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„No Kings“-Proteste
Die Proteste richteten sich primär gegen die Politik Trumps und gegen Handlungen Trumps seit dem Beginn seiner zweiten Amtszeit (20. Januar 2025) und dessen …
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Gegenstand und Bedeutung der Proteste
Als „No Kings“-Proteste wird eine Reihe landesweiter Demonstrationen in den Vereinigten Staaten am 14. Juni, 18. Oktober 2025 und 28. März 2026 bezeichnet. Sie richteten sich gegen Donald Trumps Politik seit Beginn seiner zweiten Amtszeit am 20. Januar 2025. Die Demonstrierenden kritisierten insbesondere eine als zunehmend autoritär, diktatorisch, monarchisch oder faschistisch wahrgenommene Machtpolitik und forderten die Achtung von Gewaltenteilung, Bürgerrechten und demokratischen Institutionen.
Der Name bezieht sich auf die Gründung der USA und den Widerstand gegen den englischen König im Jahr 1776. Der Slogan „Keine Könige seit 1776“ weist die Vorstellung zurück, ein Präsident könne wie ein absoluter Monarch über dem Gesetz stehen oder staatliche Institutionen nach Belieben kontrollieren. In Hawaii lautet das Motto aus Respekt vor der dort angesehenen früheren Monarchie „No Dictators“ („Keine Diktatoren“).
Die Bewegung entstand auch als Reaktion auf monarchistische Darstellungen Trumps durch das Weiße Haus. Anfang 2025 wurde unter anderem ein Bild veröffentlicht, das Trump mit Krone und der Aufschrift „Long live the King“ zeigte; außerdem wurden monarchistische Begriffe verwendet und Trump göttliche Legitimität zugeschrieben. Die Proteste gehörten zu den teilnehmerreichsten in der US-Geschichte. Für den 14. Juni wurden insgesamt etwa vier bis sechs Millionen, für den 18. Oktober bis zu sieben Millionen und für den 28. März über acht Millionen Teilnehmende genannt. Die Angaben stammen teils von Veranstaltern und teils von Schätzungen und sind daher nicht vollständig einheitlich.
Erster Protesttag am 14. Juni 2025
Auslöser der ersten Proteste war eine Militärparade zum 250-jährigen Bestehen des Heeres der US-Streitkräfte. Sie fand an Trumps 79. Geburtstag statt. Militärparaden dieses Ausmaßes sind in den USA unüblich; Trump hatte sie in seiner ersten Amtszeit abgelehnt, in seiner zweiten Amtszeit jedoch durchgesetzt. Nach dem Einsatz des US Marine Corps gegen Demonstrationen in Los Angeles wurde die Parade von vielen Menschen als Machtdemonstration und als „diktatorische“ Inszenierung verstanden. Die Proteste richteten sich primär gegen Trump und seine Politik, nicht gegen die US-Streitkräfte selbst.
Der Einsatz in Los Angeles war eine Reaktion auf mehrtägige Proteste gegen landesweite Razzien der Einwanderungsbehörde ICE. Obwohl es bei einzelnen Demonstrationen zu Ausschreitungen kam, erklärte der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom, die Lage sei unter Kontrolle gewesen und der Einsatz von US-Streitkräften daher nicht legitimiert.
Organisiert wurden die Proteste von der 50501-Bewegung. „No Kings“ stand dabei für den Vorwurf, Trump verhalte sich autoritär und königsähnlich. Als Beispiele wurden seine Missachtung von Gerichtsbeschlüssen, außergesetzliche Abschiebungen und die Geringschätzung von Bürgerrechten genannt. Trump lehnte die Proteste ab und drohte, gegen Demonstrierende bei der Militärparade werde „mit großer Härte“ vorgegangen.
Nach Angaben der Veranstalter und der American Civil Liberties Union (ACLU) demonstrierten mehr als fünf Millionen Menschen an über 2.100 Orten in den USA. Der Datenjournalist G. Elliott Morris leitete eine gemeinsame Erfassung der Teilnehmerzahlen. Seine grobe Schätzung vom 15. Juni 2025 lag bei etwa vier bis sechs Millionen Menschen, also ungefähr 1,2–1,8 % der US-Bevölkerung. Auch international gab es Solidaritätsproteste. „Demokraten im Ausland“ verwendeten teilweise das Motto „Keine Tyrannen“, da viele Länder noch Monarchen als Staatsoberhäupter haben. In Berlin organisierte „American Voices Abroad – Berlin“ eine Kundgebung.
Zweiter Protesttag am 18. Oktober 2025
Am 18. Oktober 2025 fand der zweite landesweite Protesttag statt. Nach Schätzungen der Organisatoren beteiligten sich rund sieben Millionen Menschen an etwa 2.700 Kundgebungen in allen 50 US-Bundesstaaten. Damit wurden die Erwartungen deutlich übertroffen. Proteste gab es beispielsweise in Austin, Texas, sowie in europäischen Städten wie London und Lissabon.
Im Mittelpunkt standen erneut die Ablehnung autoritärer Machtkonzentration und die Forderung, der Präsident müsse sich an die Gewaltenteilung halten. Besonderen Widerstand löste Trumps Vorhaben aus, die Nationalgarde nach Chicago zu entsenden. Außerdem wurde kritisiert, dass Trump einen seit dem 1. Oktober andauernden Government Shutdown als Vorwand für die Entlassung von Regierungsmitarbeitern nutzte. Einschnitte in der Gesundheitsversorgung, insbesondere der Schutz von Medicare, gehörten ebenfalls zu den Hauptanliegen.
Trump reagierte zunächst mit der Aussage „Ich bin kein König“, veröffentlichte anschließend jedoch KI-generierte Bilder, die ihn und Vizepräsident JD Vance mit Kronen vor einem Thron zeigten. Zudem ließ er ein KI-generiertes Video verbreiten, in dem er als „King Trump“ in einem Kampfjet über „No Kings“-Proteste fliegt und Fäkalien auf Protestierende abwirft. Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, bezeichnete die Protestierenden und demokratische Wähler wahrheitswidrig als Gruppe aus „Hamas-Terroristen, illegalen Ausländern und Gewaltverbrechern“. Die Republikanische Partei und die US-Regierung reagierten insgesamt mit scharfer Kritik und Diffamierungen.
Größte Protestwelle am 28. März 2026
Die dritte Welle am 28. März 2026 war laut Veranstalterschätzungen die größte Protestveranstaltung in der Geschichte der USA. Mindestens acht Millionen Menschen beteiligten sich an mehr als 3.300 Kundgebungen in allen 50 Bundesstaaten. Viele Versammlungen wurden in konservativ geprägten ländlichen Regionen und Vororten angemeldet, unter anderem in Idaho, Wyoming, Montana und Utah.
Eine zentrale Kundgebung fand in Saint Paul in den Twin Cities von Minnesota statt. Etwa 200.000 Menschen nahmen teil, darunter Senator Bernie Sanders, die Schauspielerin Jane Fonda und der Rockmusiker Bruce Springsteen. Gouverneur Tim Walz bezeichnete die Demonstrierenden als Herz und Seele von allem Guten in den USA. Die Abgeordnete Ilhan Omar betonte, Amerika sei kein Land der Könige. Jane Fonda zitierte ein Statement der Frau des verstorbenen US-Bürgers Renée Good.
Neben der Ablehnung autoritärer Machtkonzentration war die Ablehnung des Irankrieges ein Hauptthema. Nach Einschätzung der Soziologin Kim Voss trieben außerdem die menschenverachtenden Maßnahmen von ICE, besonders im Rahmen der Operation Metro Surge, die Proteste an. Dabei wurden Renée Nicole Good und Alex Pretti getötet. Das von der Bundesregierung verbreitete Narrativ, Bürger müssten sich jederzeit auf der Straße ausweisen können, wurde als Angriff auf Freiheitsgefühl und Bürgerrechte verstanden. Weitere Forderungen betrafen den Schutz der Demokratie, den Widerstand gegen den im Kongress debattierten SAVE Act, die vollständige Freigabe der vom Kongress verlangten Epstein-Akten und den Erhalt der Gesundheitsversorgung.
In Nashville traten Demonstrierende in roten Gewändern und weißen Hauben als sogenannte Handmaids auf, angelehnt an Margaret Atwoods Roman „The Handmaid’s Tale“. Das Motiv symbolisiert die Unterordnung und Entrechtung von Frauen in autoritären Systemen. Auch in Washington und Minnesota gab es entsprechende Verkleidungen.
Internationale Resonanz, Regierung und öffentliche Einordnung
Die internationale Mobilisierung lief teils unter „No Kings“, teils unter „No Tyrants“. In London verband sich eine von US-Auslandsgruppen angekündigte Solidaritätsaktion mit einer von der Together Alliance organisierten Kundgebung gegen die extreme Rechte. Dort richtete sich der Protest vor allem gegen rechte und rechtspopulistische Kräfte im Vereinigten Königreich, besonders gegen Reform UK, nicht gegen die britische Monarchie. Reuters berichtete unter Berufung auf die London Metropolitan Police von etwa 50.000 Teilnehmenden; die Organisatoren nannten deutlich höhere Zahlen. Auch in Berlin, Paris und Rom gab es Kundgebungen. In Rom vermischten sich die US-bezogene Solidarität, Kritik an Giorgia Melonis Innenpolitik und die Ablehnung des Irankrieges.
Die US-Bundesregierung versuchte, die Bewegung zu diskreditieren. Sprecherin Abigal Jackson bezeichnete die Proteste als „Trump Derangement Therapy Sessions“ und erklärte, nur Journalisten interessierten sich dafür. Trump sagte: „They're referring to me as a king. I'm not a king“.
Am 28. März flogen zwei AH-64-Apache-Hubschrauber der 101st Combat Aviation Brigade zunächst nahe an Protestkundgebungen in Tennessee und anschließend zum Anwesen „Southern White House“ des Trump-Anhängers Kid Rock bei Nashville. Einer der Hubschrauber schwebte dort drei Minuten nahe an dessen Pool; Kid Rock filmte und veröffentlichte die Szene. Die Army erklärte, es habe keine offizielle Anfrage gegeben, leitete zunächst eine administrative Prüfung ein und suspendierte die beteiligten Crews vorläufig. Verteidigungsminister Pete Hegseth stoppte die Untersuchung am 31. März, hob die Suspendierung auf und schrieb: „No punishment. No investigation. Carry on, patriots.“ CREW forderte daraufhin eine Untersuchung durch den Inspector General des Verteidigungsministeriums.
Die ARD sendete am 29. März 2026 eine vierminütige Schwerpunktsendung. PBS NewsHour behandelte am 3. April 2026 die Einordnung der Kundgebungen in die amerikanische Protestgeschichte. Die deutsche Wochenzeitung Die Zeit veröffentlichte am 1. April 2026 eine 66-minütige Podcastfolge mit dem Titel „No Kings“ und die bange Frage nach dem Danach. In der Popkultur wurde der Protest durch Bruce Springsteens Single „Streets of Minneapolis“ aufgegriffen, in der er von „King Trump’s private army from the DHS“ singt. Springsteen spielte das Lied am 28. März in den Twin Cities; es wurde dort zu einer Art Protesthymne.