderem in München, Genf, Paris und Zürich. Er gab Zeitungen wie Iskra und Prawda mit heraus. Seit Dezember 1900 verwendete er den Kampfnamen Lenin; seine Herkunft ist nicht gesichert. 1903 entstand durch die Spaltung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands seine Fraktion der Bolschewiki, während die gemäßigtere Gruppe Menschewiki genannt wurde. 1918 wurde die bolschewistische Partei in Kommunistische Partei Russlands (B) umbenannt.

Kaderpartei, Krieg und Revolution

In der Schrift Was tun? von 1902 entwarf Lenin eine geheime, zentralisierte und disziplinierte Partei aus Berufsrevolutionären. Sie sollte ideologisch und strategisch geschlossen handeln und die Bevölkerung zur Revolution führen. Das später als Demokratischer Zentralismus bezeichnete Organisationsmodell richtete sich gegen Vorstellungen, politische Veränderungen vor allem durch basisdemokratische Organisationen und Gewerkschaften zu erreichen.

Im Ersten Weltkrieg lehnte Lenin die Unterstützung der eigenen Regierung durch sozialistische Parteien ab. Er forderte den „revolutionären Defätismus“: Die Niederlage der eigenen Regierung und die „Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg“. Nach der Februarrevolution 1917 kehrte er am 16. April aus dem Schweizer Exil nach Petrograd zurück. Die Reise durch Deutschland mit 33 Reisenden erfolgte mit deutscher Transiterlaubnis. Ob und wie stark die Bolschewiki deutsche Mittel erhielten, bleibt umstritten; die Behauptung, Lenin sei ein deutscher Agent gewesen oder Deutschland habe seine politische Linie bestimmt, wird in der wissenschaftlichen Publizistik zurückgewiesen.

In den Aprilthesen verlangte Lenin den Sturz der Provisorischen Regierung, ein Ende des Krieges, Land für Bauern ohne Entschädigung und die Enteignung der reichsten Bevölkerungsschicht. Nach dem gescheiterten Aufstand im Juli 1917 ging er in den Untergrund und drängte auf einen bewaffneten Aufstand. Am 25. Oktober 1917 nach julianischem Kalender organisierte Leo Trotzki den Aufstand der Oktoberrevolution; er traf auf wenig Gegenwehr und forderte sechs Tote. Lenin wurde Vorsitzender des Rates der Volkskommissare und damit Regierungschef.

Bei der Wahl zur Konstituierenden Versammlung erhielten die Bolschewiki nur rund ein Viertel der Sitze. Lenin ließ die Versammlung dennoch am folgenden Tag gewaltsam auflösen. Seine Regierung schuf die Rote Armee unter Trotzki und die Geheimpolizei Tscheka unter Felix Dserschinski. Der Vertrag von Brest-Litowsk vom 3. März 1918 beendete den Krieg mit Deutschland, brachte Russland jedoch massive Gebietsverluste.

Bürgerkrieg, Herrschaft und Wirtschaft

Im Bürgerkrieg standen sich vor allem die Roten, die Weißen und ländliche Gruppen, die Grünen, gegenüber; außerdem wirkten nationale und anarchistische Bewegungen mit. Die letzten Kämpfe endeten 1922 im asiatischen Teil Russlands. Die Rote Armee setzte sich gegen die Weißen durch, die von den USA, Großbritannien und weiteren Staaten unterstützt wurden. Lenin bestimmte vor allem die politische Führung und die grobe Strategie, besuchte jedoch keine Front.

Zur Kriegsführung gehörte der Kriegskommunismus. Banken und private Unternehmen wurden verstaatlicht; Eigentümer mussten ihre Betriebe meist entschädigungslos abtreten. Ein Oberster Wirtschaftsrat organisierte die zentrale Planung. Die beabsichtigte Abschaffung des Geldes wurde durch starkes Gelddrucken begleitet, das bis 1922 zu Hyperinflation und zur Entwertung der umlaufenden Geldmittel führte. Zugleich förderte die Regierung Alphabetisierung: Seit Dezember 1919 waren Kurse für Analphabeten verpflichtend, ab 1920 sollten Kleinstbibliotheken den Zugang zu Büchern sichern. Arbeiterfakultäten eröffneten seit 1919 auch Erwachsenen den Weg zur Hochschulbildung.

Die Zwangsrequirierung von Getreide zu niedrigen Festpreisen verschärfte die Versorgungskrise. Bauern leisteten Widerstand und verringerten Anbauflächen; Hungersnöte, besonders in Städten, folgten. Der Kronstädter Matrosenaufstand von 1921 mit der Forderung „Für Sowjets ohne Bolschewiki!“ wurde blutig niedergeschlagen. Danach führte die Neue Ökonomische Politik die Naturalsteuer ein und erlaubte Bauern begrenzten Handel mit Überschüssen. Lenin verstand sie als zeitweiligen taktischen Rückzug zur Sicherung der Macht.

Lenin befürwortete den Roten Terror im Bürgerkrieg, verlangte Geiselnahmen, Deportationen und Massenmaßnahmen gegen Gegner. Er bezeichnete Terror als notwendige Verteidigung gegen den Weißen Terror, wollte ihn aber nicht abschaffen, sondern 1922 rechtlichen Konventionen unterwerfen. Gegenüber Kirchen wurde zunächst die Trennung von Kirche und Staat verfügt, 1922 jedoch die notfalls gewaltsame Konfiskation sämtlichen Kirchenbesitzes angeordnet. Laut Artikel sank die Zahl geöffneter orthodoxer Gotteshäuser von etwa 80.000 auf 11.525; über 14.000 orthodoxe Geistliche, Nonnen und Laien wurden durch staatliche Organe erschossen. Auch wissenschaftliche und kulturelle Kreise wurden verfolgt, zugleich sollten fachlich benötigte „bürgerliche Spezialisten“ für den Staatsaufbau gewonnen werden.

Krankheit, Sowjetunion und Tod

Am 30. August 1918 wurde Lenin bei einem Attentat durch Fanny Kaplan an Schulter und Hals verletzt. Seine Gesundheit verschlechterte sich danach dauerhaft. Nach mehreren Schlaganfällen erlitt er am 25. Mai 1922 einen schweren Schlaganfall; weitere schwere folgten. Seit dem 22. Dezember 1922 konnte er nicht mehr geregelt arbeiten, nach einem Schlaganfall im März 1923 kaum noch verständlich sprechen. Als mögliche Ursachen wurden unter anderem Syphilis, Neurasthenie, Arterienverkalkung und Operationsfolgen diskutiert; eine Studie von 2004 nennt langjährige Neurosyphilis.

Parallel zur Neuen Ökonomischen Politik verbot der 10. Parteitag innerparteiliche Fraktionen, womit die freie Meinungsäußerung innerhalb der Partei de facto eingeschränkt wurde. Lenin setzte sich in der Verfassungsfrage gegen Stalin durch: Die anderen Republiken sollten nicht einfach der Russischen SFSR angeschlossen werden. Daraus entstand 1922 die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken.

Lenin starb mit 53 Jahren am 21. Januar 1924 um 4:23 Uhr. In einem am 25. Dezember 1922 diktierten, als politisches Testament bezeichneten Brief bewertete er Trotzki als den fähigsten Mann im Zentralkomitee, kritisierte aber dessen Selbstbewusstsein und Neigung zu administrativen Maßnahmen. Stalin besitze als Generalsekretär „eine unermeßliche Macht“; am 4. Januar 1923 schlug Lenin vor, ihn wegen seiner Grobheit abzulösen. Die Authentizität dieser Dokumente wurde nach Öffnung der Archive bezweifelt, da kein von Lenin unterschriebenes Dokument vorliegt.

Deutung und Erinnerung

Lenins Rolle ist innerhalb der politischen Linken und in der Geschichtsschreibung umstritten. Anhänger sehen in ihm einen bedeutenden marxistischen Theoretiker, der den Marxismus durch den Leninismus weiterentwickelte; im Stalinismus entstand daraus die Ideologie des Marxismus-Leninismus. Kritiker verweisen auf Menschenrechtsverletzungen, Dogmatismus, antidemokratische Tendenzen und den Roten Terror. Umstritten ist auch, ob Leninismus und Stalinismus gleichzusetzen sind: Manche betonen Brüche, andere sehen Grundlagen des stalinistischen Systems bereits unter Lenin. Die im Artikel genannten Opferzahlen verschiedener Autoren reichen von 4 Millionen bis mindestens 13 Millionen; diese Zahlen und die Zurechnung der Bürgerkriegsopfer zu Lenin werden bestritten.

Nach seinem Tod wurde Lenins Leichnam einbalsamiert. Das heutige Lenin-Mausoleum am Roten Platz ersetzte 1930 ein Holzgebäude; seit 1945 ist der Leichnam dort ununterbrochen öffentlich zu besichtigen. Der Leninkult stellte ihn als vollkommenen Revolutionär und Marx und Engels ebenbürtig dar. In der Sowjetunion entstanden mehr als 6000 Lenindenkmäler, zahlreiche Gedenkorte und Namensgebungen. Sein Gehirn wurde in 30.983 paraffinfixierte Dünnschnitte zerlegt und untersucht.

Nach dem Ende der Sowjetunion nahm seine Popularität in Russland ab: 2017 äußerten sich laut Lewada-Zentrum 32 % positiv über sein politisches Vermächtnis, gegenüber 72 % im Jahr 1989, die ihn als herausragende Persönlichkeit bezeichneten. In der Ukraine wurden während der Maidan-Proteste 2013 und 2014 Hunderte Lenin-Denkmäler gestürzt oder abgebaut. Die Debatte über eine Beisetzung außerhalb des Mausoleums blieb bislang ohne Ergebnis.

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