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Autoritarismus
Ausschluss einer bestimmten Ethnie oder durch ihre Hautfarbe definierten Bevölkerungsgruppe aus dem demokratischen Prozess und von Bürgerrechten · für das in den …
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Grundverständnis und Kennzeichen
Autoritarismus ist eine Herrschaftsform, in der politische Macht nicht bei der gesamten Bevölkerung, sondern bei einer oder wenigen Personen liegt. Anders als in einer Demokratie können Bürgerinnen und Bürger die Regierung nicht durch freie Wahlen nach ihren Wünschen wechseln. Menschenrechtsverletzungen, etwa die Inhaftierung politischer Gegner, kommen in autoritären Regimen in der Regel deutlich häufiger vor als in Demokratien.
Umgangssprachlich wird oft von Diktatur gesprochen. In der Politikwissenschaft wird dieser Begriff jedoch nicht verwendet, weil er nicht eindeutig definiert ist. Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung lebt derzeit in mehr oder weniger autoritären Systemen; China ist der größte eindeutig autoritäre Staat. Totalitarismus gilt als Extremform des Autoritarismus.
Autoritäre Systeme stützen sich auf soziale Kräfte, die eine oligarchische Machtbasis bilden können. Diese Kräfte können zivil, militärisch, tribal, religiös oder bürokratisch sein. Die Macht ist meist zentralisiert. Viele moderne autoritäre Staaten sind Scheindemokratien: Die Verfassung schreibt formal demokratische Strukturen vor, tatsächlich bestehen diese aber nicht. In Entwicklungs- gegenüber Industrieländern ist das Politische häufiger personalisiert, also in einer Person konzentriert.
Legitimation, Kontrolle und Unterdrückung
Max Weber unterscheidet traditionelle, charismatische und rationale Legitimität. Für autoritäre Systeme sind vor allem traditionelle und charismatische Legitimität bedeutsam. Traditionelle Legitimität beruht auf als dauerhaft gültig angesehenen Sitten; besonders wichtig ist sie, wenn Religion die Herrschaft begründet und Politik und Sakrales nicht getrennt sind. Als Beispiele nennt der Artikel Saudi-Arabien und den Iran. Charismatische Legitimität beruht auf persönlicher Hingabe an einen anerkannten politischen Führer; Kuba unter Fidel Castro wird als Beispiel genannt.
Das Verhältnis zwischen Herrschenden und Beherrschten ist wesentlich durch Gewalt „von oben“ geprägt. Eine Geheimpolizei soll die Macht der herrschenden Klasse sichern und Opposition unterdrücken. Politische Partizipation wird entweder verhindert oder gesteuert. Massenmedien sind dabei ein kritischer Faktor: Zensur, Selbstzensur und Propaganda können ein Regime stabilisieren. Bei Kontrolle großer Medien können diese kaum öffentliche Debatten auslösen, wie sie zu offenen politischen Systemen gehören.
Weitere Kennzeichen sind eingeschränkte Bürgerrechte, Überwachung, fehlende unabhängige Justiz, Zensur und ein nur scheinbarer Erhalt von Mitbestimmung, Expertise und Parlamentarismus. Entscheidungen können durch kleine Cliquen getroffen werden; Vorschriften und ihre Folgen können unberechenbar sein. Im Zusammenhang mit dem Aufstieg rechtspopulistischer Parteien wurde in den 2010er Jahren von einer Krise des Liberalismus gesprochen. Frank-Walter Steinmeier warnte 2017 mehrfach vor einer neuen „Faszination des Autoritären“.
Regimetypen nach Juan J. Linz
Juan J. Linz ordnet autoritäre Regime in Idealtypen ein, die sich nur selten vollständig mit realen Regimen decken. Bürokratisch-militärische Regime haben keine mobilisierungsfähige Partei, werden von a-charismatischen Militärs geführt und sind pragmatisch ausgerichtet. Sie folgen häufig auf instabile liberale Demokratien. Beispiele sind Militärdiktaturen in Lateinamerika von den 1960er bis 1990er Jahren, Union Myanmar, Thailand, Pakistan, Ägypten, Fidschi und die Türkei 1960–1961, 1971–1973 sowie 1980–1983.
Autoritärer Korporativismus organisiert Interessenvertretung staatlich und begrenzt gesellschaftliche Konflikte zwangsadministrativ. Er soll komplexe Gesellschaften regierbar machen, die nicht allein technokratisch-autoritären Mitteln folgen. Beispiele sind Austrofaschismus in Österreich (1934–1938), Estado Novo in Portugal (1933–1974) und Horthy-Ungarn (1919/1920–1944). Mobilisierende autoritäre Regime sichern Unterstützung durch emotionale Identifikation mit der Regierung und plebiszitäre Beteiligung; ein Beispiel ist Franco-Spanien (1939–1976).
Postkoloniale mobilisierende Regime verbinden begrenzten Pluralismus, relative gesellschaftliche Autonomie sowie unterschiedliche politische Kräfte. Im postkolonialen Afrika führten soziale und ökonomische Unterschiede, ethnische, sprachliche und religiöse Vielfalt sowie schwache Bürokratie dazu, dass Staatsführer autoritäre Führung für notwendig hielten. Viele dieser Regime endeten durch Militärputsche oder persönliche Herrschaften; Beispiele sind Elfenbeinküste, Tansania und Burkina Faso. Neopatrimoniale Regime sind besonders in Afrika verbreitete Mischformen klassisch-patrimonialer und legal-rationaler Herrschaft. Sie liegen zwischen Autokratie und Demokratie und sind durch Klientelismus und politische Patronage gekennzeichnet; genannt werden Kamerun, Kenia, Indonesien und Kolumbien.
Bei Rassen- oder ethnischen „Demokratien“ werden bestimmte ethnische Gruppen von Partizipation und demokratischen Rechten ausgeschlossen, zugleich aber auch Gegner der Trennungspolitik aus der privilegierten Schicht unter Druck gesetzt. Beispiele sind Südafrika während der Apartheid bis 1994 und Rhodesien bis 1980. Linz bezeichnete Israel als „multiethnische nichtkonsensuale Demokratie“, in der sich eine Entwicklung zur „Rassendemokratie“ abzeichne.
Unvollständige totalitäre und prätotalitäre Regime weisen gestoppte oder verzögerte Entwicklungen zum Totalitarismus auf; Prätotalitarismus ist die Übergangsphase dorthin. Beispiele sind Spanien nach dem Bürgerkrieg 1939 und das Deutsche Reich kurz nach der Machtübernahme 1933. Posttotalitäre Regime zeigen dagegen verblassende utopische Ziele, erstarrte Ideologie und Mobilisierung sowie begrenzte soziale, wirtschaftliche und kulturelle, aber keine politische Repluralisierung. Sie betreffen besonders die Sowjetunion und osteuropäische Satellitenstaaten seit der Entstalinisierung, etwa die DDR (1971–1989), die Tschechoslowakei (1977–1989), Ungarn (1982–1988) und Rumänien unter Ceaușescu.
Regimetypen nach Wolfgang Merkel
Wolfgang Merkel unterscheidet zehn autoritäre Typologien. Im kommunistisch-autoritären Parteienregime gilt die Partei als Avantgarde der Arbeiterklasse und einzig legitimes Machtzentrum. Meist besteht ein Einparteiensystem, gegebenenfalls mit Satellitenparteien; ein enger Führungszirkel wie ein Politbüro entscheidet kollektiv. Beispiele sind die Sowjetunion 1924–1929, 1953–1956 und 1985–1991, die Volksrepublik Polen und Ungarn ab 1956, die Volksrepublik China seit den 1990er Jahren sowie Jugoslawien unter Tito.
Faschistisch-autoritäre Regime beruhen auf Führerprinzip, Antisozialismus, Antiliberalismus, korporatistischer Ideologie, Parteiarmee und Massenmobilisierung. Sie stützen sich zur Legitimation auf vormoderne Mythen und Ordnungsmuster wie Germanentum, Hispanität oder Latinität. Beispiele sind faschistisches Italien, NS-Deutschland bis 1938, der Unabhängige Staat Kroatien, das Antonescu-Regime in Rumänien und der Slowakische Staat.
Militärregime betonen Militarismus, Patriotismus oder Nationalismus, nationale Sicherheit, Ruhe und Ordnung sowie die Modernisierung von Wirtschaft und Verwaltung. Bürokratisch-militärische Varianten werden von einer Junta acharismatischer Militärs pragmatisch geführt. Militärische Führerregime folgen meist einem charismatischen Militärführer, lösen sich später politisch vom Militär und legitimieren sich direkt-plebiszitär; Beispiele sind Ungarn unter Miklós Horthy, die Zweite Polnische Republik unter Józef Piłsudski und Paraguay unter Alfredo Stroessner. Militärische Gangsterregime und Warlord-Herrschaft sind kurzfristige Repressionsregime ohne wertorientierte Ziele, dienen persönlicher Bereicherung und entstehen bei zerfallender Staatlichkeit, etwa in Zaire unter Mobutu, Afghanistan 1990–1995, Liberia unter Charles Taylor 1997–2003 und Somalia seit den 1990er Jahren.
Weitere Typen sind korporatistisch-autoritäre Regime mit einer „organischen Demokratie“, staatlich kontrollierten Wirtschafts- und Berufsständen und dauernder Zwangsschlichtung. Rassistisch-autoritäre Regime schließen Ethnien oder durch Hautfarbe definierte Gruppen von Bürgerrechten aus. Autoritäre Modernisierungsregime treten als Militär-, Einparteien- oder Führerregime auf, haben keine traditionelle Herrschaftsform und gehen häufig aus Befreiungsbewegungen hervor; Beispiele sind Argentinien unter Perón, Ägypten unter Gamal Abdel Nasser, die Türkei unter Atatürk, Algerien unter Ben Bella und die Militärdiktatur in Chile. Theokratisch-autoritäre Regime schreiben eine religiöse Heilslehre als Weltanschauung vor und neigen zum Totalitarismus; Beispiele sind Iran seit 1979 und Tibet (1912–1951). Dynastisch-autoritäre Regime beruhen auf dem monarchischen Prinzip. Sultanisch-autoritäre Regime verbinden extrem personalisierte, erratische Herrschaft mit Familienklan-Herrschaft; Rumänien unter Nicolae Ceaușescu seit den 1970er Jahren ist ein Beispiel.
Psychologie und Unterschied zum Totalitarismus
In der Sozialpsychologie bezeichnet Autoritarismus eine Einstellung, manchmal eine Persönlichkeitseigenschaft oder einen Oberbegriff für faschistoide und antidemokratische Einstellungen. Der Begriff ist doppeldeutig: Er meint sowohl extrem dominantes Verhalten als auch die Bereitschaft, sich Ranghöheren unterzuordnen. Autoritarismus hängt deshalb mit Gehorsam zusammen. Stanley Milgram und Philip Zimbardo untersuchten Gehorsam unter simulierten, für Teilnehmende realistisch wirkenden Bedingungen. Karen Stenner versteht Autoritarismus nicht als Persönlichkeitsmerkmal, sondern als Reaktion auf Bedrohungen einer als normativ empfundenen Ordnung.
In der aktuellen Forschung steht meist Right-Wing-Authoritarianism (RWA) im Mittelpunkt. RWA ist eine relativ stabile ideologische Einstellung mit drei Bestandteilen: autoritäre Aggression, also Strafbedürfnis gegenüber Personen, die Normen verletzen; autoritäre Unterwürfigkeit gegenüber wahrgenommenen Autoritäten; und Konventionalismus, also Bindung an tradierte Werte. Menschen mit hoher RWA-Ausprägung sehen die Welt als gefährlich und streben nach Sicherheit und Ordnung. RWA gilt zusammen mit Sozialer Dominanzorientierung (SDO) als stärkster Prädiktor für Vorurteile und Ethnozentrismus. Konzepte eines Left-Wing-Authoritarianism (LWA) gibt es ebenfalls, sie sind aber weniger gut untersucht.
Nach Linz unterscheidet sich Autoritarismus vom Totalitarismus durch begrenzten Pluralismus, das Fehlen einer umfassend formulierten Ideologie und weder extensive noch intensive Mobilisierung. Der begrenzte Pluralismus ist das zentrale Merkmal: Der Handlungsspielraum politischer und gesellschaftlicher Akteure hängt weitgehend von der Staatsführung ab. Statt geschlossener Ideologien prägen eher Mentalitäten das System. Weil eine klare Ideologie fehlt, ist die Mobilisierungsfähigkeit geringer und die emotionale Bindung der Bevölkerung schwächer. Autoritäre Regime handeln daher pragmatisch und setzen allgemeine Werte wie Patriotismus, Nationalismus, Modernisierung und Ordnung durch.