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Geschichte Ägyptens
Die Geschichte Ägyptens umfasst die Entwicklung Ägyptens von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Inhaltsverzeichnis. 1 Paläolithikum.
Inhalt6 Abschnitte
Überblick und Frühgeschichte
Die Geschichte Ägyptens reicht von den frühesten menschlichen Spuren bis zur Gegenwart. Ihre Grundbedingungen bestimmten Nil, Wüstenklima, Landwirtschaft, Handelswege und wiederholte Phasen einheimischer sowie fremder Herrschaft.
Im Paläolithikum war das Niltal vermutlich seit rund 500.000 Jahren durchgängig bewohnt. Aus dem späten Acheuléen sind Faustkeile bekannt; die in Afrika typischen Cleaver fehlen offenbar. Im Mittelpaläolithikum, das in Ägypten vor 230.000 Jahren fassbar wird, verbreitete sich die Levalloistechnik: Ein vorbereiteter Steinkern ermöglichte gezielte Abschläge, Klingen, Spitzen und Schaber. Fischfang begann spätestens damals. Klimaschwankungen zwangen Menschen wiederholt, aus austrocknenden Gebieten in Flusstäler auszuweichen.
Im Jungpaläolithikum belegt Nazlet Khater vor 35.000 bis 30.000 Jahren Feuersteinabbau mit Gräben, Schächten und unterirdischen Galerien. Spätpaläolithische Gruppen zwischen 21.000 und 12.000 Jahren vor heute lebten von Jagd, Pflanzen und besonders Fischfang. Am Gebel Sahaba (12.000 bis 10.000 v. Chr.) hatten 24 von 59 ausgegrabenen Männern, Frauen und Kindern schwere Verletzungen; Pfeilspitzen und ein Massengrab sprechen für ein mögliches Massaker.
Ab etwa 7000 v. Chr. blieben Jagd, Fischfang und Sammeln wichtig. Das Neolithikum begann in der westlichen Wüste ab 8800 v. Chr. vor allem mit Viehhaltung und Keramik, anders als im benachbarten Israel nicht mit Bodenbearbeitung. Im Niltal wurde Ackerbau in der Fayyum-Kultur zwischen 5450 und 4400 v. Chr. zur Ernährungsgrundlage; dort gab es Getreidesilos sowie Schafe, Ziegen, Rinder und Schweine.
Prädynastik und Entstehung des Staates
Die Prädynastik umfasst die Zeit von der Badari-Kultur bis zum Beginn der 1. Dynastie und konzentriert sich auf die erste Reichseinigung. Die Badari-Kultur wird auf etwa 4400 bis 4000 v. Chr. datiert, möglicherweise begann sie schon um 5000 v. Chr. Sie war in Oberägypten sesshaft, betrieb Ackerbau, Viehzucht, Jagd und Fischfang und bietet erste Belege für Kupfer- und Fayencebearbeitung. Ihre Bestattungen mit unterschiedlich reichen Beigaben zeigen einen ausgeprägten Grabkult und soziale Unterschiede.
Die Naqada-Kultur (4000–3200 v. Chr.) gilt als Vorläuferin des altägyptischen Reiches. Mit Ackerbau, Viehhaltung, wachsenden Begräbnisplätzen, reicheren Gräbern, Handelsbeziehungen und Siedlungszentren nahm die gesellschaftliche Hierarchie zu. Naqada II brachte Fortschritte in Steinbearbeitung und Kupferverwendung; auch Gold und Silber wurden häufiger genutzt. Auf 3320 v. Chr. datierte Funde aus Umm el-Qaab bei Abydos deuten möglicherweise auf eine unabhängig von der sumerischen Schrift entwickelte Schrift hin.
In Naqada III (3200–3000 v. Chr.) endete die eigenständige kulturelle Entwicklung des Nordens. Oberägyptische Herrscher verwendeten erstmals den Serech als Namenssiegel. Handel, Bewässerung, Ämter und Hierarchien wurden komplexer. Menes erscheint in späteren Quellen um 3000 v. Chr. als erster König eines gesamtägyptischen Staates, lässt sich aber nicht sicher mit zeitgenössisch belegten Herrschern gleichsetzen. Die frühdynastische Zeit (3100–2686 v. Chr.) mit der 1. und 2. Dynastie hatte Memphis als Hauptstadt; Chasechemui stellte nach möglichen Wirren die Einheit wieder her.
Pharaonische Reiche und Fremdherrschaften
Das Alte Reich (ca. 2686–2160 v. Chr.) war von Memphis aus zentralistisch organisiert und prägte Kunst, Religion und Kultur. Mit Djosers Steinpyramide begann das Pyramidenzeitalter. Snofru errichtete drei Pyramiden, Chufu (Cheops) die größte Pyramide Ägyptens. In der 5. und 6. Dynastie stiegen Sonnenkult und Königskult, zugleich wurden Provinzen und lokale Eliten einflussreicher. Nach Pepi II. (etwa 2245 bis 2180 v. Chr.) zerfiel die politische Einheit.
In der Ersten Zwischenzeit (2160–2055 v. Chr.) standen Herakleopolis und Theben einander gegenüber. Mentuhotep II. vereinigte nach 51 Regierungsjahren ganz Ägypten. Das Mittlere Reich (2055–1650 v. Chr.) verband zunächst starke Provinzen mit königlicher Herrschaft; ab Sesostris III. wurde es stärker zentralisiert. Koregentschaft, also die gemeinsame Regierung eines Königs mit seinem Sohn, sollte Thronstreitigkeiten verhindern. Feldzüge und Festungen sicherten besonders Nubien. Die Zweite Zwischenzeit (ca. 1685–1532 oder 1528 v. Chr.) brachte die Herrschaft der Hyksos im Delta; Ahmose vereinigte das Land und begründete die 18. Dynastie.
Das Neue Reich (1550/1528 bis 1070 v. Chr.) war eine Zeit großer äußerer Macht: Theben war religiöse, Memphis administrative Hauptstadt. Thutmosis III. machte Stadt- und Kleinstaaten bis zum Euphrat zu Vasallen. Echnaton führte den Atonkult ein und verfolgte den Amun- und andere Kulte; nach seinem Tod kehrten die Nachfolger zu den alten Kulten zurück. Ramses II. schloss im 21. Regierungsjahr nach Kämpfen mit den Hethitern einen Friedensvertrag. Ramses III. wehrte die Seevölker ab.
Nach Zersplitterung, nubischer und assyrischer Herrschaft vereinigte Psammetich I. Ägypten in der 26. Dynastie. 525 v. Chr. wurde es eine persische Satrapie. Nach einer kurzen erneuten einheimischen Herrschaft eroberten die Perser das Land 341 v. Chr. erneut; 332 v. Chr. folgte Alexander der Große.
Griechisch-römische und byzantinische Zeit
Alexander ließ sich nach ägyptischem Ritus zum Pharao krönen und gründete Alexandria. Nach seinem Tod 323 v. Chr. erhielt Ptolemaios Ägypten; ab 305 v. Chr. herrschte er als König. Das ptolemäische Reich verlor im Fünften Syrischen Krieg 195 v. Chr. seinen Einfluss in Syrien an die Seleukiden. Alexandria wurde zur Metropole mit Bibliothek und Leuchtturm. Dynastische Kämpfe und römischer Einfluss schwächten das Reich. Nach der Niederlage Kleopatras und Marcus Antonius' bei Actium 31 v. Chr. annektierte Octavian Ägypten im folgenden Jahr.
Als römische Provinz Aegyptus war Ägypten Kornkammer des Reichs und unterstand unmittelbar dem Kaiser. Der praefectus Aegypti vereinte Verwaltung, Rechtsprechung und militärischen Oberbefehl. Die Verwaltung war an der Spitze römisch, auf Gauebene griechisch und lokal ägyptisch. Für das 1. Jahrhundert nennen Diodorus Siculus 3 Millionen und Flavius Josephus 7,5 Millionen Einwohner; die Zahlen widersprechen sich. Die Nilflut bestimmte die Abgaben: 5,5 m bedeuteten laut Plinius Hungersnot, 7 m Begeisterung. Über Alexandria liefen Getreideexport und Fernhandel Richtung Indien und Persischer Golf.
Christliche Gruppen sind in Alexandria ab Mitte des 2. Jahrhunderts nachweisbar. Nach Verfolgungen wurde das Christentum 394 Staatsreligion. 395 fiel Ägypten an das Oströmische Reich. Kirchliche Konflikte, besonders um Monophysitismus und die Beschlüsse von Chalcedon 451, verschärften die Spannungen mit Konstantinopel. Die Sassaniden eroberten Ägypten 619, Ostrom gewann es 630 zurück. 642 fiel es an die Araber.
Islamische Reiche bis zur britischen Besetzung
Amr ibn al-As eroberte im Auftrag des Kalifen ʿUmar ibn al-Chattāb ab 639 Ägypten: 641 siegte er bei Heliopolis, 642 fiel Alexandria. Al-Fustat wurde wichtigstes Zentrum; später ersetzte Arabisch Griechisch als Verwaltungssprache. Ägypten stand zunächst unter Umayyaden und ab 750 unter Abbasiden. Die zunehmende Schwäche des Kalifats ermöglichte selbstständige Dynastien: die Tuluniden (869–905) und die Ichschididen (935/39–969).
969 eroberten die schiitisch-ismailitischen Fatimiden Ägypten und gründeten Kairo. Sie förderten Straßen, Kanäle, Handel und Wissenschaft; die al-Azhar-Universität entstand unter ihnen. Ihre Herrschaft verlor ab 1076 Syrien und Palästina an die Seldschuken. Saladin stürzte sie 1171 und begründete die Ayyubiden. Nach seinem Sieg bei Hattin am 4. Juli 1187 eroberte er Jerusalem.
1252 begründeten die Mamluken, ausgebildete Militärsklaven, ihr Sultanat. Sie schlugen 1260 Mongolen bei ʿAin Dschālūt und vertrieben die Kreuzfahrer endgültig, als Akkon 1291 fiel. Wirtschaftskrisen, Pest und innere Konflikte schwächten das Reich. 1517 eroberte Selim I. Ägypten für das Osmanische Reich, doch die Mamluken-Elite gewann später erneut Einfluss. Muhammad Ali wurde 1805 Statthalter und ließ 1811 in Kairo 480 Mamluken ermorden. Er modernisierte Verwaltung, Bewässerung und Armee, eroberte 1820 bis 1823 den Sudan und wurde 1841 als erblicher Vizekönig anerkannt.
Der Sueskanal wurde 1869 eröffnet. Finanzprobleme und europäische Einflussnahme führten 1882 zur britischen Besetzung. Großbritannien behielt die tatsächliche Kontrolle, förderte den Baumwollanbau und richtete den Sudan 1899 als anglo-ägyptisches Kondominium ein. Das Protektorat von 1914 beendete die formalen Beziehungen zum Osmanischen Reich. Am 28. Februar 1922 wurde Ägypten unabhängig, jedoch mit weitreichenden britischen Vorbehalten.
Republik und Entwicklungen seit 1953
Nach dem Militärputsch von Muhammad Nagib und Gamal Abdel Nasser 1952 wurde am 18. Juni 1953 die Republik ausgerufen. Nasser baute einen Einparteienstaat unter der Arabisch Sozialistischen Union auf, verstaatlichte am 26. Juli 1956 den Sueskanal und wurde nach der Sueskrise trotz militärischer Niederlage politisch gestärkt. Er vertrat Panarabismus und verband Ägypten 1958 bis 1961 mit Syrien zur Vereinigten Arabischen Republik. Die Niederlage im Sechstagekrieg 1967 und der Verlust des Sinai verstärkten die Bindung an die Sowjetunion.
Anwar as-Sadat brach 1972/1976 mit der Sowjetunion und näherte sich den USA an. Im Jom-Kippur-Krieg vom 6. bis 24. Oktober 1973 erzielte Ägypten zunächst militärische Erfolge. Nach Camp David am 17. September 1978 schloss Sadat am 26. März 1979 Frieden mit Israel; Ägypten wurde dafür zeitweise aus der Arabischen Liga ausgeschlossen. Nach Sadats Ermordung am 6. Oktober 1981 regierte Hosni Mubarak bis 2011. 1989 wurde Ägypten wieder in die Arabische Liga aufgenommen.
Die Revolution 2011/12, Teil des Arabischen Frühlings, richtete sich gegen Mubaraks seit Oktober 1981 bestehendes Regime. Mubarak trat am 11. Februar 2011 zurück; bis dahin kamen mindestens 846 Menschen gewaltsam ums Leben. Mohammed Mursi von der Muslimbruderschaft gewann 2012 die Präsidentschaft mit 51,7 %. Nach Massenprotesten setzte das Militär ihn am 3. Juli 2013 unter General Abd al-Fattah as-Sisi ab, setzte die Verfassung außer Kraft und ernannte Adli Mansur zum Übergangsstaatsoberhaupt. Die Übergangsregierungen Beblawi und Mahlab verboten die Muslimbruderschaft; während dieser Zeit kam es mehrfach zu Massentötungen von Demonstranten durch Sicherheitskräfte.