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1517
Diesem Brief fügt er seine 95 Thesen bei, in denen er gegen den geschäftsmäßigen Handel mit Ablassbriefen auftritt. Die daraus entstehende kirchliche …
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Bedeutung des Jahres
1517 gilt vor allem als Ausgangspunkt von Entwicklungen, die Religion und Politik Europas über Jahrhunderte prägen. Martin Luther wandte sich gegen den geschäftsmäßigen Ablasshandel der römisch-katholischen Kirche. Seine 95 Thesen wurden zum wichtigen Impuls der Reformation, einer kirchlichen Erneuerungsbewegung, die mittelfristig zur Spaltung des westlichen Christentums in verschiedene Konfessionen führte.
Das Jahr war zugleich von der Ausweitung des Osmanischen Reiches, europäischen Machtkonflikten, ersten portugiesischen Kontakten mit China und spanischen Expeditionen nach Yucatán geprägt.
Machtverschiebungen und Entdeckungen
Am 23. Januar endete nach der Niederlage vor Kairo die Herrschaft der Mamluken in Ägypten. Ihr Sultan Tuman Bay wurde bei Gizeh gefangen genommen und am 14. April hingerichtet. Ägypten wurde Teil des Osmanischen Reiches; die Mamluken blieben aber als regierende Oberschicht unter dem osmanischen Sultan bestehen. Syrien wurde von Ägyptens Verwaltung getrennt. Nach der Unterwerfung Ägyptens begannen die Osmanen die Eroberung des Jemen; mit dem Fall Adens endete die Dynastie der Tahiriden. Medina und Mekka kamen unter osmanische Herrschaft, und im Libanon entstand unter osmanischer Oberhoheit das halbautonome Emirat Libanonberg.
Weitere osmanische Entwicklungen waren die Eroberung Diyarbakırs und die Niederlage des portugiesischen Generalgouverneurs Lopo Soares de Albergaria gegen eine osmanische Flotte bei Dschidda. In Moldau wurde nach Bogdan III.s Tod am 20. April der elfjährige Stefan IV. Herrscher; Hetman Luca Arbore übernahm die Regentschaft.
Der Deutsche Orden näherte sich dem Großfürstentum Moskau an: Dietrich von Schöneberg schloss am 10. März einen Vertrag über gegenseitige militärische Hilfe gegen Polen und Litauen sowie russische Finanzhilfe im Kriegsfall. In Schweden unterlag im August ein dänisches Heer in der Schlacht bei Vädla; Christian II. versuchte weiterhin, die Kalmarer Union wiederherzustellen. In Italien scheiterte Francesco Maria I. della Rovere zunächst mit der Rückeroberung des Herzogtums Urbino. Am 8. Oktober gründete Franz I. den Kriegshafen Franciscopolis, aus dem Le Havre hervorging.
Francisco Hernández de Córdoba erreichte am 4. März als erster Europäer Yucatán. Seine Expedition kehrte nach schweren Kämpfen und dem Verlust von zwei Dritteln der Mannschaft nach Kuba zurück; de Córdoba starb zehn Tage später an seinen Verletzungen. Die mitgebrachten Schmuckstücke verstärkten dennoch die spanische Goldgier. Am 15. August traf Fernão Pires de Andrade als erster Portugiese in China ein und verhandelte mit den Ming-Herrschern über Handelskontakte.
Kirche, Reform und Reformation
Der Ablass war ein kirchlicher Erlass zeitlicher Sündenstrafen. Erzbischof Albrecht von Brandenburg benötigte Geld zur Rückzahlung eines Darlehens für seine Bistümer Mainz und Magdeburg. Daher zogen seit Jahresbeginn Johann Tetzel und andere Ablassprediger durch Magdeburg und Halberstadt. Die Einnahmen waren geteilt: Eine Hälfte war für den Bau des Petersdoms in Rom bestimmt, die andere für den Erzbischof und die Prediger. Auch Gemeindeglieder aus Wittenberg kauften Ablassbriefe statt bei Martin Luther zu beichten.
Am 31. Oktober schickte Luther, Provinzialvikar des Augustinerordens, Albrecht von Brandenburg einen Brief mit der Disputatio pro declaratione virtutis indulgentiarum, den 95 Thesen. Darin kritisierte er Missbräuche und besonders den Handel mit Ablassbriefen. Weitere Exemplare gingen an geistliche Würdenträger und an Tetzel, der nicht reagierte. Ob Luther die Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche anschlug, ist historisch umstritten. Noch 1517 erschien in Nürnberg ein lateinischer Einblattdruck; vermutlich vor Weihnachten übersetzte Kaspar Nützel die Thesen ins Deutsche.
Am 16. März endete in Rom das Fünfte Laterankonzil. Die Kirchenreform stockte wegen theologischer Uneinigkeit; unter Leo X. erließ das Konzil vor allem Vorschriften zu Pflichten von Bischöfen, Legaten und Kardinälen, zum kurialen Taxwesen, zur Bücherzensur und zu gemeinnützigen Leihhäusern. Es rief außerdem zu einem Kreuzzug gegen das Osmanische Reich auf. Am päpstlichen Hof entstand das Oratorium der göttlichen Liebe als katholische Reformbewegung. Nach der Einnahme Kairos soll der letzte Abbasidenkalif al-Mutawakkil III. das Kalifat in Konstantinopel an Selim I. übertragen haben; laut offizieller osmanischer Geschichtsschreibung begann damit das Osmanische Kalifat.
Wissen, Wirtschaft und Kultur
Nach großen Silberfunden wurde Conradsgrün in Sankt Joachimsthal umbenannt. Für Schutz und Verwaltung des Silberbergbaus begann im Auftrag der Grafen Schlik der Bau der Burg Freudenstein. Der Humanist Hieronymus Buslidius verfügte im August die Gründung des Collegium Trilingue in Löwen. Dort sollten die drei heiligen Sprachen Hebräisch, Griechisch und Latein studiert werden.
Johannes Aventinus veröffentlichte mit der Encyclopedia orbisque doctrinarum, hoc est omnium artium, scientiarum, ipsius philosophiae index ac divisio die erste gedruckte selbständige Abhandlung mit dem Titel „Enzyklopädie“. Hans von Gersdorff brachte das medizinische Lehrbuch Feldbuch der Wundarzney heraus. Francesco Torniello da Novara beschrieb in Mailand erstmals eine Schriftart vollständig geometrisch.
In Nürnberg wurde der von Kaiser Maximilian I. beauftragte Theuerdank mit 118 kolorierten Holzschnitten gedruckt; Zeichnungen lieferten Hans Schäufelin, Hans Burgkmair und Leonhard Beck. Erasmus von Rotterdam verfasste seine pazifistische Hauptschrift Die Klage des Friedens. Raffael vollendete mit Giulio Romano die Stanza dell'incendio di Borgo im Apostolischen Palast; außerdem entstanden oder wurden vollendet Andrea del Sartos Harpyienmadonna, Lorenzo Lottos Susanna im Bade und um 1517 Raffaels Kreuztragung Christi. Der gotische Hochaltar von St. Jakob in Levoča wurde vollendet und gilt als höchster holzgeschnitzter Altar der Welt.
Weitere Entwicklungen und Personen
In England, Calais und Antwerpen trat der Englische Schweiß zum dritten Mal epidemisch auf. Nach einer Legende endete in München die Pest; der Schäfflertanz soll darauf zurückgehen. Außerdem fror der Zürichsee bei einer Seegfrörni vollständig zu.
Die langen Listen der Geborenen und Gestorbenen zeigen die breite europäische und globale Verflechtung des Jahres. Zu den 1517 Geborenen zählen der Musiktheoretiker Gioseffo Zarlino am 22. März, der spätere japanische Tennō Ōgimachi am 18. Juni, der Hugenottenführer Odet de Coligny am 10. Juli und der Kardinal Antoine Perrenot de Granvelle am 20. August. Zu den Verstorbenen gehören der Komponist Heinrich Isaac am 26. März, Tuman Bay am 14. April, der Erzbischof und spanische Regent Francisco Jiménez de Cisneros am 8. November sowie Sikandar Lodi, Sultan von Delhi, am 21. November.