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Monroe-Doktrin

Die so genannte Truman-Doktrin erhob nun den Anspruch, jederzeit und überall aktiv werden zu können, wo die Rechte freier Völker durch direkte Drohungen

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und ursprüngliche Grundsätze
  2. 2. Die internationale Lage im Jahr 1823
  3. 3. Entstehung und politische Motive
  4. 4. Von der Abwehr Europas zur kontinentalen Vormachtstellung
  5. 5. Vom Good Neighbor zur globalen Eindämmung
  6. 6. Rezeption und Wiederaufgreifen im 21. Jahrhundert

Kern und ursprüngliche Grundsätze

Die Monroe-Doktrin geht auf die Rede zur Lage der Nation zurück, die US-Präsident James Monroe am 2. Dezember 1823 vor dem Kongress hielt. Sie entwarf Grundzüge einer langfristigen Außenpolitik der Vereinigten Staaten und beruhte auf der Vorstellung zweier politischer Sphären: einer amerikanischen und einer europäischen. Monroe erklärte die Unabhängigkeit der Staaten des amerikanischen Doppelkontinents von den europäischen Mächten für unumkehrbar.

Die wichtigsten Grundsätze waren:

  • Nichteinmischung: Die USA wollten sich nicht in europäische Konflikte einmischen.
  • Nichtkolonialisierung: Europäische Mächte sollten in der westlichen Hemisphäre keine neuen Kolonien gründen.
  • Schutz vor Rekolonialisierung: Die inzwischen unabhängigen Staaten Lateinamerikas sollten nicht erneut von europäischen Mächten unterworfen werden.
  • Eingreifen der USA: Falls europäische Kolonialmächte diese Grundsätze missachteten, kündigte Monroe ein Eingreifen der Vereinigten Staaten an.

Die Forderung, Europa solle die unabhängigen Staaten Lateinamerikas nicht rekolonialisieren, wurde verkürzt zur Parole „Amerika den Amerikanern“. Ursprünglich war die Doktrin vor allem eine defensive Warnung vor europäischen Eingriffen und stand zugleich in der Tradition des Isolationismus. Im 20. Jahrhundert entwickelte sie sich jedoch zu einem Instrument, mit dem die USA ihre Vormachtstellung auf dem amerikanischen Kontinent rechtfertigten. Damit prägte Monroe auch die angloamerikanische Variante des Panamerikanismus.

1848 unter Präsident James K. Polk und 1870 unter Präsident Ulysses S. Grant wurde die Doktrin um das Prinzip des Non-Transfer erweitert. Es untersagte den Transfer früheren oder gegenwärtigen kolonialen Besitzes an andere Mächte. Secretary of State John Quincy Adams hatte diesen Gedanken bereits 1823 in einer Botschaft an den russischen Zaren Alexander I. aufgegriffen; Monroe übernahm ihn jedoch nicht in seinen Bericht an den Kongress.

Die internationale Lage im Jahr 1823

Monroes Präsidentschaft dauerte von 1817 bis 1825 und wurde wegen innenpolitischer Stabilisierung und wirtschaftlichen Aufschwungs als „Era of Good Feeling“ bezeichnet. Die USA hatten ihr Gebiet durch den Erwerb Louisianas von Frankreich 1803 und Floridas von Spanien 1819 nahezu verdoppelt. Gleichzeitig war der Krieg gegen Großbritannien von 1812 bis 1814 erfolglos geblieben; Kanada wurde nicht erobert und Washington niedergebrannt.

Außenpolitisch standen die republikanischen USA unter Druck. Nach den revolutionären Unruhen der vorherigen Jahrzehnte restaurierten die absolutistischen europäischen Mächte ihre Herrschaft. Die Wiedereinsetzung Ludwigs XVIII. in Frankreich 1814 und das Vorgehen der Heiligen Allianz aus Russland, Österreich und Preußen gegen republikanische und liberale Ideen ließen die republikanische Bewegung weltweit geschwächt erscheinen.

In Spanien hatte das Trienio Liberal von 1820 bis 1823 eine konstitutionelle Monarchie hervorgebracht. Frankreich marschierte jedoch ab April 1823 unter dem Druck der Heiligen Allianz in Spanien ein und schlug die Revolution nieder. Im August 1823 eroberten französische Truppen Trocadero, die letzte Bastion der Aufständischen in Cádiz, und befreiten König Ferdinand VII. Großbritannien fürchtete nun, Spanien und die europäischen Mächte könnten auch die früheren spanischen Kolonien in Südamerika zurückerobern. Es wollte seine Handelsbeziehungen und wirtschaftlichen Interessen schützen.

Ein weiterer Konflikt war der griechische Unabhängigkeitskampf gegen das Osmanische Reich, der seit 1821 in den USA und in republikanischen Kreisen Europas Unterstützung fand. Zugleich weitete Russland seine Handels- und Siedlungsaktivitäten im Nordwesten Amerikas aus. Die Russländisch-Amerikanische Kompagnie besaß ein Monopol für Gebiete nördlich des 51. Breitengrads und errichtete Handelsposten und Siedlungen im heutigen Alaska und Kanada.

In dieser Lage bot der britische Außenminister George Canning dem amerikanischen Gesandten Richard Rush im August und September 1823 ein Bündnis an. Beide Staaten sollten gemeinsam die Unabhängigkeit der südamerikanischen Republiken unterstützen und einem Eingreifen europäischer Mächte entgegentreten. Das Angebot wurde in Washington diskutiert. Monroe bezog auch die früheren Präsidenten Madison und Jefferson ein, entschied sich aber schließlich für eine eigene amerikanische Erklärung.

Entstehung und politische Motive

Cannings vorgeschlagene gemeinsame Erklärung enthielt fünf zentrale Punkte: Die Rückeroberung der früheren südamerikanischen Kolonien durch Spanien sei hoffnungslos; die Anerkennung der südamerikanischen Republiken sei nur eine Frage der Zeit und der Umstände; einer einvernehmlichen Lösung zwischen den Kolonien und Spanien werde man nicht entgegenwirken; Großbritannien und die USA beanspruchten selbst keine Gebiete der früheren Kolonien; und einem Transfer dieser Gebiete an andere Mächte könne man nicht gleichgültig gegenüberstehen.

John Quincy Adams und Marineminister Samuel L. Southard lehnten besonders die Verpflichtung ab, auf den Erwerb früherer Kolonialgebiete zu verzichten. Adams wollte nicht als „Beiboot im Schlepptau der britischen Man-O-Wars“ auftreten und setzte sich für eine eigenständige Erklärung der USA ein. Die Entstehung der Doktrin wurde durch mehrere Motive bestimmt.

Wirtschaftlich war umstritten, wie wichtig der Handel mit Südamerika für die Entscheidung war. Nach Dexter Perkins machte er vor 1823 weniger als zwei Prozent des gesamten US-amerikanischen Handels aus; Kuba und Spanien waren wirtschaftlich bedeutender. William Appleman Williams zufolge hatte sich Adams’ Einschätzung bis 1823 jedoch verändert: Er habe den freien Handel in Lateinamerika betont und eine künftig dominante Rolle der USA erwartet. Auch Rohstoffe, Fischerei, Felle und Handelswege zu Asien und zur Südsee machten die nordwestlichen Gebiete wichtig.

Ideologisch sah Monroe die USA als außergewöhnliche Republik, deren politisches System sich ausbreiten sollte. Eine Unterstützung der südamerikanischen Republiken konnte republikanische Verfassungen fördern und die internationale Stellung der USA stärken. Adams teilte diese republikanischen Grundüberzeugungen, trat gegenüber Europa aber vorsichtiger auf.

Für die äußere Sicherheit war entscheidend, dass Kanada, Mexiko und Russland an die USA angrenzten oder in ihrer Nähe expandierten. Weitere europäische Kolonialisierung konnte neue Konflikte und Kriege auslösen. Zugleich hätte eine Rückeroberung Südamerikas die USA international isoliert. Die militärischen Erfahrungen des Krieges von 1812 ließen aber erwarten, dass die USA einer einzelnen europäischen Macht widerstehen konnten.

Auch die territoriale Expansion spielte eine Rolle. Adams befürchtete, ein Bündnis mit Großbritannien könne US-amerikanische Erwerbungen oder den freiwilligen Beitritt weiterer Gebiete erschweren. Kuba, Texas, New Mexico und die nach Westen vorrückende Western Frontier machten eine solche Selbstbeschränkung aus seiner Sicht unklug.

Schließlich beeinflussten innenpolitische Interessen und die Präsidentschaftswahl von 1825 die Entscheidung. Nach Monroes zweiter Amtszeit konkurrierten fünf Kandidaten, darunter Adams, William Harris Crawford und John C. Calhoun. Adams musste sich gegen den Vorwurf behaupten, ein „Statthalter Englands“ zu sein. Calhoun wollte ihn durch ein Bündnis mit Großbritannien politisch belasten. Monroe vermied deshalb einen offenen Konflikt mit seinem wahrscheinlichen Nachfolger. Auch die Forderungen nach einer Unterstützung Griechenlands spielten eine Rolle, weil Monroe einen Konflikt mit europäischen Mächten befürchtete. In Abstimmung mit Adams veröffentlichte er seine Erklärung im Jahresbericht an den Kongress.

Von der Abwehr Europas zur kontinentalen Vormachtstellung

Die Wirkung der Botschaft blieb zunächst schwach, weil die USA nicht über genügend militärische Mittel verfügten, um sie durchzusetzen. Erst ab 1845 griff Präsident James K. Polk die Doktrin wieder auf und verwahrte sich gegen europäische Einmischung in Texas und Kalifornien, die damals zu Mexiko gehört hatten und von nordamerikanischen Siedlern mit Unterstützung der USA usurpiert worden waren. Texas wurde 1845 in die USA aufgenommen. Nach dem Sieg über Mexiko 1848 festigte sich die militärische Hegemonie der USA.

Das Dominanzstreben wurde durch die Ideologie der Manifest Destiny („offensichtliche Bestimmung“) sowie durch Interessen sklavenhaltender Pflanzer an möglichen Gebieten in Zentralamerika und Kuba gefördert. Während des US-amerikanischen Bürgerkriegs konnten die USA nicht gegen die Errichtung des Kaiserreichs von Maximilian I. in Mexiko durch Napoléon III. vorgehen. Nach dem Ende des Sezessionskriegs 1865 verlangten sie jedoch erfolgreich den Abzug der französischen Truppen. Maximilian wurde 1867 hingerichtet. Gegen Interventionen Spaniens und Frankreichs in Argentinien und der Dominikanischen Republik blieb Washington hingegen passiv.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts traten die USA wegen neuer Märkte, Industrialisierung, Urbanisierung und Konkurrenz mit Europa und Japan aggressiver in Süd- und Mittelamerika auf. Unter Präsident Benjamin Harrison wurde der Panamerikanismus betont. Die erste Internationale Amerika-Konferenz fand 1889 in Washington, D. C. statt; als Ergebnis entstand zunächst eine gemeinsame Clearinggesellschaft, aus der später die Organisation Amerikanischer Staaten hervorging.

1895 zwangen die USA Großbritannien im Grenzstreit mit Venezuela und Britisch-Guayana mit ausdrücklichem Verweis auf die Monroe-Doktrin an den Verhandlungstisch. 1904 formulierte Theodore Roosevelt in der Roosevelt-Corollary den alleinigen Anspruch der USA auf Interventionen in inneramerikanische Angelegenheiten. Dies sollte Konflikte innerhalb oder zwischen Staaten Süd- und Mittelamerikas sowie in der Karibik und Konflikte mit nichtamerikanischen Akteuren erfassen, wenn die regionale Stabilität oder US-amerikanische Interessen gefährdet waren. Danach intervenierten in Kuba, Nicaragua, Haiti und der Dominikanischen Republik vor allem die USA.

Die Lodge Corollary von 1912 untersagte Landverkäufe in der westlichen Hemisphäre an außeramerikanische Staaten oder Unternehmen, wenn dadurch ein fremder Einfluss entstehen konnte. Sie richtete sich besonders gegen mögliche Landkäufe japanischer Unternehmen. Nach dem Ersten Weltkrieg blieb die US-amerikanische Isolation stark. Der Völkerbund nahm in Artikel 21 seiner Satzung ausdrücklich auf die Monroe-Doktrin Bezug, dennoch blieb ihr Status als Bestandteil des Völkerrechts umstritten. Wilsons Versuch, sie in einen multilateralen panamerikanischen Vertrag umzuwandeln, scheiterte.

Vom Good Neighbor zur globalen Eindämmung

Unter Herbert Hoover verbesserten sich die Beziehungen zu Süd- und Mittelamerika; die letzten US-Truppen wurden aus Nicaragua und Haiti abgezogen. Das Clark-Memorandum vom Dezember 1928 verneinte ein Interventionsrecht der USA. Franklin D. Roosevelt widerrief später die Roosevelt-Corollary endgültig und verfolgte im Rahmen der Good Neighbor Policy neue Formen inneramerikanischer Zusammenarbeit und Kontrolle.

Mit dem europäischen Faschismus wandelte sich die Doktrin von einer strikt unilateralen Politik zu einer gemeinsamen Position der amerikanischen Republiken. Im Oktober 1939 erklärten diese ihre Neutralität und errichteten eine mehrere hundert Meilen breite Sicherheitszone für die Schifffahrt. Der Havanna-Act griff das Non-Transfer-Prinzip wieder auf: Ein Transfer kolonialen Besitzes in der westlichen Hemisphäre, etwa durch Eroberungen des nationalsozialistischen Deutschland, sollte nicht hingenommen werden; die amerikanischen Staaten wollten entsprechende Gebiete vorsorglich besetzen. Nach dem Kriegseintritt der USA schlossen sich bis auf Argentinien alle lateinamerikanischen Staaten dem Bündnis gegen die Achsenmächte an; Argentinien folgte kurz vor Kriegsende.

Im März 1947 ergänzte Harry S. Truman die Doktrin durch den Anspruch, „allen Völkern, deren Freiheit von militanten Minderheiten oder durch einen äußeren Druck bedroht ist“, beizustehen. Die Truman-Doktrin löste die Beschränkung auf die westliche Hemisphäre endgültig auf und wurde zur Grundlage der Containment-Politik gegen die Sowjetunion. Sie beanspruchte ein Eingreifen überall dort, wo freie Völker durch militärische Drohungen, Zwang oder verdeckte subversive Aktionen gefährdet würden.

George F. Kennan erklärte in den 1950er-Jahren, die lateinamerikanischen Staaten könnten kommunistischen Bedrohungen nicht allein widerstehen. Die USA müssten deshalb direkt in die Innenpolitik eingreifen und antikommunistische Kräfte unterstützen, „ohne dabei einen übersteigerten Wert auf den Typ des unterstützten Regimes zu legen“. Diese Kennan Corollary von 1950 führte in den folgenden vier Jahrzehnten zu direkten und indirekten Eingriffen, die vielfach Militärdiktaturen und teilweise faschistische Regime unterstützten.

Während der Kubakrise 1962 berief sich Präsident John F. Kennedy auf die Monroe-Doktrin und zwang die Sowjetunion zum Abzug ihrer Raketen aus Kuba. Die britische Rückeroberung der Falkland-Inseln 1982 war formal ein Verstoß gegen die Doktrin, wurde von der Regierung Reagan jedoch geduldet. Nach dem Zerfall der Sowjetunion sahen Gaddis Smith und andere Autoren das Ende der Doktrin, weil die wichtigste Bedrohung weggefallen war. 1986 kritisierten die USA erstmals ein nichtkommunistisches südamerikanisches Regime, Chile, in den Vereinten Nationen; auch in Nicaragua und El Salvador wurden UNO-Beobachter eingesetzt.

Rezeption und Wiederaufgreifen im 21. Jahrhundert

Adolf Hitler bezog sich wiederholt positiv auf die Monroe-Doktrin. Im Oktober 1930 sprach er von einer „deutschen Monroe-Doktrin“ und forderte „Deutschland für die Deutschen ebenso wie Amerika Amerika für die Amerikaner“. Am 28. April 1939 übertrug er das Prinzip auf Europa und auf den Machtbereich des Großdeutschen Reiches. Carl Schmitt griff diese Vorstellung zustimmend auf. Er entwickelte das Modell von fünf globalen Großräumen mit jeweils einer Hegemonialmacht, die ein Interventionsverbot für „raumfremde Mächte“ durchsetzen sollte. 1932 hatte Schmitt die Monroe-Doktrin noch als Instrument des US-Imperialismus kritisiert, weil sie zunächst die Unzulässigkeit von Interventionen behauptet, anschließend aber US-Interventionen in anderen amerikanischen Staaten gerechtfertigt habe.

2013 erklärte US-Außenminister John Kerry unter Präsident Barack Obama, „die Ära der Monroe-Doktrin sei vorbei“. In den 2020er-Jahren wurde sie unter der zweiten Präsidentschaft Donald Trumps jedoch erneut politisch aufgeladen. Die nationale Sicherheitsstrategie von 2025 kündigte an, der Doktrin wieder mehr Geltung zu verschaffen, die US-amerikanische Vormachtstellung in der westlichen Hemisphäre zu sichern und den Einfluss Chinas und Russlands zurückzudrängen.

Trump erhob öffentlich Anspruch auf Grönland und propagierte die Bezeichnung „Golf von Amerika“ für den Golf von Mexiko. US-Medien verwendeten dafür ab 2025 den Begriff „Donroe-Doktrin“, der später besonders im Zusammenhang mit der militärischen Intervention in Venezuela 2026 verbreitet und anschließend auch von Trump selbst benutzt wurde.

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