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14-Punkte-Programm

Als 14-Punkte-Programm werden die Grundzüge einer Friedensordnung für das vom Ersten Weltkrieg erschütterte Europa bezeichnet, die der amerikanische …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Entstehung und politische Ziele
  3. 3. Die vierzehn Forderungen
  4. 4. Einordnung und Folgen

Grundidee und Bedeutung

Das 14-Punkte-Programm bezeichnet Woodrow Wilsons Grundzüge für eine Friedensordnung in dem vom Ersten Weltkrieg erschütterten Europa. Der amerikanische Präsident umriss sie am 8. Januar 1918 in einer programmatischen Rede vor beiden Häusern des US-Kongresses.

Ziel war ein Frieden, der nicht nur den Krieg beendet, sondern künftige Konflikte verhindern sollte. Dazu verband das Programm Regeln für internationale Zusammenarbeit mit territorialen Regelungen und Forderungen nach politischer Selbstbestimmung. Besonders wichtig waren offene Diplomatie, Abrüstung, eine gerechtere Behandlung von Völkern und ein allgemeiner Verband der Nationen als Schutz für kleine und große Staaten.

Entstehung und politische Ziele

Wilson hatte im Wahlkampf vom November 1916 noch mit dem Slogan „He kept us out of the war!“ für seine Wiederwahl geworben. Gleichzeitig entwickelte er eine aktivere Außenpolitik. Sie ging über den Schutz der westlichen Hemisphäre nach der Monroe-Doktrin hinaus und sollte Prinzipien der amerikanischen Demokratie in die Welt tragen.

Im Dezember 1916 forderte Wilson als Reaktion auf das Friedensangebot der Mittelmächte alle Kriegsparteien auf, ihre Kriegsziele offenzulegen; die USA boten Vermittlung an. Im Januar 1917 verlangte er vor dem Senat einen „Frieden ohne Sieg“ und einen „gerechten und sicheren Frieden“. Dieser sollte nicht bloß ein neues Machtgleichgewicht herstellen und auch den Verzicht auf Geheimdiplomatie einschließen.

Nach der amerikanischen Kriegserklärung im April 1917 veränderte sich Wilsons Haltung gegenüber Deutschland. Nach seiner Vorstellung trug eine unverantwortliche Elite, nicht das deutsche Volk, die Verantwortung für die Friedensstörung. Eine Gemeinschaft zivilisierter Nationen sollte weitere Störungen durch eine außer Kontrolle geratene Kriegsmaschinerie verhindern. Dazu passt seine Forderung, „die Welt sicher für die Demokratie“ zu machen.

Wilson wies den Friedensappell Dès le début von Papst Benedikt XV. vom August 1917 zurück. Dieser hatte nach der Friedensresolution des Deutschen Reichstags unter anderem die Freigabe besetzter Gebiete und Verhandlungen über territoriale Streitfragen verlangt. Im September 1917 gründete Wilson die Kommission The Inquiry zur Untersuchung der Bedingungen eines künftigen Friedens; sie legte am 22. Dezember ihren Bericht vor. Wilson und sein außenpolitischer Berater Edward Mandell House entwarfen die Rede Anfang 1918. Neben dem Wunsch, die eigene Friedensvorstellung bei den Verbündeten durchzusetzen, sollte das Programm den Deutungen des Krieges durch Lenin und die Bolschewiki einen demokratischen Gegenentwurf entgegensetzen. Frankreich, Großbritannien und Italien standen Wilsons Idealismus jedoch überwiegend skeptisch bis ablehnend gegenüber.

Die vierzehn Forderungen

Die ersten fünf Punkte formulierten allgemeine Regeln für die Friedensordnung:

  • Friedensverträge sollten offen und öffentlich geschlossen werden; geheime internationale Abmachungen sollten enden.
  • Auf den Meeren sollte außerhalb der Territorialgewässer im Frieden und Krieg grundsätzlich uneingeschränkte Schifffahrtsfreiheit gelten. Ausgenommen waren Meere, die zur Durchführung internationaler Verträge international gesperrt werden.
  • Wirtschaftliche Schranken sollten möglichst beseitigt und gleiche Handelsbedingungen für die Staaten geschaffen werden, die dem Frieden beitraten und ihn erhalten wollten.
  • Die Staaten sollten ihre Rüstungen durch gegenseitige Bürgschaften auf das niedrigste mit der inneren Sicherheit vereinbare Maß begrenzen.
  • Koloniale Ansprüche sollten frei, unbefangen und völlig unparteiisch ausgeglichen werden. Die Interessen der betroffenen Bevölkerungen sollten dabei ebenso zählen wie berechtigte Ansprüche der Regierungen.

Die weiteren Punkte bezogen sich vor allem auf einzelne Gebiete Europas und des Osmanischen Reiches. Russland sollte vollständig geräumt werden und Gelegenheit erhalten, seine politische und nationale Entwicklung unabhängig zu bestimmen. Belgien sollte geräumt, wiederhergestellt und in seiner Souveränität nicht beschränkt werden. Frankreich sollte sein gesamtes Gebiet zurückerhalten; auch das Unrecht von 1871 in Bezug auf Elsass-Lothringen sollte wiedergutgemacht werden.

Die Grenzen Italiens sollten nach klar erkennbaren Grenzen der Volksangehörigkeit berichtigt werden. Den Völkern Österreich-Ungarns sollte die freieste Möglichkeit autonomer Entwicklung zukommen. Rumänien, Serbien und Montenegro sollten geräumt werden; Serbien sollte einen freien und sicheren Zugang zum Meer erhalten. Die Beziehungen der Balkanstaaten sollten nach geschichtlichen Richtlinien der Zugehörigkeit und Nationalität geregelt sowie ihre politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit und ihr Gebiet international geschützt werden.

Den türkischen Teilen des Osmanischen Reiches sollte unbedingte Selbständigkeit garantiert werden. Andere unter türkischer Herrschaft stehende Nationalitäten sollten Sicherheit des Lebens und die Möglichkeit selbständiger Entwicklung erhalten. Die Dardanellen sollten für Schiffe und Handel aller Nationen dauerhaft offen sein. Außerdem sollte ein unabhängiger polnischer Staat entstehen, der Gebiete mit unbestritten polnischer Bevölkerung einschloss, einen freien und sicheren Zugang zum Meer besaß und international abgesicherte politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit erhielt.

Der vierzehnte Punkt forderte einen allgemeinen Verband der Nationen. Besondere Verträge sollten die politische Unabhängigkeit und territoriale Unverletzlichkeit kleiner wie großer Staaten gegenseitig verbürgen.

Einordnung und Folgen

Die Punkte waren unterschiedlich konkret: Die Räumung und Wiederherstellung Belgiens oder die Rückgabe von Elsass-Lothringen waren konkrete Forderungen, während die Freiheit der Meere, Rüstungsbeschränkung und die „autonome Entwicklung“ für die Völker Österreich-Ungarns allgemein oder vage blieben. Das von Wilson öffentlich betonte Selbstbestimmungsrecht der Völker war zudem nicht mit allen Punkten konfliktlos vereinbar.

Jörn Leonhard versteht die 14 Punkte weniger als radikal neues Friedensmanifest, sondern als Reaktion auf die bolschewistische Machtübernahme in Russland und die dadurch veränderte Kriegslage; außerdem sollten sie eine eigenständige anti-imperialistische Position bestimmen. Nach Gerd Koenen zielten sie vor allem darauf, die deutsch-russischen Verhandlungen über einen Sonderfrieden zu torpedieren, die am 5. März 1918 zum Friedensvertrag von Brest-Litowsk führten.

Bei den Pariser Vorortverträgen 1919 bildeten die Punkte die Grundlage der amerikanischen Position. Das Selbstbestimmungsrecht wurde aber nicht konsequent umgesetzt: Der Versailler Friedensvertrag untersagte die Vereinigung des Deutschen Reiches mit Deutschösterreich. Südtirol, das Sudetenland, das Memelland und Danzig, weitere fast ausschließlich deutschsprachige Gebiete, mussten die Kriegsverlierer abtreten. In Ostbelgien gab es zwar eine Abstimmung über die Zugehörigkeit, sie galt wegen militärischen Drucks jedoch als unfrei. Auch Ungarn musste im Vertrag von Trianon mehrheitlich von Magyaren besiedelte Gebiete abtreten. Trotzdem gilt der Plan als moderne Vision einer Nachkriegsordnung für seine Zeit. Wilson erhielt 1919 für seine Bemühungen den Friedensnobelpreis.

Die Regierung des Deutschen Kaiserreichs stimmte einzelnen Punkten zu, lehnte Verhandlungen mit den USA über territoriale Fragen zunächst aber ab. Erst im Oktober 1918, als die militärische Lage hoffnungslos war, griff sie den Plan auf. Viele deutsche Politiker und die Mehrheit der Bevölkerung erwarteten nun einen Frieden auf Grundlage der 14 Punkte. Als im Sommer 1919 die tatsächlichen Bedingungen der Alliierten und assoziierten Mächte bekannt wurden, entstand in Deutschland große Empörung. Der Versailler Friedensvertrag wurde, auch wegen Unkenntnis der Politik der früheren kaiserlichen Reichsleitung, als Betrug und als ungerechtes „Versailler Diktat“ empfunden.

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