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Übermäßiger Quintsextakkord
Der Ausdruck übermäßiger Quintsextakkord bezeichnet einen Akkord, der aus einer übermäßigen Sexte, reinen Quinte und großen Terz (jeweils in beliebiger …
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Definition und Grundform
Der übermäßige Quintsextakkord ist ein Akkord, der über seinem Basston aus einer übermäßigen Sexte, einer reinen Quinte und einer großen Terz besteht. Die Töne können dabei in beliebiger Oktavlage erscheinen. In der englischsprachigen Musiktheorie heißt er seit dem frühen 19. Jahrhundert German sixth chord.
In der Musik ab der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde dieser Akkord häufig verwendet. Typisch steht sein Basston auf der 6. Stufe einer Molltonleiter. Im Beispiel c-Moll ist das as. Die übermäßige Sexte ist dabei ein leiterfremder Ton, also ein Ton außerhalb der Tonleiter. Sie wirkt als Leitton zum 5. Ton der Skala.
Auflösung und Stimmführung
Wenn der Akkord direkt in den Dreiklang der V. Stufe, also in die Dominante, aufgelöst wird, können sogenannte Mozart-Quinten entstehen. Das sind Quintparallelen, die in der traditionellen Satzlehre meist vermieden werden.
Um diese Wirkung zu vermeiden, folgt häufig zuerst ein Vorhaltsquartsextakkord. Ein Vorhaltsquartsextakkord ist ein Akkord, bei dem Quart und Sexte als Vorhalte über dem Basston stehen und sich anschließend auflösen. Das Artikelbeispiel zeigt diese Lösung bei Ludwig van Beethoven, Variationen in c-Moll WoO 80, Thema.
Funktionstheoretische Deutung
In der Funktionstheorie wird der übermäßige Quintsextakkord, wenn er in der oben beschriebenen Weise verwendet wird, als Umkehrung eines Dominantseptnonakkords gedeutet. Dabei ist der Grundton verschwiegen, also nicht hörbar oder nicht notiert, und die Quinte ist tiefalteriert, also erniedrigt.
Seine Funktion ist dann die einer Doppeldominante. Eine Doppeldominante ist die Dominante zur Dominante: Sie zielt also nicht direkt auf die Tonika, sondern bereitet zunächst die Dominante vor.
Enharmonische Umdeutung
Die übermäßige Sexte kann enharmonisch als kleine Septime umgedeutet werden, und umgekehrt. Enharmonische Umdeutung bedeutet, dass ein Ton gleich klingt, aber anders benannt und dadurch harmonisch anders verstanden wird, zum Beispiel fis und ges.
Dadurch kann der übermäßige Quintsextakkord enharmonisch als Dominantseptakkord gedeutet werden, und auch ein Dominantseptakkord kann entsprechend umgedeutet werden. Diese Möglichkeit ist die Grundlage des Konzepts der Tritonussubstitution in der Jazzharmonik.
Beispiel bei Schubert
Als Beispiel für die enharmonische Umdeutung nennt der Artikel Franz Schuberts Klaviersonate in a-Moll, D 845, aus dem Jahr 1825. Die Stelle befindet sich im 1. Satz, Takt 18 f.
Das Beispiel zeigt, wie der Akkord durch Umdeutung seiner Töne eine andere harmonische Funktion erhalten kann. Entscheidend ist dabei die Umdeutung der übermäßigen Sexte zur kleinen Septime.
Weitere Verwendungen
Der Akkord kann auch entstehen, wenn eine Sixte ajoutée, also eine einem Durdreiklang hinzugefügte Sexte, hochalteriert wird. Hochalteriert bedeutet, dass ein Ton chromatisch erhöht wird.
Im 19. Jahrhundert wird der übermäßige Quintsextakkord zunehmend als alterierte Dominante oder als Zwischendominante verwendet. Dadurch löst er sich von seiner ursprünglichen Funktion als Prädominante. Eine Prädominante ist eine Harmonie, die zur Dominante hinführt.